Nachlese zur Frühjahrsauktion (I): Altmeister und Gemälde
Mit einer Zuschlagsquote von fast 80 Prozent schloss am Freitag, 29. März, die 736 Nummern umfassende Frühjahrsauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen. Besonders reges Interesse der Bieter im Saal, am Telefon und im Internet fanden Objekte der Kategorien Schmuck, Porzellan, Glas, Möbel und Dosen; letztere wurden nahezu vollständig verkauft. Die höchsten Preise wurden vor allem bei den Gemälden erzielt.
Von Hildburghausen an den Obersee
Generell hoch in der Gunst der Bieter stand eine Passage mit elf halb- bis ganzfiguriger Porträts unterschiedlicher Provenienz, die bei den Altmeistern angeboten wurde. Eine schon im Vorfeld zu den Highlights der Auktion gerechnete Darstellung des Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen, die Johann Valentin Tischbein (1715 – 1768) zugeschrieben wird, entwickelte sich zum Spitzenlos. Im Verlauf eines intensiven Bietergefechts kletterte das auf 8.000 Euro taxierte Gemälde bis auf 25.200 Euro. Das Gemälde zeigt den zweitgeborenen Sohn des Herzogs von Sachsen-Hildburghausen, der sich nach der obligatorischen Kavalierstour für eine Militärkarriere entschieden hatte, und später in seiner Heimat eine Porzellanmanufaktur gründete. Dieses Werk besteht immer noch, allerdings produziert es heute vor allem technische Porzellane.

Johann Valentin Tischbein (zugeschr).: Bildnis des Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen. Ergebnis 25.200 Euro*.
Ein aus dem 18. Jahrhundert stammende Bildnis eines Ansbacher Adligen im Kürass wechselte für 11.300 Euro* den Besitzer.
Wahlmünchner und Münchner Schule
Zwei Gemälde aus der Münchner Schule erzielten Spitzenergebnisse im Bereich der Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts:
Für Eduard von Grützners auf 1895 datierten „Fidelen Landsknecht“ wurden 18.900 Euro* geboten. Grützner, der sich in seinen Gemälden vor allem pflichtvergessenen Mönchen widmet, die im Weinkeller oder über einer verlockenden Brotzeit irdischen Genüssen zusprechen, zeigt hier einen weltlichen Protagonisten, allerdings ebenfalls beim unbeschwerten Weingenuss. Die Ölskizze „Auf der Bastei“ seines Künstlerfreundes Carl Spitzweg (1808 – 1885) wurde für 16.400 Euro* zugeschlagen – hier gibt es insofern eine innere Verbindung zu Grützner, als auch der dargestellte, seine Pfeife schmauchende Soldat, längst jegliche Pflichten vergessen hat.
Auf den höchsten Preis in dieser Kategorie kam ein Gemälde des in Darmstadt geborenen Wahlmünchners Julius Lange (1817 – 1868). Seine „Fahrt auf dem Obersee“ ging für 20.160 Euro* an eine Privatsammlung.
Highlights der 44. Kunstauktion: Prunkvolles Wiener Email
Ein weiterer spannender Sammlungsbereich, der in der 44. Kunstauktion vertreten ist, sind kostbare Email-Objekte aus dem Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Wer diese Prunkgefäße aus der Blütezeit des Wiener Emails erblickt, lässt schnell alle Vorbehalte fahren, die selbst Kunstkenner bisweilen der Epoche des Historismus entgegenbringen.Zu eindrucksvoll ist die Meisterschaft, die Gold- und Silberschmiede aus den Ateliers an der Ringstraße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Herstellung von Zierobjekten mit Emailmalerei erlangten.
Die Renaissance der Renaissance

Emailkanne, Wien 2. Hälfte 19. Jh. mit Malerei in Purpurcamaieu: Felder mit biblischen Szenen, Bordüren mit Rankendekor. Schätzpreis 800 Euro.
Mit dem um 1850 neu erwachten Interesse an der Renaissance rückte auch die im 16. Jahrhundert zu nie gekannter Blüte gelangte freie Emailmalerei ins Blickfeld von Künstlern und Connoisseuren aus Adel und Bürgertum. Eine 1866 abgehaltene Retrospektive in Limoges, dem über Jahrhunderte gewachsenen europaweiten Zentrum der Emailkunst, befeuerte das Interesse an derartigen Objekten.

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh., Vergoldete Silbermontierung, Emailmalerei mit mythologischen Szenen, unter anderem mit Apoll und den Musen. Schätzpreis: 800 Euro.
Drei weitere Ausstellungen in Frankreich und Deutschland in den 1880er Jahren taten ein übriges, eine regelrechte Wiedergeburt der Emailmalerei im Renaissancestil einzuläuten.
Wien wird Zentrum der Emailkunst

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh. mit vergoldeter Silbermontierung und Emailmalerei mit mythologischen Szenen. Schätzpreis 800 Euro.
Neben Limoges und Paris entwickelte sich Wien als drittes bedeutendes Zentrum dieses Kunstzweigs. Von der herausragenden Kunstfertigkeit der Emailleure in der Hauptstadt der Donaumonarchie zeugen auch die Gefässe, die aus einer umfangreichen süddeutschen Privatsammlung stammen.

Emailkännchen, Wien, Ende 19. Jh., Rudolf Linke. Vergoldete Silbermontierung mit Drachenhenkel, Emailmalerei.
Sie sind in Purpurcamaieu oder buntem Email mit Silbermontierungen gestaltet, mit biblischen oder mythologischen Szenen bemalt und mit einer immens detailfreudigen Ornamentik ausgestaltet.

