Highlights der 72. Kunstauktion (III): Die unbekannteren Seiten des Carl Spitzweg
Beim Spitzenlos der Auktion am 19. März zeigt sich ein Klassiker der Münchner Schule von einer nicht ganz so geläufigen Seite: Carl Spitzweg. Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts ist er nicht mit einem kleinbürgerlichen Idyll vertreten, sondern mit einem “Betenden Mönch in einer Felshöhle”.
Spitzweg: Ein vielseitig interessierter Kunstmarkt-Liebling
Im Gedächtnis geblieben ist Carl Spitzweg (1808 – 1885) wegen seiner humoristischen, gezielt auf eine Pointe hin konstruierten Bildinszenierungen primär im kleinbürgerlichen Milieu. Dabei war der Münchner Maler weitaus vielseitiger: Er betrieb umfassende Landschaftsstudien, stand in regem Austausch mit Künstlerkollegen wie Eduard Schleich d. Ä. oder Eduard Grützner, unternahm immer wieder Reisen oder informierte sich über innovative Kunsttrends, beispielsweise 1850 vor Ort bei den Malern der Schule von Barbizon. Und er ließ in sein Werk immer wieder auch seine fundierten naturwissenschaftlichen Kenntnisse einfließen, über die er aufgrund seines Pharmazie-, Botanik- und Chemiestudiums zurückgreifen konnte – Spitzweg war ausgebildeter Apotheker –, oder die er sich, etwa zu den Themen Bergbau und Geologie, im Lauf der Jahre aneignete.
Spitzwegs Weg ins Idyll
So entstanden, vor allem ab ca. 1855, auch Werke, die vom Fokus auf einer humorvollen Bilderzählung abwichen und stattdessen das menschliche Agieren inmitten einer oft gewaltigen, das Bild dominierenden Wald- oder Bergkulisse in den Blick nahmen. Protagonisten solcher Bilder sind Wissenschaftler, Sennerinnen und immer wieder auch Einsiedlermönche. „Die Bergeinsamkeit, die dennoch den Menschen aufnimmt und ihm Schutz bietet, ist eine Idylle, ein Ort der Sehnsucht und der Geborgenheit. Je älter er wurde, desto weniger kreist Spitzwegs Malerei um die karikaturhaft überzeichnete Figur, desto öfter hat er Idyllen gemalt.“ Spitzweg-Experte Jens Christian Jensen schreibt dies zur Darstellung eines vor seiner auf einem Felsabriss gelegenen Klause musizierenden Eremiten. Die Aussage trifft aber auch auf den vorliegenden „Betenden Mönch in einer Felsenhöhle“ zu.
Eine Kirche der Natur
Er verrichtet sein Gebet tief im Inneren seiner Einsiedelei, in einer hohen Grotte, die vor allem wegen ihrer an ein Gewölbe erinnernden Decke eine beinahe kirchenhaft andächtige Atmosphäre verströmt. Seitlich einfallendes Tageslicht beleuchtet das aufgestellte Marienbild und den nur behelfsmäßig eingerichteten Altar. Der Eremit und sein liturgisches Mobiliar wirken auf dem stark hochformatigen Gemälde jedoch beinahe wie Randnotizen. Die eigentliche Gottesgegenwart, so scheint es, manifestiert sich, vom Einsiedler in diesem Moment unbemerkt, jenseits der Gesteinsschichten und der steilen, in den Stein gehauenen Treppe im wie ein Auge dargestellten Höhleneingang, durch den der Glanz des blauen Sommerhimmels hereinfällt.
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