Herbstauktion: Erzähllust und Stilkritik bei den Altmeistern

Im Blickpunkt der Kategorie “Alte Meister” stehen bei der Auktion am 21. September zwei Gemälde des bayerischen Barockmalers Januarius Zick (1730 – 1797). Seine Genredarstellungen  „Abend“ und „Nacht“ gehören zu den wenigen Werken aus seiner Hand, die nicht in Bausituationen eingebunden waren.

Januarius Zick, der Freskenspezialist

Berühmt wurde der Meister mit Altargemälden und Fresken, unter anderem im Dianasaal von Schloss Engers, der Klosterkirche Wiblingen oder in der Klosterkirche Raitenhaslach, sowie mit Intarsienbildern für höfische Möbel aus der Hand David Roentgens. Auch mit Genremalerei beschäftigte sich Zick kontinuierlich, seit er zwischen 1756 und 1758 auf seiner Studienreise nach Paris, Basel und Rom die niederländische Genremalerei kennengelernt hatte.

Das Deckenfresko der Klosterkirche Raitenhaslach bei Burghausen.

 

Innenansicht der Klosterkirche Wiblingen mit Fresken von Januarius Zick.

Die Lebenswelt der kleinen Leute

Die vorliegenden Gemälde „Abend“ und „Nacht“ – sie bilden zusammen mit den im M.H. de Yount Memorial Museum, San Francisco, befindlichen Pendants „Morgen“ und „Mittag“ einen geschlossenen Zyklus – knüpfen klar an die Stilistik niederländischer Genrebilder an. Wie diese Vorbilder spiegeln die dargestellten Szenen die Lebenswelt der kleinen, bäuerlichen Leute. Allerdings vermengt Zick seine Erzähllust mit einer Sittenkritik im Sinne der Aufklärung: Am „Abend“ ist es der erotische Anblick der sich mit hochgeschürztem Rock die Beine waschenden Magd, dem sich der links im Bild gezeigte Familienvater ungebührlich widmet, statt sich Frau und Kind zuzuwenden.

Januarius Zick Genre Nacht Auktion München Scheublein

Johann Rasso Januarius Zick, Die Nacht, Öl / Lwd., 55,5 x 41 cm. Das Gemälde wird gemeinsam mit seinem Pendant “Der Abend” versteigert. Schätzpreis für beide: 12.000 Euro. 

In der „Nacht“ ist es wiederum eine Magd – noch mit dem Schälen von Äpfeln befasst, während alle anderen schlafen –, die sich den Zudringlichkeiten eines vornehm gekleideten alten Mannes erwehren muss. Denn der Nachtwächter, der ja eigentlich für Ruhe und Ordnung sorgen sollte, hat sich abgewandt und studiert mit hochgehaltener Kerze die Uhr.

Weitere Highlights aus der Kategorie Altmeister

Perseus Andromeda Gemälde Venetien Auktion München Scheublein

Perseus befreit Andromeda, wohl Italien, 17. Jahrhundert. Öl / Lwd., 106 x 133 cm. Schätzpreis 1.000 Euro. 

 

Kanonenboot Kriegsschiff Marine Gemälde Auktion München Scheublein

Steilküste mit Dreimaster-Kanonenboot vor Zuschauern, 18./19. Jahrhundert. Öl / Holz, 27 x 34 cm, Schätzpreis 1.500 Euro. 

 

Ungläubige Thomas Niederlande Altmeister Auktion München Scheublein

Der ungläubige Thomas, Niederlande, 17. Jh. Öl / Holz, 52,5 x 41,5 cm. Schätzpreis 600 Euro. 

 

Rugendas Schimmel Auktion München Scheublein

Rückansicht eines Schimmels, wohl 18. Jh., rückseitig bezeichnet “Rugendas”. Öl / Lwd. / Karton, 26,5 x 22,5 cm. Schätzpreis 400 Euro.

 

 

Herbstauktion: Reiselust von Meran bis zur Wachau

In Graphik und Gemälden wartet die Auktion am 21. September mit Bildern auf, die zu einer Augenreise zu zwei klassischen Herbstzielen einladen – nach Meran und in die Wachau. Beide sind seit gut 150 Jahren auch Sehnsuchtsziele für viele Künstler.

Die Wachau als Mekka der Stimmungsimpressionisten

Die Wachau wurde von den Malern bereits zur Zeit des Biedermeier “entdeckt”: wegen ihrer pittoresken Landschaft und wegen ihrer fast mediterranen sommerlichen Lichtstimmungen. Erst kamen die Plein-Air-Maler, dann die Stimmungsimpressionisten um August Pettenkofen (1822 – 1889) mit ihrer besonderen Sensibilität für Wetter und Licht, schließlich die Landschafts-Experten: Bereits 1872, noch in seinem ersten Jahr als Professor für Landschaftsmalerei an der Wiener Akademie, unternahm Eduard Peithner von Lichtenfels (1833 – 1913) eine erste Exkursion nach Dürnstein; ab 1888 waren er und seine Studenten jedes Jahr zu Gast.

Die Wachaumaler und der Tourismus

Diese Künstler-Invasion wurde von den Bewohnern stoisch ertragen, denn es waren die Bilder jener jungen ,Wachaumaler’, die mit ihren Bildern die Schönheit der Gegend auch für den aufkeimenden Tourismus bekannt machten. Nicht nur in Wien, auch in anderen europäischen Städten stießen ihre Motive auf hohe Wertschätzung: „Ihre Bilder spiegeln die Illusion einer heilen Welt vor (…). Dies stand in deutlichem Gegensatz zu den Verhältnissen in den sich ständig erweiternden Metropolen“, schreibt Franz Smola, Experte für diese Epoche.

