Toplose der Auktion am 3. Dezember: Buchmalerei

Ein im Angebot von SCHEUBLEIN Art & Auktionen ungewöhnliches Highlight der Dezemberauktion ist eine Passage von vier Positionen mit Buchmalereien. Sie gehen vor allem auf die französische Buchkunst des 15. Jahrhunderts zurück. Die oben gezeigten Buchseiten mit Miniaturen zum Pfingstwunder und zum Marientod sind ein prägnantes Beispiel dafür. Der Schätzpreis liegt bei 600 Euro.

Letzte Blüte der Buchmalerei

Bevor ab Mitte des 15. Jahrhunderts dank der Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern und der Entdeckung kostengünstiger Verfahren zur Papierherstellung Bücher zu einem zumindest etwas erschwinglicheren Gut wurden, erlebte die mittelalterliche Buchmalerei eine letzte große Blüte. Vor allem in Frankreich wurden überaus aufwendig illuminierte Stundenbücher angefertigt, die es dem hochadeligen Laien erleichtern sollten, seinen umfassenden, auf meist acht Stundengebete verteilten, täglichen Gebetspflichten nachzukommen.

Buchmalerei Auktion MÜnchen Scheublein

Wohl Frankreich, 15. Jh. u.a. (?), Deckfarben und Goldgrund auf Pergament. Eine vollständige Initialseite mit Mariendarstellung, sechs einzelne Miniaturen mit neutestamentarischen Szenen und Heiligendarstellungen, vier Textseiten. Schätzpreis 800 Euro. 

Diese Andachtsbücher, die sich im ausgehenden 14. Jahrhundert herausbildeten, enthielten – neben einem Kalender, Psalmen und Gebeten, immer auch ein Offizium zu Ehren Mariens; analog bestimmten marianische Themen auch einen wesentlichen Teil des Bildprogramms in den Stundenbüchern.

Stundenbücher: Eine Andacht zu Ehren Mariens

Dies lässt sich auch an einem Gutteil der vorliegenden Buchseiten ablesen: die Gottesmutter steht bei beiden ganz oben gezeigten Blättern im Zentrum.

Buchmalerei Auktion München Scheublein

Initiale “Q” mit Heiligem / Taufe Christi. Wohl Frankreich, 15. Jh. Deckfarben und Goldgrund auf Pergament. Aus einem Stundenbuch. Dazu: Faksimile Druck einer Seite aus dem Schwarzen Stundenbuch. Schätzpreis 400 Euro.

Auch die Miniaturen im nächsten Absatz sowie das direkt über diesen Zeilen abgebildete  Faksimile zeigen zu einem großen Teil Marienmotive.

Buchmalerei: Ein Spiegel der Kunst ihrer Zeit

Gleichzeitig lässt sich bei vielen dieser Blätter auch ablesen, was der französische Kunsthistoriker Albert Chatelet für diese letzte, überaus eindrucksvolle Phase der Buchmalerei beobachtete: „Miniaturen und Illuminationen nehmen eine überraschende Entwicklung: Statt sich auf die Funktion als mehr oder weniger textnaher Kommentar zu beschränken, tendieren sie immer progressiver dazu, ihre Unabhängigkeit zu bestätigen und sich als eigenständige Kunstwerke zu präsentieren. Dies zeigt sich auch darin, dass sich die Künstler immer intensiver auch mit Problemen der Bildkomposition auseinandersetzen, die auch andere Kunstgattungen ihrer Zeit beschäftigen: Plastizität, Lebensnähe und die Wiedergabe räumlicher Tiefe.“

Buchmalerei Auktion München Scheublein

Die Initialen “P” und “O” / eine Seite mit Initiale “N”. Wohl Frankreich bzw. Deutschland, 15. Jh. u.a. Deckfarben und tlw. Goldgrund auf Pergament. Initiale “P” mit Darstellung der Madonna mit Kind, “O” mit der Hl. Agnes, “N” mit Darstellung des Zacharias (?). Alle Blätter mit Quadratnotation. Schätzpreis 600 Euro. 

Toplose am 3. Dezember: Eine Sammlung an Geh- und Spazierstöcken

Eine 40 Positionen umfassende Sammlung
an Geh- und Spazierstöcken aus dem
späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wird
im Rahmen der Rubrik Kunsthandwerk /
Varia angeboten. Sie ermöglicht einen
eindrucksvollen Überblick über die Gestaltungsvielfalt, die dieses für eine eleganten
Herren einst unverzichtbare Accessoire
zu Zeiten der letzten Jahrhundertwende
erlangt hatte.

