Ergebnisse der Wittelsbacher-Auktion (I)

Der Glanz der Wittelsbacher – auf Kunstfreunde wirkt er bis heute ungemein inspirierend, wie sich bei der großen Sonderauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen mit Objekten aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern am 25. und 26. Juni zeigte. Sensationelle 96 Prozent der über 1.000 angebotenen Lose konnten verkauft werden, mit Zuschlägen, bei denen sich die Schätzpreise im Durchschnitt verdoppelten.

Durch das rege Presseecho hatte sich bereits im Vorfeld großes Bieterinteresse unter anderem an einem Rahmen mit Haarlocken von Sisi und ihren Geschwistern abgezeichnet. Diverse andere Stücke konnten deren Verkaufspreis jedoch noch weit überflügeln.

Toplos: Eine Miniatur des letzten österreichischen Kaiserpaars

Eines davon: eine Doppelminiatur des letzten Kaisers von Österreich, Karl und dessen Ehefrau Zita (oben), die sich zum Spitzenlos der gesamten Auktion entwickelte. Der Miniaturmaler Rudolf Ipold (1873 – 1936) schuf das mit Gelbgold, Lapislazuli und Diamanten aufwendig gerahmte Doppelbildnis 1918 – Karl hatte nach der jahrzehntelangen Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph erst im November 1916, mitten im Ersten Weltkrieg den Thron bestiegen, nachdem er 1914 durch das Attentat von Sarajevo überhaupt erst zumThronfolger aufgerückt war. Bedenkt man den Zeitpunkt seiner Entstehung, das letzte Jahr des Ersten Weltkriegs, so wirkt bei dem Doppelporträt, neben der hohen Qualität der Malerei selbst, der kostbare Rahmen umso erstaunlicher: Zu diesem Zeitpunkt waren Deutschland und Österreich durch umfassende Blockaden von jeglicher Rohstoffzufuhr so gut wie abgeschnitten. Das auch im historischen Sinne interessante Stück kletterte bis auf 43.200 Euro*.

Überaus gefragt: Miniaturen der Wittelsbacher

Armband Wittelsbacher Auktion München Scheublein

Armband mit Miniaturbildnis von Carolina Augusta von Bayern, um 1830 /1840. Email, Mondsteincarbochons, 18 K GG. Ergebnis 16.500 Euro*

Generell gehörten Miniaturen, ob pur oder in Verbindung mit raffinierten Schmuckstücken, zu den Schwerpunkten speziell des ersten Auktionstages. Auf besonders großes Bieterinteresse stießen Schmuckstücke mit gemalten oder als Goldrelief gearbeiteten Porträts von Mitgliedern des bayerischen Herrscherhauses aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Ein Gliederarmband mit Emailarbeiten, Mondsteincabochons und einer Miniatur der späteren österreichischen Kaiserin Carolina Augusta von Bayern erlöste 16.500 Euro*.

Armreif Therese von Bayern Auktion München Scheublein

Armreif mit Profilbildnis der Königin Therese von Bayern. 18 K GG, Perlenkranz. Ergebnis 13.400 Euro*

Armreife mit Profilbildnissen von Königin Therese und König Ludwig I. von Bayern wurden für 13.400 Euro* und 12.300 Euro* verkauft.

Armreif Ludwig I. von Bayern Auktion München Scheublein

Armreif mit Profilbildnis von König Ludwig I. von Bayern, um 1830, 14 k GG, Ergebnis 12.300 Euro*

Das Spitzenlos aus diesem Bereich entführte allerdings nach Russland: Ein um 1830 entstandenes Set aus Armreif und Anhänger mit Porträts von Kaiser Nikolaus I. und Kaiserin Alexandra Fjodorowna erzielte 23.500 Euro*.

Nikolaus I. Auktion München Scheublein

Set aus Armreif und Anhänger mit Porträts von Kaiser Nikolaus I. und Kaiserin Alexandra Fjodorowna, um 1830. 14 K GG, Ergebnis 23.500 Euro*

Sisis Locke fürs Museum

Großes Presseinteresse begleitete bereits im Vorfeld die Versteigerung der gerahmten Haarlocken der späteren österreichischen Kaisern Sisi und ihrer sieben Geschwister.

Sisi Locke Auktion München Scheublein

Kinderhaare von Sisi und ihren sieben Geschwistern in Messingrahmung. Schätzpreis 500 Euro. Ergebnis 15.200 Euro*

Nach einem langen und intensiven Bietergefecht erhielt jedoch keiner der vielen privaten Interessent den Zuschlag für das überaus gefragte Objekt. Für 15.200 Euro* gingen die Kinderhaare von Max (1849 – 1893), Sophie (1847 – 1897), Néné (1834 – 1890) Carl Theodor (1839 – 1909), Mathilde (1843 – 1925), Marie (1841 – 1925), Sisi (1837 – 1898) und Ludwig Wilhelm (1831 – 1920) an einen Bieter aus dem musealen Bereich.

Gesucht: Faltbare Ansichten

Zu einem Überraschungslos in der Kategorie Kunsthandwerk / Varia entwickelte sich ein Faltfächer mit einer von Frühlingsblumen umrahmten Ansicht von Schloss Berg am Starnberger See.

Faltfächer Therese Weber Auktion München Scheublein

Faltfächer: Schloss Berg. München, 2. Hälfte 19. Jh. Firma Thierry, Therese Weber. Perlmutt, Seide. Ergebnis 8.900 Euro*

Das markante Stück mit Stäben aus violett eingefärbtem Perlmutt der Firma Thierry bekam seine Bemalung von Therese Weber (1813 – 1875). Die Münchner Tier- und Landschafts-
malerin, die sich auch intensiv mit der bildlichen Darstellung von Wald- und Gartenblumen beschäftigte, erschloss sich ab etwa 1860 ein weiteres Spezialgebiet. Sie wurde für die Bemalung von Fächern vor allem aus weißer Seide bekannt. Ein privater Sammler bot für das rare Objekt 8.900 Euro*.

* alle Preisangaben inkl. 27 % Aufgeld.

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