Emailpokal, Wien, 2. Hälfte 19. Jh., vergoldete Silbermontierung, Emailmalerei mit mythologischen Szenen. Schätzpreis 600 Euro.
Highlights der 44. Kunstauktion: Mikromosaike – Souvenirs von der Grand Tour
Eine Besonderheit bei der 44. Kunstauktion ist eine Passage von 35 Dosen, die als eigene Kategorie geführt werden und samt und sonders aus einer Privatsammlung im süddeutschen Raum stammen. Die Toplose darunter: Zwei Dosen mit gravierten Rom-Ansichten, deren Deckel in Mikromosaik gearbeitete Veduten schmücken (Schätzpreis je 1.400 Euro).
Rom-Souvenirs: Schon vor 250 Jahren höchst gefragt

Mikromosaikdose mit dem Petersplatz in Rom. Dose Wien, 1872 – 1922, J. C. Klinkosch, das Mikromosaik Rom, 19. Jh. Schätzpreis 1.400 Euro.
Derartige Kunstwerke im Miniaturformat wurden in der Ewigen Stadt seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigt und an die vermögenden Fremden verkauft, die im Zuge ihrer Grand Tour die Kunststätten Italiens bereisten. Bereits im 18. Jahrhunderts existierte deshalb in Rom ein blühendes Souvenir-Gewerbe. Hergestellt wurden, neben Grafiken, auch kleine Bronzen, oder Reproduktionen antiker Statuen in Biskuitporzellan.
Mikromosaike als Zubrot für die Mosaizisten des Petersdoms
In der zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde dieses Angebot um ein weiteres, höchst begehrtes Andenken erweitert: Mikromosaiken mit Romansichten. Der Grund, warum solche Objekte gerade ab dieser Zeit auf den Markt kamen, lag in der Baugeschichte des Petersdoms: Die dortigen Mosaikflächen waren um 1760 so gut wie vollendet; die Kunsthandwerker aus den vatikanischen Werkstätten suchten deshalb händeringend nach einem neuen Betätigungsfeld.

Mikromosaikdose mit Ansicht des Forum Romanum. Dose Wien, 1872 – 1922, J. C. Klinkosch, das Mikromosaik Rom, 19. Jh. Schätzpreis 1.400Euro.
Landschaften wie gemalt
Sie fanden es in der Gestaltung von Miniaturveduten, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bei Romreisenden äußerst gefragte Erinnerungsstücke blieben.Gestalterisch orientierten sich die meisten Mosaizisten an der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Auch die beiden bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Dosen sind ein deutliches Beispiel für diesen stilistischen Bezug.
Highlights der 44. Kunstauktion: Lebenskünstler von Spitzweg und Grützner
Zu den Toplosen bei den Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehören in der Auktion am 29. März auch Gemälde zweier prominenter Vertreter der Münchner Schule: Carl Spitzweg (1808 -1885 ) und Eduard von Grützner (1846 -1925). Auf den ersten Blick lassen sich zwischen den beiden Malern kaum Gemeinsamkeiten erkennen. Tatsächlich aber verbindet sie, neben einer über Jahre gepflegten Freundschaft, auch eine sehr ähnliche Sujetwahl, die sich auch bei den beiden in der Frühjahrsauktion aufgerufenen Bildern ablesen lässt: Einem „fidelen Landsknecht“ aus der Hand Grützners (Schätzpreis 12.000 Euro) und der Ölskizze „Auf der Bastei“ von Carl Spitzweg (Schätzpreis 8.000 Euro). (mehr …)
Highlights der 44. Kunstauktion: Bayerns Glanz und Gloria
Die 44. Kunstauktion punktet unter anderem mit einer Auswahl hochkarätiger, altmeisterlicher Porträts. Keines aber dürfte, zumindest im Münchner Umfeld, so viele Interessen auf sich ziehen wie zwei Gemälde aus der Werkstatt von George Desmarées (1697 – 1776). Sie werden zusammen zum Schätzpreis von 12.000 Euro angeboten und zeigen Kurfürst Maximilian III. Josef und seine Gemahlin, Maria Anna von Sachsen.
Ein absolutistischer, aber umsichtiger Herrscher
Er war Landesvater, Förderer der Wirtschaft, Begründer der Schulpflicht in Bayern – und der Porzellanmanufaktur Nymphenburg: Die Regentschaft von Kurfürst Maximilian III. Joseph (1727 – 1777) stand noch klar unter den Vorzeichen des Absolutismus. In diesem Geist zeigt ihn und seine Gemahlin Maria-Anna von Sachsen der gebürtige Schwede George Desmarées, der nach Stationen in Nürnberg, Amsterdam, Venedig und Rom Karl Albrecht, dem Vater Maximilian III. Josephs, als Hofmaler nach München berufen wurde.
Desmarées und sein internationaler Stil
Die Spuren seiner Wanderschaft finden sich auch in dem Stil wieder, der für seine Werkstatt typisch wurde. „Die Spannweite seiner künstlerischen Bildung verdeutlicht, in welchem Maß seit dem dritten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts der Austausch künstlerischer Ideen gepflegt wurde“, schreibt der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan.
Eine höfische, keine bürgerliche Porträtkultur
Eine Strömung seiner Zeit allerdings nahm George Desmarées in seine Darstellungspraxis nicht mit auf: die Porträtmalerei mit deutlich bürgerlich-genrehaften Zügen, wie sie in den Niederlanden und vor allem in England ausgebildet wurde. Sie fand am Münchner Hof ebenfalls ihren Ausdruck – in Gestalt von Bildnissen wie dem heute in Nymphenburg befindlichen Porträt Maximilians III. Joseph an der Drechselbank von Peter Jacob Horemans. Desmarées dagegen blieb Zeit seines Wirkens dem höfischen, oft für die Einbettung in einen architektonischen Kontext gedachten Repräsentationsporträt verpflichtet.
Eine wahre Landesmutter
Mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert fand nicht nur die höfische Porträtkunst im Stile Desmarées ein Ende, sondern auch die Linie der bayerischen Wittelsbacher: Mit nur 50 Jahren verstarb Maximilian III. Joseph 1777 kinderlos. Sein Nachfolger, Karl Theodor, stammte aus der Pfälzer Linie des Herrschergeschlechts, hatte keinerlei innere Beziehung zu Bayern und zeigte Bestrebungen, größere Landesteile, später sogar das ganze Kurfürstentum gegen Vorderösterreich beziehungsweise die österreichischen Niederlande zu tauschen.
Maximilan III. Josephs Witwe Maria Anna war eine der treibenden Figuren bei den letztlich erfolgreichen Bemühungen, diesen Tausch zu verhindern und Altbayern zu erhalten.
Highlights der Februar-Fundgrube: Lauter Andenken
Zu einer Weltreise im Miniaturformat lädt bei unserer Auktion am 1. Februar eine Sammlung mit über 500 Souvenirlöffeln aus aller Herren Länder ein. Und es kommen noch weitere Andenken zur Versteigerung: Eine ganze Reihe an Kaminhunden aus Keramik, die eine höchst pikante Geschichte mitbringen.
Souvenirlöffel – ein ideales Andenken
Seit die Menschen begannen, zum Vergnügen zu reisen, brachten sie Andenken mit, für sich, und für die Daheimgebliebenen. Diese sollten so klein und stabil sein, dass sie sich gut im Reisegepäck verstauen ließen, gleichzeitig aber trotzdem eine aussagekräftige Erinnerung an den Ursprungsort in sich tragen und idealerweise auch noch einen gewissen Nutzwert besitzen. So kamen, gleichzeitig mit den Anfängen des Tourismus in seiner heutigen Form, in den Jahren vor 1900 auch Souvenirlöffel auf.

