Die Top Ten des Auktionsjahrs 2019 (I): Asiatika, Altmeister und mehr
Die zehn Spitzenlose ziehen sich bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen dieses Jahr quer durch alle Kategorien. Entdecken Sie hier die ersten fünf Topseller aus den Kategorien Asiatika, Klassische Moderne, Altmeister, Skulptur und Kunsthandwerk.
1. Asiatika: Drei indopersische Miniaturen
Sie entwickelten sich nicht nur zum Überraschungslos der Auktion am 29. November. Sie wurden mit einem Ergebnis von 32.800 Euro* auch zum Spitzenobjekt des gesamten Auktionsjahrs 2019: Drei im persischen bzw. indopersischen Raum entstandene Miniaturen aus dem 17./18. Jahrhundert, die in herausragender Qualität gearbeitet sind.

Drei Miniaturen, Persisch / indopersisch, 17./18. Jh. Versteigert am 29.11. 2019. Ergebnis 32.800 Euro*
Zwei der drei Blätter zeigen Liebesszenen, wie sie vor allem für die persische Miniaturkunst des 17. Jahrhunderts üblich waren. Im 18. Jahrhundert bildete sich dann ein neues Genre mit Blumen- und Vogelmotiven aus.
Generell beheilt die persische Miniaturmalerei über Jahrhunderte hinweg ihre ursprüngliche Aufgabe bei, Mythologie und Dichtkunst zu illustrieren. Deshalb fielen ihre Blütezeiten stets mit besonders fruchtbaren Phasen der persischen Literaturgeschichte zusammen. Auch bei den vorliegenden erotischen Szenen ist anzunehmen, dass sie im Kontext zeitgenössischer Liebesliteratur stehen.
2. Klassische Moderne: Eine Lithographie von Pablo Picasso
Eine Graphik von Pablo Picasso aus dem Besitz des SPD-Politikers Georg Kahn-Ackermann (1918 – 2008) erlöste mit 29.000* Euro den besten Preis des Jahres bei Objekten der Klassischen Moderne. SCHEUBLEIN Art & Auktionen hatte am 5. Juli die gesamte Kunstsammlung des Journalisten und Willy Brandt-Weggefährten versteigert. Als Enkel der Impressionistin Maria Slavona (1865 – 1931) verkehrte er nicht nur mit den politischen Eliten seiner Zeit, sondern hatte in seinem Haus am Starnberger See auch zahlreiche Künstler und Schriftsteller zu Gast.
Diesen offenen, freien Geist reflektierte auch Kahn-Ackermanns Kunstsammlung. Deren Highlight, die 1949 entstandene Lithographie “Jeune fille inspiré par Cranach” ist ein spannendes Beispiel für Pablo Picassos Auseinandersetzung mit dem Renaissancekünstler. Das Blatt bietet eine kreativ überformte Sicht auf Lucas Cranachs “Bildnis der Prinzessin Sybille von Cleve” aus dem Jahr 1526.
3. Altmeister: Bildnis des Prinzen Eugen von Sachsen-Hildburghausen
Ein um 1765 entstandenes Bildnis des Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen avancierte mit einem Zuschlagspreis von 25.200* Euro zum besten Los des Jahres 2019 in der Kategorie Alte Meister. Das Gemälde, das im März 2019 in einer Passage mit mehreren hochkarätigen Porträts aus dem 17. und 18. Jahrhundert unter den Hammer kam, wird Johann Valentin Tischbein (1715 – 1768) zugeschrieben.

Johann Valentin Tischbein (zugeschrieben), prinz Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen. Versteigert am 29. März 2019. Ergebnis 25.200 Euro*.
Ab 1864 war dieser als Hofmaler am Hof des Herzogs Ernst Friedrich III. Carl in Hildburghausen. Dessen jüngerer, auf dem vorliegenden Porträt dargestellte Bruder Eugen hatte sich, da er in der Erbfolge zurückstand, nach seiner Kavalierstour durch Europa zunächst einer Militärkarriere verschrieben. 1760 kehrte er in das heimatliche Herzogtum zurück, wo er – unter anderem – im Kloster Veilsdorf eine der ältesten Porzellanmanufakturen Deutschlands gründete.
4. Skulpturen: Ein klassizistisches Relief
Das Spitzenlos bei den Skulpturen, versteigert am 20. September 2019, greift ein beliebtes Sujet der Goethezeit auf: die Liebesgeschichte von Amor und Psyche. Das klassizistische, in großen Teilen äußerst minutiös gearbeitete Marmorrelief aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts zeigt den Moment, in dem die von Windgott Zephyr zu einem ihr unbekannten Geliebten entführte Psyche dessen wahre identität erkundet. Sie schleicht sich mit einer Öllampe zu dem schlafenden Amor. Entzückt von seiner Schönheit und bestärkt in ihrer Liebe tritt sie näher heran, um den Geliebten zu betrachten. Dabei verbrennt sie ihn unabsichtlich durch einen Trophen heißen Öls, der aus ihrer Lampe fließt. Dass sie ihm in der vorliegenden Darstellung auch einen Pfeil entwendet, symbolisiert, dass auch Amor in ewiger Liebe zu ihr entflammt ist. Das Relief kletterte bis auf 15.000* Euro und ging in den Kunsthandel.

Relief “Psyche und der schlafende Amor”, Marmor, 1. Viertel 19. Jh. Versteigert am 20. September 2019. Ergebnis: 15.000 Euro*.
5. Kunsthandwerk: Ein Memento Mori aus Elfenbein
Aus einer Passage mit elfenbeinernen Memento Mori-Objekten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die in der Juli-Auktion generell sehr gefragt waren, stammt das hochpreisigste Los aus dem Bereich Kunsthandwerk: Ein Totenschädel mit Schlange und Echse, angesetzt mit 1.000 Euro, zugeschlagen schließlich für 6.900 Euro*.