Maximilian Suppantschitsch Wachau Wachaumaler Auktion München Scheublein

Maximilian Suppantschitsch, Sonniger Tag in der Wachau (Detail). Öl / Karton, 19,5 x 28,5 cm. Schätzpreis 1.500 Euro.

Ein Leben im Malerparadies

Wie auch an seinem „Sonnigen Tag in der Wachau“ zu erkennen, war Maximilian Suppantschitsch (1865 – 1953) einer der Maler, die besonders eindrücklich zum Bild der Wachau als romantischem Malerparadies beitrugen. Suppantschitsch war 1888 Teilnehmer der legendären Exkursion Peithners von Lichtenfels gewesen und im Anschluss immer wieder nach Weißenkirchen, später auch nach St. Michael, Dürnstein und Rossatzbach gekommen. Nach dem ersten Weltkrieg zog er er sich mehr und mehr aus dem Wiener Kunstbetrieb zurück und verbrachte bis zu seinem Lebensende die meiste Zeit in Dürnstein.

Stoitzner Siegfried Wachau Wachaumaler Auktion München Scheublein

Siegfried Stoitzner, Steinhaus mit Torbogen in der Wachau. Öl / Holz, 47,5 x 38,5 cm. Schätzpreis 800 Euro. 

Mit dem Gemälde „Steinhaus mit Torbogen in der Wachau“ (Kat-Nr. 551) von Siegfried Stoitzner (1892 – 1976) ist auch die folgende Generation an Wachaumalern in der Herbstauktion bei SCHEUBLEIN vertreten: Stoitzner zog 1918 mit seiner Familie von Wien nach Furth bei Göttweig, eröffnete mit seinem Bruder einen Kunstpostkartenverlag und war 1919 ein Gründungsmitglied des Wachauer Künstlerbundes.

Von der Donau an die Passer

Franz Alt Meran Auktion München Scheublein

Franz Alt, Blick auf Meran. Aquarell, 27 x 47 cm, sign. und datiert 1873. Schätzpreis 6.000 Euro. 

Das Aquarell „Blick auf Meran“ des Vedutenmalers Franz Alt (1824 – 1914) zeigt den Kurort im Südtiroler Burggrafenamt an einem Wendepunkt seiner Geschichte: Noch gab es keine Bahnverbindung nach Bozen – sie wurde erst 1880 fertiggestellt -, noch befand sich der ältere Flügel des Kurhauses gerade eben erst in Bau. Und doch strömten bereits die erholungssuchenden Touristen in die Stadt; Alt zeigt sie, wie sie am Ufer der Passer entlang flanieren, durchmischt von wenigen Einheimischen in Tracht.

Sisi und die Brennerbahn

Ausgelöst hatten den Boom zwei Ereignisse wenige Jahre zuvor: 1867 war, nach neunjähriger Bauzeit, die Bahnverbindung zwischen Innsbruck und Verona eröffnet worden. Ziele im milden Süden Tirols wurden so bequem und schnell erreichbar. Diese Möglichkeit wurde selbst von allerprominentester Seite genutzt: 1870 und 1871 reiste Kaiserin Sisi nach Meran, nahm Quartier im hoch über der Stadt gelegenen Schloss Trauttmannsdorff und blieb jeweils mehrere Monate. „Ich muss gestehen, je länger ich hier bin, desto besser gefällt es mir“, sagte sie den begierigen Reportern des Boten für Tirol und Vorarlberg. Die Aufenthalte von Sisi bedeuteten für den Kurort an der Passer die touristische Initialzündung. Den teilweise ländlichen Charakter, der in der Vedute Franz Alts noch spürbar ist, legte die Stadt bald ab: 1874 eröffnete das mondäne Kurhaus, 1882 das erste Grand Hotel.

Herbstauktion: Prunkvoller Schmuck

Die Kategorie Schmuck ist in der September-Auktion mit 94 Losen ein echter Hochkaräter.  Besonders im Blickpunkt steht eine Demi Parure, bestehend aus einem Collier und Ohrhängern, die um 1880 entstand, am Höhepunkt der Gründerzeit. Sie wird zu einem Schätzpreis von 4.500 Euro angeboten.

Eine Zeit des Aufbruchs

In diesen auf die Reichsgründung 1871 folgenden Jahren wurden zahlreiche Banken und Wirtschaftsunternehmen neu aufgebaut. Und die hohen Reparationszahlungen, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg von 1870/71 an Deutschland leisten musste, beflügelten sowohl eine Umgestaltung der Innenstädte mit wuchtigen historistischen Bauten, wie auch den wirtschaftlichen Boom und die fortschreitende Industrialisierung des Landes.

Formen aus alten Zeiten

Im Zuge dieser Entwicklungen etablierte sich, neben dem Adel, das Großbürgertum als zweite äußerst zahlungskräftige Kundenschicht für Architekten und Meubleure, Modeschneider und Goldschmiede.

Die verschiedenen eklektischen Stilströmungen, die in dieser Epoche das Bauwesen prägten, hinterließen auch in der Mode- und Schmuckgestaltung ihre Züge. Die vorliegende Demi-Parure erinnert stilistisch an Halsgehänge dem Manierismus, dem auch viele öffentliche Bauten der 1880er Jahre verpflichtet sind.

Der Vorplatz des Münchner Hauptbahnhofs, um etwa 1900. Links im Bild der um die Flügelbahnhöfe erweiterte Bau von Friedrich Bürklein, rechts prunkvolle Gründerzeit-Fassaden.

Private Öffentlichkeit

Auch ein weiteres Merkmal jener Zeit spiegelt sich nicht nur in der Raumausstattung, sondern auch in Schmuckstücken wie dem hier vorgestellten: Die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Rahmen begannen zu verwischen – Repräsentationsräume in Privathaushalten sollten nun zugleich auch behagliche Züge tragen, und umgedreht Räume für eigentlich private Zwecke nun auch der Selbstinszenierung dienen. Die Interieurs wurden wandlungsfähiger.

