Highlights der September-Auktion (I): Gemälde und Graphik von Stuck bis Utrillo

Mit einer Auktion voller Highlights startet SCHEUBLEIN Art & Auktionen am 24. September in den Herbst. Besondergs groß ist die Auswahl bei Silber und Schmuck; im Blickpunkt steht unter anderem ein wörtlich zu nehmender Hochkaräter – ein Brillantring mit über 27 Karat (Schätzpreis 240.000 Euro). Doch auch Graphik und Gemälde bieten zahllose Highlights, beispielsweise einen “Pan” von Franz von Stuck und die Ansicht einer Kirchenruine von Maurice Utrillo.

Mit Franz von Stuck in Arkadien

Figuren der arkadischen Welt, Faune vor allem, gehörten spätestens seit der Jahrhundertwende zum immer wiederkehrenden Figurenrepertoire des Münchner Künstlerfürsten Franz von Stuck (1863 – 1928). Anders als sein diesbezügliches Vorbild Arnold Böcklin (1827 – 1901) zeigt Stuck sie allerdings nicht allein in Verbindung mit der Natur und als Verkörperung eines unberührten, friedlichen Idylls. „Stuck löste die pagane Welt aus ihrem landschaftlichen Kontext, um ihr Handeln umso freier als Vergegenwärtigung allgemeinmenschlicher Verhaltensweisen im allgemeinen und der Sinnenlust im besonderen zu interpretieren“, analysiert die Münchner Stuck-Spezialistin Margot Brandlhuber die Herangehensweise des Malers. „Distanz und ironische Brechung gehen mit diesem Kontextwandel einher.“

Nymphen und Panflöten

Stucks Faune geben sich, auf dem Rücken liegend, quasi als Ersatz für einen erotischen Akt, dem Klang einer aus Schilfrohr gechnittenen Flöte hin, nachdem sich die begehrte Nymphe Syrinx in Schilr verwandelt hat. Sie zeigen dem Nachwuchs, wie schön dieses Instrument klingen kann. Oder sie halten sich mit verkniffenem Lachen die Ohren zu, wenn ein Jung-Faun dann tatsächlich versucht, aus den Rohren Töne hervorzubringen.

Stuck selbst saß Modell

Wie nahe sich der Maler den Faunen fühlte, beweist unter anderem, dass er sich für die Hauptfigur letzteren Gemäldes mit dem passenden Titel „Dissonanz“ in entsprechenden Posen von seiner Frau fotografieren ließ, um sich quasi selbst Modell zu sitzen. Auch für das Vestibül seiner Villa fertigte er ein Relief mit einem syrinx-blasenden Faun an. Genau die gleiche Pose wie auf diesem Relief nimmt die Figur auch auf dem bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen vorliegenden, 1917 in Öl auf Holz gemalten Bild „Pan (Sommer)“ ein (Schätzpreis 25.000 Euro). Vor einem blauen, von Wolken durchzogenen Himmel steht ein Hirtengott mittleren Alters, flötespielend und dem Betrachter frontal zugewandt.

Liebevoller Blick auf die Tochter

Im Angebot bei der Graphik ist der Münchner Malerfürst ebenfalls vertreten: Unter Katalognummer 543 ist eine Pastellzeichnung zu finden, auf der Franz von Stuck seine Tochter Mary mit einem Biedermeierhut zeigt.

Stuck Auktion München Scheublein

Franz von Stuck: Mary, die Tochter des Künstlers, im Biedermeierhut. Farbkreide, aquarelliert. BA 50 x 43 cm. Schätzpreis 7.000 Euro

Maurice Utrillo: Stadtansichten und Depressionen

Mit Maurice Utrillo (1883 – 1955) werden vor allen Dingen seine in Weißtönen gehaltenen Stadtansichten von Paris assoziiert, die zwischen 1907 und 1914 entstanden – während einer Lebensphase, die für den von frühester Jugend an alkoholkranken Sohn einer Malerin extrem schwierig war. Die Erschütterungen erreichten einen Höhepunkt, als seine Mutter 1914 den Maler André Utter heiratete, mit dem sich der nach Orientierung suchende Utrillo zuvor angefreundet hatte.

Erfolg und Alkohol

Die Alkoholkrankheit verfolgte ihn auch noch, als der zuvor verkannte Künstler in den 1920er Jahren allmählich Anerkennung fand, seine Gemälde gut verkaufen konnte, Bühnenbild und Kostüme für eine Inszenierung der weltberühmten Ballets Russes schuf oder 1928 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde.

1935: Ein Wendepunkt in Utrillos Leben

Erst das Jahr 1935 markierte in seinem Leben einen wirklichen Wendepunkt: Er heiratete „La bonne Lucie“, die fünf Jahre ältere Witwe des belgischen Finanziers Robert Pauwels, die bereits seit Jahren Bilder von Utrillo und seiner Mutter gesammelt hatte. Die spätere Entwicklung dieser Ehe wird von Kunsthistorikern sehr unterschiedlich bewertet; fest steht jedoch, dass sie nach Jahrzehnten der inneren Unruhe eine gewisse Stabilität in das Leben des Künstlers brachte. Möglicherweise schwingt diese auch in der Gouache mit, die Utrillo im Jahr seiner Hochzeit von den in der Normandie gelegenen Ruinen der Abtei von Jumièges anfertigte.

Utrillo auktion München Scheublein

Maurice Utrillo: Ruines de l’Abbaye de Jumièges. Gouache. 63 x 50 cm. Schätzpreis 15.000 Euro

Sie zeigt bereits exakt den Bildausschnitt, den der Maler ein Jahr später auch ein einem Ölgemälde umsetzte: Der Blick durch das Kirchenschiff, auch die herbstliche Stimmung sind nahezu identisch. Lediglich die perspektivische Verdichtung des Bauwerks ist auf der Gouache etwas kompakter, auch lässt Utrillo hier mehr Staffage-Figuren durch die Überreste der stolzen Abtei flanieren. Doch auch andere Elemente sorgen für in der Graphik für Lebendigkeit: In der Farbe des Himmels lässt sich, neben Wolken, auch das Blau eines strahlenden Herbsttags erahnen, der der Weg durch die Ruine mit flackernden Schatten belebt. Laub und Gras schillern in verschiedenen Nuancen von Grün bis Braun; selbst die ehrwürdigen Steine sind durch Moose, Flechten und Blattpflanzen mehr als nur totes Gemäuer. So zeigt sich der Meister der Stadtlandschaften hier auch als wacher, aufmerksamer Beobachter von jahreszeitlicher Stimmung und Natur.

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