Große Glas-Sammlung: Vom Glanz der Jahrhunderte
„Glück und Glas, wie schimmern sie nicht, die zerbrechlichen, beide“, schrieb der Philosoph und Schriftsteller Friedrich Ludewig Bouterweck (1766 – 1828). Wie eng Glas – stets angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Kunst und Nützlichkeit – auch den politischen und gesellschaftlichen Wandel der Jahrhunderte spiegelt, zeigt eine aus Süddeutschland stammende Glassammlung mit über 250 Objekten, die in der Auktion am 22. September versteigert wird. Diese spannen den Bogen von der Antike bis zur Glaskunst der 1980er Jahre.
Murano und die Folgen
Einer der Höhepunkte dieser Sammlung ist ein dünnwandiges, um 1600 entstandenes Weinglas (Kat.-Nr. 145), das entweder auf Murano entstand oder in der Werkstatt eines von dort geflüchteten Glasmachers.
Weinglas, Venedig oder Façon de Venise, um 1600, Schätzpreis: 800 Euro.
Bereits 1271 hatte Venedig sämtliche Glashütten auf die nahegelegene Insel verbannt, nicht nur wegen der Brandgefahr, sondern auch, um zu verhindern, dass die Geheimnisse dieses luxuriösen Exportguts nach draußen getragen wurden. Eines davon lag in der Beimischung von Soda: es hält die Glasmasse relativ lange formbar und ermöglicht so die Herstellung von jenem hauchdünnen Glas, für das Murano berühmt war.
Almorratxa (Rosenwasser-Sprenggefäß), Venedig oder Katalonien, 16./17. Jahrhundert, Schätzpreis 600 Euro
Venedig selbst bezog Soda vor allem aus Spanien, wo es ebenso eine blühende Glaskultur gab (vgl. Kat.-Nr. 153, 154), wie auch in einigen großen Handelszentren nördlich der Alpen, in denen sich venezianische Glasmacher niederließen. Denn nur die Reichweite eines Seehafens, beispielsweise in den Niederlanden, konnte die Nachlieferung von Soda dauerhaft sichern (vgl. u.a. Kat-Nr. 148).
Doppelhenkelvase, Kastilien, 18. Jh. (wohl Recuenco), Schätzpreis 600 Euro
2 Kelchgläser, Venedig 16./17. Jahrhundert bzw. Façon de Venise (wohl Niederlande), 17. Jh , Schätzpreis 600 Euro
Glaskultur nördlich der Alpen
Doch auch in den waldreichen Regionen nördlich der Alpen hatte sich eine blühende Glaskultur herausgebildet, nicht jedoch wie im Mittelmeerraum eng verknüpft mit den Städten, sondern auf Waldlichtungen, in deren Umgebung sämtliche Rohstoffe, vom Sand bis zum Brennholz für die Öfen, unmittelbar vor Ort waren.
Als sich im 18. Jahrhundert mit dem Niedergang der Serenissima auch jener der Glasproduktion auf Murano abzeichnete, hatte sich in Böhmen, Schlesien und Mitteldeutschland längst eine andere Form der Glaskunst etabliert: der Glasschnitt. Er hatte sich aus der Steinschneidekunst der Spätrenaissance entwickelt, die Kaiser Rudolf II. in Prag stark forciert hatte. Binnen eines Jahrhunderts war die Kunst, filigrane Muster in Glasoberflächen zu ritzen, zum stilprägenden Element der an den Höfen benutzten Gläser geworden (siehe u.a. Kat.-Nr. 169 ff., 208 ff.).
Pokal, Schlesien / Warmbrunn, um 1750, Christian Gottfried Schneider (zugeschrieben), Schätzpreis 800 Euro
Deckelpokal, Potsdam/Berlin, 1. Viertel 18. Jhd., mit Wappen des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation, Schätzpreis 1.000 Euro
Glas wird Bürgerlich
Mit der französischen Revolution und dem gesellschaftlichen Umbruch in ganz Europa wandelte sich auch der Glas-Geschmack: Prunkvolle, geschnittene Pokale galten als überlebt, die schlichte, bürgerlich orientierte Stilwelt des Biedermeier hielt Einzug.
Fußbecher des Biedermeier mit verschiedenen Dekoren
Die alten Glaszentren, vor allem Böhmen, erlebten einen Einbruch, konnten sich aber bereits in den 1820er Jahren wieder gut am Markt positionieren: Zum einen mit farbigem Glas, wie es die Romantiker favorisierten (Vgl. Kat-Nr. 285ff.), zum anderen mit der Erfindung des opaken Steinglases durch Georg Graf von Buquoy, zunächst in Schwarz und Siegellack-Rot (vgl. Kat-Nr. 245 ff.), später auch in blassen, matten Farbtönen (vgl. Kat-Nr. 255 ff.).
Steinglas in Schwarz, aus der Glashütte des Grafen von Buquoy
Steinglas in Pastell-Farbtönen
Der Jugendstil brachte auch in der Glaskunst eine weitere stilistische Wende hervor, mit einer Vielzahl an neuen Formen und Dekorelementen. Eines davon: irisierende Oberflächen, die durch das Bedampfen der Glasmasse mit Metalloxiden erzeugt wurden (vgl. z.B. den irisierenden Tiffany-Flakon, Kat-Nr. 318).
Irisierendes Glas des Jugendstil
Inspiriert worden war dieser Dekorstil u.a. durch Funde antiker römischer Gläser. Aufgrund von Verwitterungsprozessen schienen sie an der Oberfläche von einem weißen, schimmernden Schleier überzogen – ein Effekt, an dem sich die Kreativität der Glaskünstler entzündete. Dieses Moment ist ein Paradebeispiel für die Entwicklung der Glaskunst, die sich aus sich selbst heraus immer wieder neu erfindet.
Ergebnisse der Juni-Auktion (IV): Silber und Graphik
Glänzen konnten in der Auktion vom 30. Juni 2017 auch die Kategorien Silber und Graphik; eines der absoluten Highlights darunter war die Serie “Surrealistic Flowers” von Salvador Dalì (ein Blatt daraus sehen Sie oben). Die insgesamt zwölf Farblithographien, in denen der exzentrische Künstler die Formen der Blüten charmant in anatomische Details oder Alltagsgegenstäne übergehen lässt, kamen für 6.550 Euro* unter den Hammer.