Spazierstöcke: Vielfalt der Formen

Die Griffe der vorliegenden
Stöcke sind in Holz geschnitzt, in Metall
gefasst, in Silber ziseliert oder aber
in Elfenbein, Bein oder Horn gearbeitet.

Spazierstöcke Auktion München Scheublein

Spazierstock mit rechtwinkeliger Krücke aus 8 K GG, Ende 19. Jahrhundert. Schätzpreis 400 Euro. 

Manche haben die vor allem im 18. Jahrhundert populäre, weit ausschweifende,
gerundete Grifform.

Spazierstöcke Auktion München Scheublein

Drei Spazierstöcke mit Krücken aus Silber, 19./20. Jh., Schätzpreis 280 Euro.

Andere sind typische,
der Anatomie der Hand nachempfundene
„Fritzkrücken“. Wieder andere werden von
klassischen, dafür aber überaus kunstvoll
gearbeiteten Knäufen gekrönt.

Porträts, Tierköpfe und ein Memento Mori

Der Sammler, der die vorliegende Kollektion zusammentrug, hatte ein ausgeprägtes
Faible für Porträtdarstellungen, die
teilweise ins Karrikaturhafte spielen.

Spazierstöcke Auktion München Scheublein

Zwei Spazierstöcke, Knauf jeweils aus Silber in Form eines Orientalen und eines Chinesen. 

Auch zwei Stöcke mit Memento Mori-Motiven
sind enthalten, ebenso aber auch Objekte
mit z.T. deftigen erotischen Motiven.

Spazierstöcke Auktion München Scheublein

Spazierstock mit Elfenbeinknauf in Form eines Memento Mori-Totenkopfs aus dem 19. Jahrhundert. Schätzpreis 600 Euro. 

Ein weiteres Augenmerk des Sammlers galt
Stöcken mit naturnahen Tierskulpturen
und -köpfen, zwei sogar mit winzigen Bewegungsmechanismen.
Eine Position mit zwei Reservistenstöcken und einem Bergmannsstock weist aber auch darauf hin, dass Stöcke bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht nur eine modische Funktion hatten, sondern auch als Erinnerungsstück oder tatsächliches Hilfsmittel bei der Arbeit dienten. Die Objekte werden mit Schätzpreisen zwischen 120 und 600 Euro aufgerufen.

Toplose am 3. Dezember: Silberne Krabben von Buccellati

Beim Silber stechen in der Weihnachtsauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen zwei extravagante, auf
jeweils 1.500 Euro taxierte Positionen mit Objekten besonders ins Auge, die auf Entwürfe aus den späten 1960er-Jahren zurückgehen: Einmal vier größere, einmal acht kleinere Salzschälchen in Form von Krabben mit Rückenpanzern, die sich öffnen lassen und Korallenkugeln als Augen.

Buccellati und die Kunst aus Renaissance und Barock

Die Krabben stammen aus dem international tätigen Mailänder Juwelenhaus Buccellati, das bis heute vor allem für Schmuckstücke berühmt ist, die Formen und Goldschmiedetechniken aus Renaissance
und Barock modern interpretieren.
Ab etwa 1955 präsentierte das Haus allerdings auch Tafelobjekte, die diesen Rückbezug nicht stilistisch, sondern inhaltlich aufnehmen und als Tischdekoration aufgrund ihrer originellen Gestaltung wie
klassische „Conversation Pieces“ die Aufmerksamkeit von Gästen und Tischgesprächen auf sich zogen.

Buccellati Auktion München Scheublein

Acht kleine Krabben, als Dosen oder Salzschälchen nutzbar. Buccellati, Silber (925) mit Korallenkugeln als Augen. Schätzpreis 1.500 Euro. 

Auch die Dosen und Döschen in Krabbengestalt fußen in dieser barocken Tradition, entsprechen aber zugleich ganz dem Geschmack der späten 1960er Jahre. Sie entstanden, wie auch diverse weitere Objekte mit Mereresmotiven, in Zusammenarbeit mit der Mailänder Silberschmiede Mabuti.

Toplose am 3. Dezember: Eine “Anbetung” von Hieronymus III. Francken

Zu Beginn der Adventszeit richtet sich das Augenmerk bei der Auktion am
3. Dezember natürlich – auch – auf weihnachtliche Szenarien. Das Spitzenlos der Auktion aus der Kategorie Altmeister zeigt eine solche: eine in Öl auf Kupfer gemalte „Anbetung der Hirten“ aus Flandern. Sie ist mit einem Schätzpreis von 12.000 Euro angesetzt.