Demi Parure Schmuck Deutschland 1880 Auktion München Scheublein

Detail der Demi Parure: gezeigt ist der Mittelteil des Colliers, der zudem sowohl als große, wie auch als kleine Brosche getragen werden kann.

Auch das vorliegende, mit feinen Ziselierungen aufwendig gearbeitete Schmuckstück ist nicht allein für das Tragen bei großen Abendanlässen gedacht: Der Anhänger des Colliers lässt sich ebenso als große oder kleine Brosche auf einem Tageskleid tragen, die Ohrringe können durch Abnehmen der Hängeelemente verkürzt und auf diese Weise ebenfalls weniger formellen Anlässen angepasst werden.

Weitere Highlights beim Schmuck

Armband Saphir Schott Nürnberg Auktion München Scheublein

Armband, Juwelier Schott, Nürnberg, um 1980. 18 Karat Weißgold, umlaufend besetzt mit acht runden, facettierten Saphiren, 140 Brillanten und 42 Diamantnavetten. Schätzpreis: 16.000 Euro.

Gürtelschließe Gold Schmuck Auktion

Gürtelschließe, 18 Karat Gelbgold. Rechteckige, borkenartig strukturierte Form. Dorn aus Stahl.
Schätzpreis: 3.000 Euro. Schätzpreis: 3.000 Euro.

Zigarettenetui Österreich Schmuck Auktion München

Zigarettenetui, Österreich, um 1950. 18 Karat Gelbgold. Querovale, allseitig satinierte Form mit Klappdeckel. Schätzpreis: 2.600 Euro.

Herbstauktion: Ein Rumäne im Wald von Barbizon

Zu einer Reise vom tiefsten rumänischen Hinterland über Bayern bis nach Massachusetts laden die Highlights der 42. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 21. September ein. Besonders hochkarätig besetzt sind diesmal die Kategorien Schmuck, Möbel und Einrichtung, Graphik sowie Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts. Letzterem Bereich ist auch eines der beiden Toplose dieser Auktion zuzuordnen: Ein „Ochsengespann auf sonniger Landstraße“ aus der Hand des rumänischen Malers Nicolae Ion Grigorescu (1838 – 1907). Das Bild ist mit einem Schätzpreis von 12.000 Euro angesetzt.

Ländliches Leitmotiv

Ochsenfuhrwerke sind im gesamten Schaffen von Grigorescu ein Leitmotiv. Immer wieder zeigt sie der Maler als Sinnbild des ländlichen Rumänien – einer Lebenswelt, die ihm auch selbst von Kindesbeinen an vertraut war. Grigorescu wuchs im Bezirk Dambovita nahe Bukarest unter ärmlichsten Umständen auf und begann seine Malerkarriere, indem sonntags auf dem Markt selbst gemalte Ikonen verkaufte. Bald folgten Aufträge von Kirchen und Klöstern, schließlich, Dank eines Stipendiums, ein Studienaufenthalt in Paris. Doch statt an der Kunstakademie verbrachte Grigorescu diese Jahre im Wald von Fontainebleau: Er schloss sich der Schule von Barbizon an, weil ihn sowohl die Techniken der Freilichtmalerei wie auch die auf Natur und bäuerliches Leben ausgerichtete Motivwahl der Künstler stärker anzogen als der erstarrte akademische Betrieb.

Nicolae Ion Grigorescu (1838 – 1907)

 

Unterbrochen von Heimataufenthalten blieb Grigorescu bis 1877 in Frankreich, wechselte allerdings seinen Aufenthaltsort von Barbizon in denNachbarort Marlotte. Der Grund: Grigorescu
hatte sich in eine der Töchter von Jean-
François Millet verliebt.

Unglückliche Liebe

„Vielleicht wäre
auch ich ihr nicht gleichgültig geblieben,
hätte ich länger dort verweilt“, schreibt er
später. „Aber ich dachte daran, dass sie die
Tochter eines großen Künstlers sei, dass
ich meinen Platz auf der Welt noch nicht
gefunden habe, (….) und ich sagte mir, es
käme der Tat eines unehrlichen Menschen
gleich, sie zu veranlassen, meine Nöte mit
auf sich zu nehmen.“

Bescheiden trotz Erfolg

Diese grundehrliche
Bescheidenheit zeichnete Nicolae Ion
Grigorescu auch dann noch aus, als sich
ab 1868 Erfolge einstellen. Sein Leben lang
blieb er bei seinen zentralen Motiven aus
dem bäuerlichen Leben Rumäniens: Hirtengespanne,
Bäuerinnen, blühende Bäume –
und, in immer neuen Varianten, Ochsenkarren.
So prägnant sind seine Schilderungen
des walachischen Landlebens, dass der
mit Grigorescu befreundete Schriftsteller
Alexandru Vlahuta (1858 – 1919) einem französischen
Maler riet: „Wenn Sie Rumänien
wirklich kennenlernen wollen, dann vertiefen
Sie sich in das Studium von Grigorescus
Werk.“

Ausstellung: Franz Seidel als Maler und Schriftsteller

Noch bis zum 24. Juli ist in unseren Räumen im Vorderhaus die Ausstellung “Franz Seidel: Maler – Poet – Grenzgänger” der Forschungsstelle August Seidel zu sehen (täglich, auch am Wochenende, von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr). Doch dabei steht nicht nur das malerische Werk des Bruders von August Seidel im Blickpunkt, sondern auch desssen literarisches Schaffen: Seidel schrieb Reisetagebücher und einen stark autobiographisch geprägten Briefroman. Beide Werke wurden anlässlich der Ausstellung neu aufgelegt; am Donnerstag, 19.7., gibt es um 18 Uhr eine Lesung.