Memento Mori, wohl 17./18. Jh., Elfenbein, geschnitzt. Versteigert am 5. Juli 2019. Ergebnis 6.900 Euro*
Ursprünglich hatten Objekte wie dieses der religiösen Andacht gedient: Gerade ungeschliffene und geschliffene Elfenbeinoberflächen, die in der Haptik an Knochen beziehungsweise feinporige Haut erinnern, halfen zur Barockzeit dem Meditierenden, sich durch das Betasten eines plastisch gestalteten Memento Moris die eigene Vergänglichkeit zu vergegenwärtigen – und sich bewusst zu machen, dass nach dem Ende des irdischen das Ewige Leben wartet.
Auktionsergebnisse 29. November (II): München, Möbel, Wein
Ein Schwerpunkt der 47. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen hatte auf Objekten gelegen, die eng mit München und Münchens Stadtgeschichte verwoben waren. Sie standen auch in der Bietergunst hoch und sorgten für eindrucksvolle Auktionsergebnisse: Ein Pokal, den Wilhelm von Miller für seinen Bruder Oskar anfertigen ließ, avancierte mit einem Zuschlagspreis von 5.000 Euro* gar zum Toplos der Kategorie Silber.
Ein Pokal für Pioniere
Sowohl Oskar wie auch Wilhelm von Miller waren Pioniere auf dem Gebiet der modernen Naturwissenschaft: Oskar von Miller als Bauingenieur und Experte für Wasserkraft-Turbinen und Elektrotechnik, Wilhelm als einer der führenden Spezialisten auf dem für die erstarkende deutsche Industrie eminent wichtigen Gebiet der Elektrochemie.

Adolf Halbreiter: Heiliger Georg mit dem Drachen. Bronze, goldfarben und polychrom gefasst. Ergegnis: 5.000 Euro*
Um hier die Forschung voranzutreiben, richtete Oskar von Miller für seinen Bruder an der noch jungen Technischen Universität München ein Labor ein. Wilhelm bedankte sich mit einem Pokal, dessen Fuß in Gestalt eines auf einem Elektromotor stehenden Puttos den neuen Zeiten huldigt; in die Kuppa eingraviert wurde die Fassade des TU-Gebäudes an der Arcisstraße, das während des Zweiten Weltkriegs ein Opfer der Bomben wurde. Das Kleinod ging nach einem intensiven Bietergefecht an einen privaten Interessenten.
Sehr gefragt: Möbel
Gleich zwei Highlights waren in der November-Auktion bei den Möbeln zu verzeichnen: Ein im 19. Jahrhundert angefertigter, prunkvoller Wellenschrank in für derartige Stücke höchst ungewöhnlicher Aufsatz-Form entwickelte sich im lauf eines intensiven Bietergefechts von einem Schätzpreis von 3.000 Euro bis zu einem Zuschlagspreis von 5.500 Euro*.
Handwerkliches Meisterstück: Ein Halb-Globus-Nähtisch
Eine noch deutlichere Steigerung konnte ein mit 500 Euro angesetzter Halb-Globus-Nähtisch verzeichnen: Das Biedermeier-Objekt wurde schließlich für 4.300 Euro* zugeschlagen. Der Ursprung dieser handwerklich herausfordernden Form ist in Ungarn zu suchen, wo der Tischlergeselle Gabor Kornis bereits 1806 einen Globus-Nähtisch als Meisterstück vorstellte. nur ein Jahr später ließ sich der erfindungsfreudige Londoner Schreiner George Remington, der sich auch mit der Entwicklung von Ausziehmechanismen für Esstische hervortat, für die Fertigung von Globustischen ein Patent erteilen. Weitere Globus-Tische entstanden um 1825 in Wien. Solche komplett runden Nähtische sind nicht nur in ihrer Herstellung höchst komplex, sie wurden auch stets als Präsentiermöbel eingesetzt und, der besonders eindrucksvollen Wirkung wegen, in der Mitte eines Raums aufgestellt.
Anders als komplett gerundete Globus-Nähtische hat der vorliegende Nähtisch nur einen halbkugelförmigen Bauch, in den eine Vielzahl von Fächern eingearbeitet ist. Das oberteil besteht aus einer flachen, klappbaren Platte. Dennoch ist zu vermuten, dass auch dieser Nähtisch nicht nur rein praktischen, sondern auch repräsentativen Zwecken diente.
Ein legendärer Bordeaux
Eine Doppelmagnum Grand Cru, Jahrgang 1982, aus dem legendären Bordeaux-Weingut La Mission Haut Brion wechselte für gut 4.000 Euro* den Besitzer. Eindrucksvoll bei diesem Wein ist nicht nur die exzeptionelle Qualität – Weinpapst Robert Parker bewertet ihn zweimal mit 100 Punkten und attestiert ihm Entwicklungspotential bis ins Jahr 2060.
Der Jahrgang 1982 stellt auch einen Markstein in der Geschichte des Weinguts dar: Er wurde aus der letzten Ernte gekeltert, die noch unter der alteingesessenen Besitzerfamilie Wolter eingefahren wurde. Sie verkaufte das Gut 1983 an die weinverrückte amerikanische Familie Dillon, die seit 1935 bereits das auf der anderen Straßenseite liegende Chateau haut Brion bewirtschaftete. Doch den Dillons gelang es, die Qualität der La Mission haut Brion-Weine auf absolutem Spitzenlevel zu halten.
Auktionsergebnisse 29. November (I): Asiatika, Skulptur, Gemälde, Graphik
Eine fast vollständig verkaufte Passage mit knapp 40 Positionen Wein stand bei der 47. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen ebenso im Zentrum des Bieterinteresses wie die Kategorien Graphik, Gemälde und Skulpturen. Üerflügelt allerdings wurde alles von einem Los der Kategorie Asiatika: Es umfasste drei Miniaturen aus dem persischen bzw. indopersischen Raum, die auf das 17./18. Jahrhundert zurückgehen. Sie kletterten im Verlauf eines packenden Bietergefechts mit Interessenten im Saal, am Telefon und im Internet bis auf einen Zuschlagspreis von 32.800 Euro*.
Asiatika: Indopersische Illustrationen
Zwei der drei in herausragender Qualität gearbeiteten Blätter zeigen Liebesszenen, wie sie vor allem für die persische Miniaturkunst des 17. Jahrhunderts üblich waren, während sich im 18. Jahrhundert ein neues Genre mit Blumen- und Vogelmotiven herausbildete.
Generell erhielt die persische Miniaturmalerei über Jahrhunderte hinweg ihre ursprüngliche Aufgabe bei, Mythologie und Dichtkunst zu illustrieren; deshalb fielen ihre Blütezeiten stets mit besonders fruchtbaren Phasen der persischen Literaturgeschichte zusammen.
Auch bei den vorliegenden erotischen Szenen ist anzunehmen, dass sie im Kontext zeitgenössischer Liebesliteratur stehen. Die drei Blätter gingen in den internationalen Kunsthandel.