Hieronymus III. Francken: Teil eines künstlerischen “Familienbetriebs”

Erst seit einiger Zeit schreiben Experten das Genmälde nicht mehr dem Antwerpener Maler
Frans Francken II. (1581 – 1652) zu, sondern dessen zweitem Sohn, Hieronymus Francken III. (1611 – nach 1661). Die Nähe der Stile ist nicht nur darin begründet, dass Hieronymus in der Werkstatt seines Vaters
sein Handwerk erlernte, sondern dass er, ebenso wie seine Brüder und Onkel, dort mitarbeitete.

Hieronymus Francken Auktion München Scheublein

“Anbetung der Hirten” von Hieronymus III. Francken (Schätzpreis 12.000 Euro). Detail: Maria und das Kind.

Denn die Malerdynastie Francken, begründet von Hieronymus’ Urgroßvater Nicolas Francken (1526 – 1596), hatte sich in der größten Stadt Flanderns einen Ruf erworben, dem auch die wechselvollen Jahre des ausgehenden 16. Jahrhunderts nichts hatten anhaben können.

Wechselvolle Jahre für Antwerpen

Um 1600 begann sich die Stadt allmählich
von den Glaubensstreitigkeiten des späten 16. Jahrhunderts und der Belagerung durch spanische Truppen
1584/85 sowohl im Hinblick auf ihre Bevölkerungszahl wie auch wirtschaftlich zu erholen. Ab 1620 folgte eine erneute Blüte, die sich auf einen intensiven Handel mit Italien, Spanien und den Kolonien in Ost-und Westindien gründete. Dies etablierte den bürgerlichen Mittelstand als Zentrum ökonomischer und stadtpolitischer Macht, aber auch als Auftraggeber von Künstlern.

Hieronymus Francken Auktion München Scheublein

Weiteres Detail: Eine Frau mit Tochter und einem Korb mit Eiern. 

Für die Kunstkammern der Bürger

Entsprechend richteten krisenerprobte Ateliers wie das der Franckens ihre Produktion an den privaten Kunstkabinetten aus: Aus räumlichen Gesichtspunkten, aber auch im Hinblick auf eine möglichst
intime Betrachtung und die Erschwinglichkeit eines Bilds wurden kleinere Formate bevorzugt.

Hieronymus Francken Auktion München Scheublein

Versteckter Reiz für den aufmerksamen Betrachter: Unter den antiken Bogen fügte Hieronymus III. Francken ein winziges Haus im niederländischen Stil ein, das gerade von seinem Bewohner verlassen wird.

Gefragt: Weihnachtliche Motive

Auch war diese Käuferschicht weniger an künstlerischen Extravaganzen interessiert als an gängigen mythologischen oder biblischen Szenen. Bildthemen rund um die Geburt Christi, so die Kunsthistorikerin Ursula Alice Härting in ihrem Oeuvrekatalog zu Frans Francken II., gehörten zu den gefragtesten Motiven.

Die Zusammenarbeit Hieronymus’ III. Franckens mit seinem Vater Frans Francken II.

Um die Nachfrage decken zu können, beschäftigte Frans Francken II. nicht nur eine große Zahl an Lehrlingen; auch seine drei Söhne blieben selbst nach ihrer Ausbildung eng in den Atelierbettrieb eingebunden. Gerade die innerfamiliäre Zusammenarbeit bietet Forschern ein weites Feld.

Hieronymus Francken Auktion München Scheublein

Auch die Winterlandschaft, die die Anbetungsszene Hinterfängt, wurde von Hieronymus III. Francken mit Liebe zum Detail in typisch niederländischem Stil gemalt.

„Die Zusammenarbeit zwischen Frans II. und seinem Sohn Hieronymus III.“, so Härting, „war wohl sehr viel intensiver, als man vermutete und es bisher nur für das Verhältnis von Frans II. und Frans III. zugrunde
legte.“ Auch das vorliegende, nun Hieronymus III. zugeschriebene Bild legt von dieser Nähe ein beredtes Zeugnis ab.

