Highlights Auktion 5. Juli: München-Aquarelle von August Seidel
Ein Glanzlicht bei der Graphik des 19. Jahrhunderts setzen bei der Sommerauktion am 5. Juli 35 Aquarelle von August Seidel (1820 – 1904). Sie zeigen Eindrücke aus der Innenstadt Münchens, den Vorstädten und den umliegenden Weilern, bevor sich die beschauliche Residenzstadt durch den wirtschaftlichen und kulturellen aufschwung der Prinzregentenzeit in eine pulsierende Metropole mit 500.000 Einwohnern verwandelte. Oben abgebildet: Ein Blick vom Giesinger Berg aus über die Mariahilfkirche hin zur Silhouette der Münchner Innenstadt, Schätzpreis 800 Euro.
Monacensia: Eine Sammlung mit Bildern vom dörflichen München

Am Viktualienmarkt mit Blick auf die Heilig-Geist-Kirche. Aquarell über Bleistift, Schätzpreis 800 Euro.
Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen zu Schätzpreisen zwischen 500 und 800 Euro angebotenen Blätter gehörten zumindest teilweise zu jenen 200 Aquarellen mit verschwundenen Ecken Münchens, die Regierungsrat Philipp Pfister in den 1880er-Jahren für seine Monacensia-Sammlung ankaufte. Sie waren ausnahmslos von Malern gefertigt, die auch mit Wehmut auf das Verschwinden von Höfen und Herbergen, Werkstätten und Mühlen, Floßländen und Auen blickten.

Fraunhoferstraße mit dem ehemaligen kurfürstlichen Jägerhaus. Aquarell über Bleistift, Schätzpreis 600 Euro.

Holzstraße mit Ansicht der alten Schmiede vom Glockenbach aus. Aquarell über Bleistift, Schätzpreis 500 Euro.
August Seidel: Ein Künstler auf der Suche nach der Stadt-Idylle
Diesen Geist fängt auch das Vorwort des Katalogs ein, der anlässliche des Verkaufs der Monacensia-Sammlung im 1904 herausgegeben wurde.

Die Fleischbank im Thal (abgebrochen 1884, innere Ansicht). Aquarell über Bleistift. Schätzpreis 500 Euro.
“Seidel hatte sein Künstlerauge (…) bei aller Wahrheit, doch ohne alle Vedutenhaftigkeit auf die Physiognomie des früheren kleinbürgerlichen Stadtbildes geworfen”, heißt es im Vorwort dieses Katalogs. “Dazu gehörten die kleinen, den echten Philister so anheimelnden, jetzt ganz verschollenen Wirtschaften (…), die Tagwerker- und Wäscherinnen-Häuschen in den abrasierten Vorstädten und die letzten jener “Keller”, wo die Halle so schmucklos, der Garten so schattig und das Bier noch so gut war.”
Highlights Auktion 5. Juli / Memento Mori-Objekte
Zu den faszinierendsten Aspekten der Geisteshaltung des Barock gehört die kontinuierliche Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit. Eine Offerte mit großenteils in Elfenbein gearbeiteten Meditationsobjekten des 17. und 18. Jahrhunderts gehört zu den Highlights der 45. Kunstauktion am 5. Juli.
Den Tod be-greifen

Von links: Memento-Mori, wohl 18. Jh., Elfenbein mit silberner Schlange. Schätzpreis 500 Euro. Memento Mori, wohl 17./18. Jh., Elfenbein, Schätzpreis 1.200 Euro. Memento Mori, wohl 17./18. Jh., Elfenbein. Schätzpreis 1.000 Euro.
Aus heutiger Perspektive erwecken Vergänglichkeitsdarstellungen dieser Epoche leichtes Schaudern: Motive wie der in zwei Stadien der Verwesung gezeigte Männerkopf erscheinen uns in ihrer Darstellung äußerst drastisch, da der Zeitgeist des frühen 21. Jahrhunderts jegliche Todesbezüge nur zu gern aus dem Bewusstsein verdrängt. Eine Haltung, die von der Weltanschauung des Barock nicht weiter entfernt sein könte, wie es der Direktor des Bayerischen Nationalmuseums, Dr. Frank Matthias Kammel, in einem Aufsatz beschreibt: Die Vanitas-Kultur, die im späten 16. Jahrhundert einsetzte, betrachtete den Tod als integralen Bestandteil des Lebens. Meditationen über die eigene Hinfälligkeit waren feste Bestandteile der religiösen Andacht. Durch das Betasten plastischer Memento-Mori-Objekte wurden sie noch intensiviert.