101 Souvenirlöffel aus Deutschland. Silber, tlw. vergoldet, bzw. Metall, tlw. versilbert, tlw. mit Email. Ca. 950 g. Schätzpreis: 250 Euro.
SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigert in der Fundgrube-Auktion am 1. Februar eine umfassende Sammlung solcher Andenkenlöffel. Die zum größten Teil aus Silber gefertigten Objekte wurden, je nach ihrer Herkunft, auf fünf Positionen aufgeteilt, die mit Schätzpreisen zwischen 200 und 300 Euro angesetzt sind. Die Sammlung spiegelt die Interessen und Leidenschaften eines wahren Weltreisenden – es gibt Löffel aus Afrika mit modellierten Nashörnern oder Antilopen am Ende des Stiels und asiatische Löffelchen mit Dschunken, Pagoden oder Figuren des indonesischen Schattentheaters.
Aus Kanada stammen Löffel mit Indianer-Totems oder dem klassischen Ahornblatt; ein mittelamerikanisches Stück erinnert an die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.

92 Souvenirlöffel aus Nord- und Südamerika. Silber bzw. metall, tlw. versilbert, tlw. mit Münzen. Die Löffel stammen u.a. aus Argentinien, Mexiko, Peru und Canada. Ca. 622 g. Schätzpreis: 250 Euro.
Speziell in den aus Deutschland und Europa stammenden Löffeln finden sich auch verschiedene Typen der wohl ältesten Ausprägung des Souvenirlöffels, des Wappenlöffels.
Anfänge der Andenkenlöffel im Historismus
Die ersten derartigen Souvenirlöffel gehen auf die Epoche des Historismus zurück, waren aus Silber gefertigt und noch nicht farbig dekoriert. In die Laffe wurden Wappen- oder Stadtmotive flach eingraviert; das plastisch gestaltete Stielende zeigte ein weiteres Wappen oder Wahrzeichen.

Souvenirlöffel aus Europa. Sie tragen, typisch für die Löffelgestaltung in den 20er Jahren, zum Teil auch ein Emaildekor im Löffel selbst.
Mit dem Aufkommen von Emaille-Wappenlöffeln entstand eine ganze Branche, die derartige Malereien fertigten: Auf die Laffen besonders zierlicher Kaffee- und Mokkalöffel wurden Wappen oder Wahrzeichen aufgemalt und anschließend eingebrannt. Da dieser Brand bei sehr hohen Temperaturen erfolgt, mussten diese Löffel zwingend aus Silber oder Sterlingsilber sein.

147 Souvenirlöffel aus Europa. Silber, tlw. vergoldet, bzw. metall, tlw. versilbert, tlw. mit Email. U.a. Löffel anlässlich der Krönung Edwards VII: und zum Silbernen Thronjubiläum von Elisabeth II. Ca. 1.300 g. Schätzpreis 300 Euro.
Als erstes Produkt der Massenfertigung kamen dann Löffel auf den Markt, die nur noch am Griffende ein in Emaille gestaltetes Wappen tragen: Hier wurden die Löffel mit einer freien Fläche am Stielende vorgefertigt; in einem zweiten Arbeitsgang konnten dann, je nach Bedarf, verschiedene Wappen eingeklebt werden.
Alle diese Typen sind in der bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotenen Sammlung in vielfältiger Gestalt vertreten. Sie laden nicht nur zu einer kleinen Weltreise in Gedanken, sondern auch zu einem Gang durch die Geschichte der Andenken ein.
Kaminhunde: Mitbringsel der Seeleute
Sammlerstücke mit einem ganz besonderen Hintergrund enthalten auch fünf Positionen mit Kaminhunden, die in der Kategorie Fayence angeboten werden.
Solche Hundepaare, wie sie in England, vor allem zur viktorianischen Zeit, als Massenprodukt hergestellt wurden, waren um die Wende zum 20. Jahrhundert beliebte Mitbringsel von Seeleuten, vor allem im friesischen Raum.
Der Lieblingshund von Queen Victoria als Vorbild
Dargestellt wurden ausnahmslos Cocker Spaniel, nach dem Vorbild von „Dash“, dem Lieblingshund von Queen Victoria. Ihre ungemeine Popularität, auch in England selbst, lässt sich allerdings nicht allein mit diesem Bezug zum Königshaus erklären.
Ein mehrdeutiges Zeichen
Sie hat vielmehr noch eine eher pikante Note: Zu viktorianischer Zeit war Prostitution in England offiziell verboten. Deshalb benutzten Prostituierte die billig erhältlichen Figuren, um ihr Gewerbe zu tarnen: Die Hunde wurden, mit Blick nach draußen, im Fenster aufgestellt, um zu signalisieren, dass Kundschaft erwünscht war und als Scheingeschäft auch an Freier verkauft, um sich bei Razzien zu tarnen.
Ein Winkelzug der Geschichte, der bei der Betrachtung der Figuren heute eher ein Augenzwinkern auslöst. In der Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen stehen drei Paare sowie zwei Mal drei Hunde zum Verkauf.

