Im Blickpunkt am 14. Mai: Akan-Goldgewichte
Ein breites Angebot an Porzellan aus Asien sowie an Servicen und Figuren aus europäischen Manufakturen steht im Blickpunkt der Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 14. Mai. Wie stets umschließt die alle gängigen Kategorien überspannende Auswahl auch viele Trouvaillen für den kleinen Geldbeutel, diesmal besonders auch aus den Bereichen Graphik und Teppiche. Ein besonderes Highlight der Auktion indes entführt in den Westen Afrikas.

Detail des Bilds oben: Waagschale, Löffel sowie geometrische und wie Fische geformte Gewichte. Schätzpreis der 51teiligen Position: 140 Euro.
Goldgewichte der Akan
Gleich vier Positionen umfassen Gewichte und Wiegeutensilien, wie sie die zu den Akan-Völkern gehörenden Ashanti über Jahrhunderte hinweg zum Wiegen von Goldstaub verwendeten. Bereits in vorkolonialer Zeit schürften die Ashanti in den Regenwaldgebieten Ghanas nach dem Edelmetall und schufen daraus nicht nur filigranen Schmuck, sondern betrieben auch einen florierenden Goldhandel mit den Völkern der Sahelzone und sogar mit den Ländern nördlich der Sahara. Später, als Ghana unter der Bezeichnung Goldküste geführt wurde, kamen auch europäische Handelspartner und Kolonialmächte hinzu.
Goldstaub als Zahlungsmittel
Feiner Goldstaub wurde darüber hinaus ab dem späten 14. Jahrhundert auch als Zahlungsmittel eingesetzt. Die Wiegeutensilien, vor allem aber die Gewichte zum Abwiegen wurden im Lauf der Jahrhunderte immer kunstvoller angefertigt und orientierten sich nicht nur an einheimischen Systemen, sondern auch an den Einheiten der Handelspartner der Ashanti – islamischen Unzen, portugiesischen Unzen, später holländischen und anderen europäischen Gewichten.
Goldgewichte: von der geometrischen Form zum Ziermotiv
Auch die Gestaltung wurde immer komplexer: Waren die Akan-Goldgewichte am Anfang geometrische Formen, kamen schon bald Ziermotive oder Formkombinationen hinzu; ab dem 16. Jahrhundert wurden auch figürliche Goldgewichte angefertigt, die Menschen, Tiere und Gebrauchsgegenstände darstellten.

Akan-Goldgewichte in geometischen Formen, aber auch mit Tier- und Alltagsdarstellungen. Position mit 50 Teilen, Schätzpreis 140 Euro.
Sie waren immer noch zu ihrem ursprünglichen Zweck einsetzbar, dienten daneben aber auch als Parade- und Schauobjekte und ermöglichten es sogar, Geschichten oder Sprichwörter nachzustellen.
Hergestellt wurden die großenteils aus Messing im Wachsausschmelz-Verfahren gegossenen Gewichte bis ins späte 19. Jahrhundert.
Akan-Goldgewichte: eine einzigartige Tradition
1899 verboten die britischen Kolonialherren den Einsatz von Goldstaub als Zahlungsmittel; damit gerieten auch die Goldgewichte großenteils in Vergessenheit. Heute werden sie nur noch vereinzelt als Dekorationsobjekte hergestellt.

