Highlights der 43. Kunstauktion: Krippen in Papier und im Kasten
Zwei Krippen aus Tirol und Böhmen sorgen bei der Auktion am 30. November 2018 für weihnachtliche Akzente. Besonders prominent dabei ist eine Papierkrippe aus dem Tiroler Krippenbau-Dorf Thaur (oben).
Aus Groß wird Klein
Solche Papierkrippen waren für den Ort zwischen Innsbruck und Hall in Tirol nicht unüblich. Ihre Geschichte beginnt allerdings im großen Format: Als um 1700 die Blütezeit der Krippen mit bekleideten Figuren einsetzte, begannen Klosterkirchen im süddeutschen Sprachraum als Gegenstück zu den Heiligen Gräbern der Osterzeit großfigurige Bretterkrippen aufzustellen. Deren Figuren waren nicht plastisch ausgebildet, stattdessen wurden sie auf Bretter oder Blech gemalt und ausgeschnitten.
Vom Brett zum Papier
Als Miniaturanfertigungen dieser großen Bretterkrippen entstanden auch Krippen mit Papierfiguren. Das Dekret von Kaiser Josef II. aus dem Jahr 1782, das generell das Aufstellen von Krippen in den Kirchen verbot, führte nicht nur zu einer raschen Verbreitung von kunstvollen Holzkrippen in Privathaushalten und damit zur Blüte des Krippenbaus im Dorf Thaur bei Hall in Tirol.
Erschwingliche Krippen
Es verhalf auch den Papierkrippen zu einem veritablen Aufschwung, waren sie doch deutlich kostengünstiger und damit für eine wesentlich breitere Bevölkerungsschicht erschwinglich. Die papierenen Krippenfiguren wurden mit kräftigen Temperafarben bemalt; angeklebte Stahlstifte sorgten für Stabilität und machten es möglich, die Figuren pittoresk in der Geburtshöhle und auf der diese umgebenden Bergkulisse anzuordnen.
Empfindliches Material
Einen Nachteil allerdings hatten die erzählfreudigen Papierkrippen: Die empfindlichen Figuren gingen leichter kaputt oder verloren als ihre robusteren Artgenossen aus Holz. Nur noch sieben vollständige Krippen sind beispielsweise von einem der prominentesten Thaurer Papierkrippen-Bauer, Josef Kramer, vulgo „Mundler“, erhalten, von dem wohl auch die vorliegende Krippe stammt. Umso schöner, dass dieses Ensemble mit seiner reichen Schar an Hirten, Melkern und Kraxenträgern die Zeiten überdauert hat.
Krippenkunst aus Böhmen
Ähnlich wie in Thaur entfaltete sich auch im Ort Grulich (heute Králiky) nach dem Krippendekret Kaiser Josefs II. von 1782 eine rege kunsthandwerkliche Tätigkeit im Bereich Krippenbau. Die dortigen “Mannlmacher” waren meist Saisonarbeiter, die im Sommer auf Wanderschaft gingen oder sich im nahen, holzreichen Adlergebirge als Holzknechte verdingten. Frauen und Kinder übernahmen die Bemalung der geschnitzten Figuren. Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts bewirkten die aufkommende Industrialisierung sowie die schlechte Bezahlung den rapiden Niedergang der Krippenschnitzerei in Nordböhmen. Aus dieser letzten Phase stammt auch die vorliegende Krippe – mit ihrem Kasten, dem oben auf dem Krippenberg angebrachten phantastischen Stadtbild von Bethlehem und der vielfigurigen Darstellung des Weihnachtsgeschehens sowie der “Bringemannln” – der Heiligen Drei Könige – ist typisch für die Grulicher Krippenproduktion.
Highlights der 43. Kunstauktion: Weihnachtskrippen aus Papier und im Kasten
Zwei Krippen aus Tirol und Böhmen sorgen bei der Auktion am 30. November 2018 für weihnachtliche Akzente. Besonders prominent dabei ist eine Papierkrippe aus dem Tiroler Krippenbau-Dorf Thaur.
Aus Groß wird Klein
Solche Papierkrippen waren für den Ort zwischen Innsbruck und Hall in Tirol nicht unüblich. Ihre Geschichte beginnt allerdings im großen Format: Als um 1700 die Blütezeit der Krippen mit bekleideten Figuren einsetzte, begannen Klosterkirchen im süddeutschen Sprachraum als Gegenstück zu den Heiligen Gräbern der Osterzeit großfigurige Bretterkrippen aufzustellen. Deren Figuren waren nicht plastisch ausgebildet, stattdessen wurden sie auf Bretter oder Blech gemalt und ausgeschnitten.