Zwei Kaminhunde und ein sitzender Bernhardiner. England bzw. Italien, Keramik, weiß glasiert. Schätzpreis: 40 Euro.

Drei Kaminhunde, einer als Kännchen. England Keramik, weiß bzw. schwarz glasiert. Schätzpreis 30 Euro.
Fundgrube-Auktion am 1. Februar: Jugendstilglas aus Böhmen
Mit einem breit aufgestellten Angebot an Trouvaillen für den kleinen Geldbeutel
startet SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 1. Februar ins Auktionsjahr 2019. Besonders
stark vertreten sind diesmal die Kategorien Silber, Schmuck, Kunsthandwerk und
Gemälde des 19. Jahrhunderts. Ein spezielles Highlight im Angebot sind diverse
Positionen mit böhmischem Glas des Jugendstil und des Art Déco.
Jugendstilglas im Stil der Wiener Werkstätte
Aus der für avantgardistische, gerne silbrig-
glänzende Jugendstilobjekte bekannten
Manufaktur Johann Loetz Witwe stammen
zwei aparte Schalen aus rosafarben
unterfangenem farblosen Glas (oben) mit Füßen
und Applikationen aus schwarzem Glas
(Schätzpreis: 150 Euro). Die Gefäße sind
um 1916 entstanden und gehen wohl auf
einen Entwurf des Architekten Hans Bolek
(1890 – 1978) zurück. Bolek war zwar nicht
Mitglied der Wiener Werkstätte, stand ihr
aber, schon durch sein Studium bei Josef
Hoffmann, stilistisch nahe. Seine Werke
für Loetz Witwe im nahe der Grenze zu
Bayern gelegenen Klostermühle zählen zu
Boleks bekanntesten Glasentwürfen.
Steinschönau, ein Zentrum der Glasveredelung
Aus Steinschönau im heutigen Dreiländereck
zwischen Tschechien, Polen und
Deutschland stammen zwei weitere Positionen
mit Glas aus der Zeit zwischen ca.
1900 und 1925.

Vier Objekte Jugendstilglas, wohl Glasfachschule Steinschönau, um 1915. Gestaltet mit Schwarzlot- und transparenter blauer und gelber Emailmalerei. Schätzpreis 150 Euro.
Glasgewerke, vor allem im
Bereich der Glasveredelung, begannen sich
hier bereits in der Zeit des 30-Jährigen Krieges niederzulassen. Parallel dazu entwickelte
sich in dem Örtchen am Südhang
des Lausitzer Gebirges auch ein reges
Zentrum des Glashandels, das im 19. Jahrhundert
unmittelbar mit so prominenten
Häusern wie Lobmeyr in Wien zusammenarbeitete.
Zu dieser Zeit erlebte die Glasfabrikation
in Steinschönau nochmals einen
kräftigen Aufschwung.
Boomender Glashandel, kreative Manufakturen
Nicht wenige Glashandelshäuser
ließen in den großenteils
kleinen Werkstätten Objekte exakt nach
den Wünschen und Vorgaben ihrer Abnehmer
fertigen und gaben sie dann in den Export
– die über 20 in Steinschönau ansässigen
Glashandelshäuser hatten um 1880
Filialen in Wien, Triest, Konstantinopel und
Izmir sowie Agenturen in England, Spanien,
Ägypten und Amerika.
Allerdings wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts
auch die Konkurrenz.
Vom Glasschliff bis zum Lüster
Die Steinschönauer
Glasproduzenten entschieden sich,
diesem Druck mit einer Erhöhung ihrer
Qualität zu begegnen und hierzu gezielt
eigenen Nachwuchs auszubilden: 1856
wurde die Glasfachschule Steinschönau
gegründet, das älteste derartige Institut in
ganz Mitteleuropa. Zunächst gab es an der
bis heute existierenden Schule nur traditionelle
Abteilungen für Glasschliff und
Glasmalerei, später kamen Zweige für die
Konstruktion und Gestaltung von Lüstern
und Lampen sowie für Glasgravur hinzu.
SCHEUBLEIN Art & Auktionen bietet in der
Fundgrube-Auktion eine Sammelposition
mit drei Gläsern und einer Glasschale mit
Schwarzlot- und Emailmalerei an, die wohl
um 1915 bzw. 1925 an der Glasfachschule
entstanden sind (weiter oben, Schätzpreis 150 Euro).