Memento Mori aus Elfenbein in Form eines mit Umhang versehenen Skeletts mit einem Sarg als Laterne; Schätzpreis: 600 Euro. Zehner mit Karneolkugeln und Elfenbein-Totenkopf. Schätzpreis 300 Euro.
Suggestivstes Material für Memento Mori-Objekte: Elfenbein
Bevorzugt wurden solche Objekte in Elfenbein gestaltet: Das Material erinnert, in ungeschliffenem Zustand, in seiner Haptik an Knochen; geschliffen fühlt es sich ähnlich an wie feinporige Haut. “Mit der Wahl des Materials Elfenbein gibt der Künstler dem Betrachter alle erdenklichen Meditationshilfen zur Vergegenwärtigung des eigenen Todes an die Hand”, schreibt die Kunsthistorikerin Andrea von Hülsen-Esch. “Kein anderes, noch so kostbares Material vereinigt in sich gleichermaßen die Nähe zum menschlichen Körper, die Suggestivkraft des Haptischen und die Konnotation mit dem Skelett als Visualisierung des toten Körpers schlechthin”.

Von links: Totenkopf, Bergkristall, Schätzpreis 100 Euro. Totenkopf, 18. /19. Jh., Bein mit aufklappbarem Messingdeckel. Schätzpreis 250 Euro. Totenkopf, wohl 19. Jh., Elfenbein, Schätzpreis 150 Euro. Totenkopf, wohl 19. Jh., Elfenbein, Schätzpreis 100 Euro.
Hoffnung auf Erlösung
Insgesamt werden in der Sommerauktion zwölf solcher Objekte angeboten, die neben allem Schrecken für den barocken Geist auch eine tröstliche Komponente enthielten: Vergänglichkeitsandachten galten nicht nur dem Ende der jetzigen, irdischen Existenz, sondern führten den Meditierenden über diese Schwelle hinaus auch zur Veranschaulichung von Auferstehung und Ewigem Leben.

Von links: Memento Mori mit Reliquien, 18./19. Jh., Holz. Schätzpreis 180 Euro. Memento Mori mit Reliquien, 18./19. Jh., Holz, mit abnehmbarer Kalotte. Schätzpreis 400 Euro. Memento Mori, 18. 19. Jh., Holz, in Form eines totenschädels mit klappbarer Kalotte. Schätzpreis 100 Euro.
Fundgrube-Auktion im Mai: Gnadenbilder und Lackdosen
Volkskunst, Graphik sowie über 100 zu moderaten Preisen angesetzte Positionen Schmuck stehen im Blickpunkt der Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 24. Mai 2019 um 13 Uhr. Besonders stark vertreten sind diesmal Asiatika und Porzellan sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts. Ein besonderes Augenmerk gilt diesmal Skulpturen aus der Tradition des Volksglaubens, sogenannten Holzscheitelmadonnen, sowie russischen Lackdosen.
Holzscheitelmadonnen aus Mariazell, Pribram und Šaštín
Volkstümliche Nachbildungen der wichtigsten Gnadenbilder aus dem vormals österreichisch-ungarischen Kulturkreis stehen im Zentrum der Kategorie Kunsthandwerk-Varia. Die meisten von ihnen sind aus Weichholz oder Holzscheiten gefertigte Figuren – daher die Bezeichnung Holzscheitel-Madonnen –, die von lokalen Kunsthandwerkern zum Verkauf an die zu den Wallfahrtsstätten strömenden Pilger geschnitzt wurden. Seit der im 14. und 15. Jahrhundert einsetzenden mystischen Frömmigkeitsbewegung dienten solche Objekte zur Andacht und Erinnerung und boten für die örtliche Bevölkerung eine willkommene Erwerbsquelle.
In der Auktion angeboten werden fünf Darstellungen der Madonna aus Mariazell in der Steiermark (Schätzpreise 50 bis 300 Euro).
Madonnen und Pietàs
Außerdem stehen sechs Holzscheitel-Madonnen nach dem Vorbild des Bildnisses auf dem Heiligen Berg zu Pribram in Böhmen (Taxe 50 bis 150 Euro) zum Verkauf.