Akan-Goldgewichte in Form von Alltagsgegenständen und geometrischen Figuren. Position mit 50 Teilen, Schätzpreis 140 Euro.
Die vier bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Konvolute reflektieren die ganze Vielfalt an Formen dieser einzigartigen afrikanischen Kunsthandwerks-Tradition: Sie umfassen geometrische, teils detailfreudig verzierte Objekte, Gebrauchsgegenstände wie Pflüge, Hammer oder Seile, Waffen und Muscheln, aber auch menschliche Figuren, Tiere und Vögel. Die Positionen umfassen jeweils 50, bzw. 51 Teile und sind zum Schätzpreis von je 140 Euro angesetzt.
Auktionsergebnisse vom 19. Maerz (II): Glas, Fayence, Hinterglas, Moderne
In der Kategorie Glas konnte SCHEUBLEIN Art & Auktionen bei der Frühjahrsauktion diesmal Objekte von absoluter Seltenheit anbieten: frühes deutsches Formglas, das Ende des 16. / Anfang des 17. Jahrhunderts vor allem in süddeutschen Glashütten entstanden war.
Auktionsergebnisse: Frühes Formglas
Ganz besonderes Augenmerk richteten die Bieter auf zwei Lose: Einen Fußbecher, dessen Quadermuster einst mit einem Model in das noch heiße Glas gedrückt worden war, und einen Römer. Der Schaft dieses in Gestalt der wohl traditionsreichsten deutschen Weinglasform gearbeiteten Trinkgefäßes ist, für die Zeit typisch, mit Beerennuppen verziert. Die Kuppa weist ein mit Hilfe eines Models erzeugtes Wabenmuster auf. Der Fußbecher wurde nach einem überaus intensiven Bietergefecht schließlich für 11.300 Euro* zugeschlagen und ging in den internationalen Kunsthandel. Der prunkvolle Römer wurde für 2.300 Euro* von einem privaten Liebhaber erworben.
Auktionsergebnisse: Fayence und Keramik
Einer der legendären Tropenvögel, die Bildhauer Josef Wackerle in den 1910er Jahren für die Majolika-Abteilung der Porzellanmanufaktur Nymphenburg entworfen hatte, entwickelte sich zum Spitzenlos der Kategorie „Fayence und Keramik“. Der majestätische, mit Sockel über 80 cm hohe Gelbbrustara mit Maske kletterte bis auf 6.300 Euro*, bevor der Hammer fiel.
Auktionsergebnisse: Hinterglaskunst
Eine außergewöhnlich umfassende Privatsammlung mit Hinterglasarbeiten markierte das Highlight des Angebots in der Kategorie Kunsthandwerk. Elf Bilder daraus führen bis an die Ursprünge dieser Kunst: Sie entstanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Großraum Venetien-Tirol im Umfeld von damals bedeutenden Zentren der Glasproduktion, die es beherrschten nicht nur Hohlglas, sondern auch flache, auf einem Eisenrahmen ausgestrichene Glastafeln herzustellen.

Kalvarienberg, Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. Jh. Hinterglasmalerei mit Églomisé. Ergebnis 3.300 Euro*
Motivisch reflektieren diese Hinterglasbilder den Malerei-Stil der Renaissance und Spätrenaissance. Allein schon dieser Sammlungsteil stieß sowohl bei privaten Liebhabern, wie auch bei Bietern aus dem Museumsbereich und dem Kunsthandel auf höchstes Interesse und erlöste insgesamt 23.500 Euro* .

Der zwölfjährige Jesus im Tempel. Hinterglasbild mit Eglomisé. Venetien-Tirol,
2. Hälfte 16. Jh. Ergebnis 3.500 Euro*.

Kusstafel “Gnadenstuhl”, Hinterglasbild mit Églomisè. Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. Jh. Ergebnis 3.500 Euro*
Auktionsergebnisse: Kunst der Moderne
Bei der Kunst nach 1945 weckte ein 1968 entstandenes Blatt des katalanischen Surrealisten Joan Miró (1893 – 1983) besonders großes Bieterinteresse: „Tête Flèche“, eine Farbaquatintaradierung mit Caborundum. In letzterer Technik ist der Hintergrund dieser Graphik gearbeitet; sie ermöglichte es Miró, Dripping-Effekte, wie er sie bei den abstrakten Expressionisten beobachtete, auch in das Medium der Graphik zu übertragen. Über diesen Fond legte der Künstler eine fast kalligraphisch anmutende, frei intrepretierbare Formen-Komposition.
Das spannungsreiche Blatt ging für 6.300 Euro* an einen privaten Sammler.
* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (26%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.
Auktionsergebnisse vom 19. März (I): Silber und Schmuck
Mit überaus regem Interesse von Bietern, die ihre Gebote schriftlich abgegeben hatten oder per Telefon und online zugeschaltet waren, hielt SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 19. März seine Frühjahrsauktion ab. Besonders gefragt waren, neben Möbeln und Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, historische Porzellane, moderne Kunst, eine Sammlung an Hinterglasbildern aus dem 16. Jahrhundert sowie Silber.
Auktionsergebnisse Silber: Gefragte Kostbarkeiten
Aus letzterer Kategorie stammt auch das Toplos der Frühjahrsauktion: Eine in Augsburg zwischen 1665 und 1669 von Meister Heinrich Mannlich angefertigte Schatulle mit reichen Verzierungen. Die Seiten des Objekts schmücken figürliche Reliefs mit Szenen aus dem Leben des alttestamentarischen Helden Samson – das Relief der Frontansicht zeigt den Moment, in dem seine Geliebte Delila Samson das Haupthaar, den Quell seiner unbändigen Kräfte, schert und ihn seinen Feinden ausliefert.
Für 12.600 Euro* ging das überaus begehrte Stück in eine private Sammlung.
Ein russisches Reliquienkreuz aus vergoldetem Silber, entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde für 5.700 Euro* zugeschlagen. Es ging in den Kunsthandel.
Auktionsergebnisse Schmuck: Objekte von Hanns Rothmüller
Gefragt war auch eine Auswahl von 23 Schmuckobjekten aus einem der legendärsten Juweliershäuser Münchens, Rothmüller. Gegründet 1886, avancierte das Atelier während der Jugendstilzeit zum Inbegriff moderner deutscher Schmuckkunst.