Zwei Glasschalen aus der Glasfachschule Steinschönau oder der Glasfachschule Haida. Schätzpreis 80 Euro.
Zwei weitere, zusammen auf 80 Euro taxierte
Schälchen mit Goldkontur bzw. polychromer Emailmalerei stammen ebenfalls
von dort, oder aus der 13 Jahre später
gegründeten Glasfachschule im wenige
Kilometer entfernt gelegenen Haida, die
1926 mit der Steinschönauer Glasfachschule
zusammengelegt wurde.
Von Böhmen nach Tirol
Aus den ebenfalls nordböhmischen Werken
von Joseph Riedel, des Gründers der heute
in Tirol ansässigen Glasdynastie Riedel,
stammt die vierte Position Jugendstilglas
in der Fundgrube-Auktion: Zwei viereckige
Vasen aus schwarzem Glas mit Emailmalerei
in Gold, Grün, und Weiß. Sie werden auf
80 Euro taxiert.

Ein Paar kleine Jugendstilglas-Vasen, wohl Joseph Riedel, Polaun, um 1900. Schätzpreis: 80 Euro.
Die Top 5 des Jahres 2018: Kunsthandwerk, Möbel u.a.
Die große Überraschung bei der Juni-Auktion markierte zugleich das beste Los des gesamten Auktionsjahrs 2018: Ein persischer Mash’al-Lampenfuß stieg bis auf 58.000 Euro. Auch in den Kategorien Textilien, Möbel, Einrichtung und Schmuck waren Spitzenlose zu finden.
1: Luxus aus Persien
Im Persien der Safawidenzeit entstand
eine spezielle Leuchterform, die derzeit
am Kunstmarkt überaus gefragt ist: Mit Öl
gefüllte Mash‘al-Säulenleuchter wurden ab
dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts
zum Illuminieren von Räumen eingesetzt.
Ihre dann über Jahrhunderte prägende Gestalt
erhielten sie zur Zeit Schah Abbas I.,
der nicht nur das Reich konsolidierte, sondern
es auch zu einer neuen wirtschaftlichen
und kulturellen Blüte führte.
Ein besonderes Augenmerk galt dabei der
Förderung hochwertigen Kunsthandwerks – Shah Abbas I. erkannte das wirtschaftliche
Potential, das schon damals im Export
hochkarätiger Teppiche, Keramiken und
Metallarbeiten lag.
Der Leuchter, der bei SCHEUBLEIN Art &
Auktionen im Juni 2018 für 58.000 Euro*
den Besitzer wechselte, ist mit 47 cm Höhe
nicht nur ein besonders großes, sondern
mit seinem feinen Arabesken- und Blütenrankendekor
auch ein äußerst kunstvoll
gearbeitetes Exemplar. Das Objekt ging in
den internationalen Kunsthandel.
2:Liturgischer Prunk

Kaselteil aus Italien, Ende 16. / Anfang 17. jahrhundert, gefertigt aus rotem Samt und beigefarbenem Leinen. Versteigert am 16.03.2018 für 25.000 Euro*.
Eine Kaselfront mit roter, floraler Samtmusterung
auf beigefarbenem Leinen,
die sich im Verlauf der März-Auktion von
SCHEUBLEIN Art und Auktionen von 1.200
Euro Taxe bis auf einen Zuschlagspreis von
25.000 Euro* steigerte, steht zugleich für
den Wandel, den das priesterliche Obergewand
in der Zeitspanne zwischen dem 14.
und dem 17. Jahrhundert erfuhr. Bis zum
späten Mittelalter waren Glockenkaseln üblich
– voluminöse Mäntel ohne Armöffnungen
nach dem Vorbild eines Radmantels
aus der römischen Kaiserzeit. Aufgrund
der schwierigen Handhabung während der
Messfeiern, aber auch wegen der großen
Kosten, die die für die Glockenkaseln be-nötigten Stoffmengen verursachten, setzte
im 15. Jahrhundert ein Wandel ein: Die
Kaseln wurden kürzer und schmäler, bis sie
die noch heute übliche Form der Geigenkasel
erreicht hatten. Die ersten Geigenkaseln
waren, zumindest an ihren Besätzen,
mit figürlicher Stickerei verziert. Ab dem
17. Jahrhundert setzte sich dann eine rein
ornamentale Gestaltung durch. Die vorliegende
Kaselfront, die um die Wende zum
17. Jahrhundert stand, ist mit ihrer reichen
Musterung und dem zentralen Sonnenmotiv
ein frühes Beispiel dafür, wie aufwendig
diese ornamentalen Kaseln gearbeitet
waren.
3:Kunst in Holz

Aufsatz-Rollsekretär, Barockstil. Nussholz und andere Hölzer furniert, intarsiert. Versteigert am 21.09.2018 für 21.500 Euro*
Ein aufwendig gestalteter Aufsatz-Rollsekretär
im Barockstil entwickelte sich bei
SCHEUBLEIN im Auktionsjahr 2018 zum
Spitzenobjekt der Kategorie Möbel. Der
Nussholz-Sekretär mit Bronzebeschlägen
weist zwei große und diverse kleine „à la
mosaique“ gearbeitete Marketeriemotive
auf: Neben Blumenzweigen und -gehängen
ist in der Tür des Aufsatzes ein rastender
Jäger gezeigt; auf dem Zylinder prangt
eine Fischerszene, zu der ein vergleichbares
Motiv bei Roentgen-Möbeln zu finden
ist. Das prunkvolle Stück wurde für bei
der September-Auktion für 21.500 Euro*
(Schätzpreis: 3.000 Euro) zugeschlagen.
4: Glanz an der Decke

