Ergebnisse der September-Auktion (I): Schmuck, Kunst nach 1945, Miniaturen, Altmeister, Porzellan, Krippen

Ein Ring mit einem 27-karätigen Brillanten, ein Pan von Münchens Künstlerfürst Franz von Stuck oder Andy Warhols Hommage an die Jahrhundert-Choreographin Martha Graham: Die 73. Kunstauktion von SCHEUBLEIN Art & Auktionen wies eine ganze Fülle an Highlights auf. Auch in der Breite war das Angebot der September-Auktion überaus gefragt. Die Offerten bei Silber und Porzellan verkauften sich zu 85, die Objekte bei Möbel und Einrichtung zu 80 und das Kunsthandwerk sogar zu 100 Prozent. Über die ganze Auktion hinweg gerechnet, lag die Zuschlagsquote bei fast 80 Prozent.

Diamonds are a girl’s best friend

Wie zu erwarten, entbrannte eines der intensivsten Bietergefechte um den Ring mit dem 27,24-karätigen Brillanten. Der Stein vereint alle der begehrten fünf „Cs“ – Karat (Carat), Farbe (Colour), Reinheit (Clarity), Schliff (Cut) und ein Zertifikat (Certification) in sich und weist mit seiner leicht gelblichen Färbung gleich auch noch einen deutlich sichtbaren Echtheitsgaranten auf: Der Ton beweist, dass das Juwel auf natürliche Weise entstanden ist und nicht synthetisch im Labor hergestellt wurde. Der siegreiche Bieter ließ sich den außergewöhnlichen Stein einiges kosten: Er erhielt den Zuschlag für 343.000 Euro*

Im Blickpunkt: Andy Warhol und Martha Graham

Bei der Kunst nach 1945 standen unter anderem drei Farbserigraphien im Blickpunkt, die zugleich Zeugnis für eine ungewöhnliche Freundschaft ablegen: die von gegenseitigem Respekt geprägte Verbindung zwischen Pop-Art-Ikone Andy Warhol (1928 – 1987) und der Choreographin Martha Graham (1894 – 1991).
Als die von Graham ins Leben gerufene und nach ihr benannte Tanzkompanie 1986 ihr 60jähriges Jubiläum feierte und zugleich ihren Fortbestand für die kommenden Jahre absichern wollte, gestaltete der Pop Art-Künstler als Hommage an die Freundin und aus Bewunderung für ihre Kunst eine Serie von drei Serigraphien. Grundlage für die Drucke zu den drei Choreographien „Lamentation“, „Letter to the World“ und „Satyric Festival Song“ waren Schwarz-Weiß-Bildern der Fotografin Barbara Morgan aus den 1940er Jahren. Warhols Blätter wurden in verschiedenen Farbgebungen aufgelegt, um den verschiedenen Emotionen Ausdruck zu verleihen, die in den Tanzbewegungen mitschwangen. Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen vorliegenden, in Rot, Violett-Blau und Türkis gehaltenen Versionen gingen für 63.500 Euro* in den internationalen Kunsthandel.

Überaus gefragt: Miniaturen

jean-Baptiste Augustin Auktion München Scheublein

Jean-BaptisteAugustin: Mademoiselle Rognier. Silberrahmen, Diamantrosen, Haararbeit. Ergebnis 21.600 Euro*

Anna Vallayer-Coster Auktion München Scheublein

Anne Vallayer-Coster: Blumenstillleben. Öls auf Karton, datiert 1810. Ergebnis 19.000 Euro*

Fast 70.000 Euro* erlöste eine Passage mit insgesamt 16 Miniaturen, die nahezu vollständig verkauft wurde. Eine Frauendarstellung des Franzosen Jean-Baptiste Jacques Augustin (1759 – 1832) mit einem mit Diamantrosen und Haararbeiten geschmückten Silberrahmen ließ sich ein Sammler aus dem europäischen Ausland 21.600 Euro* kosten.
Ein Blumenstillleben von Anna Vallayer-Coster (1744 – 1818), einer Protegée von Marie Antoinette, ging für 19.000 Euro* in den Kunsthandel. Ein weiteres Damenporträt von Claude Jean-Baptiste Hoin (1730 – 1817) sowie eine „Dame mit Notenblatt“ aus dem späten 18. Jahrhundert ersteigerte ein privater Sammler für 5.700 bzw. 6.350 Euro*.