Vom Brett zum Papier
Als Miniaturanfertigungen dieser großen Bretterkrippen entstanden auch Krippen mit Papierfiguren. Das Dekret von Kaiser Josef II. aus dem Jahr 1782, das generell das Aufstellen von Krippen in den Kirchen verbot, führte nicht nur zu einer raschen Verbreitung von kunstvollen Holzkrippen in Privathaushalten und damit zur Blüte des Krippenbaus im Dorf Thaur bei Hall in Tirol.
Erschwingliche Krippen
Es verhalf auch den Papierkrippen zu einem veritablen Aufschwung, waren sie doch deutlich kostengünstiger und damit für eine wesentlich breitere Bevölkerungsschicht erschwinglich. Die papierenen Krippenfiguren wurden mit kräftigen Temperafarben bemalt; angeklebte Stahlstifte sorgten für Stabilität und machten es möglich, die Figuren pittoresk in der Geburtshöhle und auf der diese umgebenden Bergkulisse anzuordnen.
Empfindliches Material
Einen Nachteil allerdings hatten die erzählfreudigen Papierkrippen: Die empfindlichen Figuren gingen leichter kaputt oder verloren als ihre robusteren Artgenossen aus Holz. Nur noch sieben vollständige Krippen sind beispielsweise von einem der prominentesten Thaurer Papierkrippen-Bauer, Josef Kramer, vulgo „Mundler“, erhalten, von dem wohl auch die vorliegende Krippe stammt. Umso schöner, dass dieses Ensemble mit seiner reichen Schar an Hirten, Melkern und Kraxenträgern die Zeiten überdauert hat.
Krippenkunst aus Böhmen
Ähnlich wie in Thaur entfaltete sich auch im Ort Grulich (heute Králiky) nach dem Krippendekret Kaiser Josefs II. von 1782 eine rege kunsthandwerkliche Tätigkeit im Bereich Krippenbau. Die dortigen “Mannlmacher” waren meist Saisonarbeiter, die im Sommer auf Wanderschaft gingen oder sich im nahen, holzreichen Adlergebirge als Holzknechte verdingten. Frauen und Kinder übernahmen die Bemalung der geschnitzten Figuren. Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts bewirkten die aufkommende Industrialisierung sowie die schlechte Bezahlung den rapiden Niedergang der Krippenschnitzerei in Nordböhmen. Aus dieser letzten Phase stammt auch die vorliegende Krippe – mit ihrem Kasten, dem oben auf dem Krippenberg angebrachten phantastischen Stadtbild von Bethlehem und der vielfigurigen Darstellung des Weihnachtsgeschehens sowie der “Bringemannln” – der Heiligen Drei Könige – ist typisch für die Grulicher Krippenproduktion.
Highlights der 43. Kunstauktion / Silber
Mit einem hochkarätigen, 50 Positionen umspannenden Silberangebot startet am 30. November um 13 Uhr die 43 Kunstauktion. Zwei Katalognummern daraus haben eine ganz besondere Geschichte.
Eine Schale aus dem Balkan: Zum Trinken und Gedenken
Der Balkan war schon immer ein Schmelztiegel der Kulturen. Dies lässt sich auch an der Silberschale mit inliegendem Hirschen aus dem 16. Jahrhundert deutlich ablesen.
Lange Tradition der Silberschmiedekunst
Bereits zur Zeit des Imperium Romanum waren die Silbervorkommen in Serbien massiv abgebaut worden. Mit Verbesserungen der Minentechnik wurde die Silberförderung im Mittelalter noch einmal intensiviert und entwickelte sich, auch Dank des Vertriebs der Silberobjekte durch die Kaufleute in den Hafenstädten an der Adria, zu einem prosperierenden Wirtschaftszweig. In den Schmiedewerkstätten, die sich rund um die größten Silberminen in Novo Brdo und Pec ansiedelten, verkehrten neben einheimischen auch viele auswärtige Kunstschmiede.

Trinkschale, Balkan, 16. Jh.; die kleine gegossene Figur in der Mitte des Fonds stellt einen liegenden Hirschen dar. Besonderer Kunstkniff: Der Kopf ist drehbar. Schätzpreis. 5.000 Euro.