Ergebnisse der Sommerauktion (II): Asiatika, Kunsthandwerk, Möbel

Eine auf über vierzig Positionen aufgeteilte Sammlung mit Netsuke und Okimono, primär aus dem späteren 19. Jahrhundert, stand bei der Kategorie Asiatika im Zentrum des Bieterinteresses und erlöst insgesamt gut 13.700 Euro*. Ein besonders intensives Bietergefecht entbrannte um einen Totenkopf mit Schlange, der – wie der Großteil der Sammlung – in Elfenbein gearbeitet ist. Die 5 Zentimeter hohe Schnitzerei (oben links) kletterte von einem Schätzpreis von 800 Euro bis auf 2.800 Euro* und ging in den Kunsthandel. Weitere besonders intensiv bebotene Objekte waren ein Glücksspatz (Fukura Suzume) aus der Edo Zeit, der für 1.070 Euro* zugeschlagen wurde, eine sich putzende Katze (Zuschlag 820 Euro*), die Darstellung eines Schirmmachers (oben rechts, Zuschlag 760 Euro*) sowie ein Pfirsich mit Spinne (Zuschlag 690 Euro*).

Kunsthandwerk: Klosterarbeiten mit Reliquien

Altarpyramiden Klosterarbeit Auktion München Scheublein

Zwei Paare mit Altarpyramiden, links mit verglasten Reliquienmedaillons, rechts mit Reliquienpartikeln, jeweils eingebettet in reiche Golddrahtarbeiten mit Glassteinen und Perlen. Ergebnis jeweils 3.500 Euro*.

Zwei Paare von Altarpyramiden aus dem 18./19. Jahrhundert entwickelten sich zu Spitzenlosen im Bereich Kunsthandwerk. Die Objekte sind ausgesucht schöne Beispiele für Klosterarbeiten, mit denen ab dem 18. Jahrhundert in Frauenklöstern unter Einsatz von unendlicher Zeit und Geduld aus Golddraht, Glassteinen, Borten und Perlen Einfassungen für Reliquienmedaillons und -splitter gearbeitet wurden. Die vorliegenden Arbeiten sind jeweils in mit Gold gefassten Holzgehäusen präsentiert, die seitlich mit geschnitzten Akanthusranken und Blüten verziert und von einem Blumenkorb bekrönt sind. Die beiden Positionen mit je zwei Altarpyramiden ersteigerte ein privater Sammler für je 3.500 Euro*.

Möbel: Ein barocker Sekretär

Tabernakelsekretär Auktion München Scheublein

Tabernakelsekretär, 18. Jh. Verschiedene Hölzer furniert, intarsiert, dunkel gebeizt. Ergebnis 10.100 Euro*.

Bei den Möbeln war es vor allem ein
Tabernakelsekretär aus dem 18. Jahrhundert, der im Fokus des Interesses stand. Das imposante Stück mit einer Höhe von über zwei Metern ist mit verschiedenen Hölzern furniert sowie intarsiert. Für gut 10.000 Euro* ging es in den Kunsthandel.

* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (26%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.

Ergebnisse der Sommerauktion (I): Graphik, Altmeister

Ein Aquarell von Max Pechstein, eine qualitativ überaus hochwertige „Himmelfahrt Mariens“ aus dem barocken Italien sowie eine Sammlung mit Netsuke des späten 19. Jahrhunderts standen im Blickpunkt der Sommerauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 2. Juli. Im Saal, per Telefon sowie übers Internet waren an die 650 Bieter beteiligt, über 70 % der Objekte konnten zugeschlagen werden. Besonders gefragt waren, neben Graphik und Asiatika, Kunsthandwerk, Silber und Schmuck sowie die erstmals vertretene Kategorie Taschen.

Spitzenlos: Ein Aquarell von Max Pechstein

Wie erwartet, entwickelte sich das Aquarell „Dorfstraße in Leba“ (oben), das Max Pechstein 1921 in seinem ersten Sommer an der pommerschen Ostseeküste malte, zum Spitzenlos der Auktion. Das Blatt spiegelt den kraftvollen, dynamischen Stil, in dem der ehemalige Brücke-Künstler in den 1920er-Jahren vor allem Landschaften in Szene setzte. Häufig nutzte Pechstein hierfür eine das Bild dominierende Diagonale – hier die einfallende Sonne –, die die gesamte Komposition mit Energie auflud. Die „Dorfstraße in Leba“ mit ihren markanten Komplementärkontrasten Rot-Grün und Orange-Blau kletterte im Verlauf eines intensiven Bietergefechts von ihrem Schätzpreis von 12.000 Euro bis zu einem Zuschlag on 69.000 Euro*; das Blatt ging an eine Unternehmensgruppe mit Kunstsammlung.