Drei Miniaturen. Persisch/ indopersisch, 17./18. Jh.
Deckende und lasierende
Farben, tlw. mit Gold,
auf Papier. Ergebnis 32.800 Euro*.
Skulptur: Thronende Madonna mit Mondsichel
Eine in Süddeutschland entstandene Muttergottes aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich zum ‚Spitzenobjekt bei den Skulpturen. Sie stieg von ihrem mit 5.000 Euro angesetzten Schätzpreis bis auf 9.500 Euro*, bevor der Hammer fiel.

Thronende Muttergottes mit Kind. Süddeutsch, 2. Hälfte 17. Jahrhundert. Holz, geschnitzt.
Ergebnis 9.500 Euro*.
Die in Holz geschnitzte Skulptur entspricht dem klassischen Typus der thronenden Madonna. Durch die Mondischel, auf die die sitzende Figur ihren Fuß setzt, wird sie aber zugleich auch in die Nähe der meist stehend dargestellten „Mondsichelmadonnen“ gerückt – ein Bildtypus, bei dem die Muttergottes mit dem „Apokalyptischen Weib“ der Johannes-Apokalypse verschmolz.
Gemälde: Chiemsee, Kühe und ein Blumenstrauss
Drei Ölskizzen von Malern, die München und Oberbayern sehr verbunden waren, bildeten die Spitzenlose bei den Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts.
Ein auf 800 Euro taxierter „Chiemseefischer“ des an der Kunstakademie in München ausgebildeten Adolf Heinrich Liehr (1826 – 1882 ) kletterte bis auf 6.950 Euro*.
Die Landschaftsdarstellung „Kühe auf der Weide“ des gebürtigen Krakauers Roman Kochanowski (1856 – 1945), der ab 1880 in München lebte, wurde für 5.700 Euro* zugeschlagen.
Ein Blumenstilleben des dem Leibl-Kreis zuzurechnenden Malers Wilhelm Trübner (1851 – 1917) schließlich erlöste 5.300 Euro*.
Graphik: Frauen und Elfen
Eine Zeichnung mit schwarzer Kreide aus dem wohl unstetesten Jahrzehnt in der Biographie von Gabriele Münter (1877 – 1962) entwickelte sich zum Toplos bei der Graphik. Das auf 1925 datierte Blatt „Ruhende“ wurde für 5.300 Euro* verkauft und ging in den Kunsthandel. Aquarellierte Elfen und Wichtel der Schweizer Künstlerin Mili Weber erfreuen sich anhaltend großer Beliebtheit. Die drei bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Blätter erzielten insgesamt 6.800 Euro*; der höchste Preis wurde für einen „Kleinen Blumenelf im Mondenschein“ bezahlt, der für 3.000 Euro* zugeschlagen wurde.
Highlights der 47. Kunstauktion: München im Blick
Diverse Objekte, die ein Stück Münchner Stadtgeschichte erzählen, stellen einen weiteren Schwerpunkt der Auktion am 29. November dar. Besonders im Blickpunkt stehen eine Statue des Heiligen Georg von Adolf von Halbreiter (1839 – 1898), ein für Oskar von Miller gefertigter Pokal aus der Werkstatt von Theodor Heiden sowie eine 1914 für das Feinkosthaus Alois Dallmayr abgefüllte Flasche Armagnac.
Ritter ohne Furcht und Tadel

