Im Blickpunkt am 3. Februar: Cloisonné aus China und Japan / Jugendstilglas

Mit einer breiten Auswahl an Trouvaillen auch für den kleinen Geldbeutel startet SCHEUBLEIN Art & Auktionen ins Auktionsjahr 2023. Die Fundgrube-Auktion am 3. Februar bietet Entdeckungen in allen gängigen Kategorien, besonders reich bestückt sind die Rubriken Schmuck und Silber sowie Graphik, Gemälde und Möbel. Der dort für 800 Euro angebotene, intarsierte Nussholz-Sekretär gehört zugleich zu den Spitzenlosen
der Auktion.

Wie das Cloisonné nach Asien kam

Eine Auswahl an Objekten aus der Kategorie Asiatika wirft ein spannendes Schlaglicht auf die Entwicklung der Cloisonné-Technik in Fernost: Bereits in der Ming-Zeit war die im europäischen Mittelalter und im islamischen Raum weit verbreitete Dekortechnik nach China gekommen, hatte dort aber erst im 15. Jahrhundert eine erste Blüte erlebt.

 

In den Jahrhunderten darauf entwickelte China nach anfänglicher Skepsis gegenüber der „Ware aus dem Teufelsland“, wie Cloisonné-Objekte genannt wurden, eine ausgesprochene Meisterschaft in der Herstellung von Schmuckobjekten und gehobenen Gebrauchsgegenständen mit in Draht gefassten Emaille-Dekoren.

Cloisonné China Auktion München Scheublein

Vase mit Blütendekor. China. Cloisonné.
H. 13,5 cm, Schätzpreis 170 Euro.

Von China nach Japan

Vom Reich der Mitte strahlte die Cloisonné-Begeisterung auch in andere ostasiatische Länder, vor allem nach Japan. Mit der Modernisierung und Öffnung des Landes gegenüber dem Westen in der Meiji-Zeit (1868 – 1912) gelangten Cloisonné-Objekte als potentielle Exportwaren in den Fokus des Interesses. Speziell der deutsche Ingenieur Gottfried Wagener (1831 – 1892), der ab 1884 die keramische und glastechnische Abteilung der Kunst- und Gewerbeschule von Tokio aufbaute, brachte die spezifisch japanische Ausprägung der Cloisonné-Technik entscheidend voran.

Cloisonné Japan Auktion München Scheublein

Fünf kleine Vasen und ein Teekännchen. Cloisonné. H. 9,5 cm bis 16 cm, Schätzpreis 160 Euro.

Eine eigene Spielart: Ginbari-Cloisonné

Unter seiner Ägide entwickelte sich unter anderem die Sonderform des Ginbari-Cloisonné, bei dem der Glasschmelz statt über eine von Metallstegen unterteilte Fläche über eine bossierte Silberfolie ausgegossen wird, wodurch die Farbe in sich strukturiert und lebendig erscheint. SCHEUBLEIN Art & Auktionen präsentiert neben diversen chinesischen Cloisonné-Objekten auch einige Werkstücke aus Japan, darunter eine kleine Ginbari-Vase mit Kranichdekor.

Ginbari Cloisonné Auktion München Scheublein

Kleine Vase mit Kranichdekor, Japan. Ginbari-Cloisonné, Silber, H 12.5 cm, Schätzpreis 80 Euro.

Jugendstilglas: Daum, Muller Frères, Loetz Witwe

In den Kategorien Glas und Einrichtung werden gleich eine ganze Reihe von dem Jugendstil zuzurechnenden Objekten aufgerufen, die zu günstigen Schätzpreisen angeboten werden.

Jugendstil tischlampe Muller Frères Auktion München Scheublein

 Kleine Tischlampe
Wohl Luneville, Muller Frères, nach 1919. Farbloses Glas, Einschmelzungen,
H. 30, 5 cm. Schätzpreis 180 Euro. 

Darunter befinden sich unter anderem zwei Tischlampen aus der Manufaktur Muller Frères (Taxen 200 und 180 Euro), zwei Vasen von Daum Nancy (Taxen 450 und 300 Euro) sowie zwei weitere Vasen von Johann Loetz Witwe (Schätzpreise 150 und 270 Euro).

Jugendstil Vase Loetz Witwe Auktion München Scheublein

Vase. Wohl Loetz Witwe
Farbloses und grünes Glas, irisierend überfangen. H. 11 cm, Schätzpreis 270 Euro. 

Jugendstil Vase Daum Auktion München Scheublein


 Vase, Daum Nancy. Farbloses Glas, Zwischenschicht mit Pulverglaseinschmelzungen
H. 30,5 cm, Schätzpreis 300 Euro.

 

Im Blickpunkt am 2. Dezember (III): Münchner Jugendstil

Die Kategorien Silber und Schmuck sind, auch im Hinblick auf das herannahende Weihnachtsfest, mit jeweils über 80 Positionen überaus reichhaltig bestückt. Einige Positionen hier, aber auch aus anderen Bereichen, haben darüber hinaus auch einen unmittelbaren Bezug zur Jugendstil- und Art Déco-Zeit in München.

Jugendstilschmuck von Karl Rothmüller

Karl Rothmüller Auktion München Scheublein

Collier. Karl Rothmüller, um 1920. 14 K GG und WG mit Barockperlen, Peridots, kleinen Rubinen und Diamantrosen. Schätzpreis 2.000 Euro. 

Beim Schmuck stammen diverse um 1920 gefertigte Broschen und ein Collier mit Barockperlen, Peridots, Rubinen und Diamantrosen aus der Werkstatt des eleganten, noch heute bestehenden Juwelierhauses Karl Rothmüller. Die Broschen werden auf 300 bis 400 Euro, das Collier auf 2.000 Euro taxiert.

Ein Besteck von Richard Riemerschmid

Das 78teilige, zeitlose Besteck „CWM“ des ebenfalls bis heute agierenden Münchner Silberspezialisten Weishaupt (Schätzpreis 1.400 Euro) geht auf einen Entwurf zurück, den der vor allen Dingen als Jugendstil-Pionier bekannte Richard Riemerschmid (1868 – 1957) 1911 entwickelte.

Richard Riemerschmid Auktion München Scheublein

Besteck Modell “CWM”, 78tlg., München, Entwurf: Richard Riemerschmid für Weihaupt. Silber, Stahl. Schätzpreis 1400 Euro. 