Madonna vom Heiligen Berg zu Pribram, sog. Holzscheitelmadonna. Böhmen, 2. Hälfte 19. Jh. Schätzpreis 150 Euro.
Sechs Pietàs, die der Statue aus der Basilika St. Maria zu den Sieben Schmerzen im slowakischen Šaštín nachempfunden sind, kommen ebenfalls unter den Hammer. Sie sind mit 60 bis 100 Euro angesetzt.

Volkstümliche Nachbildung der Pietà von Sastin, Slowakei oder Böhmen, 19./20. Jh. Schätzpreis 100 Euro.
Lackdosen aus Russland
Ebenfalls in der Kategorie Kunsthandwerk offeriert werden sieben Positionen mit russischen Lackdosen (Schätzpreise zwischen 150 und 200 Euro). Die typische, schwarzgrundige Bemalung mit Märchenszenerien und weiteren Motiven reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück, als in Fedoskino bei Moskau das erste einschlägige Kunsthandwerkszentrum entstand.

Zwei Positionen mit je fünf Lackdosen aus Russland, 2. Hälfte 20. Jahrhundert. Schätzpreis je 200 Euro.
Neuer Erwerbszweig für Ikonenmaler
Weitere Zentren bildeten sich nach der Oktoberrevolution in den zwischen Moskau und Nischni-Nowgorod gelegenen Orten Palech, Mstjora und Cholui heraus. Da die Ikonenmalerei nach 1917 auf Druck des kommunistischen Regimes eingestellt werden musste, suchten sich die Maler in diesem Bereich der Volkskunst ein neues Betätigungsfeld. Ihr eigentlicher künstlerischer Hintergrund schlägt sich nicht nur in der stilistischen Gestaltung der Dosen nieder, sondern auch im verwendeten Farbmaterial: Dosen aus Palech, Mstjora und Cholui sind, wie Ikonen, in Eitempera gearbeitet, während in Fedoskino traditionell Ölfarben benutzt werden.
Nachlese zur Frühjahrsauktion (II): Kunst nach 1945 und Ikonen
Auch unter der mit 40 Positionen als eigene Rubrik geführten zeitgenössischen Kunst entwickelten sich zwei Nummern zu
Spitzenlosen. Die Farblithographie „Mist“ des britischen Malers und Fotografen David Hockney (*1937) wechselte für 12.600 Euro* den Besitzer.
David Hockney und das Wetter
Der Druck stammt aus der Reihe „The weather series“, in denen
sich Hockney, inspiriert zum einen von den Holzschnitten Katsushika Hokusais, zum anderen von den Lichtstimmungen Claude Monets, mit der Darstellbarkeit von Wetterphänomenen beschäftigt.
Körperbewusstsein à la Otto Muehl
Der Fotodruck „Bodybuilding“ des österreichischen Aktionskünstlers Otto Muehl (1925 – 2013), entstanden 1965 in der Phase des Wiener Aktionismus,
kletterte von einem Schätzpreis von 500 Euro bis auf 4.030 Euro*.
Padua in Venedig
Eine Venedig-Ansicht aus der Hand des in Salzburg geborenen Malers Paul Mathias Padua (1903 – 1981) erlöste 7.300 Euro*. Sie zeigt eine Frontalansicht der Kirche Santa Maria della Salute mit einem Taubenschwarm in einer für die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre typischen Stilistik.
Ikone “Freude und Trost”
Als wohl überraschendstes Los der 44.
Kunstauktion entwickelte sich eine Ikone.
Die Freude und Trost spendende Gottesmutter
von Vatopedi, entstanden Ende des
19. Jahrhunderts in Russland nach dem im
gleichnamigen Kloster auf dem Berg Athos
befindlichen Vorbild, war ursprünglich
mit 600 Euro angesetzt, kam nach einem
intensiven Bietergefecht für 9.500 Euro*
unter den Hammer.
Nachlese zur Frühjahrsauktion (I): Altmeister und Gemälde
