Auktionsergebnisse 45. Kunstauktion: Picasso, Maulbertsch und Memento Mori

Eine Passage mit elfenbeinernen Memento Mori-Objekten, die mehr als 17.000 Euro* erlöste, war nur ein Highlight der trotz sommerlicher Temperaturen stark frequentierten Kunstauktion am 5. Juli. Zum Toplos der gesamten Auktion avancierte eine Lithographie von Pablo Picasso (1881 – 1973), „Jeune fille inspirée par Cranach“, die für 29.000 Euro* zugeschlagen wurde.

Toplos: Eine Picasso-Lithographie aus der Sammlung Kahn-Ackermann

Georg Kahn-Ackermann Auktion München Scheublein

Georg Kahn-Ackermann.

Das Blatt ist Teil der Sammlung des SPD-Politikers und ehemaligen Generalsekretärs des Europarats, Georg Kahn-Ackermann, die hundert Positionen mit Asiatika und vor allem Graphik der Klassischen Moderne umfasste – das Künstlerverzeichnis las sich wie ein Who’s Who der europäischen Kunst der 1920er- bis 1950er-Jahre. Neben weiteren Picasso-Graphiken standen vor allem eine Zeichnung von George Grosz („Beim Galeristen“, Ergebnis 3.300 Euro*) und eine Lithographie von Joan Miro („Quiri Quibú“, Ergebnis 1.260 Euro*) im Interesse der Bieter in Saal, Internet und am Telefon.

Spitzenobjekt bei den Altmeistern: Ein Heiliger Nepomuk in der Art von Maulbertsch

In der Art des Franz Anton Maulbertsch: Tod des Heiligen Nepomuk. Ölstudie / Lwd. Ergebnis 5.000 Euro*

Ein „Tod des Heiligen Nepomuk“ in der Art des österreichischen Barockmeisters Franz Anto Maulbertsch (1724 – 1796) entwickelte sich zum Toplos bei den Altmeistern. Die Ölskizze zeigt eindrucksvoll eine für den Spätbarock überaus modern anmutende Lichtführung. Dieser fast schon impressionistische Umgang mit Licht- und Schatteneffekten machte Maulbertschs Gemälde zu einer wichtigen Inspirationsquelle für die österreichische Moderne, unter anderem für Oskar Kokoschka. Die 38 x 23,5 cm große Studie wurde für 5.000 Euro* an einen privaten Sammler verkauft.

Beim Kunsthandwerk gesucht: Memento Mori-Objekte

Unter der oben erwähnten Passage mit Memento Mori-Objekten waren es vor allem zwei auf Sockel montierte Kleinplastiken, die großes Interesse auslösten: Ein Memento Mori, wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, in Form eines halb in den ersten Stadien der Verwesung, halb als Totenschädel gezeigten Männerkopfs kletterte von einer Taxe von 1.200 Euro bis auf einen Zuschlagspreis von 6.400 Euro*. Ein Totenschädel aus der gleichen Zeit, ebenfalls mit Fleisch- und Hautresten sowie mit einer Schlange und einer Echse dargestellt und auf 1.000 Euro geschätzt, stieg bis auf 6.900 Euro*, bevor der Hammer fiel.

Memento Mori mit Schlange und Echse, wohl 17./18. Jh., Elfenbein. Ergebnis 6.900 Euro*

Elfenbein war zur Zeiten der Vanitas-Kultur des Barock das bevorzugte Material für derartige Objekte: Sie wurden bei der Meditation über den eigenen Tod zur Intensivierung dieser Betrachtungen betastet; Elfenbein fühlt sich in ungeschliffenem Zustand an wie Knochen, und hat geschliffen eine Haptik, die feinporiger Haut vergleichbar ist. „Mit der Wahl des Materials Elfenbein gibt der Künstler dem Betrachter alle erdenklichen Meditationshilfen zur Vergegenwärtigung des eigenen Todes an die Hand“, schreibt die Kunsthistorikerin Andrea von Hülsen-Esch. Was für unsere heutigen Verhältnisse so abschreckend klingt, hatte für den Andacht Übenden der Barockzeit allerdings auch eine tröstliche Komponente: Seine Meditation galt nicht nur dem Ende der jetzigen, irdischen Existenz, sondern auch zur Veranschaulichung von Auferstehung und Ewigem Leben.

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