Schmuck des Münchner Schmuckgestalters Hanns Rothmüller in der Frühjahrs-
auktion, von links oben im Uhrzeigersinn:
Schneeflocken-förmige Brosche mit
Diamanten und Brillanten (Ergebnis 8.800 Euro*), Ring mit einem gelben und einem blauen Saphir sowie einem Rubin (Ergebnis 6.550 Euro*), Ring mit Zuchtperle und Diamantbaguetten (Ergebnis 3.900 Euro*), Armband mit Zuchtperlen und Amethysten (Ergebnis 4.900 Euro*) sowie Armreif mit Korallen (Ergebnis 3.300 Euro*).
Die bei SCHEUBLEIN angebotenen Objekte fußen auf Entwürfen eines der beiden Söhne des Gründers, Hanns Rothmüller (1898 – 1983), dessen Gestaltungswille den Schmuckstil des Traditionsbetriebs in der Brienner Straße auch über mehrere Nachkriegs-Jahrzehnte hinweg prägte. Zu den Spitzenlosen aus diesem Bereich gehören eine schneeflocken-förmige Brosche mit Diamanten und Brillanten (Ergebnis 8.800 Euro*), zwei Ringe mit Saphiren und einem Rubin bzw. mit Zuchtperle und Diamantbaguetten (Ergebnis 6.550 Euro* bzw. 3.900 Euro*) sowie zwei Armreifen mit Korallen bzw. Zuchtperlen und Amethysten (Ergebnis 3.300 Euro* bzw. 4.900 Euro*).
* Alle Angaben der Zuschlagspreise inkl. Aufgeld (26%) und ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.
Im Blickpunkt am 19. März: Altmeister-Gemälde niederländischer Maler
Gemälde und Graphik aus der Hand alter Meister bilden einen Schwerpunkt bei der Auktion am 19. März. auch das Spitzenlos der Auktion stammt aus der Kategorie Altmeister. Das oben gezeigte Bild (Öl auf Kupfer, 38,5 x 52 cm) ist sowohl im Hinblick sowohl auf seine Motivwahl wie auch auf seine Stilistik bemerkenswert.
Gezeigt ist eine Szene, die vor allem in die Kunst Italiens des 15. bis 17. Jahrhunderts Eingang fand: Die mystische Vermählung der Heiligen Katharina. Der Maler allerdings ist ein Niederländer, Denys Calvaert (1540 – 1619).
Denys Calvaert: Ein Niederländer in Bologna
Der gebürtige Antwerpener ging, nachdem er in seiner Heimat Landschaftsmalerei studiert hatte, nach Bologna und Rom. Dort arbeitete er mit namhaften italienischen Meistern zusammen, beschäftigte sich intensiv mit dem Werk Raphaels und gründete schließlich in Bologna eine eigene Schule, in der unter anderem Guido Reni und Domenichino ihre Ausbildung begannen.

Denys Calvaert, Vermählung der Heiligen Katharina, Ausschnitt: Zwei Putten halten einen Blütenkranz.
Vom flämischen zum italienischen Stil
Calvaert selbst legte nach und nach jegliche flämischen Prägungen ab und näherte sich einer rein italienischen Stilistik an. Auch seine Motivwahl ist vom Kanon der italienischen Kunst geprägt. Dies lässt sich auch an vorliegendem Werk ablesen: Katharina hatte eine Vision, in der sie sich mit dem Jesusknaben vermählt.