Olaf Gulbransson und die “andere Fee”

Riemerschmid entstammte der gleichnamigen Schnapsfabrikanten-Dynastie, die ihre Werke auf der Praterinsel errichtet hatte und auch noch auf ganz andere Weise der Münchner Kunstszene verbunden war: Bereits 1910 hatte Richards Neffe Robert den zartgrünen Kräuterlikör Escorial kreiert. Ihren endgültigen Durchbruch erlebte die Spirituose 13 Jahre später, als Absinth in Deutschland verboten wurde und Simplicissimus-Zeichner Olaf Gulbransson (1873 – 1958) für die Neugestaltung des Etiketts verpflichtet wurde.

Gulbransson Auktion München Scheublein

Olaf Gulbransson: Entwurf für ein Plakat “Escorial”. Tinte, Kreide u.a. Schätzpreis 600 Euro.

Gulbransson ersann, in gezielter Anspielung auf Absinth, den Beinamen „Die andere Fee“ und entwickelte hierzu auch eine Plakatkampagne. Bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen wird ein mit Tinte und Kreide gearbeiteter Entwurf hierzu angeboten (Schätzpreis 600 Euro), außerdem ein humoristisch illustrierter Brief, in dem er sich für eine Kiste mit Spirituosen bedankt (Schätzpreis 300 Euro).

Gulbransson Auktion München Scheublein

Olaf Gulbransson: Brief “Brennerei Riemerschmid”. Schwarze Tinte, tlw. laviert. Schätzpreis 300 Euro

Silberobjekte aus der Werkstatt M.T. Wetzlar

Teeservice Wetzlar Auktion München Scheublein

Teeservice, 4tlg., München, 20. Jh., M.T. Wetzlar und Schwäbisch Gmünd, Gebrüder Kühn. Silber, tlw. Innen vergoldet. Schätzpreis 800 Euro

Zwei große Silbertabletts, diverse Servierobjekte für Kaffee und Tee sowie ein vierteiliges Teeservice, angesetzt mit Schätzpreisen zwischen 420 und 800 Euro, stammen aus dem zwischen 1875 und 1938 bestehenden Silberschmiede-Atelier Wetzlar. Es residierte in der noblen Münchner Maximilianstraße und gestaltete Silberobjekte für den bayerischen Königshof und internationale Fürstenhäuser.

Silber kaffeeservice Wetzlar München Auktion Scheublein

Kaffee- und Teekanne, Zuckerdose und zwei Milchkännchen. München, um 1930 (?). M.T. Wetzlar. Silber, tlw. innen vergoldet. Schätzpreis 650 Euro.

Wetzlar Auktion München Scheublein

Großes Silbertablett. München, 1. Viertel 20. Jh., M.T. Wetzlar. Schätzpreis 450 Euro. 

Erst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden die Umsätze bei M.T. Wetzlar wegen der „Juden-Boykotte“ rückläufig, blieben aber dennoch bis 1938 dennoch in einem Umfang erhalten, dass die geschäftsführenden Brüder Alexander (1893 – 1957) und Heinrich (1891 – 1974) 15 Angestellte beschäftigen konnten. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 jedoch wurden sie gezwungen, ihr Geschäft samt Material- und Warenlager zu einem Spottpreis zu verkaufen; beide Brüder emigrierten mit ihren Familien mittellos nach London.

 

 

Wetzlar Auktion München scheublein

Großes Silbertablett. München, 1. Viertel 20. Jh., M.T. Wetzlar. Schätzpreis 420 Euro. 

Wetzlar Silber Auktion München Scheublein

Becher und Milchkännchen. München, 20. Jh., M.T. Wetzlar. Silber, innen tlw. vergoldet. Schätzpreis 220 Euro. 

Eine Jugendstilvitrine aus der Hofmöbelfabrik Moritz Ballin

Eine weitere dramatische Geschichte verknüpft sich mit der Hofmöbelfabrik der Familie Ballin, die auch den vorliegenden, auf 1.400 Euro geschätzten Jugendstil-Vitrinenschrank anfertigte. Nach ihrer Gründung im Jahr 1864 entwickelt sich die Möbelfabrikation mit repräsentativer Zentrale am Promenadeplatz rasch zu einem der bedeutendsten Anbieter für Möbel und Einrichtungsgegenstände in der bayerischen Hauptstadt. 1901 übergibt der Gründer Moritz Ballin die Geschäfte an seine Söhne Martin, Robert und Louis; die Firma gestaltet auf internationaler Ebene öffentliche Gebäude und Villen, in ihrer Möbelfabrik in Giesing sind über 300 Angestellte tätig.

Jugendstil-Schrank Auktion München Scheublein

Vitrinenschrank. München, Jugendstil, Moritz Ballin. Eiche, Glas, Eisenbeschläge. Schätzpreis 1.400 Euro. 

Mit Aufkommen des Nationalsozialismus allerdings verschlechtern sich die geschäftlichen Perspektiven zusehends; dennoch gewährt die Familie Herrmann Göring Unterschlupf und Hilfe, als dieser 1923 während des Hitlerputsches angeschossen und von Kameraden in einen naheliegenden Hauseingang geschleppt wird – vor die Eingangstür von Robert Ballin und seiner Familie. Diese Verbindung kann zwar die Fabrik selbst nicht aufrecht erhalten; das als reinen Möbelverkauf weiterbetriebene Geschäft aber können die Ballins durch die Unterstützung Görings immerhin zu vergleichsweise günstigen Konditionen verkaufen, bevor sie 1942 emigrieren.

 

 

 

Im Blickpunkt am 2. Dezember (II): Eames Chairs

Zwei Eames Lounge Chairs und ein Lounge Chair mit Ottomane bilden für Designinteressierte bei der Auktion am 2. Dezember mit Sicherheit das Highlight bei den Möbeln. Kein geringerer als Kultregisseur Billy Wilder soll es gewesen sein, der dem Designerpaar Charles & Ray Eames (1907 – 1978 / 1912 – 1988) den seinerzeit den Anstoß zum Entwurf des bis heute geschätzten und gesuchten  Relaxsessels gab: Von Erschöpfungszuständen während langer Drehpausen geplagt, wünschte sich Wilder einen Sessel, der so bequem war, dass man auch darin schlafen könne.

Zum Eames Chair kam es durch gemeinsame Projekte

Das Ehepaar Eames stand seit Mitte der 1950er Jahre mit dem umtriebigen Filmgenie in engem Kontakt: Ray Eames gestaltete 1957 für Wilders Liebeskomödie „Ariane – Liebe am Nachmittag“ mit Audrey Hepburn den Vorspann; Charles Eames assistierte ihm an verschiedenen Sets, unter anderem, ebenfalls 1957, für die Charles Lindbergh-Biographie „The Spirit of St. Louis“.