Mit einer Zuschlagsquote von fast 80 Prozent schloss am Freitag, 29. März, die 736 Nummern umfassende Frühjahrsauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen. Besonders reges Interesse der Bieter im Saal, am Telefon und im Internet fanden Objekte der Kategorien Schmuck, Porzellan, Glas, Möbel und Dosen; letztere wurden nahezu vollständig verkauft. Die höchsten Preise wurden vor allem bei den Gemälden erzielt.
Von Hildburghausen an den Obersee
Generell hoch in der Gunst der Bieter stand eine Passage mit elf halb- bis ganzfiguriger Porträts unterschiedlicher Provenienz, die bei den Altmeistern angeboten wurde. Eine schon im Vorfeld zu den Highlights der Auktion gerechnete Darstellung des Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen, die Johann Valentin Tischbein (1715 – 1768) zugeschrieben wird, entwickelte sich zum Spitzenlos. Im Verlauf eines intensiven Bietergefechts kletterte das auf 8.000 Euro taxierte Gemälde bis auf 25.200 Euro. Das Gemälde zeigt den zweitgeborenen Sohn des Herzogs von Sachsen-Hildburghausen, der sich nach der obligatorischen Kavalierstour für eine Militärkarriere entschieden hatte, und später in seiner Heimat eine Porzellanmanufaktur gründete. Dieses Werk besteht immer noch, allerdings produziert es heute vor allem technische Porzellane.

Johann Valentin Tischbein (zugeschr).: Bildnis des Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen. Ergebnis 25.200 Euro*.
Ein aus dem 18. Jahrhundert stammende Bildnis eines Ansbacher Adligen im Kürass wechselte für 11.300 Euro* den Besitzer.
Wahlmünchner und Münchner Schule
Zwei Gemälde aus der Münchner Schule erzielten Spitzenergebnisse im Bereich der Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts:
Für Eduard von Grützners auf 1895 datierten „Fidelen Landsknecht“ wurden 18.900 Euro* geboten. Grützner, der sich in seinen Gemälden vor allem pflichtvergessenen Mönchen widmet, die im Weinkeller oder über einer verlockenden Brotzeit irdischen Genüssen zusprechen, zeigt hier einen weltlichen Protagonisten, allerdings ebenfalls beim unbeschwerten Weingenuss. Die Ölskizze „Auf der Bastei“ seines Künstlerfreundes Carl Spitzweg (1808 – 1885) wurde für 16.400 Euro* zugeschlagen – hier gibt es insofern eine innere Verbindung zu Grützner, als auch der dargestellte, seine Pfeife schmauchende Soldat, längst jegliche Pflichten vergessen hat.
Auf den höchsten Preis in dieser Kategorie kam ein Gemälde des in Darmstadt geborenen Wahlmünchners Julius Lange (1817 – 1868). Seine „Fahrt auf dem Obersee“ ging für 20.160 Euro* an eine Privatsammlung.
Highlights der 44. Kunstauktion: Prunkvolles Wiener Email
Ein weiterer spannender Sammlungsbereich, der in der 44. Kunstauktion vertreten ist, sind kostbare Email-Objekte aus dem Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Wer diese Prunkgefäße aus der Blütezeit des Wiener Emails erblickt, lässt schnell alle Vorbehalte fahren, die selbst Kunstkenner bisweilen der Epoche des Historismus entgegenbringen.Zu eindrucksvoll ist die Meisterschaft, die Gold- und Silberschmiede aus den Ateliers an der Ringstraße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Herstellung von Zierobjekten mit Emailmalerei erlangten.
Die Renaissance der Renaissance