Salvador Dalì (1904 – 1989), Surrealistic Flowers: Ein weiteres Blatt aus der Serie mit zwölf Farblithographien.
Die größte Steigerund bei der Graphik konnte ein Selbstporträt von Ilja Efimovich Repin verzeichnen: Die auf 1887 datierte schwarze Kreidezeichnung kletterte im Verlauf eines packenden Bietergefechts von 2.500 Euro Schätzpreis auf 9.580 Euro*.
Ebenfalls einen guten Preis erzielte eine Kreidezeichnung nach Repins lebensgroßem Porträt des Dichters Leo Tolstoi (mehr über Repins Leben und Porträtkunst lesen Sie im Archiv unseres Blogs). Sie wurde für 4.540 Euro verkauft.
Bestverkauftes Los beim Silber waren die als komplettes Ensemble erhaltenen Den Haager Kerzenleuchter aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden für 7.560 Euro* zugeschlagen.
Eine Mondsichelmadonne, gefertigt in der 1890 gegründeten Silberschmiede Neresheim in Hanau, erzielte 5.040 Euro*. Die silberne, teilvergoldete Figur mit Elfenbeinelementen geht auf einen bereits in der Gotik bekannten, vor allem aber im Zuge der Gegenreformation beliebt gewordenen Madonnentypus zurück: Hierin wird das Bild der Mutter Gottes mit dem Jesuskind mit dem des “Apokalyptischen Weibs” aus der Offenbarung des Evangelisten Johannes verquickt. Maria als Lichtgestalt ist von Sonne, Mond und Sternen umkleidet. Das Böse kann ihr und allen, die sich unter ihren Schutz begeben, nichts anhaben.
Und noch ein weiteres Traditionshaus konnte bei der Juni-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen punkten: Die 1810 gegründete Silbermanufaktur Wilkens in Bremen. Zehn Teller mit poliertem Rosenblattrand wurden für 3.780 Euro* verkauft.

Ein weiteres Highlight beim Silber: Der historistische Akelei-Deckel-Pokal mit dem russischen Doppeladler verkaufte sich für 3.280 Euro*.

