Highlights der September-Auktion (IV): Andy Warhol x Martha Graham
Sie revolutionierten beide die Art und Weise, wie wir auf die Welt blicken: Andy Warhol (1928 – 1987), indem er die Ikonen seiner Zeit so ins Bild setzte, dass spürbar wurde, wie sehr diese von der Konsumkultur vereinnahmt wurden. Und die Choreographin Martha Graham (1894 – 1991), indem sie den Bühnentanz aus der Formelhaftigkeit klassischer Ballettbewegungen befreite und in ein Medium intensiven emotionalen Ausdrucks verwandelte. Beide lebten in New York und pflegten trotz aller Unterschiede eine von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft. Drei Farbserigraphien Andy Warhols legen von dieser inspirierenden Verbindung Zeugnis ab.
Andy Warhol und Martha Graham
„Als ich Andy das erste Mal begegnete, bekannte er, dass er genau wie ich in Pittsburgh geboren wurde, und dass es ihn tief berührt hatte, als er mich das erste Mal ,Appalachian Spring’ tanzen sah. Er hat mich aber genau so tief berührt: Er war ein begabter, eigenartiger Einzelgänger, der mein Leben mit seiner immensen Großzügigkeit bereicherte“, erinnerte sich die Grand Dame des Modern Dance später an den Beginn ihrer Freundschaft.
Farbserigraphien für die Martha Graham Dance Company
Eines der greifbarsten Zeichen für diese große Verbundenheit ist eine Serie von drei Farbserigraphien, die Andy Warhol 1968 anlässlich des Jubiläums zum 60jährigen Bestehen der von Martha Graham ins Leben gerufenen Tanzkompanie gestaltet. Neben seinem persönlichen Anliegen, der Kunst der lieb gewordenen Freundin auf seine Weise ein Denkmal zu setzen, kam noch eine sehr handfeste finanzielle Hilfe hinzu: Die Vermarktung der Serigraphien sollte dazu beitragen, den Fortbestand der Martha Graham Dance Company für die kommenden Jahre abzusichern.

Andy Warhol, “Martha Graham” (1986), Blatt nach einer Fotografie zur Choreographie “Satyric Festival Song”.
Andy Warhols Grundlage: Fotografien aus den 1940ern
Als Grundlage für seine Graphiken benutzte Andy Warhol Schwarz-Weiß-Aufnahmen von drei Graham-Choreographien aus den 1930er Jahren – „Satyric Festival Song“, „Lamentation“ und „Letter to the World“ (Abbildung ganz oben), die die Fotografin Barbara Morgan 1940 angefertigt hatte. Ebenso wie die eingefügten Linien, mit denen Warhol den Ausdruck der jeweiligen Bewegung verstärkte, sollten auch unterschiedliche Farbversionen die verschiedenen Gefühlsschichten offenlegen, die in Martha Grahams Choreographien mitschwingen. Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen vorliegenden Versionen auf dunklem Grund mit Rot-, Blau- und Violetttönen heben vor allem die mythischen Aspekte der Tanzsequenzen hervor. Sie werden zum Schätzpreis von 40.000 Euro angeboten
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