Denys Calvaert, Die mystsiche Vermählung der Heiligen Katharina. Öl / Kupfer, 38,4 x 52 cm. Schätzpreis 15.000 Euro.
Calvaert zeigt das Geschehen als festliche und zugleich sehr persönliche Szene: Wirklich zugegen sind nur Katharina von Siena, die Mutter Gottes und das Christuskind sowie ein Orchester von Engeln.
“Geschlossene Gesellschaft” aus Akteuren und Betrachter
Neugierigen, die das Heilige Geschehen beobachten wollen, nimmt ein weiterer Engel mit einem großen Tuch die Sicht.
Das von warmen, teils pastelligen Farbnoten geprägte, prachtvolle Gemälde wird zum Schätzpreis von 15.000 Euro angeboten.
Galantes Paar von Vinckboons
Ein „Galantes Paar vor einem Spiegel“ aus der Hand von – (1576 – 1632) wird mit 8.000 Euro aufgerufen.
Im Blickpunkt am 19. März: Joan Mirós “Tête flèche”
„Die Radierung ist für mich ein wichtiges Ausdrucksmittel. Sie war ein Mittel zur Selbstbefreiung, Erweiterung und Entdeckung, selbst wenn ich zu Beginn Gefangener ihrer Einschränkungen, (…) ihrer Werkzeuge und ihrer von der Tradition abhängigen Rezepte war. Ich musste ihr widerstehen, sie überflügeln. Ein unermessliches Feld von Möglichkeiten bot sich nun meinem Blick und meiner Hand dar“, schreibt Joan Miró Anfang der 1950er Jahre.
Mirós Lebenstraum
Tatsächlich entdeckte der katalanische Surrealist (1893 – 1983) Druckgraphik erst relativ spät als künstlerisches Ausdrucksmittel, nicht zuletzt, um sich durch die mit dem Verkauf graphischer Blätter erzielbaren Einnahmen einen Lebenstraum zu erfüllen: Ein Atelier, das groß genug war, um mehrere Leinwände gleichzeitig aufzustellen, um auch einen Bereich für keramische Arbeiten einzurichten und eine Druckerpresse zu installieren.
Fruchtbares Spätwerk
1956 wurde dieser Wunsch mit seiner Villa auf Mallorca Wirklichkeit. Doch auch zur immensen Popularität von Mirós Werk trug das vor allem nach dem zweiten Weltkrieg entstandene, umfassende und bedeutende graphische Werk maßgeblich bei. Die durch das neue Atelier ungewohnt freizügigen Arbeitsmöglichkeiten führten zu einem immens vielschichtigen und fruchtbaren Spätwerk gerade auch im Verlauf der 1960er Jahre, das Miròs markante Formensprache mit zeitgenössischen Tendenzen der Kunst verbindet.
Der “Tête flèche”
Das vorliegende Blatt „Tête flèche“ („Pfeil-Kopf“) von 1968 ist ein sehr typisches Beispiels für diese Herangehensweise: Die Caborundum-Technik, in der der Hintergrund gearbeitet ist, ermöglicht es, zufallsbasierte Dripping-Effekte, wie sie Mirò bei den abstrakten Expressionisten beobachtete, auch in das Medium der Graphik zu übertragen. Über diesen Fond legt sich die fast kalligraphisch anmutende Formen-Komposition. „Formen realisieren sich, während ich arbeite“, schreibt Miró. „Mit anderen Worten: Ich plane nicht, etwas Bestimmtes darzustellen, sondern ich beginne. Und während ich arbeite, kommt das Bild zum Ausdruck beziehungsweise es drängt sich mir (…) auf.“
Phantasie und spontane Eindrücke
Sein Form-Vokabular, so der Kunsthistoriker Achim Sommer, deutet Miró mit jeder neuen Ausgangssituation anders, die Einsatzmöglichkeiten von Formen öffnen sich; deren Bedeutung wird oft nur vom jeweiligen Kontext determiniert. Auch der Betrachter auch des vorliegenden „Tête flèche“ ist seiner Phantasie und seinen spontanen Eindrücken überlassen; keine festgeschriebene Interpretation engt ihn bei der Beschäftigung mit dieser spannungsreichen Komposition ein. Das Blatt wird zu einem Schätzpreis von 6.000 Euro angeboten.
Im Blickpunkt am 19. März: Frühe Hinterglaskunst aus Venetien-Tirol
Zu den Highlights der Frühjahrsauktion gehört, neben altmeisterlichen Gemälden und Graphik, Schmuck aus der Hand des Münchner Juweliers Hanns Rothmüller oder Weinen aus Bordeaux und Burgund auch eine außergewöhnliche Privatsammlung mit Hinterglaskunst. Elf Objekte daraus gehen bis auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück und entstanden im Großraum Venetien-Tirol. Sie gewähren nicht nur einen Einblick in die frühe Geschichte der Hinterglasmalerei, sondern auch in die Art und Weise, wie sich Gemälde zu Zeiten der Renaissance verbreiteten.
Die technische Grundlage: Flaches Glas
Der Grund, warum die Hinterglaskunst gerade im Großraum Venetien-Tirol eine frühe Blüte erlebte, liegt zum einen an damals bedeutenden Zentren der Glasproduktion – auf Murano natürlich, aber auch in Innsbruck und Hall. Dort sind ab 1534 ebenfalls kunstfertige Glashütten nachgewiesen, die nicht nur das Anfertigen von Hohlglas mittels Blasrohr, sondern auch von flachen, auf einem Eisenrahmen ausgestrichenen Glastafeln beherrschten.
Wie die Hinterglaskunst nach Venetien-Tirol kam
Zum anderen führten zahlreiche Handelswege von Italien durch diese Region hinweg nach Norden. Durch sie fanden Stiche, die Experten wie Marcantonio Raimondi (1475 – 1534) von Werken der großen Renaissance-Meister anfertigten, rasch Verbreitung. Alle elf Werke, die aus dieser Epoche in der vorliegenden Sammlung enthalten sind, zeigen auf, wie genau die Hinterglaskünstler diese Stichvorlagen studierten.
Faltenwürfe und liebliche Landschaften