Ebenfalls gefragt: Barocke “Himmelfahrt Mariens”

Himmelfahrt Maria Barock Auktion München Scheublein

Mariä Himmelfahrt, wohl Italien, 17./18. Jh. Öl/Lwd. Ergebnis 32.800 Euro*.

Eine bis ins kleinste Detail überaus qualitätvolle „Himmelfahrt Mariens“, wohl aus dem Italien des 17./18. Jahrhunderts, entwickelte sich zum Spitzenlos bei den Alten Meistern. Die Darstellung folgt dabei exakt dem Typus der Himmelfahrts-Darstellungen, die sich in der Hochrenaissance und im Barock in Anlehnung an die Himmelfahrt Christi herausgebildet hatten. Maria wird in Wolken von Engeln nach oben getragen, unter ihr bleiben die betenden oder aufblickenden Apostel zurück, die sich um den leeren Sarkophag vereinen. Für knapp 33.000 Euro* ging das gut einen Meter breite Gemälde an einen privaten Sammler.

* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (26%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.

Highlights der Juli-Auktion (IV): Zwei Kelly-Bags

In der Juli-Auktion feiert eine neue Kategorie bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen Premiere: Handtaschen. Im Blickpunkt dabei stehen zwei absolute Stars: Kelly-Bags von Hermès aus den frühen 1990er- Jahren.

Die Anfänge der Kelly-Bag

Einst war die spätere Kelly-Bag eine der ersten Handtaschen, mit denen die damals noch auf Sättel, Satteltaschen und Reisegepäck spezialisierte Firma Hermès ihren Weltruf als Marke für exquisiteste Modeaccessoires begründete. Der „Petit Sac Haut à Courroies“ wurde 1935 von Robert Dumas, einem der Schwiegersöhne des Firmeneigners Émile Hermès, als kleines Pendant zu den schon damals gesuchten Reisetaschen entworfen. Obwohl sie sich zunächst nicht unbedingt als Verkaufsschlager entpuppte, blieb sie permanenter Bestandteil des Sortiments.

Wie die Kelly-Bag zu ihrem Namen kam

Zu ihrem Namen – und zu Weltruhm – gelangte die Tasche dann in den 1950er Jahren: Schauspielerin Grace Kelly trug einen solchen „Petit Sac“ am Tag ihrer Verlobung mit dem Fürsten Rainier von Monaco, und später in diesem Jahr, als sie, inzwischen verheiratet, durch die USA reiste: Während dieser Tour benutzte verschiedene Modelle der vergleichsweise großen Handtasche, um die beginnenden Rundungen ihrer Schwangerschaft zu verdecken. Die Tasche mit dem Überschlag und der markanten Schnalle wird bis heute in verschiedensten Ledervarianten hergestellt, ältere Modelle sind gesuchte Sammlerstücke.

Die Kelly-Bags der Sommerauktion

Die oben gezeigte “Kelly Bag 28” aus rotem und grünem Boxcalf-Leder wurde 1992 angefertigt; sie wird mit einer Taxe von 1.200 Euro aufgerufen.  Ein Pendant aus beigem Boxcalf-Leder aus dem Jahr 1994 wird auf 1.800 Euro geschätzt.

Kelly Bag Auktion München Scheublein

Hermès, Vintage Handtasche “Kelly Bag” 28, um 1994, Geprägtes beiges Boxcalf-Leder. Schätzpreis 1.800 Euro. 

Weitere Vintage-Handtaschen

Handtaschen Gucci Fendi Chanel Auktion München Scheublein

Drei Handtaschen der Modemarken Gucci, Fendi und Chanel runden das Angebot der neuen Kategorie Taschen ab: Links: Vintage-Handtasche von Christian Dior (in einer Position mit einer Vintage-Tasche von Gucci), Schätzpreis 180 Euro; Fendi Vintage Handtasche, Schätzpreis 220 Euro sowie eine Vintage-Handtasche von Chanel, Schätzpreis 260 Euro. 

Ergänzend präsentiert die Kategorie Vintage-Handtaschen weiterer weltberühmter Modelabel: Eine weiße, rechteckige Chanel-Tasche mit V-förmigem Steppmuster wird zum Schätzpreis von 260 Euro angeboten. Eine Fendi-Tasche aus geprägtem, beigem Leder startet mit einer Taxe von 220 Euro. Eine Doppelposition mit einer schwarzen, auch als Clutch tragbaren Tasche von  Christian Dior und einer ebenfalls schwarzen Tasche von Gucci ist auf 360 Euro taxiert.