Schlaf-Sessel und Kultobjekt

Wilders Wunsch lenkte die kreative Arbeit mit gebogenem Schichtholz, mit dem das Design-Duo bereits seit Jahren experimentierte, noch einmal in eine neue Richtung: Ray und Charles Eames kombinierten, um wirklich Komfort und Geborgenheit zu erreichen, Schichtholz-Schalen mit drehbaren Stahlfüßen und abnehmbaren, per Clips befestigten Lederkissen. 1956 kam der Relax-Chair auf den Markt und entwickelte sich sofort zum Renner; Wilder schenkten Ray und Charles Eames einen Prototypen, auf dem der ruhelose Geist tatsächlich gut geschlafen haben soll. SCHEUBLEIN Art & Auktionen bietet zwei Chairs und einen Chair mit Ottomane in der Ausführung von Hermann Miller / Vitra an, die Schätzpreise liegen bei 1.500 bzw. 4.000 Euro.

Im Blickpunkt am 2. Dezember (I): Erinnerungen an Georg Hirth

Eine ganze Reihe von Gemälden und Gra­phiken aus dem Angebot der Auktion am 2. Dezember ist dem legendären Münchner Zei­tungsverleger Georg Hirth (1841 – 1916) und seiner Familie zuzuordnen. Der gebürtige Thüringer machte zunächst eine fünfjährige Lehre in einem geographischen Fachverlag und studierte Volkswirtschaftslehre, bevor er parallel zu einer Tätigkeit als Statistiker begann, als Redakteur unter anderem für die überaus beliebte Zeitschrift „Die Gartenlaube“ zu arbeiten.

Elise und Georg Hirth: Eine inspirierende Ehe

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Monogramist RK: Elise Hirth in Abendgarderobe. Öl auf Lwd., 57 x 46 cm. Schätzpreis 600 Euro. 

1870 heiratete er Elise Knorr, die Tochter des Münchner Verlegers Julius Knorr, der unter anderem die 1848 gegründeten Münchner Neuesten Nachrichten herausgab. Hirth orientierte sich jedoch zunächst nicht an den Publikationen des Verlags seines Schwagers, sondern wurde politischer Redakteur bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung, später fokussierte er seine publizistische Tätigkeit auf die Förderung des damals gerade aufstrebenden Kunstgewerbes.

Hirth Porträt 19. Jh. Auktion München Scheublein

Paul César Helleu (1859 – 1927): Georg und Elise Hirth. Radierung, dat. “Munich 17 Avril 96”. BA: 42 x 57,5 cm. Schätzpreis 180 Euro. 

Von den Münchner Neuesten Nachrichten bis zur Zeitschrift “Jugend”

1875 dann gründete er zusammen mit seinem Schwager die Druckerei Knorr & Hirth, die viele Publikationen des Knorr’schen Verlagshauses übernahm, darunter die Münchner Neuesten Nachrichten. Hirth übernahm deren Leitung und machte sie zu einer der bis in die 1930er Jahre hinein führenden liberalen Zeitungen Deutschlands.

Lenbach Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Franz von Lenbach (1836 – 1904), Porträt Georg Hirth. Öl auf Holz, 92 x 69 cm. Schätzpreis  6.000 Euro.

Doch auch seine künstlerischen Anliegen fanden im immensen Pensum des umtriebigen Verlegers Platz: 1896 rief er, gemeinsam mit dem Schriftsteller Fritz von Ostini, die für den künstlerischen Umbruch der Jahrhundertwende bahnbrechende Zeitschrift „Jugend“ ins Leben.

Kaulbach Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Friedrich August von Kaulbach (1850 – 1920, zugeschrieben), Kinderbildnis der Elisabeth Hirth. Öl auf Lwd., 44 x 36 cm. Schätzpreis 1.200 Euro.

Georg Hirths Beziehungen zu den Zirkeln der Kunst

Die enge Verbindung zu Münchens besten künstlerischen Kreisen lässt sich auch an den vorliegenden Gemälden und graphischen Arbeiten ablesen:

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Elise Hirth. Pastell. 51 x 24 cm. Schätzpreis 200 Euro. 

Gleich mehrfach ließ Hirth seine Frau porträtieren, von heute nicht mehr identifizierbaren Künstlern, wohl von dem jungen Otto Eckmann, aber auch von so prominenten Malern wie Friedrich August von Kaulbach.

 

Kaulbach Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Friedrich August von Kaulbach (1850 – 1920, zugeschrieben (?)), Elise Hirth. Öl auf Holz, 50 x 39 cm. Schätzpreis 2.500 Euro. 

Eckmann Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Eckmann (wohl Otto Eckmann, 1865 – 1902). Porträt Elise Hirth. Öl auf Lwd., 53 x 44 cm. Schätzpreis 500 Euro.

Von Georg Hirth selbst liegt ein Porträt von Franz von Lenbach vor; eine Radierung von Paul César Helleu  zeigt das Verlegerpaar zusammen, weitere Graphiken wiederum Elise Hirth sowie Georg Hirth sen.

 

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

H. Beck: Georg Hirth sen. im 34. Lebensjahr. Es handelt sich wohl um den Vater von Georg Hirth und Rudolf Hirth du Frenes. Pastell, 42 x 34 cm. Schätzpreis 200 Euro.

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Porträt der Elise Hirth. Öl auf Holz, 32,5 x 26,5 cm. Schätzpreis 200 Euro.

Ein Kinderbildnis von Elisabeth Hirth wird wiederum Friedrich August von Kaulbach zugeschrieben.

Der malende Bruder: Rudolf Hirth du Frênes

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Rudolf Hirth du Frênes (1846 – 1916) : Bildnis des Georg Hirth. Öl auf Lwd., 72 x 54 cm. Schätzpreis 600 Euro. 

Auch Georg Hirths Bruder, des Maler Rudolf Hirth du Frênes (1846 – 1916) fertigte Porträts von Georg und Elise Hirth an.

Porträt Hirth Auktion München Scheublein

Rudolf Hirth du Frênes (1846 – 1916): Porträt der Elise Hirth. Öl/Lwd., 49 x 39,5 cm. Schätzpreis 1.000 Euro.

Ein ebenfalls aus seiner Hand stammendes Gemälde, das Wintervergnügen im Nymphenburger Schlosspark zeigt, rundet die Auswahl ab.