Adolf Halbreiter: Heiliger Georg mit dem Drachen. Bronze, goldfarben und polychrom gefasst. Schätzpreis 1.000 Euro.
Die Statue des Heiligen Georgs geht auf eine Glanzzeit des Münchner Goldschmiedehandwerks zurück. Ihr Urheber, Adolf Halbreiter (1839 – 1898) hatte nicht nur eine Ausbildung im Bayerischen Kunstgewerbeverein genossen, sondern auch an der Kunstakademie unter Hiltensperger und Widmann Bildhauerei studiert, bevor er nach Paris ging, um unter anderem bei Charles Christofle seine Fertigkeiten als Silberschmied und Ziseleur zu verfeinern.
Als er 1871 nach München zurückkehrte und seine eigene Werkstatt gründete, blühte das Kunsthandwerk – zum einen aufgrund der endgültigen Auflösung alter, noch im Zunftwesen begründeter Strukturen, zum anderen durch die vielfältigen Kunstinteressen Ludwigs II.
Der Goldschmied und der König
Zwischen dem Monarchen und Adolf Halbreiter entwickelte sich binnen Kurzem eine intensive Verbindung. Als der Goldschmied 1878 einen Ruf an die Kunstgewerbeschule Dresden erhielt, ernannte ihn der bayerische König zum Titular-Professor und erteilte ihm lukrative Aufträge, um ihn in München zu halten.
Der Heilige Georg als Ritter ohne Furcht und Tadel, wie ihn Halbreiter darstellt, war zur Zeit Ludwigs II. ein durchaus beliebtes Motiv. Zum einen bediente er historistische Träumereien vom Glanz des Mittelalters, zum anderen war es der König selbst, der den Heiligen ins Zentrum der Aufmerksamkeit, auch bei der Bevölkerung rückte. Ludwig II. war nicht nur Großprior des bayerischen Georgsordens, sondern hatte auch persönlich eine starke Beziehung zu dem Heiligen, die sich in diversen Taschenuhren mit Georgsbildnissen aus seinem Besitz, aber auch an der Georgsdarstellung an der östlichen Giebelfront von Schloss Neuschwanstein ablesen lässt.
Selbstbewusst in neue Zeiten
Der 1897 gefertigte “Elektropokal” legt in vielerlei Hinsicht ein beredtes Zeugnis für ein spannendes Stück Münchner Stadt- und Wissenschaftsgeschichte ab – nicht nur, weil er aus der Werkstatt des Hofgoldschmieds Theodor Heiden stammt, im ausgehenden 19. Jahrhundert eine der besten Adressen für repräsentative Gold- und Silberpräsente, mit Kunden im gesamten deutschen Hochadel.

Pokal, München, um 1897, Theodor Heiden. Mit Widmung für Oskar von Miller. Silber, tlw. vergoldet. Schätzpreis 800 Euro.
Ein Pokal für Oskar von Miller
Bestellt wurde das edle Objekt, wie die Inschrift verrät, vom Chemiker Wilhelm von Miller, der gerade dabei war, sich auf einen der Schlüsselbereiche der erstarkenden Industrie zu spezialisieren: der Elektrochemie. Das nötige Labor an der noch jungen Technischen Universität hatte ihm kein geringerer als sein Bruder Oskar von Miller eingerichtet, zu dieser Zeit bereits höchst renommierter und dekorierter Bauingenieur und selbst längst Pionier der Elektro- und Wasserkraft-Turbinentechnik.
Gleichzeitig kündet er Pokal, den Wilhelm Oskar als Dank für dieses Laboratorium anfertigen ließ, auch von einem Dilemma, in das die um sich greifende Technisierung Ende des 19. Jahrhunderts Kunst und Gesellschaft riss: Welchen Rang sollten die zur Ausbildung von Ingenieuren nötigen Technischen Hochschulen innerhalb des Bildungskanons haben? Und wie nähert man sich diesen unbeseelten, emotionsfreien Themen als Künstler?
Heiden bediente sich einer damals gängigen Lösung, in dem er tradiertes, schmückendes Personal – hier einen Putto – mit einer greifbaren Segnung der neuen Technik, einem Elektromotor, verquickte. Und er gravierte auf die Kuppa des Pokals die Fassade des im II. Weltkrieg zerstörten Hochschulgebäudes an der Arcisstraße – seit seiner Errichtung zwischen 1864 und 1868 ein überaus greifbares Beispiel für das neue Selbstbewusstsein der technischen Wissenschaften. “schon die Wahl des Standorts (…) in direkter Nachbarschaft zu den Antikensammlungen und Pinakotheken lässt keinen zweifel an der Absicht aufkommen, dass sich die neue Bildungsinstitution (…) in den Kanon musischer Bildung integrieren sollte”, so der Architekturhistoriker Andreas Lepik, “ihm aber auch selbstbewusst gegenüber stand.”
Aus der Gascogne nach München
Das letzte prominente Objekt aus dem München-Kanon der 47. Kunstauktion erzählt ein ganz besonderes Stück Genussgeschichte.

Eine Flasche Vieil Armagnac, Goudoulin, abgefüllt für das Maison Alois Dallmayr 1914. Schätzpreis 700 Euro.
Der Vieil Armagnac, 1914 abgefüllt für das Münchner Wein- und Delikatessenhaus Alois Dallmayr, trägt bereits den namen von Jeanne Ménal Goudoulin, die erst wenige Jahre zuvor in das Weingut Domaine de Bigor in Courrensan eingeheiratet hatte. Schon seit Generationen wurden hier Armagnacs gebrannt, doch erst Jeanne Ménal Goudoulin war es, die das Haus zwanzig Jahre später zur Weltmarke ausbaute. Zugleich belegt die vorliegende Flasche auch den Rang, den das Haus Dallmayr um 1900 einnahm: Es gehörte zu den führenden Delikatessenhäusern Europas, zählte Fürsten- und Königshäuser und sogar den deutschen Kaiserhof zu seinen Kunden, beschäftigte an die 70 Mitarbeiter und verfügte über ein ganz Europa umspannendes Netz an Produzenten von Weinen und Nahrungsmitteln bester Qualität.
Highlights der 47. Kunstauktion: Hinterglasbilder aus China
Im Blickpunkt bei den Asiatika steht eine 18 Positionen umspannende Sammlung mit höchst ungewöhnlichen Objekten: in China angefertigten Hinterglasbildern.
Von Europa ins Reich der Mitte
Mit ihr öffnet sich ein ganz besonderer Schatz. Denn die Hinterglastechnik ist eine der wenigen Kunstformen, die nicht aus Fernost nach Europa gelangten. Vielmehr wanderte sie in umgekehrter Richtung mit Spiegeln, Flachgläsern und jesuitischen Missionaren nach Osten und konnte ab dem 17. Jahrhundert im Reich der Mitte Fuß fassen.
Die Motive wandeln sich
Zunächst wurden die Bilder vor allem für den Export nach Europa hergestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber verbreiteten sie sich auch in China selbst als beliebter Wandschmuck. Entsprechend passten sich die Sujets und Malstile, die sich zuvor an europäischen Kriterien orientiert hatten, nun dem chinesischen Geschmack an. Beliebt waren erotische, aber auch literarische und mythologische Darstellungen.