Spiegel des eigenen Lebens

Der Briefroman “Ästhetische Erinnerungsblätter meiner jugendlichen Freiheitskämpfe” spiegelt eine Situation, in der sich Franz Seidel (1818 – 1903) selbst befand: Der gut verdienende Vater Jakob Seidel, ein General-Postadministrations-Revisor, stirbt, als Franz Seidel vier Jahre alt ist. Sein Tod stürzt die Mutter und die insgesamt drei Söhne in fortdauernde Armut. Dennoch ermöglicht die Mutter mit Hilfe eines Stipendiums allen drei Kindern den Besuch des Gymnasiums. Der hochbegabte Franz schreibt Bestnoten, und studiert nach dem Abitur 1836 zunächst Jura. Alle hoffen auf eine brillante Karriere. Doch Franz entscheidet sich anders: Für das Studienjahr 1841/1842 immatrikuliert er sich nicht mehr, sondern schreibt sich stattdessen  an der Akademie der Bildenden Künste ein.

Franz Seidel, Scheublein Art & Auktionen, München, Ausstellung

Franz Seidel, Kuhhirten. Schwarze Kreide / bräunliches Papier, weiß gehöht.

Am Scheideweg

Diesen Scheideweg zwischen Juristenkarriere und Künstlerberuf beschreibt Seidel auch in seinem Briefroman, den er weniger als zwei Jahre vor seinem eigenen Wechsel auf die Akademie der Bildenden Künste verfasst. Anders als seinem Helden, der am Antagonismus von Kunst und Leben zerbricht, gelingt Franz Seidel vorerst eine Lösung durch die Entscheidung für die Kunst. Das im Roman skizzierte Unglück holt ihn erst als reifen Künstler ein – Franz Seidel vollendet nach den 1870er Jahren kein Bild mehr, er scheitert an seinen eigenen Idealvorstellungen, zerstört fertige Werkeund fällt zunehmend in geistige Umnachtung. 1903 stirbt er als “Misanthrop” im Münchner Nikolaispital. Dieses traurige Ende nimmt Seidel in seinem Briefroman vorweg. In der Schlussbetrachtung heißt es, dass die Kunst “(…) unsern Freund vorbildlich schon der Erde entrissen hatte, worauf er nie recht heimisch war”.

Franz Seidel, Ausstellung, Scheublein Art & Auktionen, München

Franz Seidel, Landschaft mit Blick auf den Jochberg, Öl / Leinwand. 

Reisebeschreibungen aus Oberbayern

Um einiges heiterer sind Seidels “Erinnerungen meiner Reisefreuden”, die ebenfalls anlässlich der Ausstellung neu aufgelegt wurden. Sie entwickeln auch für den heutigen Leser großen Charme, weil in ihnen viele auch heute noch beliebte Ausflugsziele in Oberbayern beschrieben werden, u.a. der Starnberger See, das  Chiemgau, Garmisch, Spitzing- und Kochelsee. Aus den Texten spricht eine erfrischend jugendliche Freude und Sichtweise, und zugleich das verklärende Auge eines Landschaftsmalers des mittleren 19. Jahrhunderts.

Franz Seidel, Ausstellung, Scheublein Art & Auktionen, München

Franz Seidel, Schäfer bei aufziehendem Sturm, Öl/ Leinwand. 

So schreibt er über einen Tag am Staffelsee: “Der Staffelsee, nur einige Schritte von Murnau entfernt, zeigte sich uns abends in einer überraschenden Beleuchtung. Der ganze Tag war trübe gewesen, gleichgültig fuhren wir auf dem See herum, mehr mit der Kurzweil des Ruderns beschäftigt, als mit der Gegend. Nun brach aber plötzlich die Abendsonne hinter den Wolken hervor und strahlte wieder im ruhigen Gewässer, die westlichen Berge in Glanzduft hüllend; links kontrastierte ein dunkler Tannenwald, noch dunklerer Widerschein im see und das gründämmernde Uferschilf im Vordergrunde malerisch mit dem übrigen Glanze. Es war wie eine unerwartete Freude nach langer Trauer. Auf einem Scheiterhaufen am Ufer sitzend vergnügten wir uns hieran bis zur späten Dämmerung, und in der ergreifenden Stille hörten wir nur manchmal das Gelächter und Geplätscher einiger badender Bauernkinder.”

 

Nachbericht zur 41. Kunstauktion – Gemälde und Skulpturen

Die bildhafte Kunst sorgte im Rahmen der 41. Kunstauktion ebenfalls für eine ganze Reihe von sehr guten Ergebnissen:

Altmeister

Eine ungewöhnliche Darstellung von Adam und Eva mit Kain und Abel aus dem Italien des 17. Jahrhunderts war nach dem Mash’al-Lampenfuß das am zweithöchsten gehandelte Objekt der Auktion.

Altmeister Italien Adam Eva Guercino Auktion München

Adam und eva mit Kain und Abel. Öl / Lwd., Italien, 17. Jahrhundert (Detail). Ergebnis: 35.300 Euro*

Das Gemälde steigerte sich im Verlauf eines hitzigen Bietergefechts von einem Schätzpreis von 12.000 Euro bis auf 35.300 Euro* und ging in den Kunsthandel.
Interessant ist, neben der hohen Qualität, die Motivwahl des Künstlers: Er zeigt das erste Menschenpaar in keinem der üblichen Szenarien – der Erschaffung Evas, dem Sündenfall oder der Vertreibung aus dem Paradies –, sondern in einer fast arkadisch anmutenden Idylle mit den beiden Söhnen im frühkindlichen Alter.