Ein besonders begehrtes Produkt aus diesen Werkstätten waren kostbare Trinkschalen, die bei besonderen Anlässen zum Ausbringen von Trinksprüchen und zum Weingenuss benutzt wurden. Auch mit der Eroberung Serbiens durch das osmanische Reich im Jahr 1389 änderte sich an der reichen Silberproduktion wenig – im Gegenteil: Der christliche Motivschatz wurde um osmanische Einflüsse erweitert. Dies zeigt sich auch an vorliegender Silberschale.
Orient trifft Okzident
Während viele Ornamente dem türkischen Kulturkreis zuzuordnen sind, ist der in der Mitte liegende Hirsch ein eindeutig christliches Symbol, das für die Erlösung der Seele und den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse steht. Zum Trinken und Zuprosten wurden derartige Schalen allerdings nicht mehr verwendet; stattdessen wurden sie zum Andenken an verstorbene Angehörige Kirchen oder Klöstern gestiftet. „In diesem Moment“, so der Kunsthistoriker Mila Gajić, „verloren sie ihre Funktionalität und wurden zum reinen, immer prunkvoller gestalteten Dekorobjekt. Von ihrem ursprünglichen Zweck als Trinkschale blieb nur eine ferne Erinnerung.“
Schlichte Schönheit
Die zweite Position mit einer packenden Hintergrundgeschichte ist ein ungewöhnlich großer und gut erhaltener Satz von Tafelbesteck aus Vermeil.
Er geht auf eine Zeit zurück, in der sich die höfische Tischkultur im Wandel befand.
Porzellan und Besteck
Porzellanservice wurden erst nach der Gründung der Meissener Manufaktur 1710 allmählich auch zum Speisen benutzt; zuvor war Silber das bevorzugte Material für höfisches Essgeschirr gewesen.
Weitere Neuerung: Einheitliches Besteck
Auch nach einheitlichem Entwurf gestaltete Essbestecke setzten sich erst im Lauf des 18. Jahrhunderts in Europa durch. Weil die immer opulenter bemalten Porzellane die Gesamtwirkung der Tafel deutlich belebten, herrschte bei der Gestaltung der Besteckgedecke das ästhetische Prinzip der ,unité’ vor: Ornamentmuster und Konturführung sollten die in ihren Grundformen so unterschiedlichen Bestandteile Messer-Gabel-Löffel zu einem möglichst einheitlichen Gesamtbild zusammenführen. Bei dem vorliegenden Bestecksatz geschieht dies durch die elegante Verbindung von Muscheln und Fadenmustern.
Nur ein Fürst speist in Gold
Die Ausführung in Vermeil sowie der Umfang des Bestecks weisen darauf hin, dass es zur Ausstattung eines größeren Hofes gehört haben muss. Denn die Benutzung vergoldeten Bestecks war nach Auffassung des 18. Jahrhunderts einzig regierenden Fürsten vorbehalten.
Highlights der 43. Kunstauktion: Ein orientalischer Traum
Im Fokus der 43. Kunstauktion steht eine über hundert Positionen umfassende Privatsammlung mit orientalistischen Gemälden und Skulpturen sowie Kunsthandwerk aus dem Orient.
Im Geist durch die Wüste
„Und ist es wirklich war, Sidhi…?“ Mit diesen Worten beginnt eine Romanserie, die exemplarisch für die Orientrezeption im deutschsprachigen Raum des ausgehenden 19. Jahrhunderts steht und auch den Geist der vorliegenden Sammlung spiegelt. Karl Mays Orientzyklus um den deutschen Reisenden Kara Ben Nemsi und seinen treuen Diener Hadschi Halef Omar prägte das Bild vom Leben in den Ländern zwischen Marokkanischer Atlantikküste und Persischem Golf über Generationen hinweg.
Dass der Autor zu dem Zeitpunkt, als er diese Romane schrieb, noch nie einen Fuß in ein orientalisches Land gesetzt hatte, sondern, wie sein Biograf Hans Wollschläger schreibt, die fernen Länder nur „mit der Seele gesucht hatte“, passt ins Bild.

Orientalist, 2. Hälfte 19. Jh., Blick auf eine nordafrikanische Küstenstadt. Öl/ Lwd., 52,5 x 79 cm. Schätzpreis 3.500 Euro.
