Ergebnisse der September-Auktion (II): Gemälde / Skulptur / Graphik / Möbel

Figuren der arkadischen Welt, Faune vor allem, gehörten spätestens seit der Jahrhundertwende zum immer wiederkehrenden Figurenrepertoire des Münchner Künstlerfürsten Franz von Stuck (1863 – 1928). Ein besonders prominentes Beispiel dafür – ein 1917 in Öl auf Holz gemalter „Pan (Sommer)“ – war in der September-Auktion das Highlight bei den Gemälden nach 1800.

Franz von Stuck: Ein Malerfürst und die pagane Welt

Die Haltung des darauf dargestellten, syrinx-blasenden Hirtengotts entspricht exakt einem Faun-Relief im Vestibül der Villa Stuck.„Stuck löste die pagane Welt aus ihrem landschaftlichen Kontext, um ihr Handeln umso freier als Vergegenwärtigung allgemeinmenschlicher Verhaltensweisen im allgemeinen und der Sinnenlust im besonderen zu interpretieren“, analysiert die Münchner Stuck-Spezialistin Margot Brandlhuber die Herangehensweise des Malers im Umgang mit derartigen Motiven. Oft sind sie im Werk Franz von Stucks mit einer ironischen Brechung verbunden, beispielsweise im berühmten, ebenfalls in der Villa Stuck befindlichen Gemälde „Dissonanz“, auf dem sich ein älterer Faun angesichts der ersten Versuche des Nachwuchses an der Panflöte die Ohren zuhält. Für die Figur des älteren Fauns auf diesem Bild saß sich der Maler sogar selbst Modell. Auf dem bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen versteigerten Gemälde (oben) ist von solchen Dissonanzen nichts zu spüren: Der Flöte blasende Hirtengott steht harmonisch inmitten einer friedlichen Landschaft vor einem blauen, von Wolken durchzogenen Himmel. Für dieses Idyll bot ein privater Sammler 57.000 Euro*.

Francois-Xavier Lalanne: 71.000 Euro* für ein Vögelchen

Mit seinem einzigartigen Amalgam aus klassischer Tierplastik, Surrealismus und dekorativer Ästhetik begeistert der Bildhauer François-Xavier Lalanne (1927 – 2008) seit Jahrzehnten eine Vielzahl an Sammlern. Gesucht sind sowohl räumlich ausladende als auch überaus handliche Objekte. Ein Beispiel für letzteres: Die Bronze „Oiseau bleu“, von der eine Ausfertigung bei SCHEUBLEIN Art & Auktionen angeboten wurde. Sie ging für 71.000 Euro* in den internationalen Kunsthandel.

Graphik: Winterstimmung von Franz Skarbina

Eine weitere, gleich mit mehreren Toplosen auffallende Kategorie war bei der Septemberauktion die Graphik:
Winterliche Dämmerstunden in Berlin: Derartige Motive waren die Spezialität des Impressionisten Franz Skarbina (1849 – 1910). Der Maler war einer der ersten, der sich mit der Wirkung von leuchtenden Straßenlaternen, Straßenbahnen oder Litfaßsäulen beschäftigte – alles Innovationen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert erst begannen, das Stadtbild zu prägen. Das Pastell „Winterlicher Spätnachmittag in Berlin“, das die Reflexionen des künstlichen Lichts auf dem Schnee in den Fokus nimmt, ging für 10.800 Euro* in den Kunsthandel.

Franz Skarbina Auktion München Scheublein

Franz Skarbina: Winterlicher Spätnachmittag in Berlin. Pastell, 50 x 65 cm, Ergebnis 10.800 Euro*

Utrillo in den Ruinen

12.700 Euro* bot ein Privatsammler für eine Gouache von Maurice Utrillo (1883 – 1955). Das aus dem Jahr 1935 stammende Blatt zeigt die Ruine der Abtei von Jumièges und steht in enger Verbindung mit einem ein Jahr später entstandenen Ölgemälde. Das Jahr, in dem er die Gouache malte, markierte für den von privaten Krisen und seiner Alkoholkrankheit erschütterten Maler einen Wendepunkt: Er heiratete die fünf Jahre ältere Witwe eines seiner bedeutendsten Sammler. Die spätere Entwicklung dieser Ehe wird von Kunsthistorikern sehr unterschiedlich bewertet; fest steht jedoch, dass sie nach Jahrzehnten der inneren Unruhe eine gewisse Stabilität in das Leben des Künstlers brachte. Möglicherweise schwingt diese neue Ruhe auch in der Gouache mit, die Utrillo von der unweit des Ärmelkanals gelegenen Kirchenruine anfertigte.

Frankreichs Damenwelt

Eine mit Pinsel und brauner Tinte ausgeführte Darstellung der erst 16-jährigen Marie-Antoinette des Pariser Zeichners und Illustrators Jean-Michel Moreau (1741 – 1814) wurde für 9.800 Euro* einem privaten Bieter zugeschlagen. Eine dem Impressionisten Pierre-Auguste Renoir (1841 – 1919) zugeschriebene Rötelzeichnung einer Dame mit Hut wurde für 5.700 Euro ebenfalls von einem privaten Sammler ersteigert.

Der Zahn der Zeit

Sägeuhr Auktion München Scheublein

Sägeuhr, Barock. Holz, Gold- und Farbfassung. Ergebnis 9.500 Euro*

Zum Spitzenlos der Kategorie „Möbel und Einrichtung“ entwickelte sich eine wohl barocke Sägeuhr. Bei ihr benötigt das Uhrwerk keine separaten Gewichte, da die Uhr selbst als solches fungiert und an einer Zahnstange allmählich abwärts gleitet. Ein Zahnrad im Inneren des Uhrwerks greift in die Zähne der Stange und treibt so das Uhrwerk an. Für 9.500 Euro* ging das Stück in den Handel.

* alle Preisangaben inkl. 27 % Aufgeld.

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