Madonna della Palma, Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. jh., Hinterglasmalerei mit Blattgold, ca. 19,8 x 17,3 cm. Schätzpreis 1.800 Euro.
Die „Madonna della Palma“ nach einem Raimondi-Druck zu einem Gemälde Raphaels (Schätzpreis 1.800 Euro) zeigt nicht nur die Szene mit Maria, Elisabeth, dem Christus- und dem Johannesknaben mit sorgfältigst gearbeiteten Faltenwürfen und plastisch durchgebildeten Körpern; auch die typische Landschaft mit Städtchen im Hintergrund hat der Maler detailreich gestaltet.
Rundbögen und Zentralperspektive

S. Giustina, Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. Jh. Polychrome Hinterglasmalerei mit Églomisé. ca. 25 x 20 cm. Schätzpreis 1.800 Euro.
Ein Bild der Heiligen Giustina (Schätzpreis 1.800 Euro) übernimmt ein typisches Architekturmotiv der Frührenaissance, den säulengetragenen Rundbogen, und wendet bei der Gestaltung des Fliesenbodens auch die Gesetze der Zentralperspektive an.
Stimmung und Texturen

Kalvarienberg, größere Ansicht der Bildtafel der Abbildung ganz oben. Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. Jh, Schätzpreis 1.800 Euro. Besonders gut zu erkennen ist die Leuchtkraft der mit Églomisé gearbeiteten Flächen.
Ein „Kalvarienberg“ (Schätzpreis 1.800) glänzt nicht nur durch Églomisé und strahlende Farben, sondern auch durch eine sorgfältig gearbeitete Wolkenstimmung. Und eine Kusstafel mit der „Beweinung Christi“ (Schätzpreis 1.500 Euro) lässt an Kreuzesbalken und Marmorsarkophag sogar das Bemühen um eine in der Hinterglastechnik höchst schwierig wiederzugebende Materialtextur erkennen.

Beweinung Christi, Kusstafel, Venetien-Tirol, 2. Hälfte 16. Jh., Hinterglasmalerei mit Églomisé. 12,9 x 10,1 cm. Schätzpreis 1.500 Euro.
Neben den insgesamt zwölf auf gestrichenem Glas gemalten Objekten aus dem 16. Jahrhundert weist die Sammlung noch über zwanzig Bilder vor allem aus dem 18. Jahrhundert auf, die in Italien und in den Hinterglas-Zentren Süddeutschlands entstanden.
Im Blickpunkt am 5. Februar: Spielzeug-Modelle und eine Viola da Gamba
Eine Besonderheit im Angebot der Februar-Fundgrube-Auktion 2021 ist eine spannende Auswahl an Schiffs- und Spielzeug-Modellen. In Qualität und Schätzpreis besonders herausragend sind darin drei fast 60 Zentimeter hohe Schiffsmodelle.
Schiffsmodelle, per Hand gebaut
Alle drei repräsentieren berühmte Segler: Christoph Kolumbus‘ Flaggschiff, die Nao Santa Maria, einer Hansekogge sowie die 1674 für die Kurbrandenburgische Marine gebauten Fregatte Berlin (oben). Letztgenanntes Baukastenmodell im Maßstab 1:50 entstand nach Plänen der im Modellbau-Bereich legendären, in Kirchheim/Teck ansässigen Firma Graupner.
Die Schiffe sind mit Schätzpreisen von 700 Euro (Kogge, Santa Maria) bzw. 800 Euro (Fregatte „Berlin“) angesetzt.
“Auf der grünen Wiese steht ein Karussell”
Auch ein ehemaliger Traum kleiner Mädchen und Jungen wird am 5. Februar mit einer Taxe von 150 Euro aufgerufen:
Ein handbetriebenes Spielzeug-Karussell mit bunten Gondeln und Stühlen, aufwendig verziertem Sockel und einem Stoffbaldachin.
Wie die Welt der Motoren funktioniert
Ein weiteres Objekt durfte bis in die Nachkriegsjahre in keinem Knabenzimmer fehlen: Eine Dampfmaschine, anhand derer die Wirkung und Funktionsweise von Motoren studiert werden konnte. Das bei SCHEUBLEIN vorliegende Exemplar, wohl eine Märklin 4097/6, entstand vermutlich in den 1930er Jahren; es wird auf 80 Euro
geschätzt.
Ein neuer alter Klang
Es war ein absolutes Novum, für die Ohren der Konzertbesucher wie auch für die Musiker: In den 1960er Jahren wandelte sich die gängige Praxis, klassische Werke der Musikliteratur nach zeitgemäßen Vorstellungen zu interpretieren. Stattdessen begann eine Handvoll Dirigenten und Solisten zu rekonstruieren, wie die jeweiligen Werke wohl zur Zeit ihrer Entstehung geklungen haben mussten.