Emailkanne, Wien 2. Hälfte 19. Jh. mit Malerei in Purpurcamaieu: Felder mit biblischen Szenen, Bordüren mit Rankendekor. Schätzpreis 800 Euro.
Mit dem um 1850 neu erwachten Interesse an der Renaissance rückte auch die im 16. Jahrhundert zu nie gekannter Blüte gelangte freie Emailmalerei ins Blickfeld von Künstlern und Connoisseuren aus Adel und Bürgertum. Eine 1866 abgehaltene Retrospektive in Limoges, dem über Jahrhunderte gewachsenen europaweiten Zentrum der Emailkunst, befeuerte das Interesse an derartigen Objekten.

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh., Vergoldete Silbermontierung, Emailmalerei mit mythologischen Szenen, unter anderem mit Apoll und den Musen. Schätzpreis: 800 Euro.
Drei weitere Ausstellungen in Frankreich und Deutschland in den 1880er Jahren taten ein übriges, eine regelrechte Wiedergeburt der Emailmalerei im Renaissancestil einzuläuten.
Wien wird Zentrum der Emailkunst

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh. mit vergoldeter Silbermontierung und Emailmalerei mit mythologischen Szenen. Schätzpreis 800 Euro.
Neben Limoges und Paris entwickelte sich Wien als drittes bedeutendes Zentrum dieses Kunstzweigs. Von der herausragenden Kunstfertigkeit der Emailleure in der Hauptstadt der Donaumonarchie zeugen auch die Gefässe, die aus einer umfangreichen süddeutschen Privatsammlung stammen.

Emailkännchen, Wien, Ende 19. Jh., Rudolf Linke. Vergoldete Silbermontierung mit Drachenhenkel, Emailmalerei.
Sie sind in Purpurcamaieu oder buntem Email mit Silbermontierungen gestaltet, mit biblischen oder mythologischen Szenen bemalt und mit einer immens detailfreudigen Ornamentik ausgestaltet.

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh., vergoldete Silbermontierung, Emailmalerei mit mythologischen Szenen. Schätzpreis 600 Euro.
Highlights der 44. Kunstauktion: Mikromosaike – Souvenirs von der Grand Tour
Eine Besonderheit bei der 44. Kunstauktion ist eine Passage von 35 Dosen, die als eigene Kategorie geführt werden und samt und sonders aus einer Privatsammlung im süddeutschen Raum stammen. Die Toplose darunter: Zwei Dosen mit gravierten Rom-Ansichten, deren Deckel in Mikromosaik gearbeitete Veduten schmücken (Schätzpreis je 1.400 Euro).
Rom-Souvenirs: Schon vor 250 Jahren höchst gefragt

