Sonderauktion Nachlass der Herzöge in Bayern – Highlights: Geschichte zum Anfassen
Wie sehr Persönliches und Historisches, Familien- und Weltgeschichte in vielen Objekten der Sonderauktion vom 25. und 26. Juni ineinanderfließen, lässt sich nicht nur an einer Position mit Stichen ablesen, die u.a. den ersten Bayerischen König, Maximilian I. Joseph (links) und Napoleon Bonaparte zeigen. Beide waren durch die Ehe von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais mit der ältesten Tochter Max I. Josephs, Auguste Amalia, auch familiär verbunden. Viele der angebotenen Objekte sind so nicht nur private Erbstücke, sondern zugleich auch ein Stück Geschichte, das man sich nach Hause holen kann. Und gerade die rund 150 Jahre, aus denen das Gros des Angebots stammt, sind – für Bayern wie für Europa – besonders interessant und wechselvoll.
Von der Pfalz nach Bayern
Es waren wilde Zeiten, während derer sich die beiden Wittelsbacher-Linien Pfalz-Zweibrücken und Pfalz-Birkenfeld endgültig in Bayern etablierten. Noch zur Zeit der Herrschaft von Kurfürst Karl Theodor (1724 – 1899) –mangels Nachkommen bei den bayerischen Wittelsbachern der erste Pfälzer, der in der Münchner Residenz einzog –, brach die Französische Revolution aus.

Armbandschließe mit Miniaturbildnis von Kurfürst Karl Theodor von Bayern. Ende 18. Jh. Emailmalerei, 14 K GG. Schätzpreis 250 Euro
Die Revolutionskriege, mit denen Preußen, Österreich und alliierte deutsche Fürstentümer versuchten, die Rebellion im Nachbarland zum Erliegen zu bringen, endeten mit einem großflächigen Vordringen der Franzosen unter anderem auf deutsches Gebiet. 1796 wurde auch München bombardiert, wie auf einem zeitgenössischen Aquarell eindrücklich dargestellt ist.

Johann Jakob II. Dorner: Canonade zwischen den k. k. Truppen und den Franzosen an der Isarbrücke bei München am 8. September 1796. Aquarell, 42 x 55,5 cm. Schätzpreis 2.200 Euro
Karl Theodor: der kinderlose Kurfürst
Parallel zum außenpolitischen Druck wuchs auch ein internes Problem zu einer ernsthaften Krise heran: Als Karl Theodors erste Frau 1794 starb, hatte der 69-jährige Kurfürst noch keinen legitimen Erben in die Welt gesetzt.

Petschaft mit kurfürstlichem Wappen Karl Theodors. Ende 18. Jh. 14 K GG, Karneol. 4 x 3,5 x 3 cm. Schätzpreis 600 Euro.
Abhilfe sollte die schleunigst anberaumte zweite Ehe mit der erst 18-jährigen Maria Leopoldine von Österreich-Este schaffen. Doch die selbstbewusste junge Frau weigerte sich rundheraus, mit ihrem mehr als 50 Jahre älteren Gemahl das Bett zu teilen. Als der Kurfürst im Februar 1799 im Sterben lag, ergriff die tatkräftige Maria Leopoldine jedoch in anderer Hinsicht die Initative.

Miniatur von Max I. Joseph von Bayern in der Uniform eines Generalleutnants des Infanterie-leib-Regiments. Aquarell und Deckfarben auf Elfenbein, 5,3 x 3,8 cm. Schätzpreis 300 Euro
Sie schickte eine Eilnachricht an Karl Theodors nächsten männlichen Verwandten, Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken (1756 – 1825), so dass dieser unmittelbar nach dem Tod des Kurfürsten sein Erbe antreten konnte, bevor die mit einer großen Truppenanzahl im Land stehenden Österreicher ihren Anspruch auf Bayern anmelden konnten.
Zwei mal Wittelsbach: die Häuser von und in Bayern

Miniaturporträt Herzog Wilhelms in Bayern. 1. Viertel 19. Jh. Aquarell und Deckfarben auf Elfenbein. Schätzpreis 120 Euro.
Zu diesem Zeitpunkt hatte auch Wilhelm, Pfalzgraf und Herzog von Pfalz-Birkenfeld-Gelnhausen (1752 – 1837, siehe u.a. Kat.-Nr. 251), Oberhaupt der einzigen weiteren verbliebenen Wittelsbacher Nebenlinie ,in München Stellung bezogen. Den Titel „Herzöge in Bayern“ führte sein Haus seit dem 16. Jahrhundert, wirklich Bedeutung gewann er aber erst mit der Machtübernahme von Maximilian Joseph, der seinen Vetter und Schwager Wilhelm und dessen Familie – auch zur Absicherung der Wittelsbacher Herrschaft – nicht nur nominell, sondern auch tatsächlich in den Herzogsstand erhob.

Franz Josef Noortwyck: Miniatur-Porträt von Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt, erster Ehefrau des späteren Königs Max I. Joseph und Mutter von König Ludwig I. Aquarell und Deckfarben auf Elfenbein, Rahmen 14 K RG, Naturperlen, Rückseitig Haararbeit. Schätzpreis 2.200 Euro
Unter den vielen zu Maximilian Joseph in Beziehung zu setzenden Objekten der Auktion sind unter anderem ein Sammelrahmen mit 14 Miniaturen, eine Miniatur seiner ersten Frau, Auguste Wilhelmine Marie und drei Punktierstiche zu nennen, die u.a. ihn selbst und Napoleon Bonaparte zeigen.

Luigi Rados, nach J.B. Bosio: Maximilian I. Joseph von Bayern / Marie-Louise von Österreich (zweite Ehefrau Napoleons), Napoleon Bonaparte. Drei Punktierstiche, Platten je 74,5 x 48 cm. Schätzpreis 400 Euro
Vom Kurfürsten zum König
Die Unterstützung seiner Verwandten hatte der Kurfürst nach der Übernahme der Regentschaft bitter nötig. Denn zum einen blieb Österreich mit seinen Ansprüchen hartnäckig, zum anderen wuchs der Druck der französischen Truppen, die mit der Machtübernahme Napoleon Bonapartes in Paris ihre Eroberungszüge immer weiter ausweiteten. Maximilian Joseph versuchte zunächst, sich auf eine neutrale Position zurückzuziehen, führte aber mit Frankreich bereits geheime Verhandlungen. Im Herbst 1805 schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen: Bayern schlug sich auch offiziell auf die Seite Frankreichs und agierte mit seinen Truppen gegen die bisherigen Verbündeten Österreich, Preußen und Russland.

Globus für Max I. Joseph. Deutschland, 1801 – 1809. Verschiedene Hölzer furniert, Papierbezug. 125 x 80 x 80 cm. Schätzpreis 500 Euro
Belohnt wurde diese Bündnistreue im Winter 1805/1806, als Bayern von Napoleon zum Königreich aufgewertet und der Kurfürst als Maximilian I. Joseph zum König proklamiert wurde. Teil dieses Deals war allerdings auch, dass der Monarch seine älteste Tochter, Auguste Amalia, Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais zur Frau gab. Obwohl das erst 17-jährige Mädchen in den Nächten vor der Hochzeit bittere Tränen vergoss, ist überliefert, dass aus der erzwungenen Heirat eine lebenslang glückliche Ehe erwuchs. Den Angehörigen des Hauses von Bayern steht, ebenso wie der Herzogsfamilie in Bayern, seit 1806 die Anrede „Königliche Hoheit“ zu.
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