Guanyin mit Kind, auf einem Qilin reitend. Position mit zwei Hinterglasbildern, China. Schätzpreis 200 Euro.

Zwei Hinterglasbilder: Junge Frauen mit Fächer. China, wohl 1. Viertel 20. Jh. Schätzpreis 120 Euro.
Schönheit und reiche Nachkommen
Des weiteren gab es Porträts von nach der Mode der Zeit gekleideten Frauen oder auch, auffällig häufig, kleine Knaben, die Früchte mit vielen Kernen essen. Das Motiv verhieß reiche Nachkommenschaft. Nicht umsonst bedeutet das entsprechende Schriftzeichen sowohl “Sohn” wie auch “Kern”.

Knabenbildnisse, einmal mit der Mundorgel Sheng, einmal beim Melonenessen. Position mit insgesamt drei Hinterglasbildern, China. Schätzpreis 120 Euro.
Highlights der 47. Kunstauktion: Aquarelle von Mili Weber
Bei der Graphik wartet in der Weihnachts-Auktion am 29. November eine zauberhafte Überraschung auf Romantiker und Märchenliebhaber: Drei Aquarelle der Schweizer Malerin Mili Weber (1891 – 1978), deren Werk vielen Besuchern von Kindesbeinen an unbewusst vertraut sein dürfte. Ihre Blumenkinder, Elfen und Pilzwichtel schmücken seit Generationen unzählige Poesiealben, Bilderbücher oder Fleißbildchen aus der Grundschule.
Mili Weber: Liebe zum Reich der Phantasie
Tatsächlich studierte die schon als Mädchen phantasiebegabte Künstlerin aus der Uhrenstadt Biel nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin von 1912 bis 1914 Malerei an der renommierten Privatakademie von Heinrich Knirr in München. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte Weber in die Schweiz zurück, wo sie sich auf Ausmalbilder und Märchenillustrationen spezialisierte. Als ihr Bruder, der Architekt Emil Weber, 1917 in Sankt Moritz ein Haus mit Architekturbüro und Werkstätten, aber auch als Heim für seine ganze Familie baute, zog Mili Weber zu ihm.
Ein Haus wie ein Märchen
Von da an lebte die Malerin bis zu ihrem Tod in diesem Haus, das sie peu à peu in ein Gesamtkunstwerk verwandelte: Möbel, Decken, Wandvertäfelungen – selbst im Badezimmer – wurden von ihr mit Märchenfiguren und -szenen bemalt. Eine von der Künstlerin gestaltete Puppenstube nimmt einen ganzen Raum ein. Ein weiterer Raum ist mit einer Orgel gefüllt, die Mili Weber als Honorar für die Ausmalung eines Kinderzimmers erhielt.
Das Mili Weber-Haus – Ein bezauberndes Museum
Im Jahr nach ihrem Tod wurde das oberhalb des Sankt Moritzersees gelegene Haus als Museum eröffnet. Da die Zimmer sehr klein sind, kann es allerdings nur im Rahmen einer Führung besucht werden, für die man sich am besten vorher anmeldet. Bis 3. Dezember gibt es immer Mittwochs und Freitags eine Nachmittagsführung, ab 4. Dezember sind zwischen Mittwoch und Sonntag jeweils zwei nachmittägliche Führungen angesetzt. Zum hundertjährigen Jubiläum des Mili Weber-Hauses wurde zudem ein Spazierweg mit acht Stationen eingerichtet, auf dem man, mit herrlichem Blick auf See und Berge, verschiedene Stationen im Leben der Künstlerin nachvollziehen kann.
Mili Weber-Aquarelle in der Weihnachtsauktion
Ganz ohne Führung besichtigen und ersteigern können Sie die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Aquarelle “Blumenkind”, “Wintermärchen” und “Kleiner Blumenelf im Mondenschein” (oben, Schätzpreis 1.200 Euro). Sie sind typische Beispiele für Mili Webers zarten, märchenhaften Stil und berühren nicht nur die Herzen von Kindergarten- oder Grundschulkindern.
Highlights der 47. Kunstauktion: Mörser aus Bronze
Eine neun Positionen umfassende Sammlung von Bronzemörsern steht in der Auktion am 29.11. nicht nur im Blickpunkt beim Kunsthandwerk, sie spannt auch den Bogen vom 15. Jahrhundert bis in den Historismus.
Der Mörser: Ein Unsterblicher und seine Geschichte
“Der Mörser ist der einzig Unsterbliche in den Laboratorien, Apotheken, in den Alchimistenstuben, in Werkstätten und Küchen”, schreibt der Kunsthistoriker Alfred Ritter Walcher von Molthein über eines der ältesten Küchen- und medizinischen Geräte der Menschheit.
Holz, Stein und Eisen
Tatsächlich ist das ursprünglich aus hartem Holz oder Stein gefertigte Gefäß zum Zerstoßen und Zerreiben von Pflanzen und Mineralien seit der Jungsteinzeit ununterbrochen im Einsatz. Die vorliegende Sammlung umfasst ausschließlich Mörser aus Bronze, wie sie in Europa seit dem späten Mittelalter hergestellt wurden.
Glocken, Mörser und Kanonen
Meist kamen sie aus Gießereien, die aus schweren Metallen auch Glocken und Kanonen fertigten. Kein reiner Zufall: Als Gerät waren Mörser unmittelbar mit dem Aufkommen der ersten Feuerwaffen im 14. Jahrhundert verbunden – man benötigte sie für das Zerreiben der Zutaten von Schwarzpulver. Und sie waren, obwohl ausschließlich mit der Hand benutzt, durch das Stösseln ähnlich extremen Belastungen ausgesetzt wie Glocken oder Kanonenrohre.
Muster als Schutz
Nicht selten bekamen die Bronzekörper im unteren Bereich Risse. Eine Ausstattung mit Längsrippen, beispielsweise bei zwei süddeutschen Mörsern, hatte deshalb nicht nur dekorative Funktion, sondern trug auch zur Stabilität des Gefäßes bei.
Auch das bis ins 18. Jahrhundert verbreitete Dekor mit Querrippen, die den unteren Teil des Mörser umlaufen, diente der Verstärkung dieses besonders beanspruchten Bereichs.

