Otto Strützel Auktion München Scheublein

Highlights 45. Kunstauktion: Gemälde von Otto Strützel aus der Sammlung Müller

Über 40 Gemälde und Zeichnungen Otto Strützels (1855 – 1930) aus dem Besitz von Erich und Thomas Müller vervollständigen den „Sammlungs-Dreiklang“, der das Bild der Sommerauktion 2019 entscheidend prägt. Die Offerte reflektiert die ganze Breite des Schaffens des Münchner Spätimpressionisten, von den Anfängen bis zum Spätwerk.

Schafe, Pferde und Kühe

„Im Frühling und im Herbst muss man draußen malen“, lautete die Maxime des aus Dessau stammenden Malers, der 1885 nach München übersiedelte. Ihr blieb er sein Künstlerleben lang ebenso verpflichtet wie einigen zentralen, sein gesamtes Werk prägenden Motiven: Ansichten der oberbayerischen, voralpinen Landschaft, Schafherden, Pferden und Kühen sowie der bäuerlichen Arbeit, die Strützel nicht verklärt darstellt, sondern auch ihre Härten und Mühen im Bild sichtbar werden lässt.

Otto Strützel Auktion München Scheublein

Otto Strützel, Schafstudien. Öl / Lwd. / Karton. Datiert 1890. Schätzpreis 500 Euro. 

Otto Strützel und das bäuerliche Leben

Da die Sammlerfamilie Müller, die die Arbeite teilweise über drei Generationen hinweg in ihrem Besitz hatte, der Landwirtschaft stets eng verbunden war, liegt hier auch ein Schwerpunkt der vorliegenden Sammlung. Das Spektrum reicht von Tierstudien zu Kühen, Pferden und vor allem Schafen bis zu eindrucksvollen Ölgemälden wie „Ochsen am Pflug im spätherbstlichen Dachauer Moos“ oder „Weidende Schafherde und Bauer mit Kuhgespann“.

Otto Strützel Auktion München Scheublein

Otto Strützel: Weidende Schafherde und Bauer mit Kuhgespann (Herbststimmung). Schätzpreis 3.500 Euro. 

Jahreszeit und Landwirtschaft

Jedes der beiden Bilder spiegelt die Schönheit von Landschaft und jahreszeitlicher Stimmung al mit allen Sinnen wahrgenommenen Eindruck wieder: Bei den Ochsen am Pflug meint man den Geruch der vom Pflug aufgerissenen Erdschollen förmlich zu richen. Bei der „Weidenden Schafherde…“ suggeriert der strahlend blaue, wolkendurchzogene Himmel und das noch kaum verfärbte Blattwerk der Bäume einen einladenden, fast noch spätsommerlichen Tag. Doch die beiden menschlichen Figuren bewegen sich keineswegs leichtfüßig durch die sonnendurchflutete Szenerie. Sie sind gebückt und gehen schweren Schrittes, müde von einem langen Arbeitstag.

Otto Strützel Auktion München Scheublein

Otto Strützel: Ochsen am Pflug im spätherbstlichen Dachauer Moos. Öl / Lwd. Schätzpreis 1.000 Euro.

Noch deutlicher wird dieser Aspekt bei den „Ochsen am Pflug…“: Tief sinken die Hufe der Tiere in den Morast ein, mit aller Kraft müssen sie sich gegen das Stirnjoch stemmen, um den Pflug in dem schweren Erdreich vorwärts zu bewegen. All dies sind Bildmotive, bei denen Otto Strützel seine spätimpressionistische Bildauffassung um realistische Aspekte erweitert.

Licht und Wetter

Otto Strützel Auktion München Scheublein

Otto Strützel, Vor dem Regen. Öl / Lwd., datiert 1930. Schätzpreis 700 Euro.

Seine reinen Landschaftsdarstellungen dagegen sind ganz von Licht- und Witterungsstimmungen geprägt – von den sich im Wasser spiegelnden Wolken und Berggipfeln im „Königssee“ (ganz oben) bis zur sich blaugrau vor schweren dunklen Wolken abzeichnenden Gebirgskette in dem späten, bei Ohlstadt entstandenen Gemälde „Vor dem Regen“.

Otto Strützel Auktion München Scheublein

Otto Strützel, Apfelblütenzweig und Schafstudien. Bleistiftzeichnung, tlw. aquarelliert. Schätzpreis 200 Euro.

Otto Strützel im Kontext der Münchner Malerei

„Wie bei den Malern der ,Scholle‘ wie z.B. bei Leo Putz oder Erler baut Strützel die Bildobjekte streng aus einzelnen Teilen zusammen, die sich dann zum Objekt zusammenfügen. Das Verschwimmende und Flimmernde wird hier gemieden. Klar konturiert in der Binnenfläche und im Umriss erscheint der Gegenstand“, schreibt der Kunsthistoriker Horst Ludwig anlässlich einer Strützel-Ausstellung in der Neuen Pinakothek. „Stilistisch gehören solche Arbeiten einem Impressionismus an, der von der expressiven Handschrift eines Corinth gleichermaßen entfernt ist wie von der feintonigen Freilichtmalerei eines Adolf Lier.“

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