Gerade im deutsch-österreichischen Raum, der zwar enge politische Beziehungen zum Osmanischen Reich pflegte, aber nicht als Kolonialmacht Präsenz zeigte, war der Orient eine Projektionsfläche für Wünsche und Sehnsüchte, romantische Phantasien und handfeste Abenteuer.

Fritz Baur, Moschee am Mittelmeer mit Figurenstaffage. Öl / Karton, 20,8 x 29.7 cm. Schätzpreis 600 Euro.
Die Wahrheit? Stand hinter der Traumwelt zurück, die derjenige, der es sich leisten konnte, mit Bildern, Skulpturen und orientalischem Kunsthandwerk lebendig werden ließ. Dieses Bestreben prägt auch die vorliegende Sammlung.

Drei Kulah Khuds, Persien 19. Jhd. bzw. (links) Persien oder Indien, wohl 19. Jhd. Schätzpreis je 900 Euro.
Schilde, Helme, Wasserpfeifen
Für die überzeugende Inszenierung eines orientalischen Raumes finden sich Moscheelampen mit fein gearbeitetem Durchbruchdekor, Schalen und Schatullen in Cairoware, Pfeifenköpfe, Schreibsets und andere Wohnaccessoires, aber auch kriegerische Objekte wie drei persische Kulah Khuds oder eine Reihe an „Sipar“-Rundschilde.

Große “cairoware”-Schatulle. Ägypten, 19./20. Jh. Messing. 30 x 42 x 23,5 cm. Schätzpreis 1.000 Euro.
Eine Gruppe von Figuren und Schautellern aus dem zwischen 1880 und 1930 beliebten Werkstoff Siderolith stellt Personal dar, das ebenfalls einem Karl May-Roman entsprungen sein könnte: Demutsvolle Wasserträgerinnen, Gaukler und heldenhafte Berber, die auf ihren Hengsten durch die Wüstendünen preschen.

Johann Maresch, Ende 19. / Anf. 20. Jh., Schauplatte: Beduine zu Pferd. Siderolith. Durchmesser 49 cm. Schätzpreis 500 Euro.
Lasziver Luxus und Ruinen
Auch die Malerei schwelgt in der Weite der Wüstenlandschaften, der Buntheit der Städte, dem luxuriösen Lebensstil, aber auch in der Schönheit ägyptischer Ruinen, wie auch das Bild des Wasserpfeife rauchenden jungen Mannes ganz oben zeigt (Schätzpreis 1.800 Euro). Nicht einmal vor Ort gewesen sein mussten die Künstler, um Bilder zu schaffen, die als authentisch akzeptiert wurden.

Norbert Bittner, Palais de Qasim Bey à Caire. Aquarellierte Federzeichnung auf Bütten. 32 x 42 cm. Schätzpreis 1.000 Euro.
Ein Beispiel: Der auf Architekturdarstellungen spezialisierte Norbert Bittner (1786 – 1851), der seine aquarellierten Federzeichnungen auf der Grundlage von zeitgenössischen Stichsammlungen anfertigte. Doch selbst wenn die Maler den Nahen Osten bereist hatten, wie beispielsweise der Wiener Orientalist Alphons Leopold Mielich (1823 – 1929), spiegelte ihre Sicht stets nicht nur ihre Eindrücke und Erlebnisse, sondern auch das Traumbild in den Köpfen.
Sehnsucht nach dem Osten
Über hundert Jahre sind seitdem vergangen. Die Einstellung zum Orient hat viel von ihrem Glanz verloren und, dank fotografischer und filmischer Medien, an Realitätssinn gewonnen. Ein Hauch der alten Sichtweise aber täte heute ganz gut, findet die britische Journalistin Yasmin Ablihai-Brown. „In unserer globalisierten Welt (…) prallen Ost und West mit ihren unterschiedlichen Wertvorstellungen noch immer aufeinander und man vermisst bei Diskussionen um Burkas oder Minarette unsere ursprüngliche Faszination für diese fremden Kulturen.“

Alphons Leopold Mielich (zugeschrieben), orientalische Straßenszene. Öl/Lwd., 19 x 31,5 cm. Schätzpreis 2.000 Euro.