Nymphenburger Park Auktion München Scheublein

Rudolf Hirth du Frênes (1846 – 1916): Eisvergnügen im Nymphenburger Schlosspark. Öl auf Lwd., 62,5 x 95,5 cm. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Ergebnisse der Herbst-Auktion

Highlights hatten in der Herbstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 23. September
viele Kategorien zu verzeichnen – die Alten Meister und die Skulpturen ebenso
wie Möbel, Silber, Asiatika oder Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das besondere
Augenmerk der insgesamt über 900 Mitbietenden im Saal, am Telefon und dem
auf vier Plattformen ausgeweiteten Onlineangebot jedoch lag auf einer gleich zu Beginn
aufgerufenen, 190 Positionen umfassenden privaten Weinsammlung. Sie verkaufte sich
komplett und erlöste insgesamt 520.000 Euro*.

Spitzenlos: Eine Flasche Romanée-Conti, 1999

Romanée-Conti 1999

Eine Flasche Romanée-Conti, Grand Cru, 1999. Ergebnis 24.000 Euro*

Das gute Ergebnis fußt auf der überaus hochkarätigen Zusammensetzung der Sammlung mit Schwerpunkt auf Weinen aus Bordeaux und Burgund. Nahezu alle prestigeträchtigen Weingüter dieser beiden Regionen waren vertreten – von den Châteaus Lafite-Rothschild und Mouton Rothschild über Haut Brion, Cheval Blanc und Petrus bis hin zur legendären Domaine de la Romanée-Conti.

Alle Top-Zuschläge für Weine der Domaine de la Romanée-Conti

Wie zu erwarten, erzielten die Grand Crus der nach dem Weingut benannten Monopollage die höchsten Preise: Eine Flasche Romanée Conti 1999 kletterte auf 24.000 Euro*, eine Flasche des 2000er-Jahrgang auf 20.500 Euro*, bevor der Hammer fiel. Der 1995er Romanée Conti wurde für 19.000 Euro* versteigert. Den gleichen Preis erzielten auch sechs Flaschen eines weiteren Grand Cru der Domaine de la Romanée-Conti, des Grands Échézeaux, Jahrgang 1996. Die Bouteillen gingen vor allem an Weingüter und in den Weinhandel. Den besten Preis bei den Bordeaux-Weinen erzielten drei Flaschen Petrus des Jahrgangs 2000, die für 14.000 Euro* den Besitzer wechselten.

* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (27%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.

Highlights Herbstauktion (III): Von den Anfängen der Reiselust – Louis Vuitton und Edward Compton

Zwei Lose bei Gemälden und Einrichtung entführen in eine Zeit des nie gekannten Aufbruchs und der Reiselust: Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden nicht nur die Alpen umfassend erkundet und bestiegen. Dank der Etablierung der innovativen Verkehrsmittel Eisenbahn und Dampfschiff wurde auch der Ferntourismus, vor allem nach Nord- und Südamerika sowie zu den exotischen Zielen der britischen und französischen Kolonialreiche geboren.

Edward Theodore Compton: Erweckungserlebnis am Thuner See

Beide dieser zeitgleichen Entwicklungen sind in der Herbstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen vertreten: Für den aufblühenden Alpinismus steht eine  auf 9.000 Euro geschätzten Ansicht der Mischabelgruppe im Wallis von Edward Theodore Compton (1849 – 1921). Dieser hatte als 19-jähriger während einer Überfahrt über den Thuner See eine Art Erweckungserlebnis: Aus dem eigentlich dichten Nebel strahlten plötzlich die Silhouetten von Eiger, Mönch und Jungfrau hervor; schlagartig wusste der junge Mann, dass er Bergsteiger und Bergmaler werden wollte.

Briten in den Bergen

Beides stand zu dieser Zeit hoch im Kurs: Briten waren es, die in den zurückliegenden 15 Jahren die wichtigsten Gipfel der Westalpen erobert hatten. Und die romantischen Landschaftsmaler, die auf der Insel beheimatet waren, liebten die sublime Naturgewalt, die sich an gewaltigen Felstürmen, Schluchten und schroffen Gipfeln offenbarte. Allerdings kannten sie ihre Motive nur von unten, suchten vor allem die künstlerische Wirkung – und nahmen es deshalb mit der topographischen Präzision nicht allzu genau.

Compton Auktion Scheublein München

Edward Theodore Compton: Mischabelgruppe im Wallis. Öl auf Lwd., 73,5 x 99 cm. Schätzpreis 9.000 Euro.

Ansicht und Präzision

Compton, der mit seinen Eltern bereits 1867 nach Deutschland gekommen war, gelang es, beides zu verbinden. Er unternahm unzählige Reisen durch die Alpen und ausgiebige, teils waghalsige Bergtouren, die ihm auch zur Möglichkeit verhalfen, sowohl die topographischen Gegebenheiten wie auch den Wandel der Wetter- und Lichtverhältnisse an seinen liebsten Motiven genau zu studieren. Bald wurden seine Bergdarstellungen wegen ihrer Präzision ebenso geschätzt wie wegen der eindrucksvollen Naturstimmung, die sie einfingen.

Auch die vorliegende, auf 9.000 Euro geschätzte Ansicht der Mischabelgruppe im Wallis – nach dem Mont-Blanc-Massiv und dem Monte Rosa dem dritthöchsten Gebirgsmassiv der Alpen – ist mit der leichten Nebelverschleierung über den Wiesen, dem dramatischen Spiel der Wolken und dem durch die Schneefelder reflektierten gleißenden Sonnenlicht ein eindrucksvolles Beispiel dafür.

Louis Vuitton: Immer seiner Zeit voraus

Ein ganz anders gearteter Zeugnis der im späten 19. Jahrhundert um sich greifenden Reiselust ist ein Überseekoffer aus dem Hause Louis Vuitton (ganz oben, Taxe 4.000 Euro). Wegen der innen auf einem Klebeetikett angebrachten Produktionsnummer 20484, aber auch wegen der Bespannung mit gestreiftem Stoff noch ohne das berühmte LV-Muster ist davon auszugehen, dass der Koffer aus der Zeit vor 1896 stammt.