Lüster, 19. Jh., Bronze, goldfarbener Messing, Glasprismenbehang. Versteigert am 21.09.2018 für 13.900 Euro*
Toplos bei den Einrichtungsgegenständen
war 2018 ein Lüster aus dem 19. Jahrhundert
mit Glasprismenbehang und zwölf
Kerzentüllen. Er stieg in der Septemberauktion
von SCHEUBLEIN Art & Auktionen
von einem Schätzpreis von 1.000 Euro
bis auf 13.900 Euro*
5: Schmuck mit Glamour

Jugendstil-Collier mit Diamanten und Farbsteinen aus dem Nachlass der Schriftstellerin Utta Danella. Versteigert am 16.3.2018 für 12.600 Euro*
Schmuck war Zeit ihres Lebens die Passion
der Schriftstellerin Utta Danella (1920
– 2015). Entsprechend vielschichtig war
die Sammlung kostbarer Juwelen, die die
Bestsellerautorin seit den späten Fünfziger
Jahren zusammengetragen hatte. SCHEUBLEIN
Art & Auktionen konnte in der
März-Auktion 22 Pretiosen aus ihrem Nachlass
versteigern, darunter ein filigranes
Diamant-Farbstein-Collier aus dem Jahr
1915. Das kostbare Stück mit 210 Altschliffdiamanten,
vier Brillanten in Fancy-Tönen,
vier Saphiren sowie je fünf Smaragden und
Rubinen kam für 12.600 Euro* unter den
Hammer.
Die Top 5 des Jahres 2018: Altmeister und Gemälde des 19. Jahrhunderts
Ein Bild gab es, das im Frühjahr die komplette Belegschaft von SCHEUBLEIN Art & Auktionen in seinen Bann zog: Das Gemälde “Auszug eines Kardinals aus S. Zanipolo in Venedig” (oben) aus der Hand des in Italien lebenden Katalanen Ramon Tusquets y Maignon (1837 – 1904). Auch unter den fünf Toplosen der Kategorien Gemälde und Alte Meister ist es vertreten. Welche Werke es hier ganz nach vorne schafften, lesen Sie unten; Toplose aus anderen Kategorien präsentieren wir in einem gesonderten Beitrag.
1: Altmeisterliche Idylle

Adam und Eva mit Kain und Abel. Öl / Lwd., Italien, 17. Jahrhundert. Versteigert am 29. Juni 2018. Ergebnis: 35.000 Euro*.
Eine ungewöhnliche Darstellung von Adam
und Eva aus dem Italien des 17. Jahrhunderts entwickelte sich zum Spitzenlos des Jahres 2018 bei Altmeistern und Gemälden. Sie
kam in der Juni-Auktion von SCHEUBLEIN
Art & Auktionen für 35.000 Euro*
unter den Hammer. Das erste Menschenpaar
ist hier weder beim Sündenfall, noch
bei der Vertreibung aus dem Paradies oder
aber beim Beklagen der Ermordung Abels
durch Kain gezeigt, sondern in einer fast
arkadisch anmutenden Szene mit beiden
Söhnen in frühkindlichem Alter.
Der auf die italienische Malerei des 17.
Jahrhunderts spezialisierte Kunsthistoriker
Erich Schleier betont in einem Aufsatz
über eine der wenigen vergleichbaren Darstellungen
aus der Hand von Nicola Vaccaro
(1640 – 1709) nicht nur die Seltenheit
dieser Motivwahl, sondern auch, dass Eva
durch diese Art der Darstellung in die Nähe
von römischen Gottheiten wie Diana, Venus,
Juno und Minerva gerückt wird. Auch
beim vorliegenden Bild ist eine solche
Querverbindung sowohl für Eva wie auch
für Adam mehr als denkbar.
Bemerkenswert ist weiterhin, dass über
dieser ersten Familie der Menschheitsgeschichte
scheinbar nichts von der finsteren
Mühsal lastet, die Adam und Eva nach der
Vertreibung aus dem Paradies erwartete.
Stattdessen wirkt die Szene entspannt
und ungezwungen, fast schon im Sinne
jener erfüllenden Freiheit, die der englische
Schriftsteller John Milton den ersten Menschen
1667 am Ende seines Epos „Paradise
Lost“ mit auf den Weg gibt: „Vor ihnen lag
die ganze Erde, ihren Ort zu wählen, von
Gottes Vorsehung geführt.“
2: Die Leiden Christi

Jan Polack (zugeschr), Schweisstuch der Veronika. Versteigert am 16. März 2018. Ergebnis: 31.500 Euro*
Dem Münchner Stadtmaler Jan Polack
(1435 – 1519) zugeschrieben ist ein
„Schweißtuch der Veronika“, das in der
März-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen
für 31.500 Euro* versteigert wurde.
Das Tuch ist zwar von zwei lieblichen Engeln
gehalten, in der Leidensdarstellung
im Antlitz Christi jedoch ungewohnt drastisch.
Erst ab etwa 1400 war es überhaupt
üblich geworden, das Gesicht auf dem
Schweißtuch nicht mehr als verklärten,
überirdischen Christus mit Heiligenschein
zu zeigen, sondern mit Dornenkrone und,
schließlich, auch mit geschlossenen Augen.
Das vorliegende Bild markiert einen
Zwischenschritt im Wandel dieses Motivs,
und ist zugleich auch ein beredtes Zeugnis
für die Kunstproduktion im München
unter Herzog Albrecht IV. Ähnlich wie der
Bildhauer Erasmus Grasser, mit dem Jan
Polack bei der Gestaltung diverser Altäre
eng zusammenarbeitete, betrieb auch Polack eine Werkstatt mit vielen Mitarbeitern.
Doch während in vielen anderen Fällen die
Hand des Meisters eindeutig von der der
Gehilfen unterscheidbar ist, war das künstlerische
Niveau wie auch die Stringenz der
vom Meister ausgegebenen stilistischen
Vorgaben so hoch, dass sich in den Bildern
aus der Werkstatt Jan Polacks keine einzelnen
Künstlerpersönlichkeiten unterscheiden
lassen.
Das Tafelbild verfügt ab 1929 über eine lückenlose
Provenienz: In diesem Jahr wurde
es von Hermann Muffler, Stockach an die
Münchner Galerie Heinemann verkauft.
1936 erwarb es dort der Nürnberger Zuckergroßhändler
und Kunstsammler Valentin
Joseph Mayring; in dessen Sammlung
verblieb es bis zu deren Verkauf durch die
Galerie Fischer, Luzern, im Jahr 1976. Seit
1983 befand es sich in süddeutschem Privatbesitz.
Nach der Auktion ging das Bild
ins europäische Ausland.
3: Genre und Moral