Das noble 134-teilige Silber-Besteck mit Besteckkasten aus Edinburgh kaum für 3.280 Euro* unter den Hammer.
Der Besteckkasten enthält je acht Tafelmesser und -gabeln, Menümesser, -gabeln, Teelöffel, Kaffeelöffel, Kuchengabeln und 30 Vorlegebesteckteile inkl. Wetzstahl.
Ergebnisse der Juni-Auktion (III): Möbel und mehr
Die 37. Kunstauktion am 30. Juni 2017 bot noch einmal eine große Bühne für unseren “Kaffee trinkenden Mohr”: Der überaus kunstvoll gefertigte Musikpuppenautomat, der auch das Cover unseres Katalogs zierte, wurde für 10.080 Euro* verkauft. Auch München stand bei den Top-Ergebnissen im Vordergrund, doch diesmal nicht so sehr mit Malerei der Münchner Schule, als mit Jugendstil-Möbeln und Porzellan aus der kunstsinnigen Weltstadt an der Isar.
Großer Auftritt für den Mohren
Das Meisterwerk mechanischer Handwerkskunst, das Anfang des 20. Jahrhunderts im für derlei Luxusobjekte berühmten Pariser Viertel Marais entstanden war, ging an einen privaten Sammler. Mehr zum historischen Hintergrund solcher Musikautomaten lesen Sie im Archiv unseres Blogs.
Run auf Jugendstil-Raritäten
Ein intensives Bietergefecht ging auch dem Zuschlag für das Tagesbett und den Armlehnstuhl des Architektenduos Henry Helbig und Ernst Haiger voraus, die das Bild der Jugendstil-Epoche in München bis heute prägen (mehr dazu im Archiv unseres Blogs).

Selten tauchen Möbel der Jugendstilarchitekten Henry Helbig und Ernst Haiger im Kunsthandel auf. Der Armlehnsessel und das Tagesbett wurden getrennt angeboten, aber beide vom gleichen Käufer ersteigert – für 7.300 Euro*
Nymphenburger Service vorne
Was beim Porzellan gar nicht so oft vorkommt: Die besten Preise erzielten keine figürlichen Objekte, sondern drei Service, die auch noch alle drei aus der wohl idyllischsten Manufaktur Deutschlands stammen: Nymphenburg. Spitzenlos war ein 152-teiliges Kaffee- und Speiseservice in Weiß-Porzellan der Form “Gerippt”. Diese Service-Form gilt schon längst als Design-Klassiker: Bereits 1971 wurde sie in den Bestand der Neuen Sammlung München aufgenommen, dem ältesten Design-Museum der Welt.

Am 30. Juni für 2.650 Euro* versteigert: 152-teiliges Kaffee- und Speiseservice der Porzellan-Manufaktur Nymphenburg, Form “Gerippt”.

Für 2.400 Euro* zugeschlagen wurde ein 82-teiliges Speiseservice der Form “Korb” mit Purpurfarbenem Blumendekor, auch aus der Porzellanmanufaktur Nymphenburg.

Mit 1.500 Euro* einen weiteren guten Preis erzielte last but not least dieses äußerst dekorative, 64-teilige Kaffee- und Teeservice. Es stammt ebenfalls aus der Porzellanmanufaktur Nymphenburg, hat einen schwarzen Fond mit ausgesparten Vierpass-Reserven mit purpurfarbenen Blumen.
Ergebnisse der Juni-Auktion (II): Wein und Asiatika
Die bei der Juni-Auktion 2017 erstmals vertretene Kategorie Wein gehörte auf Anhieb zu einer der Rubriken, bei denen die größten Steigerungen zu verzeichnen waren. Auch eine Gruppe tibetischer und tibetochinesischer Statuen aus feuervergoldeter Brone erzielten Top-Ergebnisse.
Spitzenresultate für Weine der Domaine de la Romanée-Conti

Eine Flasche Romanée-Conti Grand Cru der Domaine de la Romanée-Conti, Jahrgang 1971, verkauft zusammen mit einer Flasche Pommard, Auxey-Meursalt, Jahrgang 1985, Ergebnis: 10.080 Euro*

Domaine Romanée Conti, Drei Flaschen La Tâche, davon zwei Flaschen aus dem Spitzenjahrgang 1978, eine aus dem sehr guten Jahrgang 1976. Ergebnis: 6.050 Euro*

Domaine Romanée Conti, Vier Flaschen Richebourg, Zwei Flaschen des Spitzenjahrgangs 1978, zwei Flaschen des sehr guten Jahrgangs 1976. Ergebnis: 5.420 Euro*

