Ergebnisse der Wittelsbacher-Auktion (II)

In der Auktion mit Objekten aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern standen auch bestimmte Abkömmlinge des Herzogs- wie auch des Königshauses besonders im Mittelpunkt. Neben Sisi, Herzog Max in Bayern und Max I. Joseph war dies auch Herzog Carl Theodor in Bayern (1839 – 1909), an dessen medizinisches und wohltätiges Engagement bis heute die Münchner Augenklinik Herzog Carl Theodor erinnert.

Zu seinen großen Leidenschaften gehörte auch die Jagd, wovon ein Prunkhirschfänger ein besonders eindrucksvolles Zeugnis ablegt. Er ist mit Jagdszenen mit vergoldeten Jägern, Hunden und Wild geschmückt, dazu mit stilisierten Baumstämmen als Basisform der Griffe, die zugleich den Hintergrund für diese jagdlichen Reliefs bilden.

Prunkhirschfänger, Mitt 19. Jh. Metall, Silber, tlw. vergoldet (Detail oben). Ergebnis 25.400 Euro*

Eine derart aufwendig geschmückte Waffe war definitiv nie für den jagdlichen Alltag gedacht. Der Herzog trug sie wohl eher bei repräsentativen Anlässen, die viele Jagden des Hochadels begleiteten. Für 25.400 Euro* erwarb sie ein privater Liebhaber.

Silber: Ein Tafelaufsatz mit ausdrucksstarken Putten

Silber Klinkosch Auktion München Scheublein

Acht Tafelaufsätze, Wien, um 1870/1880, J. C. Klinkosch. Silber, Glas. Ergebnis 16.500 Euro*

Acht Tafelaufsätze mit Putten, deren grazile Gesten und ausdrucksfreudiges Minenspiel so nur in Handarbeit herstellbar ist, entwickelten sich zum Spitzenlos beim Silber. Angefertigt wurden die mit gravierten Glasschalen kombinierten Sockel und Figürchen in der Wiener Silberschmiede J.C. Klinkosch, die zur Entstehungszeit 1870/1880 zu den führenden Lieferanten des europäischen Hochadels gehörte.

Klinkosch Silber Auktion München Scheublein

An diesem Detail lässt sich die besondere Qualität der Handfertigung besonders schön ablesen.

Deren besonderes Erfolgsrezept: sich in Zeiten, in denen Wohn- und Tafelaccessoires zunehmend maschinell produziert wurden, mit hochwertigster manueller Fertigung gegen derartige Fabrikware abzugrenzen. Für 16.500 Euro* gingen die Aufsätze in den Kunsthandel.

Skulpturen: Ein “Marientod” aus dem frühen 16. Jahrhundert

Ein „Marientod“ aus dem Süddeutschland des frühen 16. Jahrhunderts wurde bei der Sonderauktion mit Objekten aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern zum Highlight bei den Skulpturen. Das in Lindenholz gearbeitete Relief greift ein Sujet auf, das zur Zeit seiner Entstehung einem ikonographischen Wandel unterworfen war: Zur damaligen Zeit „moderne“ Darstellungen zeigten die sterbende Muttergottes gerne im Gebet, umgeben von den zwölf Aposteln und im Himmel aufgenommen von Christus.

Marientod Lindenholz Auktion München Scheublein

Relief Marientod. Süddeutschland, 1. Hälfte 16. Jh. Lindenholz. Ergebnis 29.200 Euro*

Das vorliegende Objekt indes bleibt sowohl in der Figurengestaltung als auch in der Umsetzung des Themas der spätmittelalterlichen, vor allem in Deutschland beheimateten Tradition verhaftet: Die mit Anklängen an den „schönen Stil“ gestaltete Sterbende liegt inmitten der von Trauer und Schmerz gezeichneten Jünger, die aus Büchern Gebete vortragen oder mit Sterbekerzen und Weihrauch hantieren. Für 29.200 Euro* ging das auf einer Platte mit schlichter Rahmung montierte Relief in den Kunsthandel.

Die Welt für Max I. Joseph

Globus Johann Georg Franz Auktion München Scheublein

Globus für Max I. Joseph. Deutschland, 1801 – 1809. Verschiedene Hölzer, furniert, Papierbezug. Ergebnis 25.400 Euro*

In gewisser Weise war dieser Globus einstmals ein teures Werbegeschenk: Der Verleger Johann Georg Franz widmete die zwischen 1801 und 1809 angefertigte Weltkugel dem damals frisch gekrönten König Max I. Joseph, wohl wissend, dass dieses Präsent auch die Aufmerksamkeit weiterer potentieller Kunden mit großer Finanzkraft auf sich ziehen konnte. Denn Johann Georg Franz hatte in den 1800er Jahren gerade erst begonnen, im Landkartenverlag seines Vaters auch Globen herauszugeben. Die Nachfrage nach ihnen war immens, nachdem die Entdeckungsreisen des britischen Seefahrers James Cook zwischen 1768 und 1780 weitere blinde Flecken auf der Weltkarte geschlossen und die bekannte und kartographierte Welt sogar um einen weiteren Kontinent – Australien – erweitert hatten.
Trotz ehrgeiziger Anfänge, einer guten Geschäftslage und klug platzierter Präsent-Globen war Johann Georg Franz wenig Fortune beschieden: 1813 musste sein Vater den kompletten Verlag verkaufen, um für die Schulden des Sohnes aufkommen zu können. Mehr Erfolg konnte das bei SCHEUBLEIN versteigerte Produkt dieser Unternehmung verbuchen: Für 25.400 Euro* ging es in den Kunsthandel.

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