Johann Rasso Januarius Zick, Die Nacht, Öl / Lwd., 55,5 x 41 cm. Die beiden gemeinsam versteigerten Gemälde erzielten am 21.09.2018 21.400 Euro*.
Bis auf 21.400 Euro* kletterten zwei Genre-
Szenen des bayerischen Barockmalers
Januarius Zick (1730 – 1797) in der September-
Auktion von SCHEUBLEIN Art &
Auktionen. Sie gehören zu den wenigen
Bildern Zicks, die nicht in Bausituationen
eingebunden waren – berühmt wurde der
Meister mit Altargemälden und Fresken,
unter anderem im Dianasaal von Schloss
Engers, der Klosterkirche Wiblingen oder
in der Klosterkirche Raitenhaslach, sowie
mit Intarisenbildern für höfische Möbel aus
der Hand David Roentgens. Doch auch mit
Genremalerei beschäftigte sich Zick kontinuierlich,
seit er zwischen 1756 und 1758
auf seiner Studienreise nach Paris, Basel
und Rom die niederländische Genrekunst
kennengelernt hatte.
Die vorliegenden Gemälde „Abend“ und
„Nacht“ knüpfen klar an deren Stilistik an.
Wie diese Vorbilder spiegeln die dargestellten
Szenen die Lebenswelt der kleinen,
bäuerlichen Leute. Allerdings vermengt Zick seine Erzähllust mit einer Sittenkritik
im Sinne der Aufklärung: Am „Abend“ ist
es der erotische Anblick der sich die Beine
waschenden Magd, dem sich der links gezeigte
Familienvater ungebührlich widmet,
statt sich Frau und Kind zuzuwenden.
In der „Nacht“ ist es wiederum eine Magd
– noch mit dem Schälen von Äpfeln befasst,
während alle anderen schlafen –, die
sich den Zudringlichkeiten eines vornehm
gekleideten alten Mannes erwehren muss.
Denn der Nachtwächter, der ja eigentlich
für Ruhe und Ordnung sorgen sollte, hat
sich abgewandt und studiert mit hochgehaltener
Kerze die Uhr.
Die ursprünglich zu einem Schätzpreis
von 12.000 Euro angesetzten Gemälde,
die zusammen mit den im M.H. de Young
Memorial Museum, San Francisco befindlichen
Pendants „Morgen“ und „Mittag“einen
geschlossenen Zyklus bilden, gingen in den
Kunsthandel.
4: Ein Kardinal kommt selten allein

Ramon Tusquets y Maignon: Auszug eines Kardinals aus S. Zanipolo in Venedig. Versteigert am 16.03.2018. Ergebnis 20.200 Euro*.
Das eingangs erwähnte Historiengemälde entwickelte sich zum besten Los bei den Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts. Es ist das
Werk eines heute kaum noch geläufigen
Künstlers, Ramon Tusquets y Maignon
(1837 – 1904). Der aus Barcelona stammende
Sohn einer Handelsdynastie schloss
sich 1864 einer in Rom ansässigen Kolonie
katalanischer Künstler an. Deren prominentester
Kopf, Marià Fortuny (Vater des Modeschöpfers
Mariano Fortuny) wurde Tusquets‘
engster Freund und künstlerischer
Impulsgeber. Als Fortuny 1874 überraschend
an Malaria starb, war es Tusquets y
Maignon, der innerhalb der Gruppe dessen
Platz einnahm und ab 1880 zum wichtigsten
katalanischen Historienmaler avancierte.
Gleichzeitig gelang es ihm, dem kraftlos
gewordenen Genre durch die Verknüpfung klassisch-romantischer Traditionen mit
der plastischen Sprache des Realismus
noch einmal neues Leben einzuhauchen.
Das vorliegende Gemälde „Auszug eines
Kardinals aus San Zanipolo“ ist mit seiner
fast fotografisch präzisen Darstellungsweise
ein gutes Beispiel für diese stilistische
Erneuerung. „Er ist der katalanische Maler,
bei dem es am wenigsten gerechtfertigt
ist, dass er in Vergessenheit geriet“, beklagt
der spanische Kunsthistoriker Carlos
Reyero. Nun läutet der Kunstmarkt seine
allmähliche Wiederentdeckung ein. Dafür
steht auch das Ergebnis, das das Bild in
der März-Auktion von SCHEUBLEIN Art
und Auktionen erzielte: Es konnte seinen
Schätzpreis von 8.000 Euro mehr als verdoppeln verdoppeln
und kletterte bis auf 20.200 Euro*.
5: München leuchtet
Nicht Paris und nicht London – München
ist es, dem der aus Ostpreußen stammende
Maler Charles Vetter (1858 – 1941) wieder
und wieder ein impressionistisches
Denkmal setzt. Mit 23 Jahren zieht er 1881
an die Isar, um an der hiesigen Kunstakademie
zu studieren. In seinem Frühwerk
beschäftigt er sich noch mit genrehaften
Szenen vor städtischer Kulisse. Ab 1900 jedoch
ist es die Stadt selbst, die zum Thema
seiner Gemälde wird: Die ersten 20 Jahre,
die Vetter in München verbringt, sind
zugleich eine Zeit intensivsten Wandels.
1883 erst wächst die Bevölkerung auf über
250.000 Einwohner und die Stadt erlangt
den Rang einer Großstadt; bis 1901 aber
verdoppelt sich deren Zahl noch einmal.
Mit 500.000 Einwohnern ist München nun
die drittgrößte Stadt im Deutschen Reich. Dieses neue Pulsieren, das geschäftigte Treiben, wie es nur Metropolen prägt, zieht
Vetter wieder und wieder in seinen Bann.
Aber auch die verschiedenen Lichtstimmungen,
die sich wandelnde Stimmung der
Stadt-Landschaft im Morgen- und Abendlicht,
bei Sonne oder Schneefall, faszinieren
den Maler immer aufs Neue. Sein 1908
entstandenes Gemälde „Die Theatinerstraße
in München“, das bei SCHEUBLEIN Art
& Auktionen im März für 14.500 Euro* versteigert
wurde, ist ein markantes Beispiel
dafür: Die Fassaden der Häuser reflektieren
das fahle Licht, das Pflaster der nassen
Straßen spiegelt die Schatten der Passanten,
die die dichte Atmosphäre des Gemäldes
zum einen mit prägen, zum anderen
aber auch von ihr aufgesogen werden.
Nachlese zur Dezemberauktion (I): Von Tierfigur bis Taschenuhr
Unter reger Beteiligung von über 500 Bietern im Saal, am Telefon und im Internet fand am Freitag, 30. November, die Weihnachtsauktion von SCHEUBLEIN Art und Auktionen statt, die Nikola Scheublein pünktlich um 13 Uhr eröffnete. Bereits im Vorfeld standen Kunsthandwerk aus dem Orient, Tierfiguren aus Porzellan sowie eine Sammlung mit fast 40 Taschenuhren im Blickpunkt des Bieterinteresses – eine Tendenz, die der Verlauf der Auktion bestätigte.
Lebensechte Tierfiguren aus Meissen und Nymphenburg