Ein Blick auf ein Kunstwerk aus jener orientalistischen Tradition kann diese, zumindest ein Stück weit, wieder ins Gedächtnis rufen. Das erfuhr Ablihai-Brown selbst beim Rundgang durch eine einschlägige Ausstellung. „Alle meine Erwartungen zerbröselten, als ich mir ein Bild nach dem anderen anschaute und einige davon in meinen Augen nur eines offenbarten: den Ausdruck einer unerklärten Liebe weißer, christlicher Männer (…) zum Orient.“ Eine Liebe, wie sie auch die vorliegende Sammlung wieder neu zu erwecken vermag.
Am 15.11. ab 18 Uhr: Silent Auction mit jungen Künstlern
Seit sechs Jahren engagiert sich die Münchner Künstlergemeinschaft super + e.V. für die Förderung junger, internationaler Künstler – sowohl in ihrer Centercourt Gallery Ecke Türken-/Adalbertstraße, wie auch mit dem super+Atelierhaus in der ehemaligen Trachtenfabrik Michael Unholzer in Moosach. Bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen hält sie in den Räumlichkeiten im Vorderhaus am 15.11. zwischen 18 und 21 Uhr eine Silent Auction mit Werken von zehn jungen Künstlern ab. Zu einer Liste sämtlicher angebotener Werke geht es hier.
Erlös finanziert Kunstprojekte
Das erzielte Geld geht zu einem kleineren Teil an die Künstler, zum Großteil trägt es zur Finanzierung weiterer Ausstellungsprojekte von super+, der Raummiete für den Centercourt sowie der Publikation von Katalogen bei.
Silent Auction: Wie geht das?
Anders als bei einer klassischen Auktion werden die Werke nicht einzeln aufgerufen und versteigert; stattdessen liegen bei allen Arbeiten Listen aus, in der jeder der Interessenten sein Gebot eintragen und bis 21 Uhr auch nachjustieren kann.
Direkt nach Auktionsschluss werden die Gewinner ausgelobt und können die ersteigerten Kunstobjekte gegen Sofortüberweisung oder Barzahlung noch am gleichen Abend mit nach Hause nehmen.

Alexa von Arnim, Flight of the Phoenix, Mauritius I, 2018, 150 x 100 cm inkl. Rand, weiße Holzrahmung
Neben Werken der super+-Gründer Alexander Emil Deubl, Christian Muscheid und Konstantin Landuris sind unter anderem die Malerinnen Alina Birkner und Elisabeth Schmitt, der Graphiker Jens Schubert sowie die Fotografinnen Saskia Groneberg und Alexa von Arnim vertreten. Letztere präsentiert zwei Fotografien, die ihre LandArt-Aktion “Flight of the Phoenix” auf Mauritius dokumentieren.
Nachlese Fundgrube-Auktion: Von Söldnern, Kutschern und dem Auge Gottes
Mit durch die Bank reger Beteiligung im Saal wie auch im Internet schloss die Fundgrube-Auktion vom 26. Oktober nach sechst packenden Stunden und 844 aufgerufenen Objekten. Besonders gut nachgefragt waren diesmal Silber und Schmuck; auch generell stieß das Angebot auf großes Interesse: Über 70 Prozent der Positionen wurden verkauft. Gleich zwei der Toplose stammten aus der Kategorie Fayence, weitere aus den Bereichen Skulpturen und Kunsthandwerk.
Eine Soldtruhe aus Eisen
Den höchsten Zuschlag erhielt eine zylinderförmige Soldtruhe mit einem in Eisen gearbeiteten, blaugrün gefassten und durch Bänder verstärkten Korpus. Sie wurde für 3.780 Euro* zugeschlagen.
Kassen, um die Soldaten zu bezahlen, wurden bereits seit dem späten Mittelalter von den Heeren mitgeführt, als sich zum einen die Geldwirtschaft gegen die zuvor weit verbreitete Naturalientauschwirtschaft durchsetzte und zum anderen die feudalen Lehensheere mehr und mehr von Söldnertruppen abgelöst wurden. Um diese zu bezahlen, mussten nun im Tross jedes Regiments große, gut verschließbare Kassen transportiert werden.
