Highlights der September-Auktion (V): Max Liebermann und sein Umfeld

Die zwei absoluten Top-Lose der September-Auktion stammen beide aus der Hand des gleichen Malers:  Max Liebermann (1847 – 1935).  Beide zeigen Lieblingsmotive des berühmten Impressionisten: „Blumenstauden am Gartenhäuschen nach Nordosten“ und „Gartenlokal am Wannsee“. Darüber hinaus ist auch sein künstlerisches Umfeld in der Versteigerung am 24.9. vertreten.

Max Liebermann und sein Garten

Die auf 400.000 Euro angesetzte, frühsommerliche Beetansicht „Blumenstauden am Gartenhäuschen nach Nordosten“ (oben) entstand etwa 1926 und zeigt einen Teil des der Straße zugewandten, norddeutschen Bauerngartens, den Max Liebermann 1910 vor seiner Villa am Wannsee anlegen ließ. Sowohl der längsseitige Pavillon wie auch die Fassade und der säulenumrahmte Portikus des Haupthauses sind im Hintergrund von Pfingstrosen, Iris und weiteren blühenden Stauden gut zu erkennen. Ebenso wie der zum Wannsee hin angelegte, formellere rückwärtige Garten bot auch dieser vordere Gartenteil dem Künstler mannigfaltige Inspiration, vor allem, nachdem er ab 1914 weltkriegs-bedingt mit seiner Gewohnheit, die Sommermonate malend in den Niederlanden zu verbringen, brechen musste.

Berauschende Schönheit, einzigartiges Dokument

Über 200 Ölgemälde sowie eine Vielzahl von Arbeiten auf Papier dokumentieren nicht nur Max Liebermanns Liebe zu dem blühenden Paradies vor der eigenen Haustür, sondern auch dessen ausgeklügelte gärtnerische Gestaltung. Dank dieser Grundlage war es ab 2002 überhaupt möglich, den Garten der Liebermann-Villa originalgetreu wiederherzustellen.
Denn das Haus hatte nach dem Tod des weltbekannten Malers 1935 eine äußerst wechselvolle Geschichte: Die Nationalsozialisten zwangen Max Liebermanns Witwe Martha 1940, das Anwesen weit unter Wert zu verkaufen. Der prachtvolle Garten war mit das erste, was der Umgestaltung zu einem Schulungslager für Postmitarbeiterinnen zum Opfer fiel. Nach 1945 wurde die Villa Teil des Städtischen Krankenhauses Wannsee, später Sitz eines Tauchclubs.

Geschichte einer Rekonstruktion

Erst 1995 gründete sich die Max-Liebermann-Gesellschaft, der es mit immensen Anstrengungen und ohne staatliche Förderung gelang, bis 2006 Haus und Gärten in ihren Originalzustand zurückzuversetzen und das „Schloss am See“, wie die Familie Liebermann die Villa liebevoll nannte, als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie sehr Max Liebermann selbst an diesem Anwesen hing, davon legt das vorliegende Gemälde ein besonders farbenprächtiges Zeugnis ab.

Max Liebermanns zweites Lieblingsmotiv: Wirtsgärten

Max Liebermann Auktion München Scheublein

Max Liebermann, Gartenlokal am Wannsee. Öl/Lwd., 38,5 x 48,5 cm. Schätzpreis 200.000 Euro

Doch nicht nur auf seinem Sommersitz, auch in dessen unmittelbarer Umgebung stieß der nimmermüde Maler auf Lieblingssujets, wie das zweite bei SCHEUBLEIN von ihm vorliegende Gemälde beweist: „Gartenlokal am Wannsee“ (Schätzpreis 200.000 Euro). Auch Wirtsgärten als Motiv zwischen trubeliger Geschäftigkeit und Nähe zur Natur ziehen sich wie ein roter Faden durch Max Liebermanns umfassendes Oeuvre – seien es Biergärten aus seiner Münchner Zeit (1878 – 1884), niederländische Gastgärten, die er auf seinen zahlreichen sommerlichen Reisen besuchte, oder eben die munteren Ausflugslokale am Rande Berlins. Auch auf dem vorliegenden Bild ist deren besondere Stimmung zwischen ruhiger Natur und rummeligem Großstadtflair pointiert eingefangen.

Gemeinsam in der “Gruppe der Elf”: Max Liebermann und Franz Skarbina

Welche Rolle Max Liebermann bis weit in die 1920er Jahre hinein in der Berliner Kunstszene spielte, lässt sich auch an den Biographien zweier Künstler ablesen, von denen weitere Highlights der Auktion am 24. September stammen. Der Impressionist Franz Skarbina (1849 – 1910) gehörte zusammen mit Liebermann zu den Initatoren sowohl der rebellischen „Gruppe der Elf“ (gegründet 1892) wie auch der Berliner Secession (gegründet 1898). Stark vom französischen Impressionismus beeinflusst, interessierten Skarbina vor allem die Witterungs- und Lichtstimmungen der Großstadt. Dies wird auch in der Pastellzeichnung „Winterlicher Spätnachmittag in Berlin“ deutlich (Schätzpreis 8.000 Euro).

Franz Skarbina Auktion München Scheublein

Franz Skarbina: Winterlicher Spätnachmittag in Berlin. Pastell, 50 x 65 cm, Schätzpreis 8.000 Euro

Eine ungewöhnliche Freundschaft: Max Liebermann und Heinrich Zille

Mit einem in einem ganz anderen Genre tätigen Berliner Künstler war Max Liebermann sogar gut befreundet, obwohl dieser aus einer ganz anderen gesellschaftlichen Schicht kam als er selbst: Heinrich Zille (1858 – 1929). Der renommierte Maler sorgte dafür, dass der aus bescheidenen Verhältnissen stammende und als Lithograf bei der Photographischen Gesellschaft angestellte Zille seine Arbeiten auf den bahnbrechenden Ausstellungen der Sezession präsentieren konnte.

Zille Auktion München Scheublein

Heinrich Zille: Weeste, Orje, Du loofst ja wie een Sieb’nmonatskind. Kohle, Aquarell, 31,5 x 20,5 cm. Schätzpreis 15.000 Euro.

Die zwischen schonungslosem Realismus und unerschütterlichem Humor changierenden Blätter mit Motiven aus der Welt der kleinen Leute erwiesen sich als durchschlagender Erfolg; wenige Jahre später konnte Zille ausschließlich von den Einkünften seiner künstlerischen Tätigkeit leben. Bei SCHEUBLEIN liegen zwei mit 15.000 und 10.000 Euro angesetzte aquarellierte Tusch- und Kohlezeichnungen sowie eine Kreidezeichnung (Schätzpreis 1.200 Euro) vor.

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