Viola da Gamba, Nachbau eines Instruments von Joachim Tielke unter Leitung des Gambisten Heinrich Haferland bei der Firma Moeck. Griffbrett aus Ebenholz mit Elfenbein-Marketerie. Schätzpreis 2.000 Euro.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Bemühungen waren nach dem Vorbild historischer Originale konstruierte Instrumente. Im Bereich der größeren Streichinstrumente war der Cellist und Gambist Heinrich Haferland einer der Pioniere dieser innovativen Praxis: In Zusammenarbeit mit der Instrumentenfirma Moeck entwickelte er ab 1968 die Rekonstruktion einer Viola da Gamba des „deutschen Stradivari“ Joachim Tielke (1641 – 1719). Diese Nachbauten wurden in einer kleinen Serie aufgelegt und nähern sich dem im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg aufbewahrten Original nicht nur im Klang an, sondern auch in den für Tielkes Werkstatt typischen, aufwendigen Zierelementen. SCHEUBLEIN Art & Auktionen freut sich, eines dieser Instrumente mit seinem mit Elfenbein-Marketerien geschmückten Griffbrett anbieten zu können. Der Schätzpreis liegt bei 2.000 Euro.
Im Blickpunkt am 5. Februar: Hinterglasbilder aus Oberammergau
Mit einer breiten Auswahl feiner Objekte auch für den kleinen Geldbeutel startet das Münchner Auktionshaus SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 5. Februar um 13 Uhr in seine Versteigerungssaison für 2021. Besonders im Blickpunkt steht eine Passage mit Hinterglasbildern aus Oberammergau und weiteren Regionen. Das vielfältige Angebot dieser Fundgrube-Auktion erstreckt sich aber quer über alle gängigen Kategorien, von Silber und Schmuck über Porzellan und Möbel bis hin zu Graphik und Gemälden. Weitere besondere Highlights fallen diesmal sogar etwas aus dem Rahmen: Modellschiffe und eine Dampfmaschine sowie ein historisch getreuer Nachbau einer kostbaren Viola da Gamba. Ein gesonderter Beitrag hierzu folgt in Kürze.
Hinterglasbilder aus Oberammergau
Doch zunächst zu den Hinterglasbildern: Den Kern der Passage markiert eine 16 Objekte umfassende Privatsammlung mit Hinterglaskunst aus Oberammergau und aus dem Staffelseegebiet. In beiden an den Handelswegen zwischen Augsburg und den Alpen gelegenen Regionen hatte sich dieses Kunsthandwerk im 18. Jahrhundert zu einem blühenden Hausgewerbe entwickelt. Dessen Erzeugnisse wurden nicht nur im süddeutschen Sprachraum, sondern über ganz Europa hinweg und sogar nach Amerika verkauft. Diese stetig steigende Nachfrage nach Hinterglasgemälden führte seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zur Entwicklung neuer, flächigerer und damit zügiger fertigstellbarer Bildtypen.
“Ammergauer Taferl”
Ein besonders markantes Beispiel für diesen Wandel sind die vor allem für Oberammergau typischen Kartuschbilder mit Blumendekor, die „Ammergauer Taferl“. Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen vorliegende Sammlung umfasst allein sieben solcher Taferl: Die beiden kostbarsten daraus zeigen, umrahmt von bunten Blüten, Christi Geburt und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Sie werden mit einem Schätzpreis von je 550 Euro aufgerufen.

Hinterglasbild: Anbetung der Heiligen drei Könige. Oberammergau, wohl 19. Jh. Ca. 24 x 18 cm. Schätzpreis 550 Euro.
Ein weiteres der Hinterglasbilder aus Oberammergau stellt den Heiligen Martin dar.