Soldtruhen bis zum 1. Weltkrieg in Gebrauch
Nach dem hauptsächlich durch Söldner ausgefochtenen 30-Jährigen Krieg etablierten sich zwar mit den Nationalstaaten auch allmählich stehende Heere, die die je nach Bedarf angeheuerten Landsknechtsverbände ersetzten. Dennoch bekamen bis zum ersten Weltkrieg nur Offiziere ein monatliches, fixes Gehalt. Unteroffiziere und Mannschaft erhielten ihren Sold weiterhin in bar aus der Regimentskasse ausbehalt.
Was genau sich in der vorliegenden Soldtruhe befindet, wird auch dem neuen Besitzer Rätsel aufgeben: Zwar befindet sich in der Mitte der Oberseite ein zentrales Schlüsselloch. Der Schlüssel dazu aber verlor sich in den Wirren der Zeit.
Der Ranzen eines Kutschers
Ein mit Metallstiften dekorierter Ranzen sowie zwei paar Hosenträger mit Federkielstickerei kletterten bis auf 2.770 Euro*, bevor der Hammer fiel. Das Hauptinteresse der engagierten Bieter galt dabei mutmaßlich dem überaus aufwendig gearbeiteten Ranzen.

Ranzen und zwei Paar Hosenträger mit Dekor aus Metallstiften bzw. Federkielstickerei.
Ergebnis: 2.770 Euro*.
Ranzen waren einst Geldgürtel
Kunstvoll verzierte Gurte wie dieser wurden ursprünglich von Schiffern, Flößern und Viehhändlern, aber auch von Fuh leuten als Geldgürtel getragen. Die Motivik des Dekors, das unter anderem auch Pferdekutschen zeigt, könnte ergo auf den Berufsstand des ursprünglichen Besitzers hinweisen.
Gleich zwei Toplose aus dem Bereich Fayence
Unter der Liste der Top-Zuschläge ist die Kategorie Fayence gleich zwei mal vertreten: Zum einen mit italienischen Apothekerflaschen aus Majolika, die möglicherweise um 1570/80 in Venedig entstanden. Die beiden mit Porträtmedaillons, Ranken und Blüten verzierten Gefäße erlösten 2.140 Euro*.
Zwei ebenfalls aus Italien stammende Henkelkrüge mit Doppelkopf-Adlern, von denen einer die Jahreszahl 1778 trägt, wurden für 1.760 Euro* verkauft.
Das Auge Gottes wacht
Zum Highlight bei den Skulpturen entwickelte sich ein geschnitztes und gefasstes „Auge Gottes“ im Barockstil, das sich im Verlauf eines packenden Bietergefechts von 400 Euro Schätzpreis bis auf 1.510 Euro* steigerte.

Das Auge Gottes mit Wolkenkranz und Puttenköpfen. Holz geschnitzt, farbig und gold gefasst.
Ergebnis: 1.510 Euro*.
Uralter Bildtypus
Die Darstellung greift einen Bildtypus auf, der schon in vorchristlichen Mythologien anzutreffen ist und vor allem seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Einzug in evangelische wie auch katholische Kirchenausstattungen hielt. Das in ein Dreieck eingebettete, von einer Gloriole umstrahlte menschliche Auge wurde vor allem durch die 1682 erschienene Werkausgabe der Schriften des pantheistischen Mystikers Jakob Böhme (1575 – 1624) populär.
Freimaurer und Dollarzeichen
Dort ist das mit Dreieck und Lichtkranz dargestellte „Auge Gottes“ unter anderem auch von Symbolen mit alchemistischer Bedeutung umgeben. Hierin wurzelt nicht nur die rein religiöse, sondern auch die anderweitige Benutzung des Motivs durch die Freimaurer, und sogar auf der Rückseite des Siegels der Vereinigten Staaten von Amerika. Seit 1935 ziert es auch die Rückseite der ,Ein-Dollar-Note‘. Die in der Fundgrube-Auktion am 26. Oktober verkaufte Darstellung mit ihren Putten und Wolkenbändern und der eingearbeiteten Platte zum Abstellen einer Monstranz ist indes rein dem christlich- religiösen Kontext zuzuordnen.
Highlights Fundgrube-Auktion: Malerei aus Russland
In eine Epoche, die nur auf den ersten Blick
ein idyllisches Russland widerspiegelt, entführt
ein mit 600 Euro Schätzpreis angesetztes,
mit Andrejeff signiertes Gemälde:
„Pferdeschlitten, von Wölfen verfolgt“.