Domaine de la Romanée-Conti, Sechs Flaschen Grand Échezéaux. Zwei Flaschen des Spitzenjahrgangs 1978, drei Flaschen des sehr guten Jahrgangs 1978 und eine Flasche des guten bis sehr guten Jahrgangs 1966. Ergebnis: 4.915 Euro*
Top-Ergebnisse für Asiatika aus Tibet
Das am höchsten bebotene Los bei den Asiatika war ein nur 16,5 cm hoher Sitzender Lama aus dem tibetochinesischen Raum, der wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt. Die in vergoldeter Bronze gearbeitete Figur zeigt einen Lama im Meditationssitz auf drei unterschiedlich gemusterten Kissen, über die ein Teppich gebreitet ist. Links und rechts der Arme ragt je eine Lotusblüte auf, deren Stielende in den Händen des Lama liegt. Die Statue erlöste 10.080 Euro.*

Highlight der Asiatika: Ein sitzender Lama, tibetochinesisch, wohl 18. Jahrhundert. Auktionsergebnis: 10.080 Euro*

Ebenfalls einen Spitzenpreis erzielte ein Acala (?), Tibet, wohl 19. Jahrhundert. Bronze, vergoldet, mit Türkiseinlagen und Resten roter und blauer Bemalung. Die Statue stellt eine zornvolle Schutzgottheit mit drei Augen und einer Krone dar, die mit dem rechten Fuß und dem linken Knie auf zwei Menschenleiber tritt. Sie wurde für 6.050 Euro* verkauft.

Caturbhuja Manujushri, Tibet, wohl 19. Jh., Bronze, vergoldet. Versteigert in der Kategorie Asiatika am 30.06.2017 bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen, München. Ergebnis: 4.160 Euro*

Buddha Shakyamuni, Bronze, vergoldet, versteigert in der Kategorie Asiatika bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen, München. Ergebnis: 3.780 Euro*
Ergebnisse der Juni-Auktion (I): Gemälde von Alten Meistern bis Impressionismus
Die Auktion vom 30.06. endete mit einem dramatischen Bietergefecht: Für die vorletzte Nummer, Carl Ferdinand Wimars “Indianer mit Pferden” (oben, Öl/Lwd., 32 x 39,5 cm) überboten sich Interessenten im Saal und an über zehn Telefonen. Der Hammer fiel schließlich bei 115.000 Euro, was einem finalen Verkaufspreis von 144.900 Euro entspricht*. Das Bild ging in den internationalen Kunsthandel. Hintergrund-Informationen zu diesem Gemälde finden Sie im Archiv unseres Auktionsblogs.
Bei den Ergebnissen punkten vor allem Alte Meister, Asiatika und Graphik
Insgesamt wurden bei der rund fünfstündigen Kunstauktion, die Nikola Scheublein pünktlich um 14 Uhr eröffnete, knapp 650 Objekte
aufgerufen und rund 70 Prozent davon zugeschlagen. Die Versteigerung erzielte nicht nur bei den Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts insgesamt gute Ergebnisse, sondern auch bei den Alten Meistern, den Asiatika und der Graphik sowie in der erstmals in das Angebot aufgenommenen Kategorie Wein. Mehr zu letzteren lesen Sie in den nächsten Tagen.
Zweites Toplos: Griffiers “Eisvergnügen”
Das kleinteilig gestaltete Gemälde (Öl/Kupfer, 42 x 54 cm) des in England geborenen niederländischen Landschaftsmalers Robert Griffier (1675 – 1760) mit einer pittoresken Winterlandschaft war mit einem Schätzpreis von 28.000 Euro angesetzt worden. Es ging, ebenfalls nach einem packenden Bietergefecht, in den europäischen Kunsthandel. Zum spannenden kulturhistorischen Hintergrund des Gemäldes lesen Sie mehr im Archiv unseres Auktionsblogs.
Gutes Ergebniss auch für Slevogt-Ölskizze
Auch die Ölskizze “Pfälzer Landschaft” (Öl / Karton, 20 x 37 cm) aus der ,Neukasteler Periode’ des deutschen Impressionisten Max Slevogt verkaufte sich weit über ihrem Schätzpreis und ging für 22.680 Euro* an einen privaten Sammler. Der in Landshut geborene Slevogt (1868 – 1932) hatte auf Ölskizzen wie dieser bei Streifzügen durch die Umgebung von Landau in der Pfalz die Landschaft als Motiv für sich entdeckt. Auch hierzu finden Sie Interessantes im Archiv unseres Blogs.
WEITERE TOP-ERGEBNISSE GEMÄLDE
Fedor Pavlovich Briullov: Porträt eines jungen Mannes, 4.660 Euro*
Carl Spitzweg zugeschrieben: Landschaft mit Windmühlen und einem Bauernhaus, 4.540 Euro*
Franz Walde: Winter in den Bergen, 4.285 Euro*
Highlights der Juni-Auktion (VIII) – Ein Blick in die russische Seele
Fünf faszinierende Objekte aus Russland stellen ein weiteres Highlight der morgen stattfindenden Sommer-Auktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen dar. Drei davon sind mit Ilja Efimovich Repin verbunden, darunter sein mit Kreide gezeichnetes Selbstporträt (oben), das auf der Rückseite mit 1887 datiert ist und mit einem Schätzpreis von 2.500 Euro aufgerufen wird.
Repins Realismus
Berühmt geworden sind von Ilja Repin (1844 – 1930) vor allem realistische Bilder, wie die sich erschöpft am Ufer entlangschleppenden „Wolgatreidler“. Mit ihnen erregte der junge Maler auf der Wiener Weltausstellung 1873 internationales Aufsehen, noch bevor er seine Ausbildung an der Akademie der Künste in Sankt Petersburg abgeschlossen hatte.
Durchdringender Blick
Sein scharfer, durchdringender Blick prägt aber auch die Porträts berühmter Zeitgenossen, die ihm Modell saßen – Maxim Gorki, Modest Mussorgski, Eleonora Duse oder der Schriftsteller Lev Tolstoi, mit dem Repin auch eine enge Freundschaft verband. Repin zeigt ihn in der Gewandung eines Bauern,wie sie der eigentlich aus einem Adelsgeschlecht stammende Tolstoi (1828 – 1910) gerne trug.