Hinterglasbild: Heiliger Martin. Oberammergau, wohl 19. Jahrhundert. 24 x 19 cm. Schätzpreis 300 Euro.
Von Staffelsee bis Schwarzwald
Aus der Staffelseeregion stammen Arbeiten mit der Fußwaschung und dem Abendmahl, die auf je 450 Euro geschätzt sind.
Auf 800 Euro taxiert wird eine Gruppe von vier Hinterglasporträts, die die vier Jahreszeiten versinnbildlichen. Sie entstanden im 19. Jahrhundert im Schwarzwald oder im Elsass.

Vier Hinterglasbilder: Die vier Jahreszeiten. Schwarzwald / Elsass, 19. Jahrhundert. Je 25 x 18,5 cm. Schätzpreis 800 Euro.
Besonderheiten bei der Februar-Auktion
Das Bieten bei der Auktion wird aufgrund der derzeitig geltenden Maßgaben nur schriftlich, telefonisch sowie online über lot-tissimo.com möglich sein. Auch die Vorbesichtigung der Objekte ist diesmal leider nur online möglich.
Im Blickpunkt der Novemberauktion (IV): Eine Sammlung an Hinterglasbildern und ein modernes Gemälde
In die Welt des Berliner Sammlers Gerhard Stade (1907 – 1973) entführt eine Passage mit vierzig Hinterglasbildern sowie ein 1971 entstandenes Gemälde des Künstlers Matthias Koeppel (*1937) . Der als Ingenieur tätige Stade entdeckte seine Leidenschaft für Kunst, und vor allem für Hinterglaskunst während einer Reise in die Tschechoslowakei zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Rasch war sein Interesse geweckt – nicht nur an Arbeiten, die im 19. Jahrhundert in der bayerische-böhmischen Grenzregion entstanden waren, sondern auch an Hinterglasbildern aus anderen Zentren dieser Volkskunst. Vor allem in den 1950er Jahren trug Stade eine umfassende Sammlung zusammen, die die Entwicklung der Hinterglasmalerei im Süddeutschen Raum während des 18. und 19. Jahrhunderts spiegelt.
Hinterglasbilder aus Augsburg und vom Staffelsee