Kontakte sind alles

Firmengründer Louis Vuitton ( 1821 – 1892) war es bereits 1854 nach Eröffnung seines ersten Geschäfts gelungen, sich als absolut führend in der Branche zu etablieren. Das lag nicht nur an seiner fundierten Ausbildung als Täschner und der langjährigen Praxis bei einem exzellenten Kofferhersteller. Vuitton brachte zudem die Fähigkeit mit, seiner Zeit immer ein Stückchen voraus zu sein. Hilfreich hierzu war auch seine Stellung als persönlicher Koffermacher  von Kaiserin Eugenie: Bei ihr lernte er bis ins Detail die Reisegewohnheiten und Bedürfnisse der hochadeligen und hochvermögenden Klientel kennen.

Und er knüpfte auch gute Verbindungen beispielsweise in die Welt der Haute Couture. Modeschöpfer Charles Frederick Worth etwa wies ihn auf den bevorstehenden Wechsel von der Krinoline zu schmaleren, nach hinten ausladenden Tournüren hin. Vuitton war klar, dass damit auch die extrem voluminösen Koffer der frühen 1860er Jahre auf einen Schlag altmodisch würden und ließ beizeiten handlichere, auf die neue Mode zugeschnittene Gepäckstücke anfertigen.

Neues Gepäck für eine mobile Oberschicht

Ebenfalls erkannte er früh, in welchem Ausmaß das Aufkommen von Eisenbahn und Dampfschiffen dem Ferntourismus gehobener Schichten Vorschub leisten würden. Als die ersten Kunden mit entsprechenden Anfragen kamen, standen die hierzu nötigen Koffer schon bereit: Auf der einen Seite robust genug, um von Packern und Kränen im großen Stil verladen zu werden und jedweden klimatischen Einflüssen standzuhalten, zum anderen aber auch so detailfreudig ausgestattet, dass die damals übliche, vielfältige Reisegarderobe komfortabel und knitterfrei verstaut werden konnte. Der vorliegende Überseekoffer aus dem späten 19. Jahrhunderts ist ein frühes Beispiel für speziell auf lange Schiffsreisen zugeschnittenes Gepäck.

Highlights Herbstauktion (II): Eine private Weinsammlung

Eröffnet wird die Herbstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen mit einer  190 Positionen umfassenden, privaten Weinsammlung. Gerade in den bei Sammlern besonders begehrten Regionen Bordeaux und Burgund ist sie sowohl im Hinblick auf die vertretenen Châteaus wie auch auf deren beste Jahrgänge überaus prominent bestückt. Sie umfasst nicht wenige Wein-Legenden, die im maßgebenden Parker-Punktesystem mit der Bestmarke 100 Punkte vertreten sind.

Cheval Blanc 1928 Auktion München Scheublein

Zwei Flaschen Cheval Blanc, Grand Cru, 1928. Into neck bzw. Top Shoulder. Schätzpreis 2.400 Euro. 

Zum Start: Château Lafite-Rothschild

Als einleitendes Beispiel seien neun Flaschen des 1986er Premier Cru des Château Lafite-Rothschild (Schätzpreis 4.500 Euro) genannt, oder sechs Flaschen des Jahrgangs 2010 (Schätzpreis 1.800 Euro).

Lafite Rothschild 1985 Auktion München Scheublein

Neun Flaschen Chateau Lafite-Rothschild, Premier Cru. Jahrgang 1986. Into Neck bis Top Shoulder. Schätzpreis 4.500 Euro.

Ebenfalls prominent vertreten: Château Latour

Auch das ebenfalls in Pauillac direkt am Gironde-Ufer gelegene Château Latour wird in der Auktion mit absoluten Spitzenjahrgängen aufgerufen – darunter die mit jeweils 100 Punkten bewerteten Jahrgänge 1928 (Schätzpreis 80 Euro) und 2003 (Schätzpreis 2.800 Euro).

 

Chateau latour 1928 Auktion München Scheublein

Eine Flasche Grand Vin de Chateau Latour, Premier Grand Cru, 1928. Low Shoulder. Schätzpreis 80 Euro. 

Chateau Latour 1997 Auktion München Scheublein

Zwölf Flaschen Grand Vin de Chateau latour, premier Grand Cru, 1997. Into Neck. Schätzpreis 2.400 Euro. 

Das Auge des Künstlers: Château Mouton Rothschild

Mouton Rothschild 1982 Auktion München Scheublein

Sechs Flaschen Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 1982. Toup Shoulder bis Upper Mid Shoulder. Schätzpreis 3.000 Euro. 

Beim dritten in Pauillac ansässigen Weingut, Château Mouton Rothschild, kann die Sammlung neben dem mit 100 Parker Punkten bewerteten Jahrgang 1982 (sechs Flaschen, Schätzpreis 3.000 Euro) auch mit einer absoluten Rarität aufwarten: Einer Flasche des legendären Jahrgangs 1945 (Schätzpreis 2.600 Euro) mit seinem vom Bordelaiser Künstler Philippe Jullian (1919 – 1977) mit einem markanten V gestalteten Etikett.

Mouton Rothschild 1945 Auktion München Scheublein

Eine Flasche Chateau Motuon Rothschild, Premier Grand Cru, jahrgang 1945. Upper Mid Shoulder. Schätzpreis 2.600 Euro. 

Dieses sollte nicht nur ein Zeichen für den Sieg über die Nationalsozialisten setzen, sondern begründete zugleich die Tradition der von nun an jedes Jahr von einem anderen namhaften Künstler gestalteten Etiketten, die das Château bis heute fortführt.

Mouton Rothschild 1947 Auktion München Scheublein

Eine Flasche Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 1947. Low Shoulder. Schätzpreis 1.400 Euro. 

Besonders prominente Vertreter in dieser Hinsicht sind in der Auktion die Jahrgänge 1947 (Etikett von Jean Cocteau, eine Flasche, Schätzpreis 1.400 Euro), 1985 (Etikett von Surrealist Paul Delvaux, acht Flaschen, Schätzpreis 1.200 Euro), 1989 (Etikett von Georg Baselitz zum Berliner Mauerfall, zehn Flaschen, Schätzpreis 2.000 Euro) oder 2010 (Etikett von Kitsch-Künstler Jeff Koons, sechs Flaschen, Schätzpreis 1.400 Euro).

Mouton Rothschild 1985 Auktion München Scheublein

Acht Flaschen Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 1985. Upper Mid Shoulder. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Mouton Rothschild 1989 Auktion München Scheublein

Zehn Flaschen Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 1989. Top Shoulder bis Mid Shoulder. Schätzpreis 2.000 Euro. 

Mouton Rothschild 2010 Auktion München Scheublein

Sechs Flachen Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 2010. Into Neck. Schätzpreis 1400 Euro. 