Porträt von Lev Nikolaevich Tolstoi, barfuß, nach Ilja Efimovich Repin (1844 – 1930), Kreidezeichnung, auf Karton aufgezogen. St. Petersburg, 184,8 x 90,2 cm.
Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angebotene Kreidezeichnung entstand nach einem Gemälde aus dem Jahr 1901, das sich heute im Staatlichen Kunstmuseum in Sankt Petersburg befindet. Doch selbst in der Kreidezeichnung wird fassbar, was ein Zeitgenosse, der Philosoph Wassili Rosanow, über Repin als Porträtisten schrieb: „Es ist wirklich schrecklich, unter Repins Pinsel zu kommen. Wen er ,abgetastet‘ hat, der kann seine Seele nicht verbergen. Seine Bilder sind großartige Oper und geheime Untersuchung darüber, was in Russland war und ist.“

Porträt einer lesenden Dame, nach Ilja Efimovich Repin (1844 – 1930). Rechts unten kyrillisch bezeichnet “I. Repin 1891”. Öl auf Leinwand, 14,3 x 21 cm
Ein weiteres Bild nach Repin, das Gemälde “Porträt einer lesenden Dame”, stammt lt. Datierung von 1891 und ist auf 1.000 Euro taxiert. Es stammt, wie auch die beiden graphischen Arbeiten aus dem “Russian Sale“, den Christie’s London am 30. November 2005 abhielt.
Ebenfalls aus der Provenienz des “Russian Sale” stammt das Gemälde “Kosakenlager am Waldrand”, das im 19. Jahrhundert entstand (Schätzpreis: 2.500 Euro).
Ein weiteres Highlight aus Russland wartet in der Rubrik Silber: Ein Messkelch aus Moskau, entstanden um 1867, mit Heiligendarstellungen und reliefiertem Bandwerkdekor mit Blüten. Der Schätzpreis: 400 Euro.
Highlights der Juni-Auktion (VII) – Silber von barock bis modern
Eine Rarität markiert in der Auktion am 30. Juni den Höhepunkt der Kategorie Silber: Ein Ensemble von vier massiven Kerzenleuchtern aus dem 18. Jahrhundert aus Den Haag. Sie sind 19,5 cm hoch und wiegen 1.490 g. Aufgerufen werden sie zu einem Schätzpreis von 9.000 Euro.
Daneben gibt es noch ein weiteres Ensemble von Kerzenleuchtern aus dem 18. Jahrhundert. Sie stammen aus Venedig und entstanden in der 2. Hälfte des Jahrhundert.