Claude jean-Baptiste Hoin Auktion München Scheublein Miniatur

Claude Jean-Baptiste Hoin: Damenporträt. Rahmen mit Diamantrosen. Ergebnis 5.700 Euro*

Miniatur Auktion München Scheublein

Miniatur: Dame mit Notenblatt. Frankreich, Ende 18. Jh. Rahmen 14 K GG. Ergebnis 6.350 Euro*

Alte Meister: Blumenstillleben Top

Drei auf dunklem Grund gehaltene Blumenstillleben – zwei von einem niederländischen, eines von einem österreichischen Meister – standen am 24. September im Blickpunkt bei den altmeisterlichen Gemälden. Zum Spitzenlos der Kategorie entwickelte sich Abraham de Lusts (tätig 1650 – 1659) barockes „Blumenstillleben mit Schmetterling“, das für 16.500 Euro* in den internationalen Kunsthandel ging. Ein privater Sammler sicherte sich mit einem Gebot von knapp 8.000 Euro* ein „Blumenstillleben mit Früchten“ aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.

Abraham de Lust Blumenstillleben Auktion München Scheublein

Abraham de Lust: Blumenstillleben mit Schmetterling. Öl auf Leinwand, Ergebnis 16.500 Euro*

Bereits dem Rokoko zuzuordnen ist der Wiener Blumenspezialist Johann Baptist Drechsler (1856 – 1811), der zwar noch von der niederländischen Blumenmalerei beeinflusst war, sich aber um eine naturalistischere Wiedergabe der Blüten bemühte. Damit beeinflusste er auch die naturwissenschaftliche Pflanzendarstellung seiner Zeit; außerdem gilt Drechsler als Begründer der Wiener Schule der Blumenmalerei. Sein „Stillleben mit Blumen in Glasvase“ wurde für 5.100 Euro* ebenfalls von einem privaten Liebhaber ersteigert.

Meissen: Teures Täubchen

Trommeltaube Meissen Auktion München Scheublein

Trommeltaube. Meissen, 18. Jh. (?), nach Entwurf von J. J. Kaendler. Ergebnis 9.300 Euro*

Die Trommeltaube, die Johann Joachim Kaendler (1706 – 1775) als Vorbild für die vorliegende Porzellanfigur diente, flatterte tatsächlich einmal in den Volièren von Moritzburg. In dem Jagdschloss bei Dresden hielt sich Kurfürst August der Starke, wie bei Herrschern seines Ranges üblich, eine Auswahl seltener Vögel. 1731 führte die nahegelegene Meissener Manufaktur mit Vogelfiguren, die diesen Tieren nachgebildet wurden, ein in der europäischen Porzellankunst bis dahin nicht gekanntes Genre ein: fast lebensgroße Vogel- und Kleintierplastiken, die für das japanische Palais Augusts bestimmt waren und damit ein porzellanenes Pendant zu jenen fürstlichen Menagerien bilden sollten, mit denen sich Adelige sinnbildlich zu Herrschern der Welt erklärten. Die bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigerte, wahrscheinlich bereits im 18. Jahrhundert nach Kändlers Entwurf geformte Figur kletterte bis auf 9.300 Euro* und ging in den Kunsthandel.

Krippen: Gesuchte Heilsgeschichte

Engelskrippe Auktion München Scheublein

Engelskrippe. München, 18./19. Jh. Holz, geschnitzt. Ergebnis 11.400 Euro*

Zwei Krippen, die zwar der kirchlichen Tradition, aber nicht ganz unserer heute gängigen Auffassung von Weihnachtskrippen entsprechen, standen beim Kunsthandwerk im Blickpunkt. Beide Spitzenlose aus diesem Bereich zeigen nicht, wie gewohnt, das Heilige Paar mit dem Neugeborenen, Hirten, Volk und Heiligen Drei Königen, sondern Facetten und weitere Episoden des Heilsgeschehens. Eine im München des 18. oder 19. Jahrhunderts entstandene „Engelskrippe“, die – wie der Name schon sagt – das Christuskind im Kreis des Chors der Engel zeigt, kletterte bis auf 11.400 Euro*.

Krippe Kindermord Auktion München Scheublein

Ca. 64 Figuren: Bethlehemitischer Kindermord. Süddeutschland / München, 18./19. Jh. Holz, geschnitzt, bekleidet. Ergebnis 9.500 Euro*

Eine aus 64 Figuren bestehende, ebenfalls im 18. oder 19. Jahrhundert angefertigte Krippe zeigt in aller Drastik den Bethlehemitischen Kindermord – mit brutalen Soldaten, auf ihre Hinrichtung wartenden Kleinkindern und verzweifelt um Gnade flehenden Müttern. Sie erzielte 9.500 Euro*. Beide Krippen wurden für den musealen Bereich erworben.

 

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