19./20. Jahrhundert

Aus der Hand des italophilen ungarischen Malers Károly Markó des Jüngeren stammt das Toplos bei den Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Sein „Italienisches Gebirgsdorf mit Wäscherinnen am Fluss“, angesetzt zu einem Schätzpreis von 4.500 Euro, erzielte 12.000 Euro*.

Karoly Marko Scheublein Auktion München

“Italienisches Gebirgsdorf mit Wäscherinnen am Fluss” von Károly Markó d.J. Ergebnis: 12.000 Euro*

Das Bild ist repräsentativ für den Malstil Markós des Jüngeren (1822 – 1891), dessen gleichnamiger Vater ebenfalls großenteil in Italien gearbeitet hatte. Markó d.J. stand zwar in enger Verbindung mit der Künstlergruppe der Machiaoli, die mit den akademischen Konventionen brachen und sich dem aufkeimenden Impressionismus verschrieben, orientierte sich aber eher an barocken Landschaften Claude Lorrains und an der zeitgenössischen Schule von Posillippo. Diese verband einen akademischeren Zugang zur Landschaftsdarstellung mit Pleinair-Malerei verband.

 

Hiasl Maier-Erding Chiemseemaler Scheublein Auktion München

 Hiasl Maier-Erding, Chiemsee mit Blick auf die Fraueninsel. Ergebnis: 9.500 Euro

Ebenfalls hoch gehandelt wurde ein Werk des Chiemseemalers Hiasl Maier-Erding (1894 – 1933) . Sein „Chiemsee mit Blick auf die Fraueninsel“ wurde für 9.500 Euro* zugeschlagen.

Kunst nach 1945

Zum Spitzenlos bei der Kunst nach 1945 entwickelte sich ein Bild des Erneuerers der Pleinair-Malerei, Klaus Fußmann (*1938).

Klaus Fußmann: “Blumengarten”. Ergebnis: 13.900 Euro*

Der „Blumengarten“, vermutlich in Fußmanns eigenem, häufig als Motivquelle genutzten Garten in Gelting an der Ostsee entstanden, kletterte bis auf 13.900 Euro*. Sein Aquarell „Klatschmohn“ erzielte 2.000 Euro*.

Klaus Fußmann auktion München Scheublein Aquarell

Klaus Fußmann: Klatschmohn. Schätzpreis: 400 Euro.

Skulpturen

Insgesamt sehr gefragt war in der 41. Kunstauktion die Kategorie Skulpturen. Aus einer Passage mit geschnitzten und gefassten Statuen, die der iberischen Halbinsel zuzuordnen sind, ragte vor allem eine Thronende Muttergottes mit Kind aus dem 17. Jahrhundert heraus, die für 9.450 Euro* den Besitzer wechselte.

Skulptur Spanien Auktion München Scheublein

Thronende Muttergottes mit Kind, Spanien (?), 17. Jh.. Ergebnis 9.450 Euro*

Eine „Thronende Muttergottes, den Satan bezwingend“, wurde für 8.200 Euro* verkauft.
Weiteres Highlight war die 62 cm Bronzeplastik „Der Gürtelbinder“ nach der annähernd lebensgroßen Skulptur des Jugendstil-Bildhauers Mathieu Molitor (1873 – 1929) im Innenhof des Uni-Hauptgebäudes von Jena. Sie erlöste 8.820 Euro*.

Mathieu Molitor Jugendstil Bronze Auktion Scheublein München

 “Gürtelbinder” nach Mathieu Molitor. Ergebnis: 8.820 Euro*

Nachbericht zur 41. Kunstauktion – Von Persien in den Westerwald

Ein safawidischer Mash’al (Lampenfuß), zwei Nine Peaches-Vasen sowie Westerwälder Steinzeug gehörten zu den Top-Losen der 41. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 29. Juni. Auch Altmeister, Skulpturen und Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren bei der Sommerauktion besonders gefragt (hierzu mehr demnächst). Das bestverkaufte Objekt war der Mash’al,  der im Verlauf eines hitzigen Bietergefechts unter Interessenten im Saal, am Telefon und im Internet, bis auf 58.000 Euro* kletterte.

Die Geheimnisse des Mash’al

Mash'al Persien safawidisch auktion München Scheublein

Top-Los der Juni-Auktion: Ein safawidischer Mash’al, Persien. Ergebnis: 58.000 Euro*

Der Mash‘al aus Messing mit flächenfüllendem Arabesken- und Blütenrankendekor auf kreuzschraffiertem Grund stammt aus dem Persien der Safawidenzeit. Fackelständer dieser Form wurden im späten 16. Jahrhundert üblich, als sich unter Schah Abbas I. nicht nur das Reich konsilidierte, sondern sich auch eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte zu entwickeln begann.
Ein besonderes Augenmerk galt dabei der Förderung hochwertigen Kunsthandwerks – Shah Abbas I. erkannte das wirtschaftliche Potential, das schon damals im Export hochkarätiger Teppiche, Keramiken und Metallarbeiten lag.

Vornehme Raumbeleuchtung

Solche kunstvoll dekorierten Fackelständer, wie derjenige, der bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen für knapp 60.000 Euro den Besitzer wechselte, wurden mit Öl befüllt und dienten ab dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts vor allem auch in Persien selbst zur Beleuchtung von Räumen. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde ihre Ausgestaltung künstlerisch immer raffinierter und erlangte die Form, der auch der hier vorliegende Lampenfuß entspricht. Das Objekt ging in den internationalen Kunsthandel.

Glück und Fruchtbarkeit: Nine Peaches-Vasen.