In höchster Not
Das
Bild zeigt, in pittoresker Winterlandschaft,
eine höchst dramatische Szene: Ein von
drei Pferden gezogener, von seiner Aufmachung
her sichtlich bäuerlicher Schlitten
wird von hungrigen Wölfen angegriffen.
Die beiden Kutscher wehren sich in höchster
Not – der vordere versucht, das äußerste
an Geschwindigkeit aus den erschöpften
Pferden herauszuholen, der hintere hat gerade
den ersten Wolf mit der Flinte niedergestreckt.
Doch schon springt von der Seite
ein zweiter Wolf auf die rasenden Pferde
zu.
Szenarien wie dieses, die die Schönheit
der russischen Landschaft, aber auch die
Härte des Lebens der unteren Bevölkerungsschichten
thematisieren, waren typisch
für den Realismus jener Künstler des
späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts,
die sich rund um die Künstlervereinigung
„Peredwischniki“ (deutsch: die Wanderer)
formierten.
Das einfache Volk im Fokus
Sie rückten statt Historien und
hehren Adelsszenarien die einfachen Leute
in den Blickpunkt ihrer Kunst, vor allem die
ländliche Bevölkerung und die Bauern. Diese
waren zwar durch die Reformen Alexanders
II. 1861 der Leibeigenschaft enthoben
worden und erhielten sogar etwas Land.
Dessen Erträge reichten aber nicht aus, um
ihre bittere Armut zu lindern.
Folgen der kleinen Eiszeit
Gleichzeitig hatte sich, wie Josef Reichholf
in seiner „Kurzen Naturgeschichte des
zweiten Jahrtausends“ darlegt, die Fauna
in Russland von den Entbehrungen der
,Kleinen Eiszeit‘ im 19. Jahrhundert noch
nicht so weit erholt, dass Wölfe in den entbehrungsreichen
Wintern im Wildbestand
ausreichend Nahrung gefunden hätten.
Hungrige Wölfe
Zu leiden hatten vor allem die darbenden
Bauern. Denn die Wölfe fielen immer wieder
gezielt große Nutztiere an, von deren
Fleisch ein ganzes Rudel satt wurde.
Auch Überfälle auf Schlitten waren so häufig,
dass sie sich als immer wieder auftauchendes
Bildmotiv etablierten.
Highlights Fundgrube-Auktion: Eine Malerin aus Stuttgart
Ein breites Angebot an Silber, Möbeln und Schmuck bildet den Kern der herbstlichen Fundgrube-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 26. Oktober. Trouvaillen für den kleinen Geldbeutel gibt es jedoch quer durch alle Kategorien, von Asiatika bis zu Teppichen.
Zwei Porträts aus der Hand der schwäbischen Malerin Louise Henriette von Martens (1828 – 1894) gehören zu den Highlights bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts. Das Herren- und das Damenbildnis sind typisch für den minutiösen Stil der für ihre Zeit ungewöhnlich produktiven Künstlerin.

Louise Henriette von Martens, Herrenporträt. In einem Los angeboten mit dem oben gezeigten Damenporträt. Signiert und datiert 1877. Schätzpreis: 600 Euro.
Ausbildung an der “Damenakademie”
Mangels Möglichkeiten, als Frau direkt an einer Kunstakademie studieren zu können, ging die junge Stuttgarterin nach Düsseldorf, um sich als Privatschülerin bei dem Historien- und Porträtmaler Karl Ferdinand Sohn (1805 – 1867) ausbilden zu lassen.
Ungewöhnlich produktive Malerin
Nach Stuttgart zurückgekehrt, schuf Martens neben einigen Naturstudien und Genreszenen über 400 Porträts vor allem für Kunden aus dem gehobenen Bürgertum. „Es scheint bezeichnend“, schreibt der auf Württemberger Künstler spezialisierte Kunsthistoriker Werner Fleischhauer, „dass gerade ältere Leute gesellschaftlich gehobener, vornehmer Stellung und gepflegter Lebensart diese Künstlerin und ihre Malart bevorzugten.“
Nachbericht 42. Kunstauktion: Januarius Zick bei den Altmeistern im Fokus
Bis auf 21.400 Euro* kletterten zwei Genreszenen
des vor allem für seine Fresken
und Marketerie-Entwürfe berühmten bayerischen
Barockmeisters Januarius Zick
(1730 – 1797).
Selten: Genreszenen aus der Hand von Zick
Beide Bilder knüpfen klar an die Stilistik
niederländischer Genrebilder an, die Zick
auf einer Studienreise kennengelernt hatte.