Sechs Kerzenleuchter, Venedig, 2. Hälfte 18. Jahrhundert. Höhe 19 cm bis 21 cm, Durchmesser des Fußes: 10 cm bis 11,5 cm. Gewicht: 2.560 g. Schätzpreis: 1.200 Euro
Daneben werden auch noch weitere exquisite und zugleich nützliche Objekte aufgerufen:

Neuzeitliches Silber-Besteck aus Edinburgh für acht Personen, 134 Teile. Griffe mit reliefierten Ranken und Voluten. Graviertes Monogramm “S”. Schätzpreis: 3.000 Euro.
Der Besteckkasten enthält je acht Tafelmesser und -gabeln, Menümesser, -gabeln, Teelöffel, Kaffeelöffel, Kuchengabeln und 30 Vorlegebesteckteile inkl. Wetzstahl.

Krug von Georg Jensen, gefertigt nach 1954 nach einem Entwurf von Johan Rohde. Höhe 19 cm, Gesamtgewicht 480 g. Silber, Griff mit Elfenbein-Mittelstück. Schätzpreis: 380 Euro

Muschelpokal aus der 330 Jahre alten Hanauer Manufaktur J.D. Schleissner & Söhne. Silber, teilvergoldet, Kuppa in Muschelform mit einem Segelschiff als Bekrönung. Schaft in Form eines Delphins. Höhe 26 cm, Gewicht: 455 g. Schätzpreis: 300 Euro

Die Messgarnitur aus vergoldetem Silber stammt aus der Hand des Pariser Goldschmieds Hippolyte Puche, der von 1847 bis 1858 tätig war. Höhe: 17,5 cm. Gewicht: 680 g. Schätzpreis: 350 Euro.

Schöpfkelle von Johann Christoph Berns, Magdeburg, 2. Hälfte 18. Jahrhundert. Die silberne Kelle ist innen vergoldet. Länge ca. 36 cm, Gewicht: 280 g
Highlights der Juni-Auktion (VI) – Musikautomaten und Spieluhren
Ungewöhnliches Highlight der Auktion am 30. Juni ist eine Passage mit Musikautomaten, Spieluhren und Musikspielzeugen. Das frappanteste Stück daraus: Der Musik-Puppenautomat “Kaffee trinkender Mohr” aus dem frühen 20. Jahrhundert (oben). Das auf dem Kunstmarkt äußerst seltene Stück wird zu einem Schätzpreis von 3.000 Euro angeboten. Ein kurzer Film mit dem Automaten “in Aktion” ist auf unserer Facebook-Seite zu sehen.
Wunder der Mechanik
Wenn er die Lippen bewegt, und genussvoll die Augenbrauen zusammenzieht, während er seine Kaffeetasse zum Mund führt, ist dieser „Afrikanische Kaffeetrinker“ ein Automat im besten Sinne dessen, was der Begriff im Ursprung bedeutet: Eine Maschine in Form eines organischen Wesens, die Leben simuliert.
Kleine Sensationen
Als Spielzeug allerdings waren solche Figuren nie gedacht. Musikautomaten sorgten in der zweiten Hälfte des 19. jahrhunderts auf den Weltausstellungen für Sensationen, lockten in den Schaufenstern der neumodischen Kaufhauspaläste Kunden an und sorgten für Gesprächsstoff in den vornehmen Salons.
Pariser Flair für alle Welt
Für die Oberschicht zwischen Moskau und Madrid, New York und Buenos Aires, Istanbul und Jaipur waren die vor allem im Pariser Viertel Marais gefertigten Automaten ein begehrter Luxusgegenstand. Ihr Stern sank erst mit dem Ersten Weltkriegs. Der Zusammenbruch der alten Gesellschaftssturkturen, aber auch das Aufkommen der Elekrizität bereitete der Nachfrage nach diesen Wunderwerken der Mechanik ein Ende. Die Faszination aber, die von ihnen ausgeht und selbst Erwachsenen kindliches Staunen entlockt, ist bis heute ungebrochen. Noch bis einschließlich Donnerstag, 29. Juni, kann der “Kaffee trinkende Mohr” in den Räumen von SCHEUBLEIN Art & Auktionen besichtigt werden.
Weitere Spieluhren etc. aus der Auktion