Zwei Nine Peaches-Vasen standen bei den Asiatika besonders hoch in der Bietergunst. Eine Vase mit Pfirsichen, Blütenzweigen und Fledermäusen in Famille-rose-Dekor und roter apokrypher Vierzeichenmarke in der Art von Quianlong wurde für 13.860 Euro* verkauft.
Die zweite Vase, ebenfalls in Famille rose-Dekor, mit Pfirsichen und lingzhi-Pilzen sowie apokrypher Sechszeichenmarke in der Art von Quianlong erzielte 7.800 Euro*.

Nine Peaches-Vase Auktion München Scheublein

Nine Peaches-Vase mit Pfirsichen und Iingzhi-Pilzen (links): Ergebnis: 7.800 Euro*.  Nine-Peaches Vase mit Pfirsichen und Fledermäusen (rechts). Ergebnis: 13.860 Euro*.

Das bis heute beliebte Dekormotiv vereint verschiedene Symbole der chinesischen Ikonographie zu einer kraftvollen und glückverheißenden Komposition.
Pfirsiche an sich stehen für Langlebigkeit und Unsterblichkeit; eine Bedeutung, die das „Nine Peaches“-Motiv noch dadurch unterstreicht, dass es zugleich Pfirsichblüten und Früchte darstellt und somit den immerwährenden Kreislauf der Fruchtbarkeit impliziert.

Sehr gefragt: Westerwälder Steinzeug

Ebenfalls zu Toplosen avancierten drei Gefässe aus grauem, salzglasiertem Steinzeug aus dem Westerwald, die im frühen 17. Jahrhundert gefertigt wurden.

Auktionsergebnisse Westerwälder Steinzeug Scheublein Art & Auktionen München

Krug mit Szenen aus der Judith-Geschichte, 1. Drittel 17. Jh. Ergebnis: 4.030 Euro*

Ein Krug, auf dessen Mittelfries unter Rundbogenarkaden Szenen aus der Geschichte von Judith und Holofernes dargestellt sind, kletterte bis auf 4.030 Euro*.

Auktionsergebnisse Westerwälder Steinzeug Scheublein Art & Auktionen München

Krug mit Soldatenfries, 1. Hälfte 17. Jh. Ergebnis: 1.640 Euro*

Ein Westerwälder Krug aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der mit einem von Steinzeug aus dem belgischen Raeren übernommenen Soldatenfries dekoriert ist, erzielte 1.640 Euro*.

Westerwälder Steinzeug Walzenkrug Auktion Scheublein München

Walzenkrug mit Städtewappen. 1. Viertel 17. Jh. Ergebnis: 1.400 Euro

Ein Walzenkrug mit den Wappen der Reichsstädte Bern, Basel, Zürich, Strassburg, Nürnberg, Augsburg und Regensburg wurde für 1.400 Euro* zugeschlagen.

Ausstellung: Franz Seidel (1818 – 1903) – Maler, Poet, Grenzgänger

Vorschau: Ab Freitag, 6. Juli, präsentieren wir in den Räumen im Vorderhaus eine Ausstellung der Forschungsstelle August Seidel: “Franz Seidel – Maler, Poet, Grenzgänger” ist die erste Einzelausstellung überhaupt zum Oeuvre des Münchner Malers, der 1903 unter tragischen Umständen starb. Die Werkschau ist bis einschließlich 24. Juli zu sehen.

Eine vielschichtige Persönlichkeit

Hochbegabter Schüler, Studienabbrecher im Fach Jura, geachteter Landschaftsmaler,
Schriftsteller, „Unheilbarer“ in der Irrenabteilung des Münchner Nikolai-Spitals – das alles
war der 1818 als Sohn eines „Revisors der fahrenden Posten“ geborene Franz Seidel. Anlässlich seines 200. Geburtstages bietet die Einzelausstellung in den Räumen von SCHEUBLEIN Art & Auktionen einen guten Überblick über sein Schaffen.  Veranstalter dieser Ausstellung ist die Forschungsstelle August Seidel, eine durch den Physiker Robert Schmucker gegründete Institution, die sich mit Münchner Landschaftsmalern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und insbesondere natürlich mit Franz Seidels bekannterem Bruder August Seidel beschäftigt.

Franz Seidel, Ausstellung, Scheublein Art & Auktionen, München

Franz Seidel, Landschaft mit Blick auf den Jochberg, Öl / Leinwand. Provenienz: Privatbesitz.

Franz, der mittlere der insgesamt drei Seidel-Brüder, ist seit seinem 15. Lebensjahr leidenschaftlich und rastlos auf Reisen – insbesondere in die Alpenwelt. Lange bleibt er hin- und hergerissen zwischen der Aufsteiger-Laufbahn seines Vaters und seinem ureigenen Weg als Künstler. Als hochbegabter Absolvent des Münchner Wilhelmsgymnasiums schlägt er zunächst die ihm vorbestimmte Juristenlaufbahn ein; 1841 wechselt er auf die Münchner Akademie der bildenden Künste, stellt ab 1843 im Kunstverein aus, entwickelt aber nie die notwendige Produktivität, um als typischer Kunstvereinsmaler auch finanziell erfolgreich zu
sein.

Arkadien in Bayern

Zwischen 1842 und 1845 bereist er die Gegend zwischen Starnberger See, Polling
und Ammersee, wo er zusammen mit seinem Bruder Naturstudien in Öl und zahlreiche
Bleistiftskizzen anfertigt. Ab etwa 1850 zeigt er sich außerdem stark von Carl
Rottmann beeinflusst.

Franz Seidel, Ausstellung, Scheublein Art & Auktionen, München

Franz Seidel, Schäfer bei aufziehendem Sturm, Öl/ Leinwand. Provenienz: Privatbesitz.