Wie diese Vorbilder spiegeln die dargestellten
Szenen die Lebenswelt der kleinen,
bäuerlichen Leute.

Januarius Zick, “Der Abend”. Öl / Lwd., 55,5 x 41 cm. Das Gemälde wurde gemeinsam mit seinem Pendant “Die Nacht” angeboten; die Bilder erzielten 21.400 Euro*.
Allerdings vermengt
Zick seine Erzähllust mit einer Sittenkritik
im Sinne der Aufklärung: In beiden Fällen sind es die erotischen Verlockungen einer
Magd, die Männer – beim ,Abend‘ ist es
ein Familienvater, bei der ,Nacht‘ ein gut
gekleideter alter Herr, möglicherweise der
Gutsbesitzer – von moralisch einwandfreiem
Verhalten abbringen.
Die ursprünglich zu einem Schätzpreis von
12.000 Euro angesetzten Gemälde „Der
Abend“ und „Die Nacht“, die zusammen
mit den im M.H. de Yount Memorial Museum,
San Francisco befindlichen Pendants
„Morgen“ und „Mittag“ einen geschlossenen
Zyklus bilden, gingen in den Kunsthandel.
Nachbericht zur 42. Kunstauktion: Das Toplos – ein russischer Realist
Mit vielen überraschenden Ergebnissen endete nach fünfeinhalb Stunden die Herbstauktion
von SCHEUBLEIN Art und Auktionen, die Nikola Scheublein um 13 Uhr, dem neuen
generellen Versteigerungsbeginn, eröffnet hatte. Über 500 Bieter steigerten mit, im Saal,
aber auch per Telefon und Internet. Gerade beim packenden Kampf um das Spitzenlos –
das Bildnis eines briefschreibenden Mannes von V. Makovsky, das schließlich für 41.600
Euro* zugeschlagen wurde, – lieferten sich vor allem externe Bieter ein intensives Gefecht.
Weitere Top-Ergebnisse waren in den Bereichen Altmeister, Möbel und Einrichtung
sowie Schmuck zu verzeichnen; generell sehr gefragt waren diesmal die Kategorien Porzellan, Teppiche,
Ikonen sowie Graphiken der Moderne.
Das Spitzenlos, „Der Briefschreiber“ von V.
Makovsky, links unten kyrillisch bezeichnet
und datiert 1893, ist dem Umkreis der Peredwischniki
zuzurechnen, jener „Wandermaler“,
die um 1870 ihre Sujets nicht mehr
in hehren Historiengemälden, idealisierten
Landschaften oder Adeligenporträts suchten,
sondern beim einfachen Volk.
Realismus in Russland
Im Zuge
des international aufkommenden Realismus
zeigten sie das Leben und die Mühsal
der Bauern und Arbeiter, die Schönheit
des weiten russischen Hinterlands, sowie
Gemütsverfassung und authentische Charakterzüge
in ihren Porträts. Mitglieder der
Peredwischniki waren nicht nur Absolventen
der Kaiserlichen Kunstakademie in St.
Petersburg, sondern kamen auch von der
Schule für Malerei, Bildhauerei und Bildkunst
in Moskau, die im Gegensatz zu den
akademisch ausgebildeten Malern eher als
„handwerkliche Künstler“ angesehen wurden
und keine Aufträge von Hof und Staat,
sondern nur von privaten Auftraggebern
entgegen nehmen durften.
Die Peredwischniki malen das Volk
Auch dies trug
zu einer Verlagerung der künstlerischen
Fokussierung bei den Peredwischniki bei,
die sich auch am ,Briefschreiber‘ gut ablesen
lässt: Der uniformierte ältere Mann
ist in einer von bescheidenem Wohlstand kündenden Umgebung sehr realitätsnah
dargestellt. Gezeigt sind die Falten im Gesicht,
die Knittern in der Uniform, eine am
Tischrand abgelegte Zigarette, aber auch
die vollkommene Versunkenheit, die den
Mann beim Schreiben erfasst hat. Nach
einem packenden Bietergefecht, an dem
vor allem Interessenten am Telefon und im
Internet beteiligt waren, ging das Gemälde
für 41.600 Euro* nach Russland.
+49 (0)89 / 23 88 689-0