Highlights der Juli-Auktion (III): Netsuke

Bei den Asiatika sticht eine Sammlung von über 40 Netsukes hervor, die fast alle in Elfenbein gearbeitet sind. Sie gehen großenteils auf die Meiji-Zeit  (1868 – 1912) zurück, eine Phase des Umbruchs, während der  Japan seine 1853 begonnene Öffnung nach Westen fortsetzte. Forscher, Diplomaten und Handlungsreisende kamen ins Land, das Land nahm an den Weltausstellungen in Paris und Wien teil; viele Japaner begannen, sich westlich zu kleiden.

Ein Wandel, im Großen wie im Kleinen

Auch für die zu diesem Zeitpunkt etwa ein Jahrhundert alte Kunst des Schnitzens von Netsuke – kleinen Anhängern, mit denen Taschen am Obi, dem Gürtel des Kimono befestigt werden konnten – bedeutete diese Epoche eine tiefgreifende Veränderung: Die funktionale Bedeutung dieser Skulpturen en miniature ging zurück, dafür entdeckten westliche Sammler wie die Schriftsteller Edmond und Jules de Goncourt, der Hofjuwelier des Zaren, Carl Fabergé oder der Verleger Albert Brockhaus die Figürchen als Objekte der Liebhaberei und Inspiration.

Auch Netsuke aus anderen Materialien sind in der Sammlung enthalten: obere Reihe: Eber / Shishi / Katze auf Fisch / Kröte auf Blatt. Japan, Meiji-Zeit. Elfenbein, tlw. wohl maritim / Bein / Holz. Schätzpreis 250 Euro. Untere Reihe: Widder / Büffel, Holz geschnitzt, Schätzpreis 200 Euro. 

Netsuke in gängigen und ungewöhnlichen Formen

Die vorliegende Sammlung umfasst vor allem Netsuke aus kostbarem, widerstandsfähigem Elfenbein, das aus Thailand und Indien importiert und vor allem von Schnitzern in Osaka, Kyoto und Edo verarbeitet wurde; daneben sind auch Objekte der ebenfalls gängigen Materialien Holz (Kat-Nr. 233, 257) und Bein (Kat.-Nr. 233) vertreten.

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Manju-Netsuke / Lotosblüte. Japan, Meiji. Wohl maritimes Elfenbein. Schätzpreis 200 Euro. 

Die meisten Stücke wurden in der gebräuchlichsten, kompakten katabori-Form angefertigt, eine Position weist aber auch Objekte der flachen Manju-Form auf (Kat-Nr. 240), eine weitere ist eine Kagamibuta, eine Dose mit Deckel (Kat-Nr. 234).

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Drachen-Netsuke / Dose. Japan, wohl Meiji. Elfenbein, geschnitzt, geschwärzt. Schätzpreis 200 Euro. 

Die Motiv-Vielfalt der Netsuke

Von den dargestellten Motiven her reflektiert die vorliegende Sammlung das klassische Spektrum, das auch angefertigt wurde, als Netsuke noch als Kleidungsstücken getragen wurden – vor allem Kaufleute schmückten sich gerne mit kostbaren und ausgefallenen Netsuke, da es ihnen als niedrigster gesellschaftlicher Klasse nicht erlaubt war, anderen Schmuck zu tragen.

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Mutter mit Kind. Japan, wohl Meiji. Elfenbein, geschnitzt, braun akzentuiert. Schätzpreis 120 Euro. 

Es gibt Figuren des täglichen Lebens – Handwerker (Kat-Nr. 247) und Bauern (Nr. 246), Mütter (u.a. Kat-Nr. 244) und Kinder (u.a. Nr. 254), Musiker (Kat-Nr. 251) und Tänzer (Kat-Nr. 242).

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Zwei Elfenbein-Netsuke: Trommler / Tänzer. Japan, wohl Taisho-Zeit. Schätzpreis 150 Euro. 

Götter wurden genauso dargestellt wie Sagengestalten (u.a. Kat-Nr. 253, 248).

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Zwei Ebisu und ein Bishamon. Japan, wohl Taisho-Zeit. Elfenbein, geschnitzt und farbig gefasst. Schätzpreis 180 Euro. 

Ein besonderes Interesse galt Tierdarstellungen, sowohl nach der Natur (Kat-Nr. 224, 231) wie auch als Glücks-Symbol (Kat-Nr. 227).