Zu Beginn der 1850er Jahre bis mindestens 1855 unterhält er Beziehungen zu den
belgischen Landschaftsmalern Edmond de Schampheleer und Francois Roffiaen,
deren Kolorismus ihn beeindruckt und mit denen er Ausflüge ins bayrische Gebirge
unternimmt. In den Folgejahren wächst seine Anerkennung. 1866 und 1867 ist Franz
Seidel Vorsitzender des Schiedsgerichts im Münchner Kunstverein.

Franz Seidel, Scheublein Art & Auktionen, München, Ausstellung

Franz Seidel, Kuhhirten. Schwarze Kreide / bräunliches Papier, weiß gehöht. Provenienz: Privatbesitz

Anschluss an die Avantgarden

Danach brechen die Ankäufe seiner Bilder durch den Kunstverein allerdings ein. Ein letztes Mal sucht er im Rahmen einer Parisreise 1871 Anschluss an die Avantgarden der Gegenwart.

Das tragisches Lebensende von Franz Seidel

Danach lässt ihm sein geistiger Gesundheitszustand kaum noch Zeit für weiteres Schaffen. 1903 stirbt Franz Seidel geistig umnachtet als „Unheilbarer“ im Münchner Nikolaispital.

Nie gezeigte Werke

Die Werkschau im Juli fokussiert neben noch nie gezeigten Ölstudien aus den
1840er Jahren die repräsentativen Hauptwerke seiner künstlerischen Blütezeit um 1850. Während die Ölstudien einen Einblick in die beinahe unerforschte bayrische Freiluftmalerei der Künstlerkolonien in Eberfing und Polling gewähren, zeigen die Ausstellungsgemälde den Geschmack einer sich gerade formierenden bürgerlichen Käuferschicht und repräsentieren gleichzeitig Franz Seidels ganz persönliche Natursehnsucht und -vergötterung.

Franz Seidel, Ausstellung, Scheublein Art & Auktionen München

Franz Seidel: Landschaft mit Schäfern. Öl/ Leinwand. Provenienz: Privatbesitz.

Eine umfassende Würdigung des Werkes von Franz Seidel ist längst überfällig, der Künstler selbst – nicht zuletzt wegen seines frühen krankheitsbedingten Rückzuges – völlig vergessen. Die Jubiläumsausstellung zu seinem 200. Geburtstag wird hoffentlich dazu beitragen, ihn wieder in seine Rechte einzusetzen.

41. Kunstauktion: Blumengemälde von Klaus Fußmann

In der Auktion am 29. Juni bietet SCHEUBLEIN Art & Auktionen auch 58 Positionen mit Kunst nach 1945 an. Unter den Highlights sind, neben sieben Positionen mit Blättern aus dem kurz nach Pablo Picassos Tod herausgegebenen Mappenwerk “Hommage à Picasso”, ein Ölgemälde und ein Aquarell mit Blumendarstellungen, die Klaus Fußmann (*1938) unter freiem Himmel malte. Das Ölbild “Blumengarten”, rechts unten signiert und datiert (19)92 (oben) wird mit einem Schätzpreis von 14.000 Euro aufgerufen.

Anfänge der Plein-Air-Malerei

Es war zunächst im England des frühen 19. Jahrhunderts, wenig später dann auch in Frankreich: Maler packten ihre Staffeleien, Farben und Leinwände und schleppten sie aus ihren Ateliers nach draußen, in Gärten, Felder und Wälder, an Seen und Flussläufe, wo sie das Spiel von Licht und Natur so prägnant wie möglich einfingen.

Klaus Fußmann begründet einen neuen Trend

Dass es im Norden Deutschlands nun einen ganz neuen Trend zur Plein Air-Malerei gibt, für den vor allem jüngere Künstler wie Christopher Lehmpfuhl oder Ben Kamili stehen, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Klaus Fußmann. Der vor 80 Jahren in Velbert im Rheinland geborene Künstler ließ sich Mitte der 70-er Jahre in Gelting an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste nieder; etwa zur gleichen Zeit wurde er auch zum Professor für Malerei an der Berliner Hochschule der Künste berufen. Schon vorher hatte Fußmann – ungeachtet der heftigen Diskussionen und anti-malerischen Kunstströmungen dieser Zeit – Dinge gemalt, die vollkommen aus dem Zeitgeist gefallen zu sein schienen: Stillleben und Landschaften. Nach seinem Umzug an die Ostsee verbrachte er ungezählte Stunden am Strand und in seinem Garten, und ging in Punkto Konventionalität bei der Motivwahl noch einen Schritt weiter: Er widmete sich, in Aquarellen wie in Ölgemälden, Blumen.

Klaus Fußmann auktion München Scheublein Aquarell

Zu den Highlights der 41. Kunstauktion gehört, neben dem großen Ölgemälde “Blumengarten” auch ein Aquarell aus der Hand von Klaus Fußmann mit Mohnblüten. Schätzpreis: 400 Euro.

Gerade hierin aber gelang Fußmann ein Spagat, der viele Diskussionen und Strömungen der Sechziger bis Achtziger Jahre in sein Arbeiten einbezog: Seine Blumenbilder sind gegenständlich und abstrakt zugleich, populär bei den Betrachtern, begehrt bei den Sammlern, und unkonventionell in ihrer Entstehung: Die Malweise, besonders in Öl, erinnert an Tachismus und Action Painting, und der Farbauftrag ist so pastos, dass Stiele und Blütenblätter dastehen wie modelliert. Als er einmal von einem kritischen Geist gefragt wurde, was denn an einem solchen Blumenbild Kunst sein solle, antwortete Klaus Fußmann schlicht: “Alles”.