Mikromosaikdose mit dem Petersplatz in Rom. Dose Wien, 1872 – 1922, J. C. Klinkosch, das Mikromosaik Rom, 19. Jh. Schätzpreis 1.400 Euro.
Derartige Kunstwerke im Miniaturformat wurden in der Ewigen Stadt seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigt und an die vermögenden Fremden verkauft, die im Zuge ihrer Grand Tour die Kunststätten Italiens bereisten. Bereits im 18. Jahrhunderts existierte deshalb in Rom ein blühendes Souvenir-Gewerbe. Hergestellt wurden, neben Grafiken, auch kleine Bronzen, oder Reproduktionen antiker Statuen in Biskuitporzellan.
Mikromosaike als Zubrot für die Mosaizisten des Petersdoms
In der zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde dieses Angebot um ein weiteres, höchst begehrtes Andenken erweitert: Mikromosaiken mit Romansichten. Der Grund, warum solche Objekte gerade ab dieser Zeit auf den Markt kamen, lag in der Baugeschichte des Petersdoms: Die dortigen Mosaikflächen waren um 1760 so gut wie vollendet; die Kunsthandwerker aus den vatikanischen Werkstätten suchten deshalb händeringend nach einem neuen Betätigungsfeld.

Mikromosaikdose mit Ansicht des Forum Romanum. Dose Wien, 1872 – 1922, J. C. Klinkosch, das Mikromosaik Rom, 19. Jh. Schätzpreis 1.400Euro.
Landschaften wie gemalt
Sie fanden es in der Gestaltung von Miniaturveduten, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bei Romreisenden äußerst gefragte Erinnerungsstücke blieben.Gestalterisch orientierten sich die meisten Mosaizisten an der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Auch die beiden bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Dosen sind ein deutliches Beispiel für diesen stilistischen Bezug.
Highlights der 44. Kunstauktion: Lebenskünstler von Spitzweg und Grützner
Zu den Toplosen bei den Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehören in der Auktion am 29. März auch Gemälde zweier prominenter Vertreter der Münchner Schule: Carl Spitzweg (1808 -1885 ) und Eduard von Grützner (1846 -1925). Auf den ersten Blick lassen sich zwischen den beiden Malern kaum Gemeinsamkeiten erkennen. Tatsächlich aber verbindet sie, neben einer über Jahre gepflegten Freundschaft, auch eine sehr ähnliche Sujetwahl, die sich auch bei den beiden in der Frühjahrsauktion aufgerufenen Bildern ablesen lässt: Einem „fidelen Landsknecht“ aus der Hand Grützners (Schätzpreis 12.000 Euro) und der Ölskizze „Auf der Bastei“ von Carl Spitzweg (Schätzpreis 8.000 Euro). (mehr …)
Highlights der 44. Kunstauktion: Bayerns Glanz und Gloria
Die 44. Kunstauktion punktet unter anderem mit einer Auswahl hochkarätiger, altmeisterlicher Porträts. Keines aber dürfte, zumindest im Münchner Umfeld, so viele Interessen auf sich ziehen wie zwei Gemälde aus der Werkstatt von George Desmarées (1697 – 1776). Sie werden zusammen zum Schätzpreis von 12.000 Euro angeboten und zeigen Kurfürst Maximilian III. Josef und seine Gemahlin, Maria Anna von Sachsen.
Ein absolutistischer, aber umsichtiger Herrscher
