Highlights der September-Auktion (III): Goethe-Teller aus dem Besitz Ludwigs I.
Beim Porzellan wartet am 24. September eine Passage mit 20 ganz besonderen Tellern auf die Biet-Interssierten: Sie wurden um 1950 in der Porzellanmanufaktur Nymphenburg von Ferdinand le Feubure mit Motiven aus Goethes Fabel “Reineke Fuchs” bemalt und befanden sich in Besitz des bayerischen Königs Ludwig I.
Ludwig I.: ein Goethe-Verehrer
„Der König von Bayern freut sich unaussprechlich, sein eigener Ordensmarschall zu sein und dem Könige der Dichter diese Auszeichnung zu überreichen …“ Nicht nur diese Worte zeugen von der großen Verehrung Ludwigs I. (1786 – 1868) für Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832). Der bayerische König hatte einen Besuch beim Großherzog von Weimar gezielt so geplant, dass er sich zum 78. Geburtstag Goethes in der Stadt befand und er dem geschätzten Dichter an dessen Ehrentag das Großkreuz des Civil-Verdienstordens der Bayerischen Krone anheften konnte.
Teller in königlichem Gebrauch
Bereits während seiner Studentenzeit hatte Ludwig das Werk Goethes verschlungen; die Wertschätzung für den Dichter begleitete ihn ein Leben lang. Davon zeugt auch eine um 1850 entstandene Serie von Bildtellern aus seinem Besitz, die mit Motiven aus Goethes ebenso elegantem wie gallig satirischem Versepos „Reineke Fuchs“ geschmückt sind. Die nach den Illustrationen Wilhelm von Kaulbachs durch Ferdinand le Feubure in enormer Qualität ausgeführten Porzellanmalereien prangen auf Nymphenburg-Tellern mit aufwändig und variantenreich gestalteten Fahnen; leichte Gebrauchsspuren legen nahe, dass der König sie gelegentlich für den Verzehr von Nachspeisen oder Obst benutzte.
Der König und der Fuchs
Die Wahl des Sujets zeigt den zu diesem Zeitpunkt bereits abgetretenen Herrscher als Mann von Selbstironie – schließlich erzählt die im Hexameter verfasste Fabel nicht nur die Geschichte des schlauen Reineke, der seine tierischen Gefährten drangsaliert und terrorisiert, sondern auch die des einfältigen Königs Nobel, der Reinekes Lügen ein ums andere Mal auf den Leim geht und ihn schließlich sogar zum Kanzler des Tierreichs ernennt.
Reineke Fuchs: Der entspannte Übeltäter
Dieses Missverhältnis ist bereits im Tellerpaar zum 1. Gesang angelegt: Während sich die anderen Tiere beim König lauthals über ihn beschweren, bleibt der Fuchs völlig entspannt in seinem Bau (oben). Das Tellerpaar zum 2. Gesang (Nr. 296) zeigt, wie Reineke dem vom König als Boten geschickten Bären übel mitspielt (unten).
Lügen und Verschwörungen
Seine eigenen Verbündeten – der Wolf Isegrim und der Dachs Grimbart –, die Reineke dennoch schamlos hintergeht, sind oben zu sehen. Die folgenden drei Teller reflektieren Reinekes erstes „Meisterstück“: Bereits seiner Missetaten überführt, zieht er seinen Kopf aus der Schlinge, indem er dem König eine faustdicke Lügengeschichte über eine Verschwörung auftischt.
Scheinbar geläutert, will er anschließend, begleitet von Hase und Widder, nach Rom pilgern (unten links), frisst aber den Hasen auf (unten rechts) und schiebt dem Widder den Mord in die Schuhe.
Falschheit schützt vor dem Fall
In den oben abgebildeten vier Bildtellern hintergeht der falsche Pilger weitere Tiere. Im darauffolgenden Tellerpaar säht der Fuchs selbst am Krankenbett des Königs noch Zwietracht.
Auf den letzten drei Tellern entledigt sich Reineke letzter Widersacher und wird vom König mit dem höchsten Staatsamt geehrt.
Insgesamt umfasste die Serie 24 Teller: Zwei davon befinden sich im Bayerischen Nationalmuseum. SCHEUBLEIN Art & Auktionen freut sich unaussprechlich, nun 20 weitere Teller anbieten zu können.
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