Mouton Rothschild 1987

Drei Flaschen Chateau Mouton Rothschild, Premier Grand Cru, 1987 mit Etikett des Schweizer Malers Hans Erni. Top Shoulder bis Upper Mid Shoulder. Schätzpreis 800 Euro. 

Château Margaux, Château Haut Brion und Petrus

Margaux 1986 Auktion München Scheublein

Zehn Flaschen Chateau Margaux, Premier Grand Cru, 1986. Into neck bis Top Shoulder. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Haut-Brion 1997 Auktion München Scheublein

Zwei Flaschen Chateau haut-Brion, Premier Grand Cru, 1997. Schätzpreis 400 Euro.

Haut Brion 1990 Auktion München Scheublein

Zwei Flaschen Chateau Haut-Brion, Premier Grand Cru, 1990. Schätzpreis 600 Euro. 

Neben einer feinen Auswahl des flussaufwärts gelegenen Château Margaux, beispielsweise zehn Flaschen des mit 97 Parker-Punkten bewerteten Jahrgangs 1986 (Schätzpreis 1.200 Euro) oder des im mit Bordeaux verschmolzenen Städtchens Pessac-Léognan befindlichen Château Haut Brion (zwei Flaschen des mit 98 Parker-Punkten bewerteten Jahrgang 1990, Schätzpreis 600 euro) liegt ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung auf Bouteillen des Château Pétrus:

 

Petrus 1945 Auktion München Scheublein

Eine Flasche Petrus, Grand Vin, 1945. Upper Mid Shoulder. Schätzpreis 2.200 Euro.

Petrus 1947 Auktion München Scheublein

Eine Flasche Petrus, Grand Vin, 1947. Mid Shoulder. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Hier werden jeweils eine Flasche der legendären Jahrgänge 1945 und 1947 angeboten (Schätzpreis 2.200 und 1.200 Euro), daneben je eine Flasche und eine Magnumflasche des 100-Parker-Punkte-Jahrgangs 1961 (Schätzrpeise 2.000 und 4.000 Euro) sowie drei Flaschen des ebenfalls die unüberbietbare Bewertung erzielenden Jahrgangs 2000 (Schätzpreis 3.500 Euro).

Magnum Petrus 1961 Auktion München Scheublein

Eine Magnumflasche Petrus Grand Vin, Jahrgang 1961. Upper mid shoulder. Schätzpreis 4.000 Euro. 

Weinlegende des Burgund: Domaine de la Romanée-Conti

Romanée-Conti 1999

Eine Flasche Romanée-Conti, Grand Cru, 1999. Schätzpreis 12.000 Euro. 

Auch im Hinblick auf Burgunderweine erweist sich die vorliegende Weisammlung als absolut hochkarätig: Besonders breit vertreten ist die überaus gefragte Domaine de la Romanée-Conti. Von ihrer besonders gesuchten Monopollage gleichen Namens sind unter anderem die Spitzenjahrgänge 1999 (Schätzpreis 12.000 Euro), 2000 (Schätzpreis 8.000 Euro), 2004 (Schätzpreis 6.000 Euro), 1995 (Schätzpreis 6.000 Euro) und 1988 (Schätzpreis 4.000 Euro) mit einer bzw. drei mal einer Flasche vertreten.

Romanée-Conti 2000

Eine Flasche Romanée-Conti 2000. Schätzpreis 8.000 Euro. 

Die ebenfalls zur Domaine gehörenden Lagen Richebourg und Grands Échézeux sind gleicherweise mit Bouteillen einiger Top-Jahrgänge (Schätzpreise zwischen 2.200 und 8.000 Euro) in der Offerte enthalten.

Bollinger James Bond Auktion München Scheublein

Sechs Flaschen Bollinger Brut, James Bond 007, 2002. Schätzpreis 300 Euro. 

Abgerundet wird das Angebot mit einer Auswahl an Jahrgangschampagnern, feinen Piemonteser Weinen, erlesenen Spirituosen sowie einem raren Madeira aus dem Jahr 1870 (Schätzpreis 1.200 Euro).

Verdelho Solera Auktion München Scheublein

Eine Flasche Verdelho Solera, Jahrgang 1870. Schätzpreis 1.200 Euro.

Highlights der Herbsauktion (I): Die Dachauer Expressionistin Paula Wimmer

Im Blickpunkt gegen Ende der Herbstauktion am 23. September steht eine 55 Positionen umfassende Sammlung mit Gemälden des “Dachauer Malweibs” Paula Wimmer. Sie schlägt einen Bogen über deren komplettes Schaffen von frühen Studienaufenthalten in Italien über farbenfrohen jahreszeitliche Szenarien wie das Bild des Münchner Oktoberfests (oben, Schätzpreis 900 Euro) bis in ihre letzten Jahre im Dachauer Künstlerdomizil “Kleine Moosschwaige”.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Selbstbildnis als Spanierin (1925). Öl/Tempera auf Lwd. Schätzpreis 900 Euro. 

Paula Wimmers schwieriger Weg zum Kunststudium

1876 im Münchner Villenvorort Solln in ein bürgerliches Elternhaus geboren, entschied sich die junge Frau für eine künstlerische Laufbahn – mit allen Widrigkeiten, die dies im ausgehenden 19. Jahrhundert mit sich brachte: An Kunstakademien zugelassen wurden Frauen grundsätzlich nicht, Ausstellungsmöglichkeiten gab es kaum. Nicht selten wurde Kunst von Frauen generell als Dilettantismus abgetan.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Florenz. Öl auf Hartfaser. Datiert 1901. Schätzpreis 1.500 Euro. 

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Damenporträt vor italienischer Kulisse. Kohle und Pastell auf Karton. datiert Florenz, 1906. Schätzpreis 350 Euro. 

Paula Wimmer ließ sich nicht abschrecken, studierte an privaten Kunstschulen in München und Paris, reiste für längere Aufenthalte nach Italien und wurde 1908 in der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins aufgenommen.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Mucki. Gipsbüste, dazu Bleistiftzeichnung mit Porträt eines Knaben. Schätzpreis 500 Euro

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Porträt der Mutter der Künstlerin (1895). Öl auf Karton. Im Hintergrund ist die Gipsbüste “Mucki” zu sehen. Schätzpreis 300 Euro. 