Er war Landesvater, Förderer der Wirtschaft, Begründer der Schulpflicht in Bayern – und der Porzellanmanufaktur Nymphenburg: Die Regentschaft von Kurfürst Maximilian III. Joseph (1727 – 1777) stand noch klar unter den Vorzeichen des Absolutismus. In diesem Geist zeigt ihn und seine Gemahlin Maria-Anna von Sachsen der gebürtige Schwede George Desmarées, der nach Stationen in Nürnberg, Amsterdam, Venedig und Rom Karl Albrecht, dem Vater Maximilian III. Josephs, als Hofmaler nach München berufen wurde.
Desmarées und sein internationaler Stil
Die Spuren seiner Wanderschaft finden sich auch in dem Stil wieder, der für seine Werkstatt typisch wurde. „Die Spannweite seiner künstlerischen Bildung verdeutlicht, in welchem Maß seit dem dritten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts der Austausch künstlerischer Ideen gepflegt wurde“, schreibt der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan.
Eine höfische, keine bürgerliche Porträtkultur
Eine Strömung seiner Zeit allerdings nahm George Desmarées in seine Darstellungspraxis nicht mit auf: die Porträtmalerei mit deutlich bürgerlich-genrehaften Zügen, wie sie in den Niederlanden und vor allem in England ausgebildet wurde. Sie fand am Münchner Hof ebenfalls ihren Ausdruck – in Gestalt von Bildnissen wie dem heute in Nymphenburg befindlichen Porträt Maximilians III. Joseph an der Drechselbank von Peter Jacob Horemans. Desmarées dagegen blieb Zeit seines Wirkens dem höfischen, oft für die Einbettung in einen architektonischen Kontext gedachten Repräsentationsporträt verpflichtet.
Eine wahre Landesmutter
Mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert fand nicht nur die höfische Porträtkunst im Stile Desmarées ein Ende, sondern auch die Linie der bayerischen Wittelsbacher: Mit nur 50 Jahren verstarb Maximilian III. Joseph 1777 kinderlos. Sein Nachfolger, Karl Theodor, stammte aus der Pfälzer Linie des Herrschergeschlechts, hatte keinerlei innere Beziehung zu Bayern und zeigte Bestrebungen, größere Landesteile, später sogar das ganze Kurfürstentum gegen Vorderösterreich beziehungsweise die österreichischen Niederlande zu tauschen.
Maximilan III. Josephs Witwe Maria Anna war eine der treibenden Figuren bei den letztlich erfolgreichen Bemühungen, diesen Tausch zu verhindern und Altbayern zu erhalten.
Highlights der Februar-Fundgrube: Lauter Andenken
Zu einer Weltreise im Miniaturformat lädt bei unserer Auktion am 1. Februar eine Sammlung mit über 500 Souvenirlöffeln aus aller Herren Länder ein. Und es kommen noch weitere Andenken zur Versteigerung: Eine ganze Reihe an Kaminhunden aus Keramik, die eine höchst pikante Geschichte mitbringen.
Souvenirlöffel – ein ideales Andenken
Seit die Menschen begannen, zum Vergnügen zu reisen, brachten sie Andenken mit, für sich, und für die Daheimgebliebenen. Diese sollten so klein und stabil sein, dass sie sich gut im Reisegepäck verstauen ließen, gleichzeitig aber trotzdem eine aussagekräftige Erinnerung an den Ursprungsort in sich tragen und idealerweise auch noch einen gewissen Nutzwert besitzen. So kamen, gleichzeitig mit den Anfängen des Tourismus in seiner heutigen Form, in den Jahren vor 1900 auch Souvenirlöffel auf.