Heiliger Georg, Heiliger Martin. Zwei Hinterglasbilder, Augsburg. 18. Jahrhundert. Schätzpreis 400 Euro.
Die ältesten Arbeiten aus Augsburg, dem Staffelseegebiet oder Tirol stammen allesamt aus malerhandwerklicher Fertigung: Ein einzelner Maler arbeitete mit großer Sorgfalt und Detailfreude an seinem Motiv.
Gerade Hinterglasbildern aus Augsburg oder auch der direkt an den Augsburger Handelswegen gelegenen Staffelseeregion orientierten sich meist an Stichen nach altmeisterlichen Gemälden.
Wandschmuck des Biedermeier
Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurden Hinterglasbilder zunehmend als Wandschmuck in den Biedermeierlichen Bürgerstuben populär. Entsprechend setzte, vor allem in den Zentren im Bayerischen Wald, eine fast schon serielle, sogenannte hüttengewerbliche Fertigung von Hinterglasbildern ein. Verschiedene Arbeitsschritte verteilten sich auf mehrere Personen – vom Risszeichner bis zum Farbenreiber oder Rahmenmacher .
Hinterglas-Sammlung von Museums-Qualität
Der Querschnitt, den die Sammlung Stade zur Volkskunstform der süddeutschen Hinterglasmalerei bietet, ist so prägnant, dass sie über zwanzig Jahre als Leihgabe beim Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg verweilte. Dort wurde er auch von einer Volkskundlerin inventarisiert. SCHEUBLEIN Art & Auktionen freut sich, nun über vierzig Objekte aus diesem Bestand anbieten zu können.
Ein zeitgenössisches Auftragswerk
Eine ganz andere Facette der Sammlertätigkeit Stades beleuchtet das Gemälde “Glück” aus der Hand des zu dieser Zeit ungewöhnlich gegenständlichen Malers Matthias Koeppel (Schätzpreis 1.200 Euro). Für dessen politischen, gerne auch satirischen Ansatz ist das 1971 als Auftragswerk der Familie Stade entstandene Bild ein gutes Beispiel: Im Vordergrund ist eine junge nackte Frau gezeigt, die lustvoll einen Entsafter im Arm hält. Im Hintergrund sieht ein älterer Mann fern. Dieser Herr war dem TV-Publikum der damaligen Zeit kein Unbekannter: Der Journalist Werner Höfer (1913 – 1997) moderierte seit 1952 den „Internationalen Frühschoppen“, eine Journalisten-Talkrunde zu politischen Themen, die 1971 längst zu einer wahren TV-Institution geworden war.
Matthias Koeppel: Ein politischer Maler
Erst 1987, als der Spiegel Details über einen regimefreundliche Zeitungskommentare Höfers zu Hinrichtungen während der NS-Diktatur veröffentlichte, wurde der „Frühschoppen“ als Sendeformat abgesetzt. Ob Matthias Koeppel bereits zuvor Kenntnis von Höfers Vergangenheit bei einem breiten Kreis von NS-Medien hatte, ist nicht bekannt. Fakt ist allerdings, dass er sich über sein ganzes Künstlerleben hinweg politisch äußerte. So setzte er sich seit den 1970er Jahren in seinen Bildern kontinuierlich mit der Berliner Mauer auseinander und gilt als künstlerischer Chronist des Mauerfalls.
Auch was die Anerkennung der figürlichen Malerei auf dem Kunstmarkt der 1970er Jahre betraf, war er ein nimmermüder Kämpfer: Mit Johannes Grützke, Manfred Bluth und Karlheinz Ziegler gründete er 1973 die „Schule der Neuen Prächtigkeit“, die sich gegenständliche Motive in ironischer Brechung auf die Fahnen geschrieben hatte – einer Richtung, die Koeppel bis heute treu geblieben ist.
Im Blickpunkt der Novemberauktion (III): Eine Spitzweg-Landschaft
Wer Spitzweg hört, denkt an humorvolle Genrebilder, feinsinnige Pointenbilder oder augenzwinkernde Beobachtungen zum Zeitgeist der Biedermeier-Ära. Dass der Autodidakt Carl Spitzweg (1808 – 1885) darüber hinaus auch ein meisterlicher Landschaftsmaler war, lassen Werke wie „Der Sonntagsspaziergang“ oder „Der Institutsspaziergang“ zwar erahnen, wirklich wahrgenommen aber wird diese Facette im Werk des legendären Münchner Malers kaum. Dabei nimmt die Landschaftsmalerei, der 1860 enstandene „Institutsspaziergang“ deutet es bereits an, gerade in den späteren Jahren breiten Raum in Spitzwegs Schaffen ein.
Landschafts-Studien mit Eduard Schleich
Die Grundlage für dieses Interesse legte Spitzwegs Malerfreund Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874), der in den 1840er Jahren zu einem Wegbereiter der Freilichtmalerei in Deutschland wurde und gemeinsam mit Carl Spitzweg ausgedehnte Ausflüge in die bayerischen Gebirge unternahm, um Naturstudien zu betreiben.
Constable, Bonington und die Schule von Barbizon
1851 reisten Schleich und Spitzweg gemeinsam nach London und Paris, wo Carl Spitzweg die Werke von John Constable und Richard Parkes Bonington sowie die Maler der Schule von Barbizon kennenlernte. Mit den Landschaftsmalern Diaz, Daubigny und Rousseau stand er danach über viele Jahre in Kontakt.
Spitzwegs meisterlicher Landschafts-Stil
Ihr Einfluss auf Landschaftsgemälde wie das bei SCHEUBLEIN vorliegende, zum Schätzpreis von 28.000 Euro angebotene Werk ist deutlich spürbar. „Flächiger Farbauftrag als Grundstruktur, Akzente reiner Farben, Ton-in-Ton gehaltene Atmosphäre, hell leuchtende Lichtgestaltung, unterbrochener Pinselstrich und skizzenhafte Ausführung von Flächen, Licht und Schatten“: So beschreibt die Kunsthistorikerin Alexandra Matzner in ihrem exzellent aufbereiteten Blog „Art in Words“ Carl Spitzwegs Landschaftsstil.

Carl Spitzweg: Vorgebirgslandschaft mit einem Schloss im Mittelgrund. Entstanden um 1870/75. Öl / Zigarrenkistenholz 10 x 14 cm. Schätzpreis 28.000 Euro.
Höchste Kunst auf Zigarrenkisten
Die Malgrundlage des vorliegenden Bilds ist ebenfalls typisch: Die Brettchen seiner Zigarrenkisten waren Spitzwegs bevorzugter Malgrund für die „Kleinen Landschaften“, die nach 1859 entstanden: „Die subjektive Reaktion des Malers auf die Natur wurde, so lässt sich leicht beobachten, in den späten Jahren zunehmend wichtiger als der Biedermeierrealismus“, schreibt Matzner. „Die ,intime Landschaft‘ löste die heroische Landschaft ab. Das Malerische und die Auflösung der Form zeigt, dass der Maler bis ins hohe Alter an der Frage arbeitete, was ein Gemälde leisten kann.“
Zwei zu je 600 Euro angebotene Bleistift-Studien aus Spitzwegs Hand runden die Offerte ab.
+49 (0)89 / 23 88 689-0