Großer Mörser, wohl Nürnberg, 18. Jh., Bronze mit geschnittenem floralem Ornamentdekor. Schätzpreis 2.500 Euro.
Weiterentwicklung in Form und Technik

Mörser mit Akanthusbordüren, Italien oder Süddeutschland, 16./17. Jh. Bronze. Schätzpreis 1.000 Euro.
Weitere Mörser, beispielsweise ein Exemplar mit Akanthus-Dekor wohl aus dem 16./17. Jahrhundert zeugen von der enormen Weiterentwicklung der höchst komplexen Bronzeguss-Technik an der Schwelle zur Renaissance.
Die elf Positionen umfassende Sammlung zeigt die große formale und technische Spannweite in er Entwicklung dieses Gerätes von der späten Gotik bis zum Historismus auf.
Nachlese zur Auktion vom 25.10.: Silber, Asiatika und eine venezianische Nacht
Unter intensiver Beteiligung von Bietern im Saal und im Internet verlief am 25. Oktober die Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen. Besonders großes Interesse rief dabei das Angebot an Silber, Schmuck, Glas und Porzellan hervor, die nahezu vollständig verkauft wurden. Viele Spitzenlose waren beim Kunsthandwerk und den Gemälden des 19. Jahrhunderts zu finden; gleich eine ganze Reihe an Top-Zuschlägen konnte die Kategorie Asiatika verzeichnen.
Toplos: Eine Holzstele mit Buddha und Fabelwesen
Hier wurde auch der insgesamt höchste Preis dieser Auktion erzielt: Eine große, geschnitzte Holzstele mit roter und goldfarbener Fassung, die einen Buddha, umgeben von Drachen und Fabelwesen zeigt, konnte ihren Schätzpreis verzehnfachen. Sie kletterte bis auf 6.300 Euro*, bevor der Hammer fiel.
Ebenfalls gefragt: Rotlack-Schnitzerei und Keramik
Eine chinesische Rotlackvase in Doppelkürbisform wurde für 4.800 Euro* zugeschlagen.
Das aufwendig gearbeitete Objekt ist ein eindrucksvolles Beispiel für die berühmten, höchst kunstvoll gearbeiteten Schnitzlackarbeiten aus dem Reich der Mitte: Auf einen Trägerkörper werden unzählige Lacklagen aufgetragen, die in der Summe eine Tiefe von mehr als einem Zentimeter erreichen können. In diese Lackschichten werden dann mehrere Millimeter tiefe Muster und Figuren eingeschnitten, die sich zu einem reliefartigen Bild vereinen. Diese Technik verlangt von dem ausführenden Kunsthandwerker ungeheure Präzision, da Korrekturen praktisch unmöglich sind und ein einziges Abgleiten des Messers ein komplettes Werkstück verderben kann.
Ein drittes Toplos der Kategorie Asiatika war eine große Deckelvase aus bemalter Keramik mit einem Fo-Hund als
Deckelknauf. Sie wurde für 1.500 Euro* verkauft.
Erleuchtung beim Kunsthandwerk
Im Blickpunkt beim Kunsthandwerk stand ein geschnitzter Elfenbein-Kerzenschirm, der seinen Schätzpreis mehr als verdoppeln konnte und fast 1.900 Euro* erlöste. Solche Diaphanien mit figürlichen Reliefdarstellungen, die vor Kerzen gestellt wurden und dann ein vielschichtiges, leuchtendes Bild preisgaben, wurden im Lauf des 19. Jahrhunderts sehr populär, nachdem bereits im späten 18. Jahrhundert erste Lichtschirme aus Porzellan gefertigt worden waren. Im Unterschied zu diesen waren Diaphanien aus anderen lichtdurchlässigen Materialien – wie etwa, beim vorliegenden Objekt, Elfenbein – erheblich plastischer ausgearbeitet und erfüllten nicht nur in hinterleuchtetem Zustand, sondern auch bei Tageslicht dekorative Zwecke.

Kerzenschirm, 19. Jh. Elfenbein, geschnitzt. Ergebnis 1.890 Euro*. Das Objekt kam in der Auktion am 25.10.19 bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen München zur Versteigerung.
Auch die als Motiv gewählte Schutzengel-Darstellung ist für derartige Kerzenschirme typisch: Sie zeigten meist fast naive, religiös inspirierte Szenen, wie sie der Geisteshaltung der Biedermeierzeit entsprachen. Das vorliegende Objekt ging in den europäischen Kunsthandel.
Eine Nacht in Venedig
Den besten Preis bei den Gemälden
erzielte eine nächtliche Venedig-Ansicht von Conrad Hoff (1816 – 1883).