Walzenspieluhr mit Zithereffekt, spielt acht Melodien, u.a. aus “La Traviata”. Schätzpreis: 1.200 Euro

Walzenspieluhr aus der Schweiz, spielt u. a. “Ting a ling ting day” und “Daisy Bell”. Schätzpreis: 1.400 Euro
Highlights der Juni-Auktion (V): Land und Liebe – Landschaftsansichten von Max Slevogt und anderen
„Pfalz“ steht auf der Rückseite dieser Ölskizze von Max Slevogt (1868 – 1932),die um 1900 entstand, während der sogenannten „Neukasteler Periode“ des Malers (oben). In dieser Zeit, zwischen 1890 und 1907, entwickelte Slevogt prägende Züge seines impressionistischen Stils. Das Bild wird in der Auktion am 30. Juni zu einem Schätzpreis von 8.000 Euro angeboten, ebenso wie eine Reihe weiterer Landschaftsdarstellungen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, in denen Maler Kompositionsmöglichkeiten ausloteten oder das Farbenspiel der Natur studierten.
Mit Pappen und Pinseln unterwegs
Für den in Landshut geborenen Slevogt waren es die sanften Hügel und Gebirge im Südwesten Deutschlands, die ihn verleiteten, Landschaft als Motiv zu entdecken. Seit frühester Jugend reiste der Maler immer wieder in die Pfalz, um dort entfernte Verwandte zu besuchen: Die Familie Finkler, die eine klassizistische Villa in Godramstein (einem Stadtteil von Landau in der Pfalz) sowie ein Weingut bei Leinsweiler besaß. Den Blick von der terrassierten Gartenanlage hinunter auf die Ebene und den Gebirgszug des Pfälzer Walds stellte Slevogt wieder und wieder dar. Dazu zog der junge Künstler, der sich als freier Maler in München niedergelassen hatte, mit Malzeug und Pappen rund um das Anwesen, um die Ausblicke mit schnellen Pinselstrichen festzuhalten.
Zarte Bande
In den Sommern der 1890-er Jahre freundete sich Max Slevogt zudem mit den beiden Töchtern der Familie Finkler an. Eine von ihnen — Antonie, genannt Nini — heiratete er 1898, was auch seine Verbundenheit mit der Pfalz nochmals zementierte. Das Weingut, das Max Slevogt 1914 ersteigerte, weil seine Schwiegereltern es finanziell nicht mehr halten konnten, existiert bis heute. Das Hauptgebäude, das Slevogt in den 1920er Jahren erweitern ließ, und das die einzigen erhaltenen Wandbilder aus seiner Hand enthält, ist allerdings derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.
Von der Pfalz nach Bayern
Hier sind viele weitere Landschaften aus dem späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, die in der Auktion am Freitag aufgerufen werden. Darunter unter anderem:

Die Chiemseelandschaft von Maximilian Freiherr von Pechmann (1854 – 1932), Öl auf Leinwand, 52 x 85 cm. Sie ist mit einem Schätzpreis von 800 Euro angesetzt.

Auf 4.000 Euro taxiert ist das Gemälde “Kühe am Fluss” (Öl auf Karton, 11,5 x 36 cm) von Eduard Schleich d.Ä. (1812 – 1874).

Mit einem Schätzpreis von 1.000 Euro geht Hermann Le Suires (1861 – 1933) “Vorfrühling im Moos” (Öl/Lwd., 60 x 80 cm) in die Auktion.

Paul Wilhelm Keller-Reutlingen (1854 – 1920) malte diesen sommerlichen “Blick auf ein Dorf” (Öl / Lwd./ Karton, 36,5 x 53 cm). Das Bild wird am 30. Juni zu einem Schätzpreis von 1.200 Euro angeboten.

Walter Püttners (1872 – 1953) “Gespräch am Waldrand” (Öl / Lwd. / Karton, 60 x 75 cm) wurde für die Auktion am 30. Juni auf 1.200 Euro angesetzt.
Highlights der Juni-Auktion (IV): Belle Epoque am Goetheplatz
Auf die Auktion am 30. Juni können sich diesmal Liebhaber von Jugendstil-Objekten ganz besonders freuen. Gerade für Münchner ist etwas besonders spannendes dabei: Ein Tagesbett und ein Armlehnsessel des Architekten-Duos Helbig & Haiger (links), die das Bild dieser Epoche in der Isarmetropole entscheidend mitprägten.