 

41. Kunstauktion: Der Porzellan-“Agent” Claudius Innocentius Du Paquier

Zu den Highlights der 41. Kunstauktion, Kategorie Porzellan, zählen drei Positionen mit Wiener Porzellan von Claudius Innocentius Du Paquier (1679 – 1451). Doch nicht nur allein die Koppchen und Teller mit Schwarzlotmalerei oder rötlichen Dekoren üben eine große Faszination aus. Auch die Lebensgeschichte des Porzellanpioniers liest sich packend wie ein Agentenroman und erzählt zugleich auch viel über die Frühzeit der Porzellanproduktion in Europa.

Geheimsache ,weißes Gold’

“Hofkriegsagent” – ein  solcher Titel spricht nicht unbedingt für ein Leben, das um um schöne und luxuriöse Dinge kreist. Und doch brauchte der Begründer der Porzellanherstellung in Wien, Claudius Innocentius Du Paquier  die Fähigkeiten eines Meisterspions, um 1719 seinem Ziel überhaupt nahe zu kommen. Bis dahin gab es in ganz Europa nur einen Ort, an dem „weißes Gold“ hergestellt wurde, das dem großen Vorbild – aus China importiertem Porzellan – gleichkam: Meissen. Dort hatte Johann Friedrich Böttger 1710 im Auftrag Augusts des Starken das weltweit erste weiße Hartporzellan erzeugt. Dessen Zusammensetzung, das „Arcanum“, blieb ein Geheimnis, dessen Verrat mit strengsten Strafen belegt war.

Die Albrechtsburg in Meißen, auf einem Stich aus dem Jahr 1856 aus dem Album der Sächsischen Industrie, Bd. 1. Das spätgotische Schloss beherbergte ab 1710 für 150 Jahre die Meissener Porzelanmanufaktur.

Eine Flucht bei Nacht und Nebel

Dennoch gelang es ihm 1719, mit Samuel Stölzl einen der Träger des Fabrikationsgeheimnisses abzuwerben, in einer Nacht- und Nebelaktion aus Sachsen herauszuschmuggeln und nach Wien zu bringen, wo er eine eigene Porzellanmanufaktur errichtete. Das Monopol Meissens war gebrochen. Doch nach ersten Exporterfolgen in die Türkei geriet du Paquiers Manufaktur in finanzielle Schwierigkeiten, die mühsam angeheuerten Mitarbeiter warfen hin, Stölzl kehrte nach Meissen zurück, nicht aber, ohne vorher alle Modelle kurz und klein geschlagen und sämtliche Materialvorräte unbrauchbar gemacht zu haben.

Porzellan DuPaquier Du Paquier Auktion München Scheublein

Koppchen und Untertasse, Du Paquier, Wien, um 1730/35 mit Dekoren in Rot- und Purpurtönen. Schätzpreis: 1.000 Euro

Neuanfang in Eigenregie

Allerdings hatte sich Claudius Du Paquier inzwischen selbst genug Kenntnisse in der Porzellanherstellung angeeignet, um auf eigenen Füßen einen Neuanfang zu wagen. Ein neuer Geldgeber finanzierte eine Manufaktur mit mehreren Brennöfen und zwanzig Mitarbeitern in der Wiener Vorstadt Rossau. Mit dem Neustart verbesserte Du Paquier nicht nur die Qualität seines Porzellans, er entwickelte auch neue Dekore, teilweise noch nach chinesischem Vorbild, teilweise bereits mit „europaeischen Blumen“.

Porzellan Du Paquier Auktion München Scheublein

Teller mit Schwarzlotmalerei, Du Paquier, um 1730/35. Schätzpreis 600 Euro

Vorsprung im Konkurrenzkampf

Dieser Dekorwandel bedeutete im Konkurrenzkampf mit Meissen einen stilistischen Vorsprung: die Sachsen verzierten ihre Objekte zu dieser Zeit noch mit „indianischen“, an chinesischen Vorbildern orientierten Blumen. Das Farbspektrum der Wiener Manufaktur, wie sich auch an oben gezeigtem Koppchen und Untertasse gut beobachten lässt, wurde vor allem von Orange- und Rostrot-Tönen dominiert. Dazu kamen Dekore in Schwarlzotmalerei.

Porzellan DuPaquier Du Paquier Auktion München Scheublein

Koppchen von Du Paquier, Wien, um 1730, mit goldgehöhter Chinoiserie-Schwarzlotmalerei. Schätzpreis 600 Euro.

Porzellan als Prestigeobjekt

Einen herausragenden Einblick in die Arbeit von Du Paquiers Manufaktur gewährt das von ihr zwischen 1720 und 1735 ausgestattete Porzellanzimmer des Palais Dubsky in Brünn, das heute zu den Glanzstücken des MAK in Wien zählt. Als sich in den 1740er Jahren erneut finanzielle Schwierigkeiten abzeichneten, entschloss sich Claudius Du Paquier, die Manufaktur Kaiserin Maria Theresia zum Kauf anzubieten.

Das Porzellanzimmer aus dem ehemaligen Palais Dubsky in Brünn, 1720 – 1740, heute im MAK Wien. Bildquelle: Wikimedia.

Im Dienst der Kaiserin

Sie willigte, obwohl sie sich mitten im österreichischen Erbfolgekrieg befand, ein, da das im aufgeklärten Absolutismus vorherrschende ökonomische Prinzip des Merkantilismus Herrschern nahelegte, große oder besonders spezialisierte Gewerbebetriebe unter staatliche Führung zu stellen. Du Paquier musste mit diesem Schritt zwar die Herstellungsgeheimnisse preisgeben, behielt aber die Oberaufsicht über die Porzellanmanufaktur. Sie bestand bis zum Jahr 1864, bevor sie in Anbetracht der großen Konkurrenz aus Böhmen aufgelöst wurde.