Dort belegte sie, neben Aktmalerei, auch Freilichtmalerei, die von dem Spätimpressionisten Max Feldbauer in Dachau unterrichtet wurde. Bei diesen Kursen entdeckte Wimmer den Ort, den sie bald als Lebensmittelpunkt wählte, für sich. Die Stilistik des Impressionismus indes ließ sie hinter sich, als ihr Lehrer an die Kunstgewerbeschule in Dresden berufen wurde.

Von Florenz über Berlin nach Dachau

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Im Garten. Öl auf Lwd. Rückseitig bez. “Familie Steidinger 1930”. Schätzpreis 450 Euro.

Stattdessen wandte sie sich nach einigen längeren Berlinaufenthalten dem Expressionismus zu, mit dem sie in der deutschen Hauptstadt in Berührung gekommen war. Für den Rest ihres Lebens sollte dieser Stil ihr Experimentierfeld bleiben. 1915/16 ließ sie sich endgültig in Dachau nieder und führte in der „Kleinen Moosschwaige“, einem Künstlerdomizil, ein offenes Haus.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Schlittenfahrende Kinder. Öl auf Platte. Schätzpreis 500 Euro.

Die Malerin in den Wirren der 1920er und 30er Jahre

Allerdings verlor sie während der wirtschaftlichen Krisen der 1920er Jahre ihr gesamtes Vermögen, konnte aber zunächst noch Bilder verkaufen. Als jedoch die Nationalsozialisten eines ihrer Werke als „entartet“ vernichteten, zog sich Paula Wimmer, trotz prekärster Finanzlage, komplett vom Kunstmarkt zurück.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Ansicht von Passau. Öl/Tempera auf Karton. Rückseitig handschriftlich bez. “Letzte Ausstellung / der Neuen Sezession / in der Neuen Pinakothek / 1938 / Hitlers Verbot”. Schätzpreis 1.500 Euro. 

Erst nach dem Krieg begann sie, künstlerisch wieder aktiv zu werden und Bilder bei Ausstellungen in München und bei der Dachauer Künstlervereinigung zu zeigen.

Wiederentdeckung eines “Malweibs”

Dennoch starb sie 1971 völlig verarmt und vergessen. Erst eine Ausstellung der Dachauer Galerien und Museen in den 1990er Jahren und das in den letzten 15 Jahren gestiegene Interesse am Werk der unerschrockenen „Malweiber“ des frühen 20. Jahrhunderts rückte auch Paula Wimmers Kunst wieder mehr ins Blickfeld der allgemeinen Aufmerksamkeit.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Im Klosterkreuzgang und drei weitere Holzschnitte, entstanden zwischen 1903 und 1928. Schätzpreis 400 Euro.

Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen zu Schätzpreisen zwischen 300 und 1.500 Euro angebotenen Arbeiten zeigen vor allem Motive aus der Dachauer und Münchner Umgebung. Da die Künstlerin die wenigsten ihrer Werke datierte, lässt sich kaum eine stilistische Einordnung treffen. Alle allerdings reflektieren primär ihren experimentellen Zugang zum Expressionismus und lassen ihr immer wieder neues Ringen um eine eigene, von kräftigen Farben und Formen geprägte Bildsprache, eindrücklich fassbar werden.

Paula Wimmer Auktion München Scheublein

Katzen vor blauem Grund. Öl auf Hartfaser. Schätzpreis 600 Euro. 

Top-Ergebnisse der Sommer-Auktion (II): Porzellansammlung, Glas, Silber

Die private Sammlung eines Münchner Porzellanliebhabers markierte nicht nur im Hinblick auf die vor allem aus Nymphenburg stammenden Manufakturobjekte des 18. bis 20. Jahrhunderts ein absolutes Highlight der Auktion am 1. Juli. Die Kollektion, die Stücke quer durch die Geschichte der einstmals königlichen Porzellanmanufaktur enthielt, konnte zu 75 % verkauft werden. Sie erbrachte in der Summe über 60.000 Euro*.

Kratervasen, Ansichtentassen und ein Altmeister

Besonders eindrucksvolle Steigerungen verzeichneten ein Paar Kratervasen mit königsblauem Fond aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das für 4.300 Euro* in den internationalen Kunsthandel ging, sowie diverse ebenfalls auf diese Zeit zurückgehende Ansichtentassen.

Kratervasen Porzellan Nymphenburg Auktion Scheublein

Ein Paar Kratervasen. Nymphenburg, 1. Hälfte 19. Jh. :Vase Nr. 20 mit Frauenkopfhenkeln. Ergebnis 4.300 Euro*

Besonders hervorzuheben sind hier eine auf 250 Euro taxierte Bouillontasse mit der Darstellung eines Münchner Stadtpalais, die bis auf 1.270 Euro* kletterte, sowie ein Bouillonbecher mit Ansicht des Starnberger Sees, der sich von 120 bis auf 700 Euro* steigerte.

Ansichtentasse Nymphenburg Auktion München Scheublein

Ansichtentasse “Münchner Stadtpalais” mit Untertasse. Porzellanmanufaktur Nymphenburg, wohl 1840. Ergebnis 1.270 Euro*

Ansichtentasse Nymphenburg Auktion München Scheublein

Ansichtentasse “Starnberger See” mit Untertasse. 1. Viertel 19. Jh., Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Ergebnis 700 Euro*.

Zwei Mokkatassen mit textil anmutenden Dekoren verdreifachten ihren Schätzpreis und wurden für 460 Euro* zugeschlagen.

Mokkatassen textiles Dekor Nymphenburg Auktion München Scheublein

Zwei Mokkatassen mit textil inspirierten Dekoren. Porzellanmanufaktur Nymphenburg, Ergebnis 460 Euro*.

Das Spitzenlos der Sammlung allerdings war kein Porzellanobjekt, sondern ein altmeisterliches Gemälde: Ein Herrenporträt, das möglicherweise den Prinzen Johann Theodor von Bayern zeigt, konnte seinen Schätzpreis verachtfachen und ging für 11.000 Euro* in den musealen Bereich.

Johann Theodor Prinz von Bayern Auktion Scheublein

Herrenporträt (Bildnis des Johann Theodor Prinz von Bayern), 18. Jh. Ergebnis 11.000 Euro*

Überraschung beim Glas

Zu den Überraschungslosen der Auktion gehörte eine in ihrer Farbgebung fast impressionistisch anmutende Jugendstilvase aus der experimentierfreudigen Glasmanufaktur Daum Frères in Nancy. Das knapp 15 Zentimeter hohe, unten bauchige Gefäß aus weiß und grün unterfangenem Glas mit orangen und gelben Aufschmelzungen konnte für ein vielfaches seines Schätzpreises zugeschlagen werden. Es erlöste knapp 14.000 Euro* und ging an einen privaten Liebhaber.