Fassade des Wohnhauses Ainmillerstr. 22 in München-Schwabing, gestaltet von dem Architektenduo Helbig & Haiger.
Die Fassade des Hauses Ainmillerstraße 22 mit ihrem üppigen Schmuck und den leuchtenden Farben kennt jeder, der schon einmal durch Schwabing gebummelt ist. Entworfen wurde das Gebäude, ebenso wie das von der Fassadengestaltung her dezentere, aber ebenso elegante Mietshaus in der Römerstraße 11, 1899 von den Architekten Henry Helbig und Ernst Haiger.
Die Möbelstücke – ein seltener Glücksfall
Weniger bekannt ist, dass das Duo auch Innenräume gestaltete. Und noch seltener tauchen von ihnen entworfene Möbel im Kunsthandel auf. Insofern ist es ein Glücksfall, dass SCHEUBLEIN Art & Auktionen nun ein Tagesbett und einen Armlehnsessel von Helbig & Haiger versteigern kann. Beide Möbelstücke (Schätzpreise: 1.200 und 280 Euro) sind aus Nussholz gearbeitet und stilgetreu gepolstert.

Das Tagesbett und der Armlehnsessel, die bei SCHEUBLEIN versteigert werden, in einem zeitgenössischen Ambiente.
Erstes Aufsehen hatten Henry Helbig (1872 – 1943) und Ernst Haiger (1874 – 1952) 1898 bei der Münchner Glaspalast-Ausstellung mit Entwürfen für Villen und Interieurs erregt. Sie gründeten ein gemeinsames Atelier, in dem sie neben den beiden Schwabinger Bauten unter anderem den Umbau des Palais Freyberg am Karolinenplatz 5a betreuten. Das Atelier bestand bis ca. 1903. Danach verlieren sich die Spuren von Henry Helbig.
Herrschaftliche Villen, Goldene Bar
Ernst Haigers weiteres Schaffen indes ist gut dokumentiert: Bald nach Beendigung der Zusammenarbeit wendete er sich vom Jugendstil ab. Stattdessen arbeitete er in seinen Bauten mit abgewandelten Stilelementen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. In den 1910er und 1920er Jahren baute er u.a. Villen für Augusta und Frederico de Osa in Kempfenhausen und Berg am Starnberger See; 1938 gestaltete er die „Goldene Bar“ im Münchner Haus der Kunst und verantwortete den Umbau des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig.
Auch darüber hinaus ist der Jugendstil in der Auktion am 30. Juni mit einigen bemerkenswerten Objekten vertreten: zum Beispiel mit einer Sitzgruppe der um 1900 mit Niederlassungen in ganz Europa präsenten Wiener Möbelfirma Jakob & Josef Kohn nach Entwurf ihres Hausdesigners Gustav Siegel (Schätzpreis 1.400 Euro), oder einem Salontisch mit stilisierten Clematis-Blüten von Louis Majorelle, einst Mitbegründer der für den französischen Jugendstil prägenden École de Nancy (Schätzpreis ebenfalls 1.400 Euro).
Von einem weiteren weltberühmten Vertreter der Schule von Nancy werden zwei Vasen angeboten: Emile Gallé gestaltete sowohl die große ovale Vase mit reliefiert geätztem Mohnblumendekor (Schätzpreis 600 Euro) wie auch die kleine Vase mit herbstlich anmutenden Dekormotiven (Schätzpreis 120 Euro).
Auch aus dem deutschsprachigen Raum werden zwei außergewöhnliche Vasen versteigert: Eine Glasvase mit langgezogenem Hals und aufgelegtem silbernem Blütendekor im typischen irisierenden Glas der böhmischen Werkstatt Johann Loetz Witwe sowie eine grün glasierte Keramikvase mit floralem Schlickerdekor von Max Laeuger. In seiner 1897 gegründeten, zu den Tonwerken Kandern gehörenden Kunsttöpferei arbeitete er daran, die Stilformen des Jugendstil auch auf keramische Objekte zu übertragen.
Jugendstil-Keramik: Vase von Max Laeuger, Tonwerke Kandern. Schätzpreis: 100 Euro
Sogar bei der Graphik ist diesmal ein Jugendstil-Objekt vertreten: Ein Dekorentwurf des Architekten und Designers Eugène Gaillard. Er wird zu einem Schätzpreis von 1.000 Euro angeboten.
+49 (0)89 / 23 88 689-0

