Conrad Hoff (1816 – 1883), Nacht in Venedig. Ergebnis: 3.500 Euro*. Das Objekt kam in der Auktion am 25.10.19 bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen München zur Versteigerung.
Dem gebürtigen Schweriner fehlten in jungen Jahren die finanziellen Mittel, um seine Ausbildung an der Kunstakademie in Dresden abzuschließen; deshalb verdingte sich Hoff als Illustrator für Buchverlage und bei verschiedenen Auftragsarbeiten, unter anderem in Wien. Von dort aus unternahm er eine ausgedehnte Studienreise nach Venedig. Die dort entstandenen Skizzen bildeten später die Basis diverser Venedig-Ansichten, gerne in nächtlicher Stimmung, wie beim vorliegenden Bild. Es wurde für 3.500 Euro* zugeschlagen.
Highlights der Fundgrube-Auktion am 25. Oktober: Licht und Landschaft
Ein reiches Angebot an Silber, Porzellan, Möbeln und Graphik flankiert die 113 Positionen mit Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts, die im Zentrum der Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 25. Oktober stehen. Wie stets bietet die „kleine“ Auktion des am Münchner Goetheplatz ansässigen Hauses in allen Kategorien Trouvaillen auch für den kleinen Geldbeutel, die darauf warten, entdeckt zu werden. Besonders interessante Objekte sind diesmal bei den Asiatika und beim Kunsthandwerk zu finden.
Schöner Schein
Hier steht ein geschnitzter Elfenbein- Kerzenschirm aus dem 19. Jahrhundert (Schätzpreis 800 Euro) besonders im Blickpunkt. Derartige Objekte kamen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert auf und waren zunächst vor allem aus Porzellan gefertigt – wenn es gelingt, den Scherben sehr, sehr dünn zu halten, hat er transluzide Qualitäten. Ergänzend zu diesen sogenannten Lithophanien aus Biskuitporzellan kamen im Lauf des 19. Jahrhunderts auch Diaphanien aus anderen lichtdurchlässigen Materialien wie Elfenbein auf. Sie wurden meist erheblich plastischer ausgearbeitet als ihre Pendants aus Porzellan und erfüllten so nicht nur in hinterleuchtetem Zustand, sondern zu jeder Tageszeit dekorative Zwecke und gaben ihr Bild preis.

Lichtschirm, 19. Jahrhundert. Elfenbein, geschnitzt (Detail). Das Reliefdekor zeigt einen Schutzengel, der, mit einem kleinen Kind auf den Armen, über einem Dorf schwebt. Schätzpreis 800 Euro.
Die gewählten Bildmotive entstammen meist der Geisteshaltung der Biedermeierzeit und zeigen häufig fast naive, religiös inspirierte Szenen wie die minutiöse Schutzengel-Darstellung auf dem Kerzenschirm, der bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angeboten wird. Das Flackern der die Diaphanie hinterleuchtenden Kerze verlieh dem Bild eine besondere Lebendigkeit. Aus heutiger Sicht hat ein solches Objekt nicht nur wegen seiner kunsthandwerklichen Qualität seinen Reiz. Es führt uns auch ein Stück weit zurück in eine Zeit, in der es weder Elektrizität noch Gasbeleuchtung gab und künstliches Licht für die meisten Menschen einen unermesslichen Luxus bedeutete, den es zu präsentieren und zu „bekleiden“ galt.
Schöne Frauen, Kabuki und der Weg nach Kyoto
Bei den Asiatika liegt ein besonderes Augenmerk auf fünf Positionen mit klassischen japanischen Farbholzschnitten der späten Edo- und frühen Meiji-Zeit. Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen vorliegende Auswahl enthält unter anderem Drucke von allen drei zentralen Künstlern, die das Erscheinungsbild dieser graphischen Kunstform im 19. Jahrhundert besonders prägten: Utagawa Kunisada (1786 – 1865), Utagawa Kuniyoshi (1798 – 1861) und
Utagawa Hiroshige (1797 – 1858).

Utagawa Kunisada (1786 – 1865), vier Farbholzschnitte mit Motiven aus den „53 Stationen des Tokaido“ (links) und Darstellungen von zwei Kabuki-Künstlern (rechts). Schätzpreis 400 Euro.
Die Positionen umfassen auch die gebräuchlichsten Motive des Genres: Die vier Holzschnitte von Kunisada zeigen zwei Kabuki-Künstler und zwei der „53 Stationen des Tokaido“, der vielfach wiedergegebenen Raststationen auf dem Weg von Edo (= Tokio) in die alte Kaiserstadt Kyoto (Schätzpreis
400 Euro).

Drei japanische Farbholzschnitte, u.a. von Utagawa Kuniyoshi (1797 – 1858). Schätzpreis 300 Euro.
Die Holzschnitte kommen in der Auktion am 25. Oktober bei Scheublein Art & Auktionen München zur Versteigerung.
Eine weitere Position mit vier wohl aus der Hand von Kunisada stammenden Drucken enthält unter anderem ein Blatt des Triptychons „Ueno no bosets“ – „Schneefall im Zwielicht bei Ueno“. Zwei weitere Positionen, auf 300 und 240 Euro taxiert, enthalten unter anderem sogenannte „Bijn“-Drucke mit Darstellungen schöner Frauen.