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Links: Sich putzende Katze. Japan, 19. Jh. Elfenbein geschnitzt. Schätzpreis 400 Euro. Rechts: Zwei Frösche auf einem Seerosenblatt. Japan, wohl Meiji. Elfenbein, geschnitzt. Schätzpreis 120 Euro. 

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Ratte mit Früchten auf Lotosblatt / Zwei Welpen und Karpfen. Japan, wohl Taisho-Zeit. Elfenbein, geschnitzt, farbig staffiert. Schätzpreis 300 Euro.

Diverse Objekte zeigen auch japanische Tierkreiszeichen – Pferde (Kat-Nr. 220, 221.222), Ochsen (Kat-Nr. 228), Wildschweine (Kat-Nr. 230), Ratten (Kat-Nr. 232) oder Tiger (Kat-Nr. 225) – die in dem Jahr getragen wurden, in dem das jeweilige Tierkreiszeichen herrschte. So konnte man einst schon mit einem winzigen Figürchen zeigen, dass man immer mit der Zeit ging.

Netsuke Elfenbein Meiji Auktion München Scheublein.

Netsuke mit Figuren des asiatischen Tierkreises. Von links: Wildschwein, wohl Meiji, Schätzpreis 150 Euro. Pferd, Japan, 19. Jh., Schätzpreis 350 Euro. Ochse, Japan wohl Meiji, Schätzpreis 150 Euro. Tiger, Japan, wohl Meiji, Schätzpreis 150 Euro. 

Highlights der Juli-Auktion (II): Drei Lithographien von Barbara Hepworth

In der Kategorie “Kunst nach 1945” bilden drei Graphiken aus der Hand der Bildhauerin Barbara Hepworth (1903 – 1975) ein besonderes Highlight. Die Blätter aus dem Lithographie-Zyklus „Aegean Suite“ geben einen faszinierenden und berührenden Einblick in die Beobachtungsweise und kreativen Denkprozesse der britischen Künstlerin.

Barbara Hepworth und Griechenland

Mit ihrer Griechenlandreise im August 1954 erfüllte sie sich nicht nur einen lang gehegten Traum. Sie versuchte damit auch, über einen schweren Schicksalsschlag hinwegzukommen: den Tod ihres ältesten Sohns Paul, der während seines Diensts bei der Royal Airforce verunglückt war.

Barbara Hepworth Lithographie Aegean Suite Auktion München Scheublein

Barbara Hepworth: “Desert Forms”. Farblithographie aus dem Zyklus “The Aegean Suite”. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Ein superbes Gefüge aus Hügeln und Ebenen

Der Besuch der Stätten des klassischen Altertums, aber auch der ägäischen Inseln, gab ihr neuen Mut und Schaffenskraft: „Die Inspiration war fantastisch“, schrieb die Künstlerin nach ihrer Rückkehr. „In Mykene rannte ich, mein Notizbuch in der Hand, wie ein Hase die Hügel hinauf, um ja vor allen anderen oben zu sein und die absolute Wucht der Einsamkeit für mich zu haben. Ich machte viele Zeichnungen für neue Skulpturen (…) Diese Formen waren meine Erfahrung dort oben. Nach meinem Bad in der Einsamkeit wartete ich auf die 199 Menschen, die ich hinter mir gelassen hatte, und beobachtete ihre Bewegungen und wie sie reagierten, als sie die Architektur in diesem superben Gefüge aus Bergen, Hügeln und Ebene betraten. Das war zugegebenermaßen sehr unsozial, aber ich hatte dreißig Jahre darauf gewartet, hierher zu kommen.“

Farben, Räume, Proportionen

Barbara Hepworth Aegean Suite Auktion München Scheublein

Barbara Hepworth, Sun and Water, Farblithographie aus der “Aegean Suite”. Schätzpreis 1.200 Euro. 

Auch die Farben des südlichen Landes lösten schiere Begeisterung aus: „Indigo-Meer, das, wenn sich das Licht von den Klippen darin spiegelt, reinstes Himmelblau wird“, notiert die Künstlerin. „Diese indianisch-roten und rosanen Hügel – klösterlich purpurne Berge bei Sonnenuntergang, was die Grüntöne zur wildesten Vitalität intensiviert. Die Akropolis – die Zwischenräume zwischen den Säulen – die Tiefe ihrer Riffelung zu berühren – ihr Umfang, Gewicht und Volumen – die Großartigkeit eines einzigen Marmorblocks, das Loch am oberen Ende. Die leidenschaftlich warme Farbe des Marmors und diese alles durchdringenden philosophischen Proportionen und Räume.“