Panther, mit einem leopard Kämpfend. meissen, vor 1924. Modell: Rudolf Löhner. Ergebnis: 4.500 Euro*.
Sie stammen beide aus der Glanzzeit der kleinformatigen Tierplastik, wurden von renommierten Bildhauern gestaltet und in den beiden wichtigsten deutschen Manufakturen hergestellt. Zwei Tierfiguren beherrschten in der 43. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen das Bild beim Porzellan. Die eine, ein fast lebensgroßer Ara (ganz oben), ist ein Klassiker von Nymphenburg und geht auf ein Modell von Theodor Kärner (1884 – 1966) aus dem Jahr 1913 zurück, einer Zeit, in der der Tierbildhauer in einer Festanstellung an der Porzellanmanufaktur im Münchner Westen tätig war. Die in der Auktion angebotene Ausführung stammt aus dem Jahr 1922; für die farbliche Gestaltung zeichnet der Maler Robert Böck verantwortlich. Die Vogelstatue kletterte im Verlauf der Auktion von 3.500 Euro Schätzpreis bis auf 8.100 Euro*. Für 4.500 Euro* wurde ein mit einem Leoparden kämpfender Panther verkauft, der vor 1924 in Meissen entstand. Das Modell der Figur stammt aus der Hand des Tierplastikers und Bildhauers Rudolf Löhner (1890 – 1971), der später auch Denkmäler und Bauplastiken im Auftrag der DDR gestaltete.
Das Besteck eines Fürsten
Für 6.300 Euro* kam ein ungewöhnlich großer und gut erhaltener Satz von Tafelbesteck aus Vermeil unter den Hammer. Die jeweils zwölf Löffel, zwölf Gabeln und zwölf Dessertmesser entstanden 1782/1783 in der Werkstatt der Catherine Marguerite Fritz in Straßburg und müssen einst zur Ausstattung eines größeren Hofs gehört haben. Denn die Benutzung vergoldeten Bestecks war nach Auffassung des 18. Jahrhunderts einzig regierenden Fürsten vorbehalten.
Taschenuhren: Die schönste Zeit

Savonette von IWC mit gehfähigem Ankerwerk und Schwanenhalsfeinregulierung. Ergebnis: 1.390 Euro. Die Uhr wurde in der Auktion vom 30. November bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigert.
Vollständig verkauft werden konnte eine Sammlung von fast vierzig Taschenuhren, die für insgesamt 18.900 Euro* neue Besitzer fanden. Die höchsten Preise erzielten eine um 1900 gefertigte Savonette von IWC mit gehfähigem Ankerwerk und Schwanenhalsfeinregulierung (Ergebnis 1.390 Euro*), eine Savonette von Elgin Watch Co., datiert auf 1880, mit aufwendig rankengraviertem Gehäuse (Erebnis 1.200 Euro*) sowie eine silberne Taschenuhr des deutschen Uhrenherstellers Lange & Söhne aus der Zeit um 1920 (Ergebnis 760 Euro*).

Savonette von Elgin Watch Co, um 1880. Ergebnis: 1.200 Euro. Die Uhr wurde in der Auktion vom 30. November bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigert.

Taschenuhr, Silber, Lange & Söhne, Glashütte, um 1920. Ergebnis: 760 Euro. Die Uhr wurde in der Auktion vom 30. November bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigert.
Ein weiteres Highlight aus der Kategorie Schmuck und Uhren war ein zeitgenössisches, dreiteiliges Schmuckset der Manufaktur Wellendorf, das für 8.820 Euro* verkauft wurde.
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