101 Souvenirlöffel aus Deutschland. Silber, tlw. vergoldet, bzw. Metall, tlw. versilbert, tlw. mit Email. Ca. 950 g. Schätzpreis: 250 Euro.
SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigert in der Fundgrube-Auktion am 1. Februar eine umfassende Sammlung solcher Andenkenlöffel. Die zum größten Teil aus Silber gefertigten Objekte wurden, je nach ihrer Herkunft, auf fünf Positionen aufgeteilt, die mit Schätzpreisen zwischen 200 und 300 Euro angesetzt sind. Die Sammlung spiegelt die Interessen und Leidenschaften eines wahren Weltreisenden – es gibt Löffel aus Afrika mit modellierten Nashörnern oder Antilopen am Ende des Stiels und asiatische Löffelchen mit Dschunken, Pagoden oder Figuren des indonesischen Schattentheaters.
Aus Kanada stammen Löffel mit Indianer-Totems oder dem klassischen Ahornblatt; ein mittelamerikanisches Stück erinnert an die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.

92 Souvenirlöffel aus Nord- und Südamerika. Silber bzw. metall, tlw. versilbert, tlw. mit Münzen. Die Löffel stammen u.a. aus Argentinien, Mexiko, Peru und Canada. Ca. 622 g. Schätzpreis: 250 Euro.
Speziell in den aus Deutschland und Europa stammenden Löffeln finden sich auch verschiedene Typen der wohl ältesten Ausprägung des Souvenirlöffels, des Wappenlöffels.
Anfänge der Andenkenlöffel im Historismus
Die ersten derartigen Souvenirlöffel gehen auf die Epoche des Historismus zurück, waren aus Silber gefertigt und noch nicht farbig dekoriert. In die Laffe wurden Wappen- oder Stadtmotive flach eingraviert; das plastisch gestaltete Stielende zeigte ein weiteres Wappen oder Wahrzeichen.

Souvenirlöffel aus Europa. Sie tragen, typisch für die Löffelgestaltung in den 20er Jahren, zum Teil auch ein Emaildekor im Löffel selbst.
Mit dem Aufkommen von Emaille-Wappenlöffeln entstand eine ganze Branche, die derartige Malereien fertigten: Auf die Laffen besonders zierlicher Kaffee- und Mokkalöffel wurden Wappen oder Wahrzeichen aufgemalt und anschließend eingebrannt. Da dieser Brand bei sehr hohen Temperaturen erfolgt, mussten diese Löffel zwingend aus Silber oder Sterlingsilber sein.

147 Souvenirlöffel aus Europa. Silber, tlw. vergoldet, bzw. metall, tlw. versilbert, tlw. mit Email. U.a. Löffel anlässlich der Krönung Edwards VII: und zum Silbernen Thronjubiläum von Elisabeth II. Ca. 1.300 g. Schätzpreis 300 Euro.
Als erstes Produkt der Massenfertigung kamen dann Löffel auf den Markt, die nur noch am Griffende ein in Emaille gestaltetes Wappen tragen: Hier wurden die Löffel mit einer freien Fläche am Stielende vorgefertigt; in einem zweiten Arbeitsgang konnten dann, je nach Bedarf, verschiedene Wappen eingeklebt werden.
Alle diese Typen sind in der bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Sammlung in vielfältiger Gestalt vertreten. Sie laden nicht nur zu einer kleinen Weltreise in Gedanken, sondern auch zu einem Gang durch die Geschichte der Andenken ein.
Kaminhunde: Mitbringsel der Seeleute
Sammlerstücke mit einem ganz besonderen Hintergrund enthalten auch fünf Positionen mit Kaminhunden, die in der Kategorie Fayence angeboten werden.
Solche Hundepaare, wie sie in England, vor allem zur viktorianischen Zeit, als Massenprodukt hergestellt wurden, waren um die Wende zum 20. Jahrhundert beliebte Mitbringsel von Seeleuten, vor allem im friesischen Raum.
Der Lieblingshund von Queen Victoria als Vorbild
Dargestellt wurden ausnahmslos Cocker Spaniel, nach dem Vorbild von „Dash“, dem Lieblingshund von Queen Victoria. Ihre ungemeine Popularität, auch in England selbst, lässt sich allerdings nicht allein mit diesem Bezug zum Königshaus erklären.
Ein mehrdeutiges Zeichen
Sie hat vielmehr noch eine eher pikante Note: Zu viktorianischer Zeit war Prostitution in England offiziell verboten. Deshalb benutzten Prostituierte die billig erhältlichen Figuren, um ihr Gewerbe zu tarnen: Die Hunde wurden, mit Blick nach draußen, im Fenster aufgestellt, um zu signalisieren, dass Kundschaft erwünscht war und als Scheingeschäft auch an Freier verkauft, um sich bei Razzien zu tarnen.
Ein Winkelzug der Geschichte, der bei der Betrachtung der Figuren heute eher ein Augenzwinkern auslöst. In der Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen stehen drei Paare sowie zwei Mal drei Hunde zum Verkauf.

Zwei Kaminhunde und ein sitzender Bernhardiner. England bzw. Italien, Keramik, weiß glasiert. Schätzpreis: 40 Euro.
+49 (0)89 / 23 88 689-0






