Barbara Hepworth’ “Aegean Suite”

Die Eindrücke der Reise wirkten für den Rest ihres Lebens nach. Noch in ihrem Spätwerk, als Barbara Hepworth begann, mit Lithographie zu experimentieren, widmete sie von den insgesamt nur zwei von ihr angefertigten lithographischen Serien eine der Form- und Farbenwelt Griechenlands. Aus dieser 1971 erschienenen „Aegean Suite“ liegen in dieser Auktion drei Blätter vor – „Sun and Water“, „Sun and Marble“ (ganz oben) und „Desert Forms“ -, die jeweils auf einen Schätzpreis von 1200 Euro taxiert sind. Sie spiegeln nicht nur Hepworth’ Faszination für die Vollkommenheit klassischer Formen, sondern auch für das oben beschriebene, einzigartig intensive Farbenspiel der Landschaften in der hellenischen Inselwelt.

Highlights der Juli-Auktion (I): Ein Aquarell von Max Pechstein

Das auf 1921 datiertes Aquarell „Dorfstraße in Leba“, angeboten zu einem Schätzpreis von 12.000 Euro,  entführt in eine Schaffensphase, in der sich Max Pechstein (1881 – 1955) längst von den Künstlern der „Brücke“ und der „Neuen Secession“ gelöst hatte und sich im Rahmen der „Novembergruppe“ auch politisch engagierte.

Max Pechstein und das Meer

Seine Liebe zum Meer hatte er über all diese Jahre beibehalten: Schon 1909 hatte der Maler in der Künstlerkolonie Nidden am kurischen Haff die Schönheit der Ostsee für sich entdeckt; nach seiner ausgedehnten Südseereise 1913/14 und dem Ersten Weltkrieg kehrte er an das Binnenmeer im Norden Deutschlands zurück. Ab dem Frühjahr 1921 verbrachte Pechstein jährlich viele Wochen in Leba an der pommerschen Ostseeküste. Hier faszinierten ihn der ständige Wandel der Lichtstimmungen und die Farben der Strandlandschaften rund um das Fischerdorf immer wieder neu.

Die Küste als künstlerische Triebfeder

„Wichtigste thematische Triebfeder waren immer das Meer und die Ereignisse in Küstennähe, Jahreszeitenwechsel und Tagesabläufe, Wetterveränderungen, das Leben der Fischer, die Landschaften zwischen Wolken und Watt, Haff und Nehrung, Nidden und Palau, Monterosso al Mare am Ligurischen Meer und Leba an der pommerschen Küste“, schreibt der Kunstkritiker Peter Winter in seinem Aufsatz „Rhythmus und Farbkontrast“ über die Landschaftsdarstellungen Max Pechsteins.

Straße und Landschaft

Obwohl das vorliegende Blatt eine Straßenszene zeigt, trifft vieles zu, was in diesem Aufsatz zu den Kompositionsprinzipien von Pechsteins Landschaften festgehalten wird: „Da ist (…) der starkfarbige Aquarellist, der in zeichenhaft-knappen Szenerien bewegte Figuren agieren lässt.“ In vielen Bildern wird, wie der Kritiker beobachtet, eine spitze, keilförmige Energie sowie eine Diagonale wirksam, die Kompositionen gerade aus den frühen 1920er Jahren regelrecht aktiviert.

Energie und Farb-Wucht

Beides ist auch in dem vorliegenden Aquarell klar erkennbar: In dem von den Komplementär-Kontrasten Gelb-Blau und Rot-Grün geprägten Straßenszenario bricht ein von links oben einfallender Sonnenstrahl eine Schneise in die Schatten und richtet die gesamte Komposition entlang dieser Diagonale aus. Selbst in den im Vergleich zu Ölfarben zarten Aquarelltönen wird eine Farb-Wucht erahnbar, die von Pechsteins in einem Text in der Zeitschrift „Pan“ beschriebenem, fast ekstatischem Zustand während des Malens zeugt: „Rausch! Gehirn zerschmettern! Wonnevolle Schmerzen des Gebärens! Krachen des Pinsels, am liebsten Durchstoßen der Leinwände. Zertrampeln der Farbtuben (…)!“ Eine Energie, die Pechstein, wie aus dem vorliegenden Blatt ersichtlich wird, während seiner sommerlichen Ostsee-Aufenthalte selbst mit dem Aquarellkasten intensiv auslebte.