Farbholzschnitt „Goyu Honno-ga-hara“, Japan, 1855, von Utagawa Hiroshige (1797 – 1858). Schätzpreis 80 Euro.
Die einzige Landschaftsdarstellung in der Auswahl bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen wird als Einzelposition angeboten und stammt von jenem Künstler, der nicht nur in seiner japanischen Heimat dieser Darstellungsform mit völlig neuartigen Kompositionen revolutionierte, sondern dessen Werk auch von zahlreichen europäischen Künstlern adaptiert wurde, angefangen bei den Impressionisten, aufgehört bei Vincent van Gogh, der Hiroshige in einigen Gemälden deutlich wiedererkennbar zitiert. Sein in der Fundgrube-Auktion enthaltener Holzschnitt ist ebenfalls den „53 Stationen des Tokaido“ zuzuordnen und zeigt die Honno-gahara-Ebene am Fuß des Honzaka-Passes. Der Druck wird zum Schätzpreis von 80 Euro aufgerufen.
Ergebnisse 46. Kunstauktion: Altmeister, Skulptur und Graphik der Moderne
Eine Sammlung mit hochkarätigem Augsburger Silber aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert, Graphik der klassischen Moderne und Hinterglasbilder aus der Staffelseeregion von herausragender Qualität standen im Zentrum der 46. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen. Fast 500 Bietern aus dem In- und Ausland beteiligten sich am 20. September im Saal, per Telefon und im Internet an der fast 600 Lose umfassenden Versteigerung. Besonders hoch kletterten ein nach dem Vorbild einer Ikone gestaltetes, altmeisterliches Gemälde sowie ein klassizistisches Marmorrelief, das Amor und Psyche zeigt.
Das Spitzenlos: Eine ikonenhafte Madonna
Zum Spitzenlos der Auktion entwickelte sich eine Mariendarstellung des 16./17. Jahrhunderts, entstanden wohl im italo-
dalmatischen Raum. Es zeigt die Gottesmutter mit Kind in typisch ikonenhafter Darstellung: Die auf teilweise punzierten Goldgrund gemalte Madonna mit dem dunkelblauen, goldgeränderten Schleier (Maphorion) und den drei ihre Jungfräulichkeit symbolisierenden Goldpunkten auf Kopf und Schultern hält das wie ein Erwachsener gekleidete und körperlich ausgebildete Christuskind auf dem rechten Arm; beide sind halb frontal dargestellt, halb einander zugewandt.

Madonna mit Kind, wohl Italo-Dalmatisch, 16./17. Jh., Öl (?)/ Holz, tlw. punzierter Goldgrund. Ergebnis: 21.400 Euro*
Damit ist das Gemälde eine Mischform aus einer Variante des wohl berühmtesten Ikonentypus, der „Hodegetria“, bei der die Gottesmutter ihren Sohn dem Betrachter als Weltherrscher und Erlöser präsentiert, und der „Eleousa“, bei der Mutter und Kind in inniger Verbundenheit dargestellt sind. Über Jahrhunderte hinweg prägten diese Ikonenformen nicht nur die byzantinische Kunst, sondern auch die Mariendarstellungen des westlichen Mittelmeerraums – eindrucksvoll nachzuvollziehen in den Florentiner Uffizien, wo an drei Madonnen von Cimabue, Duccio di Buoninsegna und Giotto die Übernahme dieser Vorbilder durch die italienische Kunst des Mittelalters unmittelbar sichtbar wird. Erst mit Aufkommen der Renaissance traten diese ikonographischen Chiffren hinter neue, freier gestaltete Marienbilder zurück. Das auf das 16./17. Jahrhundert zurückgehende Gemälde aus dem Angebot von SCHEUBLEIN Art & Auktionen ist der Ikonen-Tradition dagegen noch vollkommen verhaftet. Er kletterte bis auf 21.400 Euro* und ging in den internationalen Kunsthandel.
Skulpturen: Ewige Liebe
Ein klassizistisches Marmorrelief aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts greift ein beliebtes Sujet der Goethezeit auf: die Liebesgeschichte von Amor und Psyche. Das in großen Teilen äußerst minutiös gearbeitete Relief zeigt den Moment, in dem die von Windgott Zephyr zu einem ihr unbekannten Geliebten entführte Psyche dessen wahre Identität erkundet. Sie schleicht sich mit einer Öllampe zu dem schlafenden Amor. Entzückt von seiner Schönheit und bestärkt in ihrer Liebe tritt sie näher heran, um den Geliebten zu betrachten, wobei sie ihn mit Tropfen des heißen Öls aus der Lampe unabsichtlich verbrennt.
Dass sie ihm in der vorliegenden Darstellung auch einen Pfeil entwendet, symbolisiert, dass auch Amor in ewiger Liebe zu ihr entflammt ist. Das Relief kletterte bis auf 15.000 Euro* und ging in den Kunsthandel.
Graphik: Top-Preise für Picasso und Braque
Zwei Giganten der klassischen Moderne bestimmten das Bild bei der Graphik: George Braque (1882 – 1963) und Pablo Picasso (1881 – 1973). Braques über das Verhältnis von Fläche, Form und Struktur reflektierende, späte Farbradierung „Trois oiseaux en Vol (1961)“ wurde nach einem intensiven Bietergefecht für 5.900 Euro* zugeschlagen und ging an einen privaten Sammler.
Mit seinem Meisterdrucker Piero Crommelynck (1934 – 2001) sind die beiden Picasso-Blätter verbunden, die ebenfalls ausgezeichnete Ergebnisse erzielten. Ein radiertes Porträt des Druckexperten, der gemeinsam mit seinem Bruder seine Werkstatt extra in die Nähe von Picassos Villa in Mougins verlegte, um möglichst eng mit dem Kunstgenie zusammen arbeiten zu können, erzielte 3.400 Euro*; die in Aquatinta und Kaltnadel ausgeführte Szene „Dans l‘atelier“, die in Crommelyncks Werkstatt ausgeführt wurde, stieg bis auf 5.800 Euro*. Beide Picasso-Graphiken gingen in den Kunsthandel.
+49 (0)89 / 23 88 689-0
