Vase Jugendstil Daum Auktion München Scheublein

Vase “Tulipes”, Daum, Nancy. Ergebnis 14.000 Euro*.

Gefäße zum Staunen beim Silber

Gleich das erste Los der Auktion, ein um 1700 in Tilsit angefertigter Münzdeckelhumpen, entwickelte sich zum Spitzenlos der Kategorie Silber. In die mit einer floralen Blattrankengravur verzierten Wandung, den Deckel und den Boden des Prunkgefäßes wurden insgesamt 14 Münzen eingelasssen, darunter Silbertaler des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen sowie von Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol.
Für 10.800 Euro* ging das kostbare Stück in den Kunsthandel.

Münzhumpen Auktion München Scheublein

Münzhumpen mit Deckel, Tilsit, um 1700. Silber, tlw. vergoldet. Ergebnis 10.800 Euro*. 

Ein silberner, in Augsburg zwischen 1805 und 1806 geschmiedeter Empire-Samowar ging für 8.300 Euro* ebenfalls in den Kunsthandel.

 

Samowar Silber Auktion München Scheublein

Empire-Samowar, Silber. Augsburg, 1805 – 1806. Ergebnis 8.300 Euro*

* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (27%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.

Top-Ergebnisse der Sommerauktion (I): Altmeister, Gemälde, Möbel

Silber, Möbel, Teppiche und Alte Meister gehörten zu den gesuchtesten Objekten der Sommerauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 1. Juli. Knapp 700 Bieter beteiligten sich im Saal, am Telefon, mit schriftlichen Geboten oder waren live im Internet zugeschaltet. Die Spitzenlose der Auktion waren bei den Gemälden und den Alten Meistern zu finden.

Altmeister: Zwei Gemälde aus der Nachfolge Guardis

Bei letzteren waren es zwei Venedig-Ansichten aus der Nachfolge von Francesco Guardi (1712 – 1793), um die besonders intensive Bietergefechte entbrannten. Beide repräsentieren eindrücklich die Bildauffassung des letzten großen Meisters der venezianischen Vedutenmalerei, die sich trotz ähnlicher Sujets von der seines Lehrmeisters und Vorgängers Canaletto (1697 – 1768) maßgeblich unterscheidet. Zum einen belebte Guardi Fassaden und Wasserflächen mit sorgfältig studierten Licht- und Schatteneffekten. Zum anderen veränderte er zu Gunsten einer gesteigerten Bildwirkung bisweilen die topographischen Gegebenheiten seiner Motive. Ein solcher Effekt ist bei der vermutlich San Giorgio dei Greci zeigenden Ansicht gut zu beobachten (oben): Zwischen Kirche und Campanile, die in Wirklichkeit nah beisammen stehen, wurde noch ein Häuserblock eingeschoben. Dieses Gemälde erzielte 16.500 Euro*.

Francesco Guardi Auktion München Scheublein

Francesco Guardi (Nachfolge), Venedigansicht. Öl auf Lwd., Ergebnis 12.700 Euro*. 

Eine weitere Ansicht der Lagunenstadt kletterte bis auf 12.700 Euro*. Beide Bilder gingen in den europäischen Kunsthandel. Auch eine Elemente eines Jüngsten Gerichts aufgreifende Sterbeszene aus dem Jahr 1638, die wohl im süddeutschen Raum entstanden war, gehörte zu den Spitzenlosen im Altmeister-Bereich. Sie erzielte 5.700 Euro*.

Jüngstes Gericht Altmeister Auktion München Scheublein

Sterbebett mit heiligen Fürbittern. 1638, wohl süddeutsch. Öl auf Lwd. auf Holz. Ergebnis 5.700 Euro*. 

Möbel: Objekte im Stil von Spätbarock und Louis XV

Eine überaus aufwändig furnierte und mit zahlreichen, minutiös gearbeiteten Messingbeschlägen und -verzierungen gearbeitete Nussholz-Kommode aus dem 18. Jahrhundert war das gefragteste Stück des Angebots im Bereich Möbel und Einrichtung. Das auf 1.600 Euro geschätzte Objekt kletterte bis auf 13.300 Euro* und ging ebenfalls in den Kunsthandel.

Kommode Barock Auktion München Scheublein

Kommode, 18. Jh., Nussholz furniert, Messingbeschläge. Ergebnis 13.300 Euro*. 

Auch ein ovales Salontischchen im Louis-XV-Stil gehörte zu den Überraschungslosen der Auktion. Es entwickelte sich von einem Schätzpreis von 350 Euro bis zu einer Zuschlagssumme von über 4.000 Euro*.

Salontischchen, Louis-XV-Stil Auktion München Scheublein

Ovales Salontischchen. Louis-XV-Stil. Nussholz, Messingapplikationen, Marmor. Ergebnis 4.070 Euro*.

Gemälde: Der Bruder des Porträtisten

Bei den Gemälden stand das allerletzte Los der Auktion besonders im Blickpunkt des Bieterinteresses: das Bildnis einer unbekannten Dame aus der Hand von Hermann Winterhalter (1808 – 1891), des jüngeren Bruders des zur Zeit des Zweiten Kaiserreichs europaweit gefragten Porträtmalers Franz Xaver Winterhalter.

Winterhalter Auktion München Scheublein

Hermann Winterhalter: Damenporträt. Öl auf Lwd. Ergebnis 16.500 Euro*. 

Hermann war nach seiner eigenen künstlerischen Ausbildung 1840 zu seinem Bruder nach Paris gezogen und mit in dessen florierendes Atelier eingestiegen. Auch das vorliegende Bild dürfte dort entstanden sein, es entspricht laut Winterhalter-Spezialist Eugene Barilo dem typischen Stil von Hermann Winterhalters Arbeiten in den 1850er Jahren. In der Auktion kletterte das Bild bis auf 16.500 Euro* und wurde von einem Museum angekauft.

Ebenfalls beachtlich entwickelte sich ein “Weihnachtsmarkt” des Malers Detlev Nitschke (*1935). Er wurde für 10.400 Euro* zugeschlagen und ging an eine private Liebhaberin.

 

Detlev Nitschke Auktion München Scheublein

Detlev Nitschke (*1935): Weihnachtsmarkt. Öl auf Lwd. auf Holz. Ergebnis 10.400 